Highlights an der Küste vom Phare de Saint-Mathieu bis Meneham

Felsige, windgepeitschte Küsten, Leuchttürme und spektakuläre Granitfelsen begleiten uns auf dem Weg vom Phare de Saint-Mathieu über den Phare de Kermorvan bis nach Meneham. Eigentlich ist es nur ein Ortswechseltag auf dem Weg nach Saint-Pol-de-Léon. Doch die Küste hält so viele Highlights bereit, dass wir es bereuen, nicht mehr Zeit eingeplant zu haben.

Wir beginnen gleich morgens am Phare de Saint-Mathieu bei herrlichem Wetter und noch vor allen anderen. Auch wenn wir den Leuchtturm nicht besteigen können, ist es ein herrlicher Spaziergang zwischen dem Kloster und der Küste.

Für den Phare de Kermorvan lassen wir uns etwas mehr Zeit und geniessen sogar die Aussicht von oben, bevor wir an der Côte des Abers weiterfahren.

Das eigentliche Highlight Meneham wartet dann zum Abschluss des Tages auf uns. Was uns daran so begeistert hat, erfährst du im Beitrag. Die Côte des Légendes haben wir für einen weiteren Bretagne Besuch vorgemerkt.

Der Phare de Saint-Mathieu weiss-grau geringelt mit roter Kuppel neben der Abteikirche vom Parkplatz aus gesehen.
Phare de Saint-Mathieu, Abteikirche, Semaphore und ein Leuchtfeuer vom Parkplatz aus gesehen

Vom Phare de Saint-Mathieu entlang der Route des Phares

Die Route des Phares führt von Crozon über Saint-Mathieu und Kermorvan im Pays d’Iroise weiter durch die Côte des Abers bis nach Meneham an der Côte des Légendes. Wir folgen ihr an diesem Tag ein Stück und entdecken dabei weit mehr als nur Leuchttürme.

An der Pointe de Saint-Mathieu stehen gleich mehrere Zeugen ihrer langen Geschichte dicht beieinander. Die Ruinen der Abtei, der Phare de Saint-Mathieu, das Sémaphore und das nationale Seefahrer-Denkmal prägen heute das Bild dieses gefährlichen Kaps, an dem auch in der Neuzeit immer wieder Schiffe gesunken sind.

Abbaye Saint-Mathieu de Fine-Terre

Seit dem 6. Jahrhundert soll auf dem Kap von Saint-Mathieu schon ein Kloster gestanden haben. Der Legende nach sollen bretonische Seeleute Reliquien des Apostels Matthäus nach einem Schiffbruch hierhergebracht haben.

Die nachweisbare Geschichte der Benediktinerabtei reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Mitte des 17. Jahrhunderts übernahm die Benediktinerkongregation von Saint-Maur die Abtei und restaurierte sie. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei aufgehoben und später teilweise als Steinbruch genutzt.

Die Ruine der Abbeye Saint-Mathieu de Fine-Terre neben dem Fuss des Leuchtturms (Phare de Saint-Mathieu)
Die Abteikirche – Abbeye Saint-Mathieu de Fine-Terre

Einzig die Chapelle Notre-Dame des Grâces hat die Zeiten überdauert. Bemerkenswert ist der gotische Portalvorbau einer älteren Kirche, den man durchschreitet, bevor man die Kapelle betritt. Allerdings ist die in wechselnden Farben angeleuchtete Maria etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Ruinen der Abbaye Saint-Mathieu de Fine-Terre direkt neben dem rot-weissen Leuchtturm Phare de Saint-Mathieu sind sehr fotogen.

Von der Abtei ist auch noch ein hoch ummauerter Garten übrig, der heute aber nur aus Wiese besteht.

Phare und Semaphore de Saint-Mathieu

Der Standort des Leuchtturms im Kloster geht auf die Mönche zurück, die schon im Mittelalter Feuer entzündeten, um die Schiffe zu warnen. Der Phare de Saint-Mathieu aus dem Jahr 1835 ist 37 m hoch, bei unserem Besuch aber geschlossen. So laufen wir ein wenig auf dem Felskap mit den 20 m hohen Klippen umher und suchen nach spannenden Fotoperspektiven.

Phare de Saint-Mathieu und Semaphore teilweise verdeckt durch die Küste ohne Klosterruinen.
Fotoperspektive
Auf diesem Bild vom Phare de Saint-Mathieu sieht man sehr schön, dass der Leuchtturm sich innerhalb der Klostermauern befindet.
Der Leuchtturm innerhalb der Klostermauern

Segelschiffe mussten oft tagelang auf günstige Wind- und Wetterbedingungen warten, um die gefährlichen Kaps zu umrunden. Stark wechselnde Winde, starke Strömungen und felsige Küstenabschnitte machten die Passage zusätzlich schwierig. Eine Gedenkstätte mit Findlingen macht den Besucher auf die zahlreichen gesunkenen Schiffe aufmerksam.

Zu den bekanntesten Schiffsunglücken an dieser Küste gehört das Tankerunglück der Amoco Cadiz im Jahr 1978. Die Ölverschmutzung reichte weit über Saint-Mathieu hinaus bis zur Pointe du Raz.

Aus dem Jahr 1861 stammt das erste Semaphore an der Pointe de Saint-Mathieu. Es diente der Nachrichtenübermittlung und der Beobachtung des Schiffsverkehrs.

Entlang der Küste gab es zahlreiche Semaphore, sodass Nachrichten mit Hilfe schwenkbarer Arme und Flaggen schnell übermittelt werden konnten. Der helle Turm (Semaphore) wurde 1906 näher an die Küste gebaut und dient heute der Überwachung der Schifffahrt.

Blick von der Küste aus auf die Pfarrkirche, den Phare de Saint-Mathieu, die Abteikirche und das Semaphore.
Pointe de Saint-Mathieu

Nationales Seefahrer-Denkmal

An der Spitze der Pointe de Saint-Mathieu steht seit 1927 das nationale Denkmal für die Seeleute, die für Frankreich ihr Leben liessen. Die 17 m hohe Stele zeigt eine trauernde Frau mit Blick auf das Meer.

Im alten Fort befindet sich der später eingerichtete Cénotaphe. Ein Kenotaph ist ein leeres Grab. Fotografien erinnern dort an Seeleute und ihre Schiffe.

Wer hier angestrengt auf das Meer hinaus blickt, entdeckt vielleicht die Île d’Ouessant und die Einfahrt zum Ärmelkanal.

Vom Pointe de Saint-Mathieu sieht man den Phare de Kermovan und viel Wasser.
Der Leuchtturm von Kermovan und irgendwo hier muss die Einfahrt in den Ärmelkanal sein

Wanderung zum Phare de Kermorvan

Der Zöllnerpfad GR 34 führt von der Pointe de Saint-Mathieu weiter zum Phare de Kermorvan. So viel Zeit haben wir leider nicht. Deshalb fahren wir direkt zum Parkplatz, von wo aus man zum Leuchtturm laufen kann. Wir nehmen den Pfad links, der uns entlang der Küste mit Blick auf den Hafen von Le Conquet bis zum Leuchtturm von Kermorvan führt.

Der Hafen von Le Conquet liegt geschützt in einer Bucht neben der Pointe de Kermorvan, wo auch der Leuchtturm steht.
Der Hafen von Le Conquet

Schon bald, nachdem man die Landspitze umrundet hat, sieht man den Phare de Kermorvan und die Ruinen des alten Forts.

Felsen ragen ins Meer. Dahinter erhebt sich der viereckige Phare de Kermorvan. Ausserdem sieht man die Ruinen einer alten Befestigungsanlage.
Der Phare de Kermorvan

Den Phare de Kermorvan erreicht man durch die Festung. Früher wohnte der Leuchtturmwärter mit seiner Familie im Turm. Die komfortable Einrichtung kann man beim Aufstieg noch sehen.

Heute wird der Phare de Kermorvan voll automatisch betrieben. Er wurde 1849 erbaut und ist seitdem ein wichtiger Navigationspunkt für Schiffe, die in die Bucht von Brest und in den Hafen von Le Conquet einlaufen. Der Leuchtturm besteht aus einem rechteckigen Turm aus Granit, der etwa 20 Meter hoch ist.

Von oben, vom Phare de Kermorvan, hat man eine herrliche Aussicht, hier auf Le Conquet und den Hafen.
Blick von oben

Bei klarem Wetter sieht man vom Phare de Kermorvan Le Conquet, den Phare de Saint-Mathieu, das Molène-Archipel, ein Seeschutzgebiet für Vögel sowie die Île d’Ouessant.

Auf dem Rückweg laufen wir die geteerte Strasse zurück zum Parkplatz. Von oben kann man die Surfer am Plage des Blancs Sablons beobachten.

Auch im April stehen bereits zahlreiche Surfer im Wasser und warten auf die perfekte Welle am Plage des Blancs Sablons.
Ganz schön viel los im Wasser für April

Entlang der Côte des Abers

Die Côte des Abers erstreckt sich im Wesentlichen von Le Conquet im Westen bis nach Plouguerneau im Osten. Ihren Namen verdankt dieser Küstenabschnitt den Abers, tief ins Landesinnere reichenden Buchten und Flussmündungen.

Zufällig sehen wir, wie Wellen den Leuchtturm der Île d’Yoc’h überspülen. So halten wir das erste Mal spontan an der Landspitze gegenüber der Presqu’île du Vivier und hoffen, dass sich das Spektakel wiederholt.

Wellen in der ansonsten ruhigen See überspülen den Fuss des Leuchtturms in der Ferne. Côte des Abers
Ganz so spektakulär wiederholt sich das Ereignis nicht

Nachdem wir uns eine ganze Weile umgeschaut haben, während wir darauf warten, dass das Wasser noch einmal richtig nach oben spritzt, fahren wir auf der D127 weiter entlang der spektakulären Küste.

Spannende Felsformationen ragen entlang der Cõte des Abers bei Landunvez aus dem Meer und werden von den Wellen umspült.
Hier würden wir gern entlang wandern

Immer wieder halten wir an, steigen kurz aus und machen ein paar Fotos. Aber dann müssen wir leider weiterfahren. Wir merken uns aber die Côte des Abers für eine weitere Reise in die Bretagne vor. Schliesslich ist Plouguerneau bekannt für die Aussicht auf den Phare de l’Île Vierge, den höchsten Steinleuchtturm Europas.

Zahlreiche Riffe weit draussen im Meer bringen die Wellen zum Brechen. Kein Wunder steht auch noch ein Leuchtturm da, um die Schiffe zu warnen. Cõte des Abers
Bei stürmischer See, geht es hier wohl hoch her

Mit dem Entschluss, hierher zurückzukehren, fällt es uns leichter, die Welt der Abers zu verlassen und in Richtung Roscoff zu fahren. Allerdings gestatten wir uns noch einen kurzen Abstecher nach Meneham, das auch Mene Ham geschrieben wird.

Meneham an der Côte des Légendes

Meneham ist ein bretonisches Fischerdorf inmitten der wilden Felsküste der Côte des Légendes. Graue Granitfelsen, durch die Erosion von Jahrmillionen geschliffen, schaffen eine faszinierende Küstenlandschaft.

Bunte Boote liegen auf den flachen Granitfelsen, die von Gruppen höherer Felsen flankiert werden. Der Sandstrand von Meneham ist weiss.
Küstenspaziergang in Meneham

Im 17. Jahrhundert entstand hier ein Wachposten, um die Küste vor feindlichen Angriffen zu schützen. Später übernahmen Zöllner den Standort. Ab 1835 lebten in Meneham vor allem Bauern, Fischer und Seetangsammler. Ein besonders bekanntes Gebäude ist das Maison des Douaniers.

Das Haus der Zöllner liegt eingeklemmt innerhalb grosser Granitfelsen. Meneham
Das Haus der Zöllner

Heute gehört das Maison des Douaniers, das eingeklemmt zwischen mächtigen Granitfelsen steht, zum Ecomusée de Meneham. In diesem Freilichtmuseum kann man erkunden, wie die Zöllner, Bauern, Fischer und Seetangsammler früher wohnten.

Als wir ankommen, schliesst das Museum gerade, aber damit haben wir die spektakuläre Côte des Légendes fast für uns allein. In der Abendsonne sitzen wir etwas am Strand und beobachten, wie die Wellen sich an den Granitfelsen brechen.

Hier, bei so schönem Wetter, zu picknicken und die Wellen zu beobachten, ist ein Traum, den wir auf der nächsten Bretagne Reise verwirklichen werden.

Meneham ist nur einer der vielen besonderen Orte an der französischen Atlantikküste. Weitere Küstenorte und Ideen für deinen Roadtrip findest du in unserem Überblick zur Atlantikküste Frankreich.

Ein Granitfelsen mit den Augen und der Kopfform einer Schlange. Dahinter brandet eine Welle nach der anderen am Strand von Meneham an.
Der Felsen erinnert uns ein wenig an den Kopf einer Schlange

Übernachtungstipp

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem kleinen Cottage* mit eigenem Garten und Barbecue in Saint-Pol-de-Léon. Es liegt ganz in der Nähe von Roscoff inmitten von Artischockenfeldern. Für Leute mit Auto können wir die Unterkunft sehr empfehlen.

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