Gruissan Sehenswürdigkeiten: Rosa Salinen, mächtige Festungen und bizarre Orgelpfeifen
Gruissan ist ein malerisches Fischerdorf an der Mittelmeerküste mit rosa Salinen, einer kreisrunden Altstadt und schönen Stränden. Für uns ist Gruissan mit seinen Sehenswürdigkeiten auch die perfekte Basis, um Weltkulturerbe-Stätten wie Carcassonne oder Naturwunder wie die bizarren Orgues d’Ille-sur-Têt sowie die ehemalige mallorquinische Hauptstadt Perpignan in der Nachsaison zu besichtigen.
Nach unseren Entdeckungen in Sète und dem wilden Hinterland des Hérault führt uns der Roadtrip nun ein Stück weiter südlich an den Rand der Pyrenäen.
Man sagt oft, diese Region sei geprägt vom „Erbe der Katharer“. Doch was steckt hinter diesem Namen? Tatsächlich war dies die Heimat einer rebellischen Glaubensgemeinschaft, die sich im Mittelalter gegen die Übermacht der Kirche auflehnte und einen Kreuzzug gegen sich heraufbeschwor. Doch auch die Einflüsse der Mauren und Piraten haben ihre Spuren hinterlassen. Überall findet man die Spuren eines alten Grenzlandes, in dem Orient und Okzident, Glaube und Macht über Jahrhunderte aufeinanderprallten.

Gruissan Sehenswürdigkeiten
Wir erreichen Gruissan im Licht der untergehenden Sonne, die die Altstadt mit dem Tour Barberousse besonders in Szene setzt. Der späte Nachmittag oder frühe Abend ist für uns die beste Zeit. Dann haben die kleinen Bistros noch geöffnet und Menschen flanieren durch die Altstadt. Die Aussicht von der alten Festung erscheint im besten Licht. Deshalb verschieben wir den Besuch der Altstadt von Gruissan und kommen erst einmal an und gehen einkaufen.
Auf der Suche nach einem Supermarkt kommen wir durch den neu entstandenen Badeort Gruissan. Lang zieht sich die breite Allee mit den Hotels und Ferienwohnungskomplexen rechts und links der Strasse in der Nähe der zahlreichen Sandstrände. Am Ende unseres Aufenthalts in Gruissan hat die Zeit dann nicht mehr gereicht, um die Holz Chalets zu fotografieren und am Hafen von Gruissan zu flanieren, denn wir haben bei unseren Tagesausflügen ab Gruissan länger verweilt, als gedacht.

Die Altstadt mit dem Tour Barberousse
Die Altstadt von Gruissan windet sich in mehreren Kreisen um die Festung mit dem Tour Barberousse auf dem Felsen. Man munkelt, dass sie nach dem berüchtigten osmanischen Admiral Hayreddin, Barbarossa benannt wurde, der im 16. Jahrhundert als Freibeuter die Meere unsicher machte. Barbarossa selbst war nie in Gruissan. Wahrscheinlich geht der Name auf einen lokalen Freibeuter namens Gaspar Dot zurück, der den Spitznamen „Barberoussette“ trug. Es handelt sich also eher um eine symbolische Verbindung zur Piraterie.


Errichtet wurde der Turm im Auftrag von Erzbischof Guillaume de Broa zwischen 1245 und 1247. Er war Teil einer grösseren Burganlage, die bereits Ende des 10. Jahrhunderts auf dem Fels erbaut worden war.

Vom Felsen hat man einen herrlichen Rundblick. Allerdings hatten wir einen Tag mit starkem Wind erwischt, sodass wir uns nicht lange oben aufhielten.

Der steile Aufstieg zum Aussichtsturm beginnt neben der Église Notre-Dame de l’Assomption. Wer die Kirche betritt, spürt sofort, dass dies kein reiner Ort des Gebets war. Mit ihren massiven Mauern und der rustikalen Holzdecke ist sie eine typische Wehrkirche des Languedoc. Dagegen muten die Seitenkapellen schon fast barock in ihrer Pracht an.


Ein grosser Markt findet samstags in den kleinen Strassen der Altstadt statt, aber das hat mit unseren Reisedaten nicht zusammengepasst.
Die rosa Salinen (Le Salin de l’Île Saint-Martin)
So viel Wasser wie Gruissan umgibt, da fällt es fast nicht auf, dass man sich auf einer Insel befindet, wenn man die Salinen der Île Saint-Martin besucht. Seit ungefähr 2000 Jahren gewinnt man hier bereits Salz. 2004 wurde der Betrieb allerdings eingestellt.
Ein ehemaliger Salzarbeiter baute die Salinen unter dem Namen Le Salin de Gruissan zum Erlebniszentrum aus. Die Salzgewinnung erinnert nicht an die Art wie wir sie auf dem Weg in die Bretagne in den Marais Salants de Guérande gesehen haben, sondern wirkt sehr viel industrieller.

Das Erlebniszentrum bietet verschiedene Aktivitäten an, von Vogelbeobachtungen bis zu Führungen. Kleine Läden und ein Restaurant ziehen die Besucher in ihren Bann. Wir sitzen abends am rosafarbenen Wasser und essen eine Kleinigkeit im Restaurant. Hier gibt es glücklicherweise keine Mücken.

Für die rosa Farbe des Wassers der Salinen ist eine Mikroalge namens Dunaliella salina verantwortlich. Sie lebt nur in Wasser mit sehr hoher Salzkonzentration und schützt sich vor der UV-Strahlung dadurch, dass sie Beta Carotin produziert, wodurch das Wasser rosa aussieht. Das Spektakel findet vor allem im Sommer statt.

Auch wenn abends die Geschäfte geschlossen haben, ist die Stimmung im Licht der untergehenden Sonne sehr schön. Mehr Informationen findest du auf der Website der Salinen von Gruissan.
Hinweis: Am ersten Freitag im Juli lädt die Saline von Gruissan zur Fête du Sel ein.
Praktische Informationen zu Gruissan
Wer Gruissan und die Umgebung auf Ausflügen erkunden möchte, braucht am besten ein eigenes Fahrzeug. Von Narbonne, das an die Bahn angeschlossen ist, verkehrt der Citybus Linie 8 auf der Strecke Narbonne – Gruissan.
In Gruissan gibt es zahlreiche Hotels und Ferienunterkünfte. Wir buchen relativ kurzfristig und entscheiden uns für ein Appartement in der Domaine du Petit Tournebelle*, inmitten zahlreicher flacher Gewässer und trockengelegten Feldern. Was wir dabei nicht bedacht haben, waren die Myriaden von Mücken, die sich sofort auf uns stürzten, sobald wir auch nur eine Tür öffneten. Insofern konnten wir weder den hübschen Gartensitzplatz mit Feigenbaum nutzen, noch hätten wir das Bedürfnis gehabt in den Pool zu hüpfen. In der Domaine gibt es mehrere Ferienwohnungen.
Ein weiterer Nachteil der Lage dieser Unterkunft war, dass man immer ins Auto steigen musste, um zu einem Restaurant oder zum Einkaufen zu kommen. Wir haben uns dann so organisiert, dass wir meist bereits auf unseren Ausflügen gegessen haben.
Insofern empfehlen wir eine Unterkunft in der Nähe von Geschäften, Stränden und Restaurants zu wählen. Für Ferienappartements muss man meist drei oder mehr Nächte bleiben.
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Tagesausflug zur Cité de Carcassonne
Schon seit wir zum ersten Mal das Gesellschaftsspiel Carcassonne gespielt haben, wollten wir die Festung einmal mit eigenen Augen sehen. So ist es naheliegend, dass wir unseren Aufenthalt in Gruissan nutzen, um die etwa 70 km entfernte Cité de Carcassonne auf einem Tagesausflug zu besuchen.
Gegründet wurde die Stadt von den Römern im 1. Jahrhundert vor Christus auf einer keltischen Siedlung. Im 3. Jahrhundert nach Christus wurde der erste Mauerring wegen der Einfälle der Germanen errichtet. Man erkennt ihn an den roten Ziegeln. Während der Belagerung durch Karl den Grossen soll die Dame Carcas der Legende nach zu einer List gegriffen haben und ein Schwein mit den letzten Vorräten gemästet haben, das sie anschliessend über die Mauer warf. Daraus schlossen die Belagerer, dass die Bewohner der Festung noch ewig Vorräte hätten und zogen unverrichteter Dinge ab. Beim Abzug wurden die Glocken geläutet, Carcas sonne (Carcas läutet). Daher soll der Name Carcassonne resultieren. Die Dame Carcas sieht man an der Porte Narbonnaise.

Carcassonne war ein wichtiger Handelsknotenpunkt. 1082 übernahmen die ehemaligen Statthalter die Vizegrafen der Familie Trencavel, die Macht in Carcassonne und schworen mal dem einen und mal dem anderen die Treue. Als sie ihre Macht festigten, begannen sie ab 1130 mit dem Bau von Château Comtal.
Die Trencavels hielten ihre schützende Hand über die Katharer, weil sie es satthatten, zuzusehen, wie die katholische Kirche sich durch Schenkungen immer mehr Land unter den Nagel riss. Den Prunk der katholischen Kirche und die Abgaben abzulehnen ist das eine, doch an zwei Götter zu glauben, führte zum Kreuzzug gegen die Katharer. Diese glaubten an einen guten Gott, der den Geist erschuf und einen bösen, der das Materielle erschuf, womit sie der Menschwerdung Gottes in Jesus widersprachen.
Danach wurde Carcassonne von der französischen Krone übernommen und als wichtige Festung an der Grenze zu Spanien ausgebaut. Dabei entstand eine neue Festungsmauer.

Mit dem sogenannten Pyrenäenfrieden 1659 verschiebt sich die Grenze zu Spanien in die Pyrenäen und Carcassonne verliert seine Bedeutung als Grenzfestung und verfällt langsam. Erst ab 1853 wird die Anlage über Jahrzehnte aufwändig restauriert.
Cité, Bastide und Trivalle
Carcassonne verteilt sich heute rechts und links des Aude. Die Festung, die sogenannte Cité thront mit ihren Zinnen und Türmen majestätisch auf einem Felsen. Direkt darunter, in einer Senke zwischen Festung und Fluss befindet sich das älteste Viertel der Stadt, Trivalle. Hier lebten früher die Handwerker. Die Häuser folgen der Topografie des Geländes, während die «neue» Stadt Bastide auf der anderen Seite des Aude im Schachbrettmuster geplant wurde. Trivalle und Bastide sind durch eine lange Fussgängerbrücke (Pont Vieux) über den Fluss miteinander verbunden.

Parkplätze findet man am Flussufer unterhalb der Festung, aber diese waren schon voll, als wir aus Gruissan ankamen. Daher haben wir in der Bastide gesucht und wurden in einer der kleineren Seitenstrassen in der Nähe der Fussgängerbrücke fündig. Wir haben dann die Cité über die Port d’Aude auf steilem Weg erreicht. Vor der Porte Narbonnaise (mit dem Bild der Madame Carcas) gibt es weitere grosse Parkplätze (Parkplatz P1-La Cité).
Seit 1997 hat Carcassonne Weltkulturerbe Status, auch wenn man bei der Renovation der Festung eher das ideale Bild von Mittelalter im Kopf hatte. Viele der verfallenen Häuser wurden abgerissen. Da ursprünglich der Adel und das Militär in der Cité residierten sind viele der Häuser überraschend gross und haben schöne, begrünte Innenhöfe.
Auch an der Mauer befinden sich heute viele Gärten. Früher waren diese Flächen für die militärischen Bewegungen notwendig.

Château Comtal
Die Burg innerhalb der Festung wurde von den Trencavels errichtet. Während man die Cité kostenlos besuchen kann, muss man für die Burg und den Besuch der Stadtmauern Eintritt bezahlen.
Man nähert sich dem Schloss über die Barbakane, einem halbkreisförmigen Verteidigungsbau vor dem Schlossgraben, in dem nie Wasser floss. Eine steinerne Brücke und eine Zugbrücke führten zum Schloss, welches neun Rundtürme und einen eckigen Turm hat. Der eckige Turm (Tour Pinte) ist der höchste Turm von Carcassonne, von dem man bis in die Pyrenäen sehen konnte.


Die spitzen Dächer haben die Türme erst bei der Restauration durch Viollet-le-Duc erhalten. Ursprünglich waren es flache Dächer mit roten Ziegeln oder Türme mit Zinnen, die nicht mit Schiefer gedeckt waren. Dadurch wirkt Carcasssonne heute ein wenig wie ein Märchenschloss.

Im Inneren des Schlosses findest du neben der spannenden Multimediashow verschiedene Ausstellungen. Im grossen Innenhof gibt es einen Imbiss. Dort findet man auch den Zugang zum Rundgang auf den Stadtmauern (Remparts).
Wir können dir die kurzweilige Führung mit dem Audiosystem empfehlen. Allerdings dauert der Rundgang dann eine ganze Weile.
Die Remparts
Heute kann man die gesamte Länge der Stadtmauern entlanglaufen. Wir gehen allerdings nur das historisch interessante Stück vom Schloss, dem Zentrum der Macht, bis zum Schatzturm. Das Auf und Ab ist recht anstrengend.

Auf diesem Teilstück kommt man durch alte römische Türme, die mit flachen Dächern rekonstruiert wurden. Man sieht teilweise neue und alte Stadtmauer nebeneinander.
Besonders interessant ist der Schatzturm (Tour du Trésau). Er wurde auf dem Fundament eines römischen Turmes errichtet, das heisst er ist an der der Stadt zugewandten Seite flach, aber nach aussen rund. Anstatt alles abzureissen, integrierten die mittelalterlichen Baumeister diese alte Struktur und bauten die Rundungen an. Militärisch boten Rundtürme den Vorteil, dass sie für Wurfgeschosse weniger Angriffsfläche boten.

Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass im Mittelalter hier die Schätze und Archive gelagert wurden. Seine Mauern sind bis zu 4 Meter dick. Gotische Fenster zieren ihn. Im Inneren befanden sich auch repräsentative Räume.
Basilika Saint-Nazaire
Die Kirche hat zwei Gesichter, was man gut von den oberen Gängen im Schloss sehen kann. Auf der einen Seite sind die Teile, die vom romanischen Kirchenbau übernommen wurden, eher schlicht und wenig attraktiv. Besonders im Vergleich zum gotischen Teil der Kirche auf der anderen Seite. Mit den filigranen Türmchen, den Wasserspeiern und Verzierungen glaubt man kaum, dass beide Teile zusammengehören.


Besonders zu erwähnen sind auch die Glasfenster der Kirche. In Carcassonne sind die Fenster wie eine Bildergeschichte aufgebaut. Sie zeigen das Leben Jesu, der Jungfrau Maria oder der Apostel in hunderten winzigen, detailreichen Einzelszenen. Die Farben, wenn das Licht der Sonne durch die Fenster fällt, sollten die Betrachter überwältigen. Das Blau gilt als das intensivste der Epoche in Frankreich.
Fazit zu unserem Tagesausflug nach Carcassonne
Carcassonne ist kein verstaubtes Museum, sondern eine im 19. Jahrhundert perfekt inszenierte Vision des Mittelalters. Es macht Spass durch die alten Gassen zu laufen, auch wenn Carcassonne selbst in der Nachsaison sehr voll ist.

Wir haben in der Cité mehrere Stunden verbracht und dennoch haben wir nicht alles gesehen. Wer Carcassonne ausführlich mit Cité und Bastide erkunden will, sollte in Carcassonne* übernachten und mehr Zeit als einen Tagesausflug einplanen.
Hinweis: Im Sommer wird es sehr heiss, dann ist ein Besuch noch anstrengender. Aber dann wird Carcassone zur Bühne für Ritterspiele und das Festival de Carcassonne.
Die Orgues d’Ille-sur-Têt
Der nächste Tagesausflug führt uns von Gruissan aus zu einem echten Geheimtipp für Südfrankreich, zu den Orgues d’Ille-sur-Têt. Dieses Naturdenkmal in Südfrankreich liegt knapp 100 km von Gruissan entfernt. Sicher hast du schon einmal Bilder vom Bryce Canyon gesehen, die Orgues d’Ille-sur-Têt sind die kleinen Schwestern in Frankreich. Selbst in den Schweizer Alpen kann man solche Steinformationen entdecken. Bekannt sind die Erdpyramiden von Euseigne im Wallis. Die Entstehung ist ähnlich, nur das Ausgangsmaterial ist unterschiedlich.

Die Orgues d’Ille-sur-Têt sind geologisch gesehen recht jung. Vor 5 Millionen Jahren reichte das Mittelmeer noch bis ins Têt-Tal. Der Fluss Têt hinterliess grosse Mengen an Sediment aus den Pyrenäen und formte ein grosses Plateau im Meer. Als das Meer verschwand, blieb das Plateau und wurde durch Wind- und Regenerosion geformt.

So trocken wie das Tal heute ist, kann man sich nicht vorstellen, dass in dieser Gegend immer wieder Sturzfluten niedergehen, die die Landschaft innerhalb kurzer Zeit überschwemmen. So wird immer mehr Gestein ausgewaschen. Verlieren einzelne Säulen ihren Deckstein, können sie schnell verschwinden.

Praktisches für den Besuch der Orgues d’Ille-sur-Têt
Die Attraktion ist ausgeschildert. Auf einem grossen Parkplatz kannst du dein Fahrzeug abstellen und die Eintrittstickets im kleinen Kiosk kaufen.
Der Weg führt in etwa 15 Minuten durch ein Tal mit einem kleinen Bächlein bergauf. Bevor das Gebiet 1981 unter Naturschutz gestellt wurde, versuchten Bauern hier, dem kargen, trockenen Boden Ertrag abzuringen. Sie bauten Wein und Oliven an und gaben dem Tal den Beinamen Vallée de l’Enfer (Tal der Hölle). Heute stellt ein Künstler entlang des Weges seine lustigen Skulpturen aus. An einer breiteren Stelle im Tal verkaufen Einheimische aus dem Kofferraum heraus Früchte.

Nach 15 Minuten erreichst du ein kleines Häuschen, in dem die Eintrittstickets kontrolliert werden und dann kannst du die Orgues d’Ille-sur-Têt bewundern.
Tipp: Gehe gleich morgens früh, zu Beginn der Öffnungszeit, denn die Hitze in diesem Kessel ist nicht zu unterschätzen! Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel und wird auch noch von den hellen Steinen reflektiert. Ausserdem ist morgens noch nicht so viel los und das Licht ist klarer.
Perpignan
Wir verbinden den Besuch der Orgues d’Ille-sur-Têt mit dem Besuch im nahe gelegenen Perpignan, bevor wir wieder nach Gruissan zurückkehren.
Wenn du heute Perpignan besuchst, befindest du dich in der katalanischsten Stadt Frankreichs, so die Eigenwerbung. Diese Stadt war aber einstmals die Hauptstadt des Königreichs Mallorca. Der König von Aragón teilte 1276 sein Reich unter den beiden Söhnen auf. Der jüngere Sohn erhielt das Königreich Mallorca, zu dem neben der Insel auch Perpignan und die Grafschaft Roussillon gehörten.
Der König wählte Perpignan als Residenzstadt auf dem Festland. Der Palast thronte zu Zeiten des Königs einsam und weithin sichtbar auf dem Königshügel. Heute betrittst du eine Zitadelle, wenn du den Mallorquinischen Königspalast besuchst, weil Ludwig XIV. ihn von seinem Festungsbaumeister Vauban zu einer solchen ausbauen liess und den Palast nach dem Pyrenäenfrieden als Kaserne nutzte.

Dein Weg heute führt teilweise unterirdisch durch massive Mauern und Verteidigungswälle. Sie bildeten den äusseren Schutz. Anschliessend überquerst du den freien Platz, der früher als Exerzierplatz für Soldaten diente und den Trockengraben. Dann stehst du vor dem Eingang des Palastes.

Palau dels Reis de Mallorca in Perpignan
Zu Zeiten des Königs von Mallorca sprach man Katalanisch in Perpignan. Palau bedeutet einfach Palast. Wenn du jetzt allerdings eines der prunkvollen französischen Schlösser vor Augen hast, wirst du beim Besuch des Palastes in Perpignan enttäuscht sein. Der König reiste mit seinen Möbeln und Wandteppichen, so dass der Palast nackt ist.
Auch von der schönen Wandbemalung sind nur wenige Fragmente erhalten. Du brauchst also viel Fantasie, um dir die Pracht des Palastes vorzustellen. An einzelnen Elementen wie den beiden übereinanderliegenden Kapellen bekommst du aber noch eine Idee vom prunkvollen Palast, der mallorquinische Gotik mit den Steinen der Pyrenäen verbindet.
Ein Arkadenhof bildet das Herzstück des Palastes. Die zweistöckigen überdachten Gänge dienen als klimatischer Puffer. In der Hitze des Südens blieb es im Inneren kühl, während die Arkaden Licht und Luft in die angrenzenden Räume liessen.


Rot, Grün und Gold waren die klassischen Farben für prachtvolle Holzbemalungen auf Mallorca. Sie wurden auch an den Wänden des Königspalastes aufgegriffen, wie ein Fragment zeigt. Rot ist auch die Farbe des Hauses Aragón und Mallorca. Grün war im Mittelalter die Farbe der Hoffnung und des Wachstums. Im Bild sieht man ebenfalls den prachtvollen Eingang aus rotem und weissem Marmor zur Kapelle Sainte-Croix, der Kapelle des Königs mit Sternendecke. Darunter befindet sich die Chapelle Sainte-Marie-Madeleine, die Kapelle der Königin.
Neben den schönen Kreuzgewölbedecken lohnt sich ein Blick auf die Fussböden. Die Azulejos spiegeln den spanisch-maurischen Einfluss wider.


Im Königspalast von Perpignan sieht man schön die Bauweise in Fischgräte-Technik. Diese verwendet Flusssteine und Ziegelsteine. Wahrscheinlich waren diese Mauern früher verputzt und kunstvoll mit optischen Täuschungen bemalt.


Mein Fazit zum Besuch in Perpignan fällt durchwachsen aus. Das Palais-Forteresse ist interessant für Architekturbegeisterte, aber wenn man wenig Zeit hat, gäbe es auch noch andere Alternativen in der Gegend.
Gruissan als Ausgangspunkt
Gruissan mit seinen Sehenswürdigkeiten war für uns eine gute Basis, allerdings war unsere Zeit dort mit drei Nächten zu kurz. So hatten wir einerseits nichts vom Badeort und seinen Stränden, obwohl das Wetter auch im September schön warm war. Andererseits waren die Tagesausflüge nach Carcassonne oder zum Geheimtipp der Orgues d’Ille-sur-Têt schon mit Fahrzeit verbunden.
Bei mehr Zeit in der Region hätten wir wahrscheinlich einen weiteren Ortswechsel in Betracht gezogen und näher an den Pyrenäen gewohnt. Perpignan hätten wir rückblickend ausgelassen und stattdessen lieber den Besuch der Orgues d’Ille-sur-Têt mit dem unweit gelegenen Bergdorf Eus und der mittelalterlichen Festungsstadt Villefranche-de-Conflent verbunden.
Da wir aber den September noch nutzen wollten, um Bordeaux und Umgebung zur Weinernte zu erleben, betrachten wir es als einen ersten Eindruck einer spannenden Region und planen bei Gelegenheit einen weiteren Besuch.
