Spektakulär: Der Glenveagh Nationalpark
Der Glenveagh Nationalpark liegt im Herzen des County Donegal und ist der zweitgrösste Nationalpark Irlands. Eingebettet in die Derryveagh Mountains zieht sich ein schmales Tal mit dem langgestreckten Lough Veagh, der auf manchen Karten auch als Lough Beagh bezeichnet wird. Offene Grasflächen, Moorlandschaften, Wald, Fels und Wasser prägen diese raue Landschaft. Mitten darin steht das Glenveagh Castle, ein zinnenbewehrtes Schloss aus dem 19. Jahrhundert mit weitläufigen Schlossgärten, darunter ein ummauerter Garten, der einen überraschenden Kontrast zur wilden Umgebung bildet.
Das Wetter im Glenveagh NP wechselt oft. Hängen die Wolken tief über den Bergen oder der nächste Regenschauer zieht durch das Tal, sieht man wenig von der Schönheit. Aber wenn dann die Sonne durch die Wolken bricht, fühlt sich eine Wanderung im Glenveagh Nationalpark besonders intensiv an. Wege führen durch feuchte Graslandschaften und entlang des Sees bis zum Schloss. Einer der bekanntesten ist der Lakeside Walk zum Glenveagh Castle, der das Besucherzentrum mit dem Schloss verbindet und dabei immer wieder neue Blicke auf den Lough Veagh freigibt.

Kurze Wanderungen im Glenveagh Nationalpark
Auch wenn das Donegal oft als „Forgotten County“ bezeichnet wird, widerlegt der Glenveagh Nationalpark dieses Bild schnell. Der grosse Parkplatz und die gut ausgebaute Infrastruktur zeigen, dass hier viele Besucher empfangen werden. Direkt beim Parkplatz liegt das Besucherzentrum, das Informationen zu Wegen, Shuttle Bus und Schloss bietet. Der Glenveagh Nationalpark ist das ganze Jahr geöffnet. Von März bis Oktober von 9.15 Uhr bis 17.15 Uhr, im Winter ab 10.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, lediglich der Besuch von Glenveagh Castle ist kostenpflichtig.
Die Wege im Glenveagh Nationalpark sind gut ausgebaut und lassen sich auch in kurzen Etappen erleben.
Lakeside Walk zum Glenveagh Castle
Im Gegensatz zur rauen Bergwelt ist der Lakeside Walk zum Glenveagh Castle überraschend komfortabel angelegt. Der breite Kiesweg führt vom Besucherzentrum durch das Tal und wirkt auf den ersten Blick wenig wild. Parallel dazu verläuft eine schmale Strasse, auf der ein Shuttle Bus zum Schloss verkehrt. Trotzdem lohnt sich der Weg zu Fuss.

Entlang des Lough Veagh schliessen sich feuchte Graslandschaften mit Binsen an. Am Seeufer wächst ein geschützter Wald, der sich an den Hängen der umliegenden Hügel halten kann. Dieser Lebensraum bietet Versteck und Nahrung für viele Tiere. Im Glenveagh Nationalpark lebt eine Rotwildherde. Auch Steinadler wurden hier im Jahr 2001 wieder angesiedelt. Trotz vieler Blicke in den Himmel und über die weiten Flächen, bleiben beide an diesem Tag verborgen.


Der Weg bis zum Schloss ist rund drei Kilometer lang, wirkt aber durch die wechselnde Landschaft kurzweilig. Rechts und links des Weges gibt es viel zu entdecken. Felsen mit tiefen Rissen und überhängenden Moospolstern werden von stacheligen Büschen eingerahmt. Bäume und Steine sind von einem dichten Moosteppich überzogen. Ein deutlicher Hinweis auf die grossen Niederschlagsmengen, die diese Landschaft prägen. Montbretien setzen mit ihrem Orange Farbakzente in der sonst von Gras, Binsen und niedrigen Büschen dominierten Umgebung.


Immer wieder ziehen Wolken über die Berge am Lough Veagh und bringen Wind mit sich, der kleine Wellen auf dem See entstehen lässt. Hinter dem Wald tauchen schliesslich die Zinnen des Glenveagh Castle auf. Sie geben dem Weg ein klares Ziel und markieren den Übergang von der offenen Landschaft zur gestalteten Schlossanlage.
Die Glenveagh Castle Gardens
Nachdem der Weg am Lough Veagh durch Wald und feuchte Graslandschaften geführt hat, nähern wir uns dem Schloss durch die Pleasure Gardens. Sie sind weitläufig und wirken an manchen Stellen fast wild, obwohl sie gepflegt sind. Ein offener Rasen verbindet die unterschiedlichen Bereiche miteinander. Dichte Hecken und hoher Baumbestand schaffen geschützte Räume. Das viele Grün wirkt üppig. Man merkt auch hier, wie sehr Wasser und Klima diese Landschaft prägen.


Unerwartet landet man im Walled Garden. Hinter den Mauern verändert sich die Stimmung. Obstbäume sind streng gezogen, dazwischen wächst ein bewusst wildes Miteinander aus Blumen, Gemüse und Kräutern. Niedrig gezogene Apfelbäume bilden ein lebendiges Geländer. Dahinter folgen Spaliere, Wicken und blühende Dahlien. Rotkohl, Federkohl und Ringelblumen stehen in Mischkultur. Dill bewacht die Beete. Nutzgarten und Ziergarten gehen ineinander über, ohne sich zu widersprechen.


Folgt man danach der Ausschilderung zum Aussichtspunkt auf das Schloss, kommt man durch weitere Gärten. Nicht von ungefähr gehören die Gärten von Glenveagh Castle zu den bedeutendsten Gartenanlagen Irlands und sind Teil des Donegal Garden Trail. 26 private und öffentliche Gärten in der Grafschaft Donegal haben sich zu diesem Trail zusammengeschlossen. Dazu zählen bekannte Anlagen wie Oakfield Park, St. Columb’s Glebe House & Gallery oder auch die Celtic Gardens. Sie stehen alle noch auf der Liste für eine nächste Irlandreise.
Viewpoint Walk durch Gärten zum Aussichtspunkt
Es spielt keine Rolle, ob man den Walled Garden nach links oder rechts verlässt. Der Weg zum Aussichtspunkt auf Glenveagh Castle ist als Rundweg angelegt. Wir folgen zunächst ein Stück dem Belgian Walk, vorbei am Himalaya Garten und der italienischen Terrasse, bis es bei den Twelve Steps so richtig urig wird. Dass man sich noch immer in unmittelbarer Nähe des Schlosses befindet, vergisst man leicht.

Nach und nach öffnet sich die Landschaft. Der Blick wird weiter. Von oben bietet sich eine schöne Aussicht auf den Lough Veagh und das Glenveagh Castle, das mit seinen Gewächshäusern und dem Walled Garden gut eingebettet im Tal liegt. Die umliegenden Berge schliessen das Bild ab. Die Vegetation besteht hier vor allem aus niedrigen Büschen und Heidekraut, das im Juli bereits in voller Blüte steht.



Auf dem Rückweg führt der Rundweg wieder hinunter in den Walled Garden, den man durch den Rosengarten erreicht. Der Wechsel zwischen offenen Blicken und waldigen Passagen macht den Viewpoint Walk abwechslungsreich.
Glenveagh Castle – Geschichte und Legenden
Wir verzichten an diesem Tag auf den Besuch im Inneren des Schlosses. Stattdessen setzen wir uns im Glaspavillon und stärken uns. Von hier aus wirkt Glenveagh Castle mit seinen Zinnen und Türmen eher wie eine mittelalterliche Burg, obwohl es erst im 19. Jahrhundert erbaut wurde. Eingebettet im Tal erscheint der Bau trotz seiner Grösse gedrungen und wehrhaft.

Beim Lesen über die Geschichte des Schlosses stossen wir auf den Namen seines Erbauers. John George Adair liess Glenveagh Castle ab dem Jahr 1870 errichten. Der irische Grossgrundbesitzer war für seine rücksichtslose Vorgehensweise bekannt. Er kaufte grosse Landflächen auf und vertrieb die dort lebenden Pächter und Bewohner. Diese gewaltsamen Räumungen hinterliessen tiefe Spuren. Einer Überlieferung zufolge soll eine der vertriebenen Frauen Adair verflucht haben. Er sei zu ewiger Kinderlosigkeit verdammt.
Dieser Fluch scheint sich durch die Geschichte des Schlosses zu ziehen. John George Adair starb bereits 1885 und konnte sein Schloss nur kurze Zeit geniessen. Auch seine Frau blieb kinderlos. Nach ihrem Tod wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Der amerikanische Kunsthistoriker Arthur Kingsley Porter, einer der späteren Eigentümer, verschwand unter ungeklärten Umständen und wurde für tot erklärt. Ein weiterer Besitzer, der Kunstsammler Henry Plumer McIlhenny, machte Glenveagh Castle zu einem Treffpunkt für Gäste und Künstler. Auch er hatte keine Nachkommen.
Schliesslich ging das Anwesen in den Besitz des irischen Staates über. Damit endete die private Nutzung des Schlosses. Alle früheren Besitzer blieben kinderlos. Ob Zufall oder Legende, der Fluch scheint sich erfüllt zu haben.
Nach der Runde durch Landschaft und Gärten wirkt Glenveagh Castle weniger wie ein romantisches Märchenmotiv, sondern eher wie ein stiller Zeuge von Macht, Konflikten und Brüchen. Seine Geschichte erschliesst sich auch ohne Blick ins Innere.
Unterwegs im Norden Irlands
Der Glenveagh Nationalpark war für uns eine Etappe auf einer Rundreise durch den Norden Irlands. Gestartet und beendet haben wir die Reise mit einem Mietwagen in Belfast*. Von dort folgten wir der Causeway Coastal Route. Weiter ging es ins County Donegal, wo wir von Dunlewey aus auch Abschnitte des Wild Atlantic Way im Donegal erkundeten, bevor wir uns auf den Rückweg nach Belfast machten und noch erkundeten.
Dunlewey liegt zwar landschaftlich reizvoll, war aber für unsere Erkundungen zu abgelegen und oft von tief hängenden Wolken verschluckt. Als Ausgangspunkt für Wanderungen und Naturerlebnisse im Umfeld des Glenveagh Nationalparks eignet sich die Region jedoch gut.
Beim nächsten Mal würden wir entweder an der Küste wohnen oder uns für eine Unterkunft im städtischeren Letterkenny entscheiden.
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Hallo, liebe 4 U Family,
heute sind wir zufällig auf eure tollen Reiseberichte mit den schönen Fotos gestoßen,
die uns darüber hinweggetröstet haben, dass unsere Tour durch den Norden Irlands über Ostern
geplatzt ist. Genau heute hätten wir den Glenveagh Nationalpark besucht und morgen Glencolumbkille.
Es besteht die (geringe!) Hoffnung, dass die Reise im Oktober nachgeholt werden kann. So wird es wohl noch länger dauern, bis mein Mann und ich wieder auf die Insel kommen können, um unseren
37.Aufenthalt in 42 Jahren zu genießen.
Großes Lob und liebe Ostergrüße
Johanna
Hallo Johanna,
wir fühlen mit euch. Wir wären jetzt auf dem Weg nach Schottland, um uns wieder erden und ordentlich durchpusten zu lassen. Normalerweise würde ich mich mit dem Planen der nächsten Reise trösten, aber in diesen besonderen Zeiten kann man ja leider nichts wirklich planen. Also üben wir uns in Geduld und Zuversicht und drücken euch die Daumen, dass ihr eure Reise nachholen könnt. Unsere jüngere Tochter ist gerade dabei ein Auslandsschuljahr in Irland zu planen und hofft auch sehr, dass alles wie geplant stattfinden kann. Wenn es klappt, sind wir nächstes Jahr wieder auf der Insel und reisen ein wenig herum bevor wir sie abholen. Hast du nach 37 Irland-Reisen Geheimtipps bzw. Empfehlungen für uns? Es hat mich sehr gefreut von dir zu hören und natürlich auch, dass dir meine Website gefallen hat. Liebe Ostergrüsse zurück.
Susan