Bordeaux Highlights und Bordeaux Weine – ein Besuch zur Weinlese
Woran denkst du, wenn du Bordeaux hörst? Denkst du an den Wein, die Stadt, oder an beides oder nur an die Farbe? Wir haben im Vorfeld viel Gutes über die neuntgrösste Stadt Frankreichs gehört und sind gespannt auf die Stadt und die Weinbaugebiete. Deshalb verbinden wir den Besuch der Stadt Bordeaux mit ihren Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen in der Weinregion. Tagesausflüge führen uns ins Médoc und nach Saint-Émilion zur Weinlese.
Ein Roadtrip lebt von seinen Kontrasten. Vom Mittelmeer, wo wir Sète und die felsigen Schluchten des Hérault sowie das alte Grenzgebiet entlang der Pyrenäen besucht haben, wechseln wir von der Hitze des Mittelmeers an die angenehm kühle Brise des Atlantiks.
Unser erster Eindruck von Bordeaux ist trotz des Verkehrs entspannt. Am breiten Ufer der Garonne flanieren die Menschen. Ein Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker und legt später am Abend noch ab.
In diesem Beitrag zeige ich dir unsere Bordeaux Highlights für deine Städtereise. Ausserdem geht es um den berühmten Wein. Wir folgen der Route des châteaux ins Médoc und der Gironde bis zu ihrer Mündung. Auf einem weiteren Tagesausflug ab Bordeaux erkunden wir die Weinbauregion um Saint-Émilion und die helle Stadt aus Kalkstein. Wir nehmen in jedem der berühmten Weinanbaugebiete an einer Weinführung teil und lernen viel über die traditionelle Erntearbeit und den Geschmack der Weine.

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Praktische Reisetipps Bordeaux
Bordeaux ist die Hauptstadt der Region Nouvelle-Aquitaine und schmiegt sich elegant an eine markante Kurve der Garonne. Geografisch bildet die Stadt das Herzstück der französischen Westküste. Westlich lockt der offene Atlantik mit bekannten Küstenorten wie Lacanau oder der berühmten Bucht von Arcachon samt der riesigen Dune du Pilat. Für Weinfreunde ist die Metropole ohnehin das perfekte Drehkreuz. Das Médoc erstreckt sich direkt nördlich entlang der Gironde-Mündung, während das mittelalterliche Saint-Émilion östlich auf dich wartet.
Viele Reisende verbinden die Region mit einem Strandurlaub an der Westküste. Für uns war Bordeaux jedoch der ideale urbane Ausgangspunkt um die Stadt und die Weingebiete zu erkunden, bevor unser Roadtrip dann weiter nach La Rochelle führt.

Anreise
Bordeaux ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Du erreichst die Stadt nonstop per Flugzeug von Zürich oder Basel. Auch von anderen deutschsprachigen Flughäfen wird Bordeaux angeflogen, aber nonstop-Flüge sind tages- und saisonabhängig.
Wer die Reise lieber entspannt auf Schienen antritt, für den ist die Bahn eine echte Alternative. Ab Paris (Gare Montparnasse) fährt der TGV dank einer modernen Hochgeschwindigkeitsstrecke in gerade einmal gut zwei Stunden ins Zentrum von Bordeaux (Gare Saint-Jean).
Bitte beachte bei der Planung deiner Reise, dass du für die Erkundung des Médoc oder der Weingebiete rund um Saint-Émilion ein Auto oder Mietwagen* brauchst. Deshalb haben wir Bordeaux in einen Roadtrip eingebaut.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
Übernachtung
Unterkünfte in Bordeaux* gibt es zahlreiche. Achte darauf, dass du möglichst zentral wohnst, damit du mit Bus und Tram einfach zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Bordeaux kommst.
Da du aber ein Fahrzeug für die Erkundung der Weinbaugebiete benötigst, wenn du nicht gerade an einem organisierten Tagesausflug ab Bordeaux teilnehmen willst, musst du bei der Übernachtung darauf achten, dass die Unterkunft einen Parkplatz hat.
Allerdings sollte man in Frankreich stets nachfragen, für welche Grösse eines Fahrzeugs der Parkplatz geeignet ist. Wir jedenfalls haben Abstand davon genommen, uns mit eingeklappten Aussenspiegeln irgendwie auf den uns in der Garage zugewiesenen Platz an der Wand zu navigieren. Vor allem, weil wir so auch wieder rückwärts auf die Hauptstrasse hätten einbiegen müssen. Da es an der Strasse jedoch genügend Parkplätze gab, die über Nacht kostenlos waren, haben wir uns schlussendlich so beholfen.
Öffentliche Verkehrsmittel
Bordeaux ist hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Das Netz der TBM (Transports Bordeaux Métropole) kombiniert Tram, Bus und sogar Flussfähren nahtlos. Am einfachsten ist es, wenn sich eine Person aus der Familie die App „TBM mobilités“ herunterlädt.
Die Anwendung ist gleichzeitig ein praktischer Routenplaner. Du gibst von deinem aktuellen Standort aus einfach dein Ziel ein, wie beispielsweise die Bassins des Lumières, und die App zeigt dir in Echtzeit die perfekte Verbindung inklusive aller Umstiege an.
Vor der Fahrt kauft man die gewünschten Tickets direkt in der App. Der Betrag wird von der Kreditkarte abgebucht. Vor dem Einsteigen schaltet man Bluetooth am Mobiltelefon ein und wählt in der App die Anzahl der mitfahrenden Personen aus. Jetzt nur noch auf „Validieren“ tippen, das Smartphone an das kontaktlose Entwertungsgerät im Fahrzeug halten und alle Personen sind gleichzeitig eingecheckt.
Mit einer 10er-Karte (Journeys) fährt man am günstigsten. Man kann auch Einzelfahrten kaufen. Die Fahrt ist eine Stunde gültig. Man kann umsteigen, muss aber neu entwerten (das Mobiltelefon ans Lesegerät halten). Das Gerät erkennt selbst, wann die Stunde um ist.

Wer viel fährt, für den ist unter Umständen das 24-Stunden-Ticket interessant. Es lohnt sich aber gegenüber Einzelfahrten erst ab der 4. Fahrt und gegenüber der günstigeren 10er-Karte sogar erst ab der 5. Fahrt.
Für Touristen gibt es auch den Bordeaux City Pass. Er kombiniert kostenlose Fahrten mit dem ÖV und kostenlose Eintritte etwa in die Cité du Vin oder die Bassins des Lumières. Kostenlose Eintritte sind aber teilweise an bestimmte Uhrzeiten gebunden. Genaue Informationen zum Bordeaux City Pass findest du auf der Website.

Bordeaux: Zwischen Magie und Wein
Wer nach Bordeaux reist, sucht vergeblich nach der Farbe, die diesen Namen weltberühmt gemacht hat. Die Stadt präsentiert sich in einem hellen, freundlichen Gewand, das das Tageslicht sanft schluckt. Bordeaux funkelt nicht. Zumindest nicht so, wie das Licht in einem Glas des gleichnamigen Weins.
Das wahre Herz der Metropole schlägt heute direkt am Fluss. Wo einst graue Hafenmauern standen, nutzen die Menschen nun ein grosszügiges Uferband zum Flanieren, Joggen und Radfahren. Highlights wie der Miroir d’Eau machen Lust, die historische Fassade der Altstadt zu erkunden. Die ausgefallene Architektur der Cité du Vin in Form eines Weindekanters lässt Vorfreude auf ein Gläschen am Abend aufkommen. Und selbst der Hässlichkeit der alten U-Boot-Bunker kann man durch Lichtinstallationen Magie abgewinnen.
Bordeaux ist eine Stadt der Kontraste. 60 Kilometer vom Atlantik entfernt und doch künden Kreuzfahrtschiffe von der Nähe zum Meer. Die Gezeiten bestimmen das Ein- und Auslaufen. Ein Spektakel, wenn der Autoverkehr stoppt und die Hebebrücke in den Himmel fährt.
Unsere Highlights der Bordeaux Sehenswürdigkeiten befinden sich alle auf der linken Seite der Garonne.

Miroir d’Eau
Das Spiegelbecken in Bordeaux ist eines meiner Highlights und hat mich nicht losgelassen, sodass ich mehrfach zu unterschiedlichen Tageszeiten dort war. Doch der Reihe nach.
Tatsächlich gibt es diese riesige, etwa 3450 Quadratmeter grosse Spiegelfläche erst seit 2006. Vor der Umgestaltung des Flussufers muss Bordeaux sehr hässlich gewesen sein, trotz der historischen Bausubstanz.
Der französische Landschaftsarchitekt Michel Corajoud und der Brunnenbauer Jean-Max Llorca wurden vom regelmässigen Hochwasser inspiriert, das den Markusplatz in Venedig flutet und den Himmel reflektiert. So schufen sie diese grosse, spiegelnde Granitfläche, unter der sich ein Wassertank befindet. Ein Computersystem steuert das Befüllen der Platten mit einem spiegelnden Wasserfilm. Dieser läuft nach einiger Zeit wieder ab, nur um ein noch spektakuläreres Erlebnis zu befeuern. Wenn das Wasser aus Düsen zurückkehrt, wird es neblig und die Spiegelung der klassizistische Fassade des Place de la Bourse aus dem 18. Jahrhundert wird von den Nebelschwaden des Miroir d’Eau geschluckt.

Der sich unendlich spiegelnde Himmel, der mit der Garonne und dem Spiegelbecken verschmilzt, und die Nebel von Bordeaux sind schon fantastisch. Aber wenn sich abends die Lichter im Spiegel brechen und sich die historischen Gebäude spiegeln, wird es atemberaubend. Und das scheine nicht nur ich so zu empfinden. Abends fängt hier das Leben erst richtig an.

Mobile Essenstände und Livemusik am Beckenrand. Und das Spiegelbecken verwandelt sich dann sogar in eine Tanzfläche. So viele Gänsehautmomente, auch wenn ich versucht habe, das Becken ohne Menschen zu fotografieren.
Cité du Vin – lohnt sich ein Besuch?
Ein Museum und Geschäfte in einem Weindekanter, das macht neugierig, auch wenn der Eintrittspreis erst einmal abschreckend wirkt. Irgendwie weiss man ja nicht, was einen in einem Weinmuseum erwartet. Und nur für den Ausblick vom Dekanterhals zu bezahlen, wäre es zu teuer.

Bei uns siegte die Neugier und wir wurden nicht enttäuscht. Die Cité du Vin ist ein interaktives Museum, bei dem du herausfinden kannst, ob du zum Sommelier oder Kellermeister taugst. Du kannst deine Sinne an Duft- und Aromastationen testen. Nur hätten wir viel mehr Zeit einplanen müssen.
Per Audioguide tauchst du tief in die Kulturgeschichte des Weins ein. Das fängt in der Antike an. Neben Grabbeigaben gab es im alten Ägypten das Fest der Trunkenheit für die Göttin Hathor. Der Mythos besagt, dass Sonnengott Ra die Menschheit vor ihr rettete, indem er Wein und Bier rot einfärbte. Hathor hielt es für Blut, trank sich in einen Rausch und vergass ihren Zorn. Bei den Griechen begannen Trinkgelage mit Weinopfern auf dem Boden. Mit Wasser vermischt sollte der Wein den Geist öffnen. Den Römern war das egal, sie feierten Bacchus im exzessiven Rausch.
Aus diesen Wurzeln entwickelte sich das christliche Abendmahl. Das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern war ein jüdisches Passahmahl. Beim Passahfest trank man vier Becher Wein, um an die Befreiung aus der Sklaverei zu erinnern. Der Wein stand hier für Freude und die Erlöserkraft Gottes. Jesus bricht beim Abendmahl mit der reinen Tradition und vollzieht eine radikale, symbolische Transformation, die den Wein endgültig mit dem Leben verknüpft.
Neben der Geschichte des Weins geht es natürlich auch um Weinanbaugebiete und Weinbau in aller Welt. Filme und Interviews nehmen dich mit.
Alles in allem ist die Cité du Vin ein sehr interessantes Museum. Der Besuch wird gekrönt mit einer kleinen Weinverkostung in der oberen Etage. Mit einem Glas Wein in der Hand kann man die Aussicht auf Bordeaux geniessen.

Bassins des Lumières
Beim Anblick dieser U-Boot-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg denke ich nur: „Oh Gott, sind die hässlich.“ Vielleicht noch hässlicher als die Bunker in Saint-Nazaire an der Loire-Mündung, wenn das überhaupt geht.

Warum sprengt man die nicht einfach, geht es mir durch den Kopf. Die Antwort ist simpel. Es geht nicht, ohne halb Bordeaux in Schutt und Asche zu legen. Nicht einmal die Fliegerbomben haben es geschafft durch den Stahlbeton zu kommen.
Während die Bunker in Saint-Nazaire als Museum und Aussichtspunkte genutzt werden, geht Bordeaux einen anderen Weg und nutzt die Bunker als spannende Orte für immersive Lichtshows ähnlich wie Zürich die Maag Halle.
Als wäre es extra für mich bestellt, läuft „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. „Man sieht nur mit dem Herzen gut …“ Französisch muss dabei niemand verstehen. Die Bilder verwandeln die Bunkerwände in eine magische Welt und spiegeln sich in den Wasserbecken. Die rohe Hässlichkeit des Ortes verschwindet.

Antoine de Saint-Exupéry hatte, obwohl in Lyon geboren, echte Winzer-Wurzeln. Sein Urgrossvater, Jean-Baptiste de Saint-Exupéry, kaufte 1827 ein geschichtsträchtiges Weingut in Margaux, knapp 30 Kilometer nördlich von Bordeaux im Weinanbaugebiet des Médoc. Château Malescot Saint Exupéry gibt es heute noch, auch wenn der Besitzer gewechselt hat.
Der Besuch der Bassins des Lumières gehört für uns zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Bordeaux. Nebenan liegt ein kleiner Hafen. Ein Open-Air Restaurant (Effet Mer Terrasse) mit verschiedenen Essständen bietet kulinarische Abwechslung.
Bummel entlang der Garonne und durch die Altstadt
Was zwischen dem Besuch der Sehenswürdigkeiten von Bordeaux verloren geht, ist das Flair der Stadt. Die Uferpromenade hat es uns angetan, auch wenn man gut aufpassen muss, um nicht umgerannt zu werden oder unter die Räder zu kommen, wenn man ans Geländer des Flusses gelangen möchte. Fahrräder, Inline-Skater, Jogger und Fussgänger teilen sich den Raum am Flussufer in einem lebendigen Chaos.
Die klassizistischen Häuserfassaden auf der anderen Seite der Strasse wirken dagegen sehr aufgeräumt und streng. Erst das Spiegelbecken führt wieder zusammen, was geteilt erscheint. Die Altstadt erkunden wir ohne Plan und lassen uns treiben. Ein Stadttor, Geschäfte, die Kirche, schmale Gassen, breite Plätze mit vielen Restaurant-Tischen auf der Strasse. Im hellen Licht des Morgens wirkt alles ein wenig schmuddelig.

So fahren wir mit dem öffentlichen Verkehr zu den Bassins des Lumières und am Nachmittag in die Cité du Vin, denn wer will schon morgens Wein verkosten.
So richtig lebendig wird Bordeaux am Abend. Wir suchen uns ein Restaurant und dann beobachten wir am Fluss, wie sich der Pont Jacques Chaban-Delmas ganz langsam hebt und schliesslich das Kreuzfahrtschiff hindurchfährt. Rein optisch hätten wir nicht gedacht, dass es passt.
Anschliessend bummeln wir entlang des Flussufers. Jetzt hat die Garonne richtig Strömung. Im Licht der untergehenden Sonne sticht ein Riesenrad ins Auge, aber uns zieht es wieder zum Spiegelbecken, wo wir die Faszination der Lichter in uns aufnehmen und sanft zur Musik wiegen.

Ausflug ins Médoc-Weingebiet
Nördlich von Bordeaux, direkt auf der linken Flussseite der Gironde, verläuft die berühmte Route des châteaux. Diese legendäre Weinstrasse folgt als D2 dem Flusslauf nach Norden und verbindet auf 80 Kilometern die prestigeträchtigsten Weingüter der Welt. Viele dieser Märchenschlösser wurden im 19. Jahrhundert erbaut und zeigen den Reichtum der Besitzer dieser Weingüter.
An einigen halten wir an und schauen, aber zur Weinlese scheinen alle sehr beschäftigt zu sein. So nutzen wir die Chance und halten am Maison du Vin in Margaux an. Es fungiert vor Ort als zentrales Schaufenster und Tourismusbüro der gesamten Weinregion. Die nette Dame hat sofort eine Idee und vermittelt uns eine private Tour im Château Dauzac.
Anschliessend geht es weiter auf der Route des châteaux bis zur Mündung der Gironde in den Atlantik. Für den Weg muss man zur Weinlese Zeit mitbringen, denn die grossen Erntemaschinen und Traktoren halten den Verkehr auf der Strasse auf.

Spontane Weinführung auf Château Dauzac
Das Château Dauzac liegt wunderschön eingebettet in einem grossen Park. Ein Schloss sucht man allerdings vergeblich. Man erwartet uns schon und fängt gleich mit der Tour an.

Hier wird ein geschichtsträchtiger Grand Cru Classé der fünften Stufe produziert. Auf diese Klassifizierung von 1855 bilden sich die Weingüter mächtig viel ein. Die Klassifizierung geht zurück auf Napoleon III., der zur Weltausstellung in Paris den Besuchern die Weine aus Bordeaux erklären wollte. Deshalb liess er die besten Weingüter der Region bewerten. Die damaligen Weinhändler erstellten daraufhin eine Rangliste, die sich strikt nach dem Marktwert und dem Ruf der Weine über die Jahrzehnte davor richtete.
Von den damals ungefähr 1.000 Weingütern schafften es nur etwa 60 auf die Rangliste. Insofern ist Stufe 5 immer noch hervorragend, liegt preislich jedoch nicht ganz jenseits von Gut und Böse. Für uns nicht nachvollziehbar ist allerdings die Tatsache, dass das System seit damals in Stein gemeisselt ist. Es gibt keine Aufsteiger und keine Verlierer, egal welche Qualität der Wein heute hat.
Château Dauzac besitzt Weinberge direkt an der Gironde und jenseits der Strasse. Das bedeutet, dass die Reben auf sehr unterschiedlichem Terroir wachsen. Die Kies- und Schotterbänke am Fluss bringen die besten Rotweine hervor. Der Wein muss tiefe Wurzeln bilden, um an Nährstoffe und Wasser zu gelangen und profitiert vom Mikroklima, denn der Kies gibt nachts Wärme ab. Ausserdem wirkt die Gironde als Puffer und schützt vor Kälte und zu grosser Hitze. Deshalb wachsen die besten Bordeaux Weine am Fluss.
Jenseits der Strasse findet man Ton- und Sandböden. Dort werden eher Merlot Trauben angebaut, die für einfache AOC Bordeaux Abfüllungen genutzt werden.

Der anschliessende Blick in den Weinkeller zeigt moderne Stahlbehälter, klassische alte Holzfässer und auch Tonamphoren, in denen ganz besondere Weine für die spätere Beimischung reifen.
Unsere ehrliche Bordeaux-Wein-Erkenntnis
Am Ende der Führung wartet die Verkostung. Drei unterschiedlich kräftige Château-Dauzac-Weine stehen für uns bereit. Das Prozedere folgt dem klassischen Dreiklang. Erst begutachtet man die Farbe im Glas, dann schwenkt man es leicht, um an den Aromen zu riechen. Der erste Schluck bereitet den Gaumen auf das Geschmackserlebnis vor, welches sich dann beim zweiten Schluck vollends ausbreitet.
Alle Weine, die wir verkosten, sind Cuvées, das heisst Mischungen aus den Cabernet-Sauvignon-Trauben der Kiesbänke an der Gironde und Merlot-Trauben. Dennoch schmecken die Weine komplett unterschiedlich. Und das hängt mit der Kunst des Kellermeisters zusammen. Das Stichwort lautet Selektion. Diese bestimmt auch den Preis der Bordeaux-Weine.
Für den teuersten Wein werden nur die allerbesten und ältesten Weinstöcke verwendet. Die prozentuale Mischung aus Merlot und Cabernet-Sauvignon entscheidet also nicht allein über den Geschmack. Wir, die wir die kräftigen Malbec-Weine in Argentinien und Shiraz-Weine in Australien lieben gelernt haben, müssen feststellen, dass wir erst bei den teuren Bordeaux Weinen auf den Geschmack kommen, wenn die Beerenaromen sich mit seidiger Eleganz verbinden.

Roadtrip entlang der Gironde
Mit diesen tollen Eindrücken im Gepäck setzen wir unsere Fahrt auf der Route des châteaux fort. Nur wenige Kilometer weiter, unweit des Dorfzentrums von Margaux neben der Église Saint-Michel, besuchen wir das imposante Château Marquis de Terme. Dieses Weingut hat ein kleines Museum zur Geschichte mit Empfangsdame. Allerdings gibt es hier absolut keine Führungen zur Weinlese und auch keinen Blick in den Weinkeller.
So laufen wir kurz zur Kirche, die uns mit Notfallnummern begrüsst, weil so viele Kirchen in Frankreich brennen. Ausserdem bekommen wir einen Eindruck davon, wie aufwändig es ist, all die leuchtend gelben Mauern des Weingutes zu unterhalten.
Danach setzen wir unseren Weg fort. Nächster Halt ist Fort Médoc, eine der vielen Vauban-Festungen.
Die Vauban-Festung Fort Médoc
Der Mündungstrichter der Gironde erstreckt sich vom Atlantik bis zum Zusammenfluss von Dordogne und Garonne über 75 Kilometer Länge. Für den Handel war er von enormer Bedeutung. Kein Wunder also, dass dieser Handelsweg geschützt werden musste.
Vauban, der Festungsbauer von Ludwig dem XIV., entschied sich, die Gironde bei Blaye komplett mit drei Befestigungsanlagen abzuriegeln. Die Citadelle von Blaye und Fort Médoc stehen sich an der dort ungefähr 3 km breiten Gironde schräg gegenüber. In der Mitte des Flusses gibt es auf einer künstlichen Insel noch eine weitere, kleinere Festung: das Fort Pâté.
Wir betreten Fort Médoc durch das Königsportal und schauen auf der gegenüberliegenden Seite am Fluss auf das prachtvolle Wachgebäude. Dazwischen befindet sich erstaunlich viel freier Raum. Die Festung hat an den vier Ecken sogenannte Bastionen, die die Verteidigung ohne toten Winkel ermöglicht. Verbunden sind die Bastionen durch Erdwälle, die sowohl zum Hochwasserschutz als auch Kanonenkugel-Fänger dienten, auf deren Wehrgängen man patrouillieren konnte.


Die Gebäude, in denen die Soldaten wohnten, sind heute nicht mehr vorhanden. Dafür steht etwas abseits noch das Pulverhaus.

Wir sind erstaunt, wie unterschiedlich Vaubans Festungen aussehen können, etwa im Vergleich zum Tour Vauban in Camaret-sur-Mer auf der Halbinsel Crozon oder anderen Festungen an der Küste. Wir lernen, dass er hier am Fluss geschickt die Gegebenheiten ausnutze. Die Festung ist gut getarnt. Er verwendete die Materialien, die vorhanden waren, Erde und Wasser und baute ein ausgeklügeltes System aus Wassergräben und Erddämmen.
Der Komplex aus den drei Festungen – Fort Médoc, Citadelle von Blaye und Fort Pâté – gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe der Vauban-Festungsbauten, neben 11 weiteren Befestigungsanlagen von den ungefähr 150 bis 200 Anlagen, die Vauban im ganzen Land gebaut oder verstärkt hat.
Phare de Richard und Stelzenhäuser
Nächster Stopp entlang unserer Tour durch das Médoc ist der Leuchtturm Phare de Richard. Aber vorher macht der Weg dem Namen Route des châteaux noch einmal alle Ehre.

Ein Leuchtturm an einem Fluss, ist erst einmal verwunderlich, aber offensichtlich gibt es durch die Gezeiten in der Gironde wanderne Schlammbänke und Untiefen. Der Phare de Richard, der schon lange nicht mehr in Betrieb ist, steht hinter einem Damm der Gironde und ist ein beliebter Picknickplatz. Besuchen konnten wir ihn nicht.

Uns jedoch haben vielmehr die Stelzenhäuser am Wasser fasziniert. Die Carrelets, nach dem Fischernetz benannt, nutzen die Gezeiten. Bei Flut wird das Netz in den schlammigen Boden ganz ohne Köder hinabgelassen. Nach einiger Zeit wird das Netz möglichst schnell nach oben gekurbelt. Mit etwas Glück zappeln dann Nordseegarnelen, kleine Strandkrabben, Meeräschen oder Schollen im Netz.

Mündung der Gironde
Die Zeit schreitet unablässig voran, so dass wir uns beeilen, noch zur Mündung der Gironde zu fahren. Sie ist hier 12 km breit.
Unser Plan war eigentlich, hier die Fähre in Le Verdon-sur-Mer nach Royan zu nehmen, um dann am rechten Ufer der Gironde in Richtung Zusammenfluss von Dordonge und Garonne zu fahren. Wir wollten die Gezeitenwelle (Le Mascaret) in Saint-Pardon beobachten und dann zurück nach Bordeaux fahren. Gut, dass unsere Reiseplanung in Möglichkeiten denkt. Ein Grund mal wiederzukommen.

Vielleicht kennst du die Gezeitenwelle am Mont-Saint-Michel. Dort rast sie mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Flüsse. Die Geräusche sind dabei eindrücklicher als die kleine Welle, aber man kann sich gut vorstellen, wie so eine Welle bei einer Talsperren-Katastrophe rennt. In Saint-Pardon soll sie sogar gesurft werden.
Unser Zeitplan war viel zu ambitioniert, als dass wir sowohl das Weinbaugebiet Médoc als auch die Sehenswürdigkeiten entlang der Gironde an einem Tag hätten schaffen können.
So fahren wir, bis die Strasse endet, und werfen einen Blick auf die Mündung der Gironde. Hier würden lange Sandstrände am Atlantik zu schönen Spaziergängen einladen. Die Wellen brechen mit Macht am Ufer. Da es auch noch anfängt zu regnen, verweilen wir nicht lange und fahren zurück nach Bordeaux.

Eigentlich wollten wir auch auf dem Rückweg zu Abend essen, aber die wenigen Restaurants unterwegs, die nicht nur Fisch servieren, sind alle geschlossen.
Ausflug nach Saint-Émilion
Ein neuer Tag, ein neuer Tagesausflug ab Bordeaux. Heute fahren wir früh nach Saint-Émilion. Saint-Émilion liegt östlich von Bordeaux und thront auf einem Kalksteinplateau. Der Kalkstein hat die ganze Region geprägt. Kalksteinbrüche, Höhlen, Gebäude aus Kalkstein und Weinanbau auf Kalkstein. Es verspricht, wieder ein spannender Tag zu werden.
Aber bevor wir Saint-Émilion erreichen, beobachten wir erst einmal die Weinlese. Wir sind etwas konsterniert die maschinelle Version davon zu sehen. Waren wir im Médoc bereits den Erntegeräten auf der Strasse hinterhergefahren, sehen wir sie nun in Aktion. Später auf unserer Weinführung können wir fragen, wie diese Erntemethode funktioniert, denn viele Trauben bleiben hängen.
Die Trauben werden nicht geschüttelt, sondern angesaugt. Reife Trauben gehen einfach vom Stiel. Das erklärt auch, warum Trauben hängenbleiben. Die waren dann wohl noch nicht reif genug.

Wir erklimmen den Ort und geniessen als erstes die Aussicht vom Tour du Roy, der vom englischen König beauftragt wurde. Bei unserem Besuch ist er geschlossen, aber auch von der Terrasse hat man einen schönen Blick. Unser nächstes Ziel ist die Touristinformation in Saint-Émilion. Zum einen wollen wir uns Tickets für den Besuch der unterirdischen Felsenkirche buchen und zum anderen eine Tour auf einem Weingut. Das Château Coutet bietet am späten Mittag eine Tour mit anschliessender Weinverkostung mit Käse- und Wurstspezialitäten aus der Region an.

Die Zeit ist nicht ideal, weil wir so erst zur Weinverkostung und dann zur letzten Führung in die unterirdische Felsenkirche eilen. So haben wir jedenfalls noch viel Zeit für einen Stadtbummel durch Saint-Émilion.
Der Reichtum von Saint-Émilion
Wein und Kalkstein – konnten diese beiden Güter eine Stadt im Mittelalter reich machen? Ja, aber nur, wenn die Stadt weitreichende Rechte hatte. Und diese Rechte erhielt Saint-Émilion ausgerechnet vom englischen König plus kostenlosem Marketing. Durch Heinrich II. wurde der Wein aus Saint-Émilion an den royalen Tafeln in London weltberühmt.
Ich fantasiere nicht, Saint-Émilion war über 300 Jahre im Besitz der englischen Krone. Und das kam so. Eleonore, die Erbin des Herzogstums von Aquitanien, zu dem auch Saint-Émilion und Bordeaux gehörten, war eine kurze Zeit mit dem französischen König verheiratet. Aber wegen zu enger Verwandtschaft wurde die Ehe aufgehoben. Eleonore heiratete wenig später den Herzog der Normandie und Grafen von Anjou, der zwei Jahre nach der Eheschliessung als Heinrich II. den englischen Thron bestieg.
Aus dieser Ehe gingen König Richard I. (Richard Löwenherz) und König Johann (Ohneland) hervor. Vor allem letzterer prägte die Geschicke von Saint-Émilion. Um sich die Loyalität der lokalen Elite zu sichern, verlieh er der Stadt im Jahr 1199 die berühmte „Charte de Falaise“.
Dadurch erhielten die Bürger von Saint-Émilion weitreichende Privilegien und politische Autonomie. Es wurde die „Jurade“ gegründet, eine Stadtregierung aus reichen Bürgern und Winzern. Sie durften Recht sprechen und die Qualität des Weins kontrollieren. Als Gegenleistung stand die Stadt im Konfliktfall auf der Seite des englischen Königs.

Die englische Herrschaft endete am Ende des Hundertjährigen Kriegs im Jahr 1453 mit der Schlacht von Castillon, die nur rund 20 Kilometer von Saint-Émilion entfernt stattfand.
Saint-Émilion hatte fünf Klöster und auch daran waren die englischen Könige nicht ganz unschuldig, denn sie schenkten den Klöstern viel Land um das Grenzgebiet zu Frankreich zu sichern. Indem die Könige befreundeten Orden Land schenkten, bauten sie ein Netzwerk loyaler, stabiler Stützpunkte an den strategisch wichtigen Handelswegen auf.
Stadtbummel und Kloster-Picknick
Was macht man heute mit den ganzen Klosterruinen? Man nutzt sie. Die Touristinformation von Saint-Émilion befindet sich direkt im historischen Klostergebäude der Stiftskirche (Église Collégiale). Im Kreuzgang aus dem 12. bis 14. Jahrhundert befinden sich die monumentalen Apokalypse-Freske von François Peltier. Sehr sehenswert!

Von der Touristinformation bummeln wir zum Glockenturm und geniessen die Aussicht von der Terrasse. Die unterirdische Felsenkirche zum 53 Meter hohen Glockenturm besichtigen wir erst gegen Abend. Da wird uns dann ganz mulmig bei der Vorstellung, dass dieser schwere Turm über unseren Köpfen steht. Aber dazu später mehr.

Unser Bummel führt uns weiter zum Stadttor von Saint-Émilion, aber bevor wir es erreichen, zieht ein weiteres Kloster unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die Stadt war eine heilige Pilgerstadt am Jakobsweg und benötigte die Klosterinfrastruktur auch, um sich um das irdische und geistige Wohl der Pilger zu kümmern.
Das irdische Wohl der Saint-Émilion-Pilger von heute hat der private Besitzer des Klosters an der Rue Brunet im Sinn. Das ehemalige Franziskaner Kloster (Cloître des Cordeliers) ist heute jedenfalls ein sehr stimmungsvoller und ruhiger Picknick-Ort. Im Keller wird der Wein gelagert und in den Klosterruinen und Gärten kann man picknicken, was man sich am Eingang ausgesucht hat. Baguette, Wurst, Käse, Getränke, vegetarische Aufstriche alles, was das Herz begehrt, kommt in einen Picknick-Korb und kann in stilvollem Ambiente genossen werden.

Wir brauchen nach unserem Picknick dringend Bewegung und laufen durch das alte Stadttor und dann aussen an der Stadtmauer entlang, bis der Weg durch die Stadtmauer und Weinkeller wieder nach Saint-Émilion führt. Und schon müssen wir zum Weingut Château Coutet eilen.

Bio-Weinbau auf Château Coutet
Auf dem Weg zum Château Coutet versperrt uns ein Roboter den Weg. Später auf der Führung erfahren wir dass wir die Bekanntschaft mit einem wichtigen Mitarbeiter des Bio-Weingutes gemacht haben. Dieser Marke Eigenbau Roboter, der mitten auf dem schmalen Weg seine Batterien in der Sonne lädt, sorgt dafür, dass das Gras zwischen den Weinreben während der Vegetationsperiode kurz bleibt. Nach der Ernte dürfen das die tierischen Helfer in Form von Alpakas, Ziegen und Schafen übernehmen und so ganz nebenbei für Düngung sorgen.

Vor dem Spaziergang in die Weinberge, wo uns die ganze Geschichte des Familien-Weingutes erzählt wird, welches sich seit 1601 ununterbrochen im Besitz der Familie befindet, können wir erst einmal zusehen, wie die von Hand geernteten Trauben auf dem Hof gewaschen und am Fliessband in Handarbeit von den Stielen befreit werden, bevor sie in die Presse gehen.
Der Rundgang ist sehr abwechslungsreich, denn die ganze Geschichte der Region kommt zur Sprache. Dieses Weingut wurde schon immer biologisch geführt, selbst als das noch sehr unpopulär war. Die drei Schwestern, die während des Zweiten Weltkriegs das ganze Weingut allein am Laufen hielten, während die Männer kämpften, verweigerten sich dem Einsatz von Chemie, der später die Landwirtschaft revolutionierte. Les Demoiselles werden in der Familie sehr verehrt. Es gibt ihnen zu Ehren sogar einen besonderen Wein, der komplett in Handarbeit vom Pressen bis zum Umrühren in den Holzfässern während der Fermentation hergestellt wird. Gekeltert wird dieser Wein aus den ältesten Trauben der etwa 85 Jahre alten Weinstöcke.
Generationserbe und neue Standbeine
Über das Weingut gäbe es so viel zu erzählen: Vom Weinkeller, in dem noch staubige Schätze in uralten Flaschen lagern und von denen zu besonderen Anlässen mal eine entkorkt wird. Oder von der Kapelle, die sogar von einem Boten des Papstes geweiht wurde und die in der ländlichen Gegend die Nachbarschaft zusammen brachte und für die eine oder andere Eheanbahnung verantwortlich ist. Am besten, du nimmst selbst an einer Führung teil.


Am Ende erfährst du einiges über die Probleme der privaten Weingüter. Nicht nur die Konkurrenz der industriellen Weinverarbeitung macht Probleme auch der sinkende Absatzmarkt. Die Jungen trinken immer weniger Wein, auch in Frankreich.
Um diesem Problem zu begegnen, experimentiert Château Coutet mit einem zweiten Standbein, das man noch vor dem Wein verkosten darf. Sie produzieren mit Hilfe eines japanischen Meisters seines Faches verschiedene Soja-Saucen. Wie delikat und nicht nur salzig, so ganz anders als die supermarktüblichen Soja-Saucen schmecken, habe ich erst dort gelernt. Und den Tipp, dass Soja-Saucen perfekt mit dunkler Schokolade im Kuchen harmonieren, habe ich inzwischen mehrfach ausprobiert.
Gute Soja-Saucen haben wie guter Wein auch ihren Preis. Aber auch sonst haben sie mehr gemeinsam als man vielleicht denkt. Sie werden über Monate bis Jahre in Holzfässern fermentiert. Am Ende wird die Soja-Sauce pasteurisiert, das stoppt die Fermentation. Und manchmal entsteht durch ein Missgeschick ein wunderbar neuer Geschmack, wenn die Hitze zu lange eingewirkt hat.

Die unterirdische Felsenkirche
Eigentlich könnte man sich jetzt mit einem Glas des favorisierten Weins und seiner Wurst-Käse-Platte in den Garten setzen und das Leben geniessen. Aber wir hatten es befürchtet, dass zweieinhalb Stunden für die Weinführung und Rückkehr nach Saint-Émilion, Parkplatz finden und zum Treffpunkt laufen, etwas knapp sein könnten. So eilen wir mal wieder und schaffen es auf den Punkt.
Die Führung zur unterirdischen Felsenkirche beginnt in einem abgeschlossenen Innenhof mit einigen Informationen. Hier ist der letzte Moment, wo wir noch ein Foto machen dürfen. Mit den ganzen Leuten ist es nicht so einfach, aber ich halte das Felsenportal, den Eingang der unterirdischen Felsenkirche fest. Oben sieht man den Glockenturm.

Anschliessend begeben wir uns zuerst in die ursprüngliche Einsiedelei des heiligen Émilion aus dem 8. Jahrhundert. Es riecht muffig und die Höhle ist nur spärlich beleuchtet.
Wieder an der frischen Luft, geht es als nächstes in die unterirdische Felsenkirche. Bevor wir aber wirklich in der grössten unterirdischen Kirche Europas stehen, geht es durch ein schauriges Labyrinth. Hier wurden die Toten bestattet. Nach der Französischen Revolution störte man die Totenruhe und lagerte in den Höhlen mit den perfekten Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen lieber Wein.

In besonderer Erinnerung ist mir das Auge geblieben – ein Loch in der Decke, durch das man den strahlend blauen Himmel in der Düsternis sehen konnte. Im Mittelalter stellte man so die Verbindung der Lebenden mit den Toten dar. Ausserdem glaubte man, dass die Seelen über die Himmelsleiter auferstehen konnten.
Anschliessend führt die Führung in die riesige unterirdische Kathedrale. Stell dir eine Höhle mit einer Deckenhöhe von bis zu 12 m vor, in der man nur riesige Säulen als tragende Elemente hat stehen lassen, die aber im Vergleich zum Glockenturm, der auf der Decke steht, dann doch nicht so stark wirken.
Dass diese Säulen sich gerade alle in einem riesigen Stahlkorsett befinden, was verhindert, dass der Kalkstein sich wie ein Schwamm durch das Oberflächenwasser ausdehnt und dadurch instabil wird, macht das Gefühl aus gleich lebendig begraben zu werden nicht besser.
Die Mönche hatten damals durchaus ein ausgeklügeltes System, das Oberflächenwasser abzuleiten, aber es wurde wohl über die Jahrhunderte unwissentlich zerstört. Bis man eine bessere Lösung im Denkmalschutz gefunden hat, wird das Stahlkorsett bleiben.
Wir sind jedenfalls glücklich, als wir wieder im Sonnenlicht stehen und müde mit vielen Eindrücken zurück nach Bordeaux fahren.
Von Bordeaux nach Cognac
Ob auf einem Tagesausflug ab Bordeaux oder wie wir auf der Weiterfahrt, ein Besuch im hübschen Städtchen Cognac lohnt sich, wenn man ihn mit einer Tour durch eine Destillerie verbindet.
Wer die Wahl hat, hat die Qual; in Cognac gibt es mehr als eine Destillerie. Wir entscheiden uns für den Besuch von Baron Otard (Château de Cognac). In unmittelbarer Nähe am Fluss steht Hennessy. Ausserhalb kann man die bekannte Marke Rémy Martin oder das Cognac-Haus Courvoisier, bei dem einst Napoleon Cognac für seine Truppen kaufte, besuchen. Jeder Hersteller bietet eine ganz eigene Erlebnistour.
Wir besuchen Baron Otard, weil die historischen Mauern eine faszinierende Vergangenheit haben. Bevor hier eine Destillerie einzog, diente die Anlage als mittelalterliche Festung und später als Residenz der französischen Königsfamilie Valois. Im Jahr 1494 erblickte hier sogar der berühmte französische Renaissance-König Franz I. (François Ier) das Licht der Welt.

Wenn du meinen Reiseberichten schon eine Weile folgst, klingelt bei dem Namen vielleicht etwas bei dir? Nach seiner Krönung im Jahr 1515 machte er das Château de Blois an der Loire zu seinem Herrschaftssitz. Dort ist Franz I. bis heute prominent an der Schlossarchitektur abzulesen, unter anderem mit seinem Wappentier, dem Salamander, und der berühmten Treppe.
So schliesst sich hier für uns mit der Führung der Kreis zu einer anderen Frankreich-Reise. Wir verbinden Schlossgeschichte mit Cognac und staunen über die riesigen Fässerlager, die in den feuchten Gewölben tief unter der Erde und sogar oben auf dem windigen Dachboden versteckt sind.

Mit dem Besuch in Cognac bleiben wir dem Wein treu, denn Cognac ist nichts anderes als gebrannter Wein. Jeder Cognac ist ein Weinbrand, aber nicht jeder Weinbrand darf sich Cognac nennen. Ein Weinbrand darf sich nur Cognac nennen, wenn die sauren, weissen Ugni-Blanc-Trauben in der Region gewachsen sind. Aussserdem muss der Wein zweifach in kupfernen Brennblasen destilliert werde und in französischen Eichenfässern reifen.
Hört sich das lecker an? Nicht wirklich und so waren wir bei der Verkostung am Ende der spannenden Tour auch etwas ernüchtert. Wir kannten bis dahin nur den aromatischen spanischen Carlos I., der in Sherry Fässern reift und den griechischen Metaxa. Der wird mit fruchtigen Muskatellerweinen verschnitten und mit Kräutern und Rosenblättern verfeinert. So verliert der Alkohol seine Schärfe, der beim Original kratzig herausschmeckt.
Mit dem brennenden Geschmack des Cognacs auf der Zunge verabschieden wir uns endgültig von der geschäftigen Zeit der Weinlese rund um Bordeaux und setzen unsere Reise an der Atlantikküste fort, wo mit La Rochelle ein weiteres spannendes Reiseziel wartet.
