Felsenmagie und Heiligenfiguren – Huelgoat und Vallée des Saints
Huelgoat und das Vallée des Saints könnten unterschiedlicher kaum sein. In Huelgoat entfaltet sich die ganze Magie der Bretagne zwischen moosbewachsenen Felsen, Licht und Legenden. Das Vallée des Saints bei Carnoët dagegen beeindruckt mit monumentalen Granitfiguren bretonischer Heiliger, die über die Landschaft wachen.
Spontan folgen wir einer Empfehlung und finden uns plötzlich in einem mystischen Reich aus bizarren Felsen und uralten Sagen wieder, wo uns sogar König Artus wie schon im Wald von Brocéliande begegnet. Das charmante Städtchen Huelgoat lädt dazu ein, länger zu verweilen, denn zahlreiche Wanderwege durchziehen diesen verwunschenen Wald. Das Fotografen-Herz schlägt höher, sobald man den Wald betreten hat. Hier herrscht ein mächtiger Zauber der Natur.
Lass dich von diesem Beitrag inspirieren für zwei Orte in der Bretagne, die Natur und bretonische Mythen auf ganz unterschiedliche Art erlebbar machen: Forêt de Huelgoat und das Vallée des Saints.

Forêt de Huelgoat – unterwegs im Zauberwald
Im Forêt de Huelgoat in der Bretagne liegt ein Labyrinth aus Granitfelsen, Bächen und Moos. Der kleine Ort Huelgoat* ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Wanderung durch diesen Zauberwald. Das Städtchen liegt malerisch an einem aufgestauten See. Doch bei unserem Besuch geht es alles andere als beschaulich zu. Wir finden zufällig oberhalb der Chaosmühle (Mühle an der Brücke) am Waldrand einen Parkplatz und starten von da unsere Erkundung. Im Forêt de Huelgoat finden wir die Erklärung für die Betriebsamkeit. Es findet ein Orientierungslauf statt, an dem Gross und Klein teilnehmen.
Ganz kurz können wir manchmal in die Zauberwelt von Huelgoat eintauchen. Die Sonne glitzert zwischen den jungen Blättern hindurch. Das Wasser, welches irgendwo unter den Steinen fliesst, gluckert fröhlich, Vögel singen. Dann fühlt es sich an, als wären wir in der Anderwelt und wir warten förmlich darauf, dass eine Fee erscheint. Doch dann bricht der Zauber, weil eine weitere Gruppe Menschen auftaucht.

Das Klettern im Chaos der wild herumliegenden Steine macht nicht nur den zahlreichen Kindern Spass. Bald erscheint das Wasser des Baches wieder an der Oberfläche. Erst spärlich, verbreitert sich das Rinnsal später zu einem kleinen Fluss.

Wir laufen vorbei an der Ménage de la Vierge, am Haushalt der Jungfrau (Maria) in Richtung Artus-Grotte. Ich sehe Steine und keine Küchenutensilien, aber die Szenerie ist schön und ich versuche mich ein wenig in kreativer Fotografie.

Weiter geht es noch ein Stück auf dem Weg der Liebenden (Sentier des Amoureux), auf dem schon Tristan und Isolde gewandert sein sollen.

Es gibt so viel zu entdecken, sodass wir nur langsam in der Anderwelt vorankommen, während die Zeit in unserer Welt gnadenlos voranschreitet. Der Forêt de Huelgoat ist so ganz anders als der geheimnisvolle Wald von Brocéliande, aber so langsam verstehen wir, warum die beiden Wälder miteinander konkurrieren. Wir müssen umkehren, bevor wir die Artus-Grotte erreichen und versprechen uns, beim nächsten Bretagne Besuch mit mehr Zeit wiederzukommen.




Der zitternde Stein
So ganz bereit sind wir noch nicht, die Zauberwelt von Huelgoat zu verlassen. Deshalb laufen wir noch zum zitternden Stein. La Roche Tremblante im Forêt de Huelgoat im Regionalpark Armorique ist ein 137 Tonnen schwerer Granitblock, der sich durch geschicktes Anstossen tatsächlich in Bewegung versetzen lässt.
Wo anders als in einer Zauberwelt wäre es für einen Menschen möglich einen tonnenschweren Felsbrocken zum Zittern zu bringen?

So ganz können wir es nicht glauben, dass dies möglich ist. Ein Franzose macht es uns vor. Man muss nur wissen, wo man den Hebel ansetzen muss, um den Stein zum Zittern zu bringen.

Leider kann man es nur spüren und auf den Videos nicht sehen, wie der Stein zittert. Damit verabschieden wir uns vom Forêt de Huelgoat, diesem Zauberwald im Landesinneren des Regionalparks Armorique, und fahren weiter in das Vallée des Saints bei Carnoët.
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Vallée des Saints
Hommage an die lokalen Heiligen
Das Vallée des Saints bei Carnoët* in der Bretagne ist ein einmaliges und stetig wachsendes Kunst- und Kulturprojekt, welches bereits seinen 15. Geburtstag feierte. Es ehrt die Tradition und Geschichte der Bretagne und bietet Künstlern eine Plattform. Inzwischen stehen mehr als 190 monumentale Heilige auf einem Hügel bei Carnoët, die zahlreiche Besucher anziehen. Der Visionär des Projektes – Philippe Abjeandes – möchte einstmals 1.000 Heilige aus Granit auf diesem Hügel namens Quenequillec versammeln. Hier findest du alle Skulpturen. Ursprünglich dachte er an das Tal der Könige und die Osterinseln, weshalb man auch von den bretonischen Osterinseln spricht.
Der Besuch der Heiligen ist kostenlos. Man bezahlt aber eine kleine Gebühr beim Parken.
Gleich am Eingang wird man von zwei grossen Skulpturen Sainte Azenor und Saint Konan begrüsst. Erstere war eine bretonische Prinzessin, die der Untreue bezichtigt wurde und deswegen in einem Fass ins Meer geworfen wurde. Sie betete und vertraute Gott und wurde mitsamt dem im Fass geborenen Sohn errettet. Ihr Sohn Saint Budoc wurde später Abt und war massgeblich an der Verbreitung des Christentums beteiligt.
Saint Konan ist eine Heiligenfigur, die in verschiedenen Varianten in der Bretagne verehrt wird. Er gilt als Schutzherr der Natur, der Tiere und der Landwirtschaft.

Rund um das Visitor Center sieht man weitere Steinarbeiten und Fotografien von Künstlern bei der Arbeit. Bei den Toiletten kann man einen Blick auf noch unbearbeitete Granitfelsen werfen, aus denen die beauftragten Künstler auswählen können. Finanziert werden die Skulpturen vor allem über Spender.

Rundgang unter Heiligen
Acht Hektar gross ist das Gelände des Vallée des Saints, auf dem sich die Heiligen tummeln. Anfangs sind wir von den unterschiedlichen Arten der Darstellungen fasziniert und fotografieren begeistert. Irgendwann sind es jedoch einfach zu viele Heilige. Zumal wir von den meisten Heiligen noch nie gehört haben. Viele der Skulpturen im Tal der Heiligen zeigen lokale Schutzpatrone, die nur in der Bretagne verehrt werden.

Immerhin die Heilige Anna, Mutter von Maria und Grossmutter von Jesus ist uns bereits überall in der Bretagne begegnet. Sie soll im Jahr 1625 einem Seemann erschienen sein und ihn aufgefordert haben, ihr zu Ehren eine Kapelle zu bauen. Diese kann in Sainte-Anne-d’Auray besichtigt werden und ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in der Bretagne.

Die Christianisierung der Bretagne begann im 5. und 6. Jahrhundert mit keltisch-christlichen Missionaren und Mönchen, die aus Wales, Cornwall und Irland in die Bretagne kamen. Und so begann auch die Ausstellung im Tal der Heiligen mit den als Gründern der Bretagne geltenden Heiligen. Saint Pol Aurélien, Saint Tugdual, Saint Brieuc, Saint Samson von Dol, Saint Malo, Saint Patern und Saint Corentin.


Die Statue links stellt den Heiligen Gouesnou dar. Die Statue ist 5 m hoch und wiegt etwa 8 Tonnen. Sein Aussehen erinnert uns an eine Spielkarte. Er starb 675 der Legende nach durch den Hammer, der ihm bei der Inspektion eines Kirchenbaus auf den Kopf fiel. Er gründete die gleichnamige Gemeinde, indem er im Laufe eines Tages das Territorium seiner Gemeinde (18 km) abschritt.
Der als Maler dargestellte Heilige ist Saint Luc aus dem Lukas Evangelium. Lukas gilt in der ostkirchlichen Tradition als Schöpfer der ersten Ikonen von Maria und Jesus. Auch in der westkirchlichen Tradition wird Lukas häufig mit einem Pinsel und einer Staffelei dargestellt. Gilt er doch als Schutzpatron der Maler und Künstler.
Nicht alle diese Heiligen werden von der katholischen Kirche anerkannt, aber wer schaut durch den Dschungel aus über 1.000 Heiligen schon durch?




Praktisches für den Besuch in Huelgoat und Vallée des Saints
Das Vallée des Saints befindet sich nur 20 km von Forêt de Huelgoat entfernt. Wir waren im Frühjahr im Zauberwald von Huelgoat, mitten im Regionalpark Armorique, als die zarten Blätter der Bäume noch im Licht leuchteten. Auch der Herbst, wenn sich das Laub färbt, muss eine sehr schöne Jahreszeit für Huelgoat sein.
Ebenso wie der Wald von Huelgoat ist auch das Vallée des Saints ganzjährig zugänglich. Wir haben traumhafte Fotos vom Tal der Heiligen zum Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang, im Winter mit Schnee und im Nebel gesehen. Das Visitor Center ist das ganze Jahr geöffnet. Von Oktober bis Mai ist die Öffnungszeit verkürzt.
Hinweis: Möchtest du mehr über die Skulpturen im Tal der Heiligen erfahren, kannst du an einer der mehrmals am Tag stattfindenden geführten Touren teilnehmen oder dir eine Broschüre kaufen. Auf uns wartet nun schon das nächste Highlight der Bretagne, die rosa Granitküste auf uns.
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