Heiter bis wolkig – der Jahresrückblick 2022

Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Bevor es wieder von vorne losgeht, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Judith von Sympatexter hat wieder ihre Jahresrückblog Challenge mit vielen Impulsen gestartet. Dies war aber nicht der einzige Grund, pünktlich am 1. Dezember mit dem Jahresrückblick 2022 zu beginnen. Es ist ein Prozess, an dessen Beginn ich überhaupt noch nicht weiss, was am Ende herauskommt. Lese ich meinen Jahresrückblick von 2021, denke ich, wow, und erlebe das Gefühl eines Jahres noch einmal. Es ist wie eine Reise mit einer Zeitkapsel, wo man sich plötzlich an Dinge erinnert, die im täglichen Wahnsinn einfach verloren gehen. Schade, dass ich nicht schon früher Jahresrückblicke geschrieben habe, aber besser spät als nie. Viel Spass beim Lesen!

Eine Spalte im Schnee teilt das Bild in zwei Hälften. Ein Zitat von Kierkegaard "Verstehen kann man das Leben nur rückwärts; leben muss man es aber vorwärts." illustriert das Bild und den Jahresrückblick 2022.
Rückwärts gelesen wird aus Leben – Nebel.

Das Jahresmotto «auf zu neuen Ufern» im Jahresrückblick 2022

Wenn du ein Ziel setzt, geht es nicht in erster Linie darum, es zu erreichen – sondern darum, was es mit dir macht, es erreichen zu wollen. Da ich 2021 erstmals einen Jahresrückblick geschrieben habe und es ganz schön schwer war, das Jahr Revue passieren zu lassen, habe ich regelmässig abends notiert, was mir an diesem Tag wichtig war und durch den Kopf gegangen ist.

Am 1. Januar habe ich meine Gedanken und Wünsche zum Jahr 2022 in Form eines Statements notiert.

2022 steht unter dem Motto «Auf zu neuen Ufern». Ich werde das Jahr 2022 formen, mit all meinen Gedanken, Gefühlen und Taten, denn noch ist das «neue» Jahr wie ein unbeschriebenes Blatt.

2022 wird das Jahr,

  • in dem ich selbstbewusster werde und mutiger meine Fähigkeiten und Talente nach aussen transportiere.
  • in welchem ich meinen Bedürfnissen mehr Aufmerksamkeit schenken werden. Ich werde ein Hamsterrad-Rebell. Per 31.12.21 habe ich schon mal das Hotel Mama gekündigt.
  • in dem ich meine Ziele und Wünsche verfolge und ohne Perfektionsanspruch versuche, mit mehr Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.
  • in dem ich dem Zufall und dem Entdecken mehr Raum geben werde. Ich werde viel mehr auf mein Bauchgefühl hören.

2022 wird das Jahr von Leichtigkeit – Freude – Fokus. Denn Mut steht am Anfang des Handelns und Glück am Ende. Also arbeite ich daran, 2022 zum besten Jahr meines bisherigen Lebens zu machen. Damit ich im Dezember 2022 auf ein Jahr mit vielen wunderbaren Erlebnissen, Erkenntnissen und Bekanntschaften zurückblicken kann.

Was für ein Statement, jetzt wird es Zeit Bilanz zu ziehen.

Leichtigkeit und Freude beim Reisen

Erste Jahreshälfte im Jahresrückblick 2022

Leichtigkeit im Sinne von mühelos und viel Freude durften wir beim Reisen erleben. Erst machten wir einige sehr schöne Tagesausflüge im Winter. Sehr spontan suchten wir dann die ersten warmen Sonnenstrahlen auf mehreren Kurzreisen im Tessin im Frühling. Diese Auszeiten haben uns unglaublich gutgetan.

Bildercollage mit Bildern aus dem Tessin im Jahresrückblick 2022

Fun Fact: Am 7. März notiere ich folgenden Gedanken: Ich gebe mir Mühe, einen Blog über das Reisen ans Laufen zu bringen, und auf der anderen Seite wird sich das Reisen oder irgendwo hinfahren bald niemand mehr leisten können. Diesel ist diese Woche schon bei 1.82 SFr. Wer hätte da gedacht, dass er noch auf über 2.30 SFr steigt?

Im April ging es endlich wieder nach Schottland. Allerdings haben wir die Entscheidung, zu buchen, bis 3 Wochen vor Abreise herausgezögert. Das Gespenst Corona geisterte noch schreckhaft durch Europa und lange Zeit war nicht klar, ob und welche Voraussetzungen man für die Reise erfüllen muss. Mit der PCR-Test-Lotterie zu fliegen, ist heikel. Ein positiver Test in der Familie und es heisst, ausser Spesen nichts gewesen.

Eine Collage zeigt 12 Bilder dieser Schottlandreise im Jahresrückblick 2022.

Einen milden Verlauf von Corona hatten wir erst nacheinander im Februar. Der bürokratische Rattenschwanz bis hin zur deshalb um ein Jahr verschobenen Mathe-Prüfung an der Uni war unsäglich. Aber dann wurde in England alles aufgehoben und auf einmal war alles mühelos. In einem Nachmittag buchten wir Flüge, Unterkünfte und Mietwagen.

Die Mietwagenpreise sind im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten um das Vierfache gestiegen. Reisen ist definitiv teurer geworden.

Anfang Mai haben wir dann mit dem Wohnmobil eine Auszeit zu Zweit am Genfersee genommen. Tulpenfest, Narzissenblüte, Irisblüten und Kunst, seltene Bäume, ich war voll in meinem Element. Mehr Freude geht nicht.

Bildercollage von Highlights am Genfersee im Jahresrückblick 2022

Zweite Jahreshälfte im Jahresrückblick 2022

Im Juli zitterten wir uns nach Irland. Von Streiks und kilometerlangen Schlangen bei der Abfertigung an der Sicherheitskontrolle waren wir zwar nicht betroffen, dafür vom Reisegepäckchaos. Unsere Älteste hat eine Woche ohne Gepäck verbracht. Das war aber das einzig nicht-entspannte der Hausbootferien auf dem Shannon, wo wir erstmals ganz brutal entschleunigen lernen. Von «noch hundert Kleinigkeiten zu erledigen» zum «Nichtstun ohne Internet» war alles andere als mühelos. Aber nach der Umstellung war es gigantisch. Anschliessend haben wir Dublin und Umgebung sehr genossen.

Die Erstattung der Kosten für den Kauf der notwendigen Klamotten hat uns bis Ende November beschäftigt. Da hat sich Swiss nicht mit Ruhm bekleckert. Endlose Hotline Schlangen, die falsche E-Mail-Adressen-Auskünfte geben, versteckte Formulare, der Versuch, nur die Hälfte zu erstatten, weil wir die Kleidung ja vorteilhaft zu Hause weiternutzen können, waren nur die Highlights. Mühelosigkeit geht anders. Und ganz sicher hat das Kind Vorteile davon, wenn es als Student, der aufs Geld schauen muss, zwei Regenjacken und Regenhosen hat. Ende gut, alles gut. Durchhaltewille und die Beschwerde haben geholfen.

Im Herbst hat uns eine längere Auszeit mit dem Wohnmobil ins Wallis bei traumhaftem Wetter geführt und zwei kurze Auszeiten ins Berner Oberland. 2022 als Reisejahr hat uns viel Freude gemacht, auch wenn wir nicht zu neuen Ufern aufgebrochen sind.

Freude und Fokus in der Fotografie

Was wäre ein Jahresrückblick 2022 ohne das sich durch das ganze Jahr wie ein roter Faden ziehende Thema Fotografie. Ein Makrokurs im Vorfrühling hat mich für die Makrofotografie so begeistert, dass ich seit dem eine Makro Masterclass mit Monatsaufgaben und Feedbacks besucht habe. Mehr Fokus als in der Makrofotografie geht fast nicht

Ich habe nicht nur gelernt näher hinzuschauen, ich habe auch viel experimentiert.

Daneben gab es auch viele Farbexperimente. Auch sonst habe ich mich mit Techniken wie Fokus-Stacking beschäftigt und habe Fotografen und ihren besonderen Stil kennengelernt. Überhaupt habe ich angefangen, mich ein wenig mit Photoshop anzufreunden.

In einem Kurs haben wir durch Überlagerung von zwei oder mehr Bildern neue Bilder geschaffen. Eine vollkommen andere Herangehensweise als die Mehrfachbelichtungen in der Kamera, mit der ich mich auch immer wieder intensiv beschäftigt habe. So habe ich unter anderem die Sintflut neu interpretiert. Des Weiteren habe ich zwei Wasserschnecken zu Abenteuern in den unendlichen Weiten des Weltraums, nein des Teichs geschickt. Dieses Bild habe ich in der Fotoparade 2022 zum Lieblingsbild erkoren. Und ich habe die Ritter vom Hauch der Geschichte hinfort wehen lassen. Es macht unglaublich Spass, eigene Bilder zu etwas Neuem zu komponieren.

Ein ständiges Thema war auch das Malen mit Licht, sprich die bewusste Kamerabewegung bei Langzeitbelichtungen (ICM). An dieser Stelle danke an meine Fototrainerin Kate Fish und ihre ständigen Herausforderungen.

Meine Businessreise im Jahresrückblick 2022 – eine Reise zu mehr Klarheit

Kurz vor Jahresende 2021 startete mein Abenteuer in der Unstoppable Business Universität (UBU). Hier fällt der Jahresrückblick 2022 durchwachsen aus.

Da Zeit nicht an Bäumen wächst, sah das eine ganze Weile so aus: Ich mit Laptop, Zettel und Stift beim Multitasking (Kochen) in der Küche. Schliesslich konnte ich beim besten Willen nicht bei allen Online-Veranstaltungen live dabei sein.

Oh, war das anfangs alles aufregend. So viele Ideen, mit denen man sich auch mal beschäftigen könnte. So viel Impulse, über die man nachdenken konnte. Doch je länger, je mehr kam die Ernüchterung. Während all die Coaches in der Gruppe fleissig an ihren Online Seminaren arbeiteten, ihre Produktleiter verfeinerten, ihre Kalender für die Terminbuchungen optimierten, in ihren Masterminds Ideen diskutierten, hatte ich keine umsetzbare Idee, was mein Produkt sein könnte.

Schlimmer noch, ich hatte schon eine Website und hätte vielleicht Impulse gebraucht, wie ich sie sanft umbauen könnte, anstatt Informationen, wie ich eine Website aufbaue. Ich hatte schon ein Programm, über welches ich Mails versendete, musste aber, um Hilfe bei der Automation zu bekommen, zu einer anderen Firma wechseln. Viel Arbeit und neue Kosten.

Mit viel Leidenschaft erarbeitete ich ein Freebie, was nicht mehr so heissen darf. Die europäische Rechtsprechung hat die Worte «kostenlos» und «Freebie» aus der Online-Welt verbannt, weil der Kunde ja seine E-Mail-Adresse dafür eintauscht. Stattdessen haben wir jetzt die Angebote für 0 Euro. Ich habe das Freebie mit grossem Zeiteinsatz erarbeitet, weil man das eben so macht, um die Newsletter Liste zu füllen. Ich installierte Popup’s und brachte Störtexte in den Text. Aber das bin alles nicht ich! Das Freebie gibt es zwar noch, aber all die Popup’s und Störtexte sind weitestgehend wieder verschwunden. Die Bereinigung läuft noch.

Ein Leser, dem es auf meiner Website gefällt, wird einen Newsletter abonnieren, wenn es sich für ihn richtig anfühlt. Und wenn nicht, werden ihn Popup’s und Störtexte eher davon abhalten wiederzukommen, als dazu animieren, den Newsletter zu abonnieren.

Fokus und Selbstbewusstsein durch die Learnings im Jahresrückblick 2022

In Business-Dingen musste ich also erst einmal einen Umweg nehmen, um meinen Weg zu finden. Aber am Ende habe ich wieder einmal herausgefunden, dass ich eigentlich nur auf mein Bauchgefühl hören muss. Nur weil es gerade der Weisheit letzter Schluss ist, muss es für mich nicht stimmen.

Die Learnings im Jahresrückblick 2022 waren, dass der Kopf zu oft die Intuition übersteuert hat. Deshalb heisst es 2023 Bauch über Kopf.

Zukünftig hole ich mir Hilfe gezielt dort, wo und wann ich sie benötige.

Mir ist bewusst geworden, dass meine Produkte erst einmal meine Texte sind. Selbstbewusst kann ich sagen, dass ich heute besser schreibe. Nicht schneller Konsum, sondern das Erleben mit vielen hilfreichen Hinweisen steht im Vordergrund. Meine Texte sind kein Fastfood. Bei den Reisetipps gibt es zwar kurzgefasste Zusammenfassungen als Quelle der Inspiration, aber ich werde mir nie anmassen, anderen zu sagen, was sie unbedingt gesehen haben müssen. Dennoch ist das Thema Überschriften ein Thema, dem ich mehr Aufmerksamkeit widmen muss.

So war es folgerichtig, mich bei der Verwertungsgesellschaft Wort anzumelden. Erreichen einzelne Texte in einem Jahr einen Mindestzugriff, der jedes Jahr neu festgelegt wird, erhält man im darauffolgenden Jahr etwas Geld für diese Texte. Damit ist auch klar, ich muss mehr Zeit in die Suchmaschinenoptimierung und Überarbeitung alter Texte investieren.

Gedankensplitter

Ich und die Website, das ist ein Tanz. Die Musik, der Rhythmus und Takt, laut oder leise, langsam oder schnell, das ändert sich im Jahresrhythmus, denn auch der Garten verlangt unterschiedlich viel Aufmerksamkeit. Und dann sind wir ja oft auf Reisen, aber bisher nie lange genug am Stück unterwegs, dass es sich angeboten hätte, während der Reise zu arbeiten. Das könnte sich ändern.

Das bringt mich zu einem anderen Thema, der Zeit. Spätestens seit dem Homo digitalis sind wir dabei, die Zeit zu verwalten, denn Zeit ist kostbar, Zeit ist relativ und Zeit ist Geld. Wie war das früher, hat die Zeit da gelangweilt herumgelegen? Und seit wir die Zeit verwalten, gibt es gefühlt Tausend Tools, die Zeit fressen, uns aber angeblich dabei helfen sollen, effizienter zu werden, mehr aus der Zeit herauszuholen.

Das führt mich zu meinem Lieblingssatz, über den ich dieses Jahr gestolpert bin.

«To-do-Listen sind die Kaninchen der Zeitmanagement-Systeme, denn sie vermehren sich schneller als man sie abhaken kann».

Kommt dir das bekannt vor?

Ich wollte dieses Jahr ein Hamsterrad-Rebell sein, aber so richtig hat das noch nicht funktioniert. Immerzu wollten Tausend Dinge getan werden. Und zum Schluss habe ich meine Energie wohl falsch eingeteilt, denn jetzt zum fulminanten Jahresende besteht mein Körper auf eine Pause. Fünf Wochen kränklich bis krank, natürlich dann, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann.

Das einzig positive, das ich dem abgewinnen kann, ist, dass ich die eigenen Ansprüche herunterschrauben muss. So gab es zum 1. Advent kaum Weihnachtsdeko und keine selbstgemachten Plätzchen. Und der Garten ist gerade so am Tag vor dem ersten Schnee winterfest geworden.

Mut steht am Anfang und Glück am Ende

Über so eine Geschichte kann ich auch im Jahresrückblick 2022 berichten und darauf bin ich auch ein wenig stolz. Immer wieder habe ich in diesem Jahr UBU vom Netzwerken und Vernetzen gehört, aber Coaches und Reiseblogger haben nicht wirklich eine Schnittmenge. Und so habe ich im Sommer schon an das Jahresende gedacht. Die Idee war ein Adventskalender, zu dem ganz viele Blogger ein Türchen beisteuern.

Bild mit den 7 Phasen des Reiseblogger Adventskalenders von Euphorie, Ernüchterung, Aufatmen, Frustration, Erleichterung, Erschöpfung bis Begeisterung im Jahresrückblick 2022

Als erstes musste ich die Angst verdrängen, nicht gut genug zu sein. Der Perfektionist in mir kennt alle Ecken, die noch aufgeräumt werden müssen. Ich gebe es zu, auch die Angst vor Ablehnung war da. Dennoch bin ich es angegangen. Die Umsetzung war teilweise harzig. Erstens war es technisch alles andere als einfach und zweitens war es anfänglich schwieriger als gedacht, Mitstreiter zu finden.

Klar gab es alle Reaktionen von «tot stellen», über «schönes Projekt, aber keine Zeit», über ehrliches «ich schaue erst einmal» bis super, «ich bin gern dabei». Und es stellte sich Folgendes heraus: Reiseblogger sind im Herbst verreist und manche Provider haben meine Mails dem Spam zugeordnet.

Einerseits hat sich die Hartnäckigkeit, noch andere Kommunikationswege auszuprobieren, ausgezahlt und je mehr Zusagen ich hatte, um so selbstbewusster konnte ich auch in die Welt gehen. Ein Tipp zu einer Facebook-Gruppe brachte mir dann noch weitere Mitstreiter und Vernetzungen ein.

Jetzt ist Dezember, der Adventskalender läuft, die Reaktionen sind unglaublich positiv. Die Energien aus gegenseitiger Wertschätzung und Werbung für den Adventskalender übertreffen alles, was ich mir erträumt habe. Und das beste, ich bin nicht mehr allein im Reiseblogger Universum. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und werde sicher im nächsten Jahr dem Aufruf zum einen oder anderen Gastbeitrag folgen.

Das war der Reiseblogger Adventskalender mit 25 Türchen und einer schönen Winterlandschaft mit einem in der Dunkelheit leuchtenden Haus.

Die Aussenwelt im Jahresrückblick 2022

Seit Corona ist es jedem klar, das, was in der grossen Welt passiert, hat einen grossen Einfluss auf unser privates Leben. So war 2021 die Pandemie das alles bestimmende Thema und warf seine Schatten auch noch in 2022. Doch dann begann der Krieg in der Ukraine alles zu überschatten. Die Sanktionen waren schon lange vor Kriegsbeginn fertig in der Schublade, sodass wir uns bald über Lieferkettenprobleme und die drohende Energiekrise als neue Themen freuen konnten. Und mit beiden kam die Teuerung.

Diese Themen sieht man auch sehr schön an der Wahl des Wortes des Jahres 2022, die gerade wieder stattgefunden hat. In der Deutschschweiz hat es das Wort «Energiemangellage» geschafft, gekürt zu werden. 19 Grad war auch in den Vorschlägen als neue Zielgrösse für die Temperatur in Innenräumen.

Obwohl die Sprengung von Nordstream ein Attentat von ähnlicher Grösse wie der 11. September war, bleibt es merkwürdig still im Blätterwald. Ja, Menschen sind zum Zeitpunkt der Detonation nicht zu Schaden kommen, aber der langfristige Schaden ist noch lange nicht abzusehen.

In Deutschland dagegen wurde das Wort «Zeitenwende» gekürt. 1989 hatten wir die Wendezeit. Das sozialistische System mit seiner gleichgeschalteten Presse, der rigorosen Verfolgung anders denkender Menschen, einem ausgeklügeltem System von Spitzeln war abgewirtschaftet. Bevor die Grenzen aufgingen, summte es wie in einem Bienenstock. Ob die Ähnlichkeit der Worte zufällig zur jetzigen Zeit gewählt wurden?

Die Kraft der Sprache

Worte bestimmen unser Denken, weshalb man Worte mit bedacht wählen sollte. Als Student der Germanistik kam ich mit den Tagebüchern Victor Klemperers «Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten» in Kontakt. Der Dresdner Professor der Romanistik beschreibt den Alltag von 1933 bis 1945 als Jude in Deutschland und analysiert die Propaganda und Sprache der Nationalsozialisten.

Alte Menschen, die den Krieg als Kinder erlebten, fühlten sich bereits mit der Propaganda und Stigmatisierung rund um das Thema Corona an dunkle Zeiten der deutschen Geschichte erinnert. Sprachlich gab es mehr Gemeinsamkeiten als uns lieb sein darf. Die Ausgrenzung statt Diskurs mit anders denkenden Menschen ist seit der Pandemie wieder in Mode gekommen. Was würde wohl Orwell von den Faktencheckern halten?

Im Jahr 2022 wird ein Krieg um Frieden geführt, weshalb erst einmal Waffen geliefert werden müssen. Das ist paradox. Frieren gegen Putin und eskalieren um jeden Preis und immer weiter. Passenderweise wählt das Time Magazin Selenskyi zur prägendsten Person des Jahres 2022. Eine Person, die mehr Waffen, den atomaren Erstschlag und mehr Sanktionen forderte.

Stimmen, die leise Verhandlungslösungen fordern, weil wir es im 21. Jahrhundert eigentlich besser wissen müssten, werden nicht gehört. Sicher sind das bedauernswerte Putinversteher, die auf Propaganda hereingefallen sind. Glaubt wirklich irgendjemand, dass es in diesem Krieg Gewinner geben kann?

Eine Wortwolke zeigt all die Worte, die 2022 und damit auch im Jahresrückblick immer wieder eine Rolle spielten .

Die neue Normalität

Aber es gibt noch mehr Worte, die in diesem Jahr bedeutend waren und deshalb Eingang in meinen Jahresrückblick 2022 finden. Die «kulturelle Aneignung» hat Winnetou, diesen edlen Helden unserer Jugend, der mutig für Gerechtigkeit und Werte wie Freundschaft stand, zur Strecke gebracht. Und eine Frisur (Rastalocken) hat schwer zu reden gegeben.

Die letzte Generation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kulturgüter zu zerstören. So ganz neu ist diese Erfindung nicht, schon Mao ist in seiner Kulturrevolution gegen alles, was dem modernen sozialistischen Menschen widerspricht, vorgegangen. Aber das gehört vielleicht zur «neuen Normalität» genauso wie Klimakleber auf Strassen, Startbahnen und in Konzerten.

Worte verlieren ihre Unschuld im Jahr 2022

Friedrich Schiller sagte einst: „Die Sprache ist ein Spiegel einer Nation; wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.“

Man könnte auch einfach sagen, mit Sprache konstruieren wir unsere Realität. All die Lebens-Coaches und Werde-Reich-oder-Erfolgreich-Ratgeber versuchen nichts anderes als das Denken durch Sprache in eine neue Richtung zu lenken. Und dadurch unser Gehirn auf neue Lösungsansätze zu trainieren.

Im Kampf um die Deutungshoheit der Sprache wird Macht ausgeübt. Nehmen wir den Spaziergang. Dereinst war es die Freizeitbeschäftigung mittelalter Spiesser, langweilig bis zum Gehtnichtmehr. Während der Pandemie wurde der Spaziergang zum Volkssport und Synonym für die kleine Freiheit im Meer der grossen Einschränkungen. Findet der Spaziergang allerdings montags statt, hat er seine Unschuld komplett verloren. Für die einen ist er ein Mittel des friedlichen Protestes und für die anderen eine nicht genehmigte Demonstration.

In der Wendezeit war dieser Montags-Spaziergang der Menschen gegen die Diktatur des SED Regimes sehr positiv als friedliche Revolution besetzt. Davon kann zu Zeiten der Zeitenwende nicht mehr die Rede sein.

Ich Level up

Jedes Jahr Mitte Dezember ist es so weit und ein Jahr kommt oben drauf. Und da ich gerade den Jahresrückblick 2022 schreibe, schreibe ich mal ein paar Gedanken über das Alter.

Ich Level up – diese Umschreibung des Älterwerdens gefällt mir sehr gut, denn sie impliziert nicht nur einen höheren Spielstand, sondern sagt auch etwas aus über die zurückliegenden Meilensteine, Prüfungen und Schwierigkeiten, an denen ich wachsen durfte.

Fahrräder mit Kufen und der Spruch "Ich bin jetzt alt genug, es besser zu wissen und jung genug, es trotzdem zu tun."
Dieses Fortbewegungsmittel abwärts, habe ich tatsächlich noch nicht ausprobiert, dafür habe ich dieses Jahr das Stand-up-Paddeln für mich entdeckt.

Mit zunehmenden Jahren kenne ich genau meine Grenzen. Schon der Gedanke an fehlenden oder schlechten Nachtschlaf treibt mir den Angstschweiss aus den Poren, weil ich ihn nicht mehr einfach wegstecken. Auch sonst folgt die Strafe des Körpers ziemlich schnell, wenn ich mal wieder vergessen habe, dass ich nicht mehr 25 bin.

Die zunehmenden Jahre haben aber auch Vorteile. Ich muss es nicht mehr jedem recht machen. Diese Erkenntnis ist unglaublich befreiend. Ich weiss, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Insofern ist es nur noch wichtig, ob ich mich schön finde, denn dann strahle ich das auch aus.

Ich habe zwar immer noch viel mehr Träume und Ideen als Geld und Zeit, aber je älter ich werde, desto mehr entdecke ich mein inneres Kind wieder. Im Jahresrückblick 2021 habe ich über die wiedergefundene Freude am Entdecken geschrieben. Dieses Jahr war ich immer am Lernen. Nicht weil ich musste, sondern weil es mir Freude gemacht hat. Ich habe das Gefühl, dass mit höheren Leveln Raum und Freude im Leben wieder zunehmen.

Ich an meinem Geburtstag in Zürich im Jahresrückblick 2022, die Weihnachtsbeleuchtung Lucy zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.
Bestimmt betrachte ich gerade die weihnachtliche Beleuchtung der Bahnhofstrasse an meinem Geburtstag

Irgendwie flüstert mir das Universum das Jahresmotto für 2023 ein – on my way. Im ersten Moment wollte ich es wegschieben. On my way klingt sehr egoistisch. Das kann Frau doch nicht machen. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto richtiger fühlt es sich an. Nur weil ich Ehefrau, Mutter und Tochter bin, bedeutet das nicht automatisch, dass meine Bedürfnisse hinten anstehen.

Eine Freundin, mit der ich darüber sprach, sagte: «Du darfst dir auf die Schulter klopfen. In 2023 wird dein zweites Kind 18 und beide sind auf einem guten Weg. Wann, wenn nicht jetzt?»

Ausblick auf 2023

Um es mit Heraklit zu sagen: «Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.» Das Schlagwort in aller Munde wäre Transformation, welche immer einen Prozess der Veränderung oder der Umwandlung beschreibt. Deshalb gibt es im Jahresrückblick 2022 jetzt einen kleinen Ausblick. Ob es uns verändert, werden wir dann im nächsten Jahresrückblick sehen.

Ich sehe in 2023 eine Reise mit dem Wohnmobil für mehrere Wochen am Stück. Das bedeutet unendliche Abenteuer, die Beschränkung auf kleinen Raum und das Wesentliche an Dingen und für mich das Experiment von Reisen und Bloggen in Echtzeit. Daraus könnte etwas ganz Neues entstehen. Seit den Zeiten von Homeoffice wissen wir, dass remote Arbeiten funktioniert. Vielleicht gibt es dann in 2024 schon mehr Meer für uns.

In der Fotografie gibt es verschiedene Themen, die mich umtreiben. Ein Thema ist das Geschichten erzählen mit Bildern, ein anderes Thema wäre es, Worte bildlich zu nehmen. Natürlich möchte ich auch weiterhin die unglaubliche Schönheit unserer Welt festhalten.

In der Fotografie suche ich noch meinen eigenen Stil und für die Website den richtigen Claim. 2023 wird ein Jahr mit Raum für viele neue Ideen.

Da die Sache mit dem Hamsterrad-Rebell 2022 noch nicht funktioniert hat, kommt sie 2023 wieder auf den Tisch. Weniger Termine ist schon mal ein erster Vorsatz für das nächste Jahr.

Der Plan für 2023 sieht im Jahresrückblick 2022 weniger To do's und mehr unvergessliche Momente vor.

Mal sehen, welche Erkenntnisse und Einsichten mich noch treffen, während ich 2022 abschliesse und meine Energie auf das neue Jahr legen werden. On my way wird ein spannendes Jahr in spannenden Zeiten.

Schöne neue Zeit – ein Thema in 2023

Immer öfter begegnen mir jetzt Artikel und Diskussionen zum «ChatGPT», der neuen künstlichen Intelligenz. Viele fragen sich, ob die neue KI die schreibende Zunft ersetzen wird. Und nachdem ich auf Facebook über einen Erfahrungsbericht eines sprachlich bewanderten Menschen mit der KI gestolpert bin, ist klar, dass ich diese KI ausprobieren möchte. Dies verkündete ich beim Abendessen. Er hatte ein Gedicht mit erfundenen Worten verfasst und die KI hat es beeindruckend gut interpretiert. Ich behaupte mal, dass das Schreiben von Essays als Hausaufgabe bald entfällt.

Jedenfalls wollte der Autor des Nonsens-Gedichtes von der KI, dass sie selbst ein solches Gedicht verfasst. Und die KI verfasste ein wunderbares Gedicht, nur dass es keine sinnbefreiten Worte gab. So stellte er der KI die Aufgabe, ein Gedicht zu schreiben nur mit Worten, die den Vokal e enthielten. Das Gedicht war wieder gut und es verwendete viele Worte mit dem Vokal e, aber eben auch andere. Ein dritter Versuch folgte, der ebenfalls nicht ganz den Anforderungen entsprach.

Daraufhin entschuldigte sich die KI beim Nutzer, dass sie die Aufgabe nicht zu seiner Zufriedenheit erfüllt hätte und dass sie nur auf die Konzepte zurückgreifen kann, die man ihr beigebracht hat. Was sofort eine Mitleidsbekundung «wie süss, die arme KI» unserer Jüngsten zur Folge hatte. Worauf hin sich eine Diskussion über Maschinen und menschliche Eigenschaften ergab.

Künstliche Intelligenz

Als erstes musste Mähmäh, unser Rasenmähroboter herhalten, der tatsächlich sehr anhänglich ist und stets dorthin fährt, wo ich mich im Garten bewege und mit viel Spass versucht, Eimer mit Unkraut umzuschmeissen. Mähmäh ist schon ein halbes Familienmitglied. Also rede ich auch mit ihm.

Als nächstes erzählten unsere Töchter, dass im Museum für Kommunikation in Bern die Besucher tatsächlich gefragt werden, ob sie sich vorstellen könnten, eine freundschaftliche Beziehung zu einem Roboter zu unterhalten. Was die meisten bejaht hätten. Anschliessend wurde es etwas surreal, denn die nächste Frage war, ob sich die Befragten auch eine sexuelle Beziehung zu einem Roboter vorstellen könnte. Auf unser Unverständnis, ob dieser Frage, klärten uns die Mädels auf. Man ist pansexuell, wenn man Dinge liebt und sehr bekannt wäre eine Amerikanerin, die den Eiffelturm geheiratet hat, den sie allerdings nach 15 Jahren für einen Gartenzaun verlassen hat. Eine solche Geschichte hätte die KI erfinden können. Wer es nicht glaubt, kann googeln.

Fragen, die sich mir im Zusammenhang mit der KI stellen, im Jahresrückblick 2022.

Aber das nur am Rande, ich bin jedenfalls sehr gespannt auf meine Erfahrungen mit der KI und habe viele Fragen. Auch wenn Jörg beisteuern konnte, dass die KI wohl so gar nichts von den Menschen hält. Spätestens im nächsten Jahresrückblick werde ich über meine Erfahrungen mit der KI berichten. Bis dahin, bleibe neugierig und lass dich inspirieren.

PS. Falls du die KI auch ausprobieren willst, kannst du dich einfach kostenlos bei https://chat.openai.com anmelden. Die KI ist mehrsprachig.

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6 Kommentare zu “Heiter bis wolkig – der Jahresrückblick 2022”

  1. Liebe Susan,
    deine Makrobilder sehen spitze aus! Ich sollte auch mal über einen Fotokurs nachdenken.
    Ich kann deine anfänglichen Bedenken, nicht gut genug zu sein, so gut nachvollziehen. Aber prima, dass du selbstbewusst deinen Reiseblogger-Adventskalender gestartet hast: Er ist toll geworden und ich habe sehr gerne mitgemacht.
    Ich wünsche dir für 2023 weiterhin viel Erfolg und bin gespannt, wie es mit der KI laufen wird.
    Viele Grüße
    Annette

    1. Liebe Annette,
      es freut mich total, dass der Reiseblogger Adventskalender so gut angekommen ist. Irgendwie denkt man immer, dass es einem allein so geht, dass man das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein. Aber das scheint irgendwie ein Frauending zu sein, dass wir zu selbstkritisch und zu wenig selbstbewusst sind. Naja ich arbeite daran und freue mich auf 2023 und all die neu geknüpften Kontakte.

      Liebe Grüsse
      Susan

  2. Ganz herzlichen Dank für diesen tollen Jahresrückblick. Es steckt so viel drin, dass ich sicher noch einmal reinschauen werde. Mein eigener hat es noch nicht in die Welt geschafft. Aber dadurch weiß ich auch, wie viel Arbeit in solch einem Jahresrückblich steckt. Es ist schon was anderes über persönliche Entwicklung zu schreiben.

    Danke auch dafür, dass es etliche Bilder, die in einem Fotokurs von mir entstanden sind in Euren Jahresrückblick geschafft haben. Das berührt mich.

    Ich wünsche Euch für 2023 viele tolle Reisemomente, die ich dann per Blog miterleben darf.

    Die Kate

    1. Liebe Kate,

      danke für die «Blumen». Da du mich durch deine Fotokurse sehen lehrst und lehrst auf kleinste Details zu achten, habe ich mich auch in der Fotografie weiterentwickelt. Kein Wunder also, dass auch schöne Bilder, die in deinen Kursen entstanden sind und nichts mit Reisen zu tun haben, in den Jahresrückblick Eingang gefunden haben. Fotografie hat sich das ganze Jahr wie ein roter Faden durchgezogen. Für nächstes Jahr habe ich da auch einige Ambitionen.

      Ich freue mich schon, wir sehen uns in der Makrozeit.

      Liebe Grüsse
      Susan

  3. Lieben Dank für den Jahresrückblick und den Adventskalender. Ich hatte so viel Freude daran, dies hier zu lesen, Deine Schreibe ist magisch und die Fotos, ich bin total geflascht.
    Jetzt bin ich so gespannt, was sich bei Dir 2023 ergibt. Danke, dass ich ein Stück des Weges mitgehen durfte. Ich bin auch eine ohne Produkt oder Kurs und konnte mich in so vielen Dingen wiederfinden.
    LG Katja

    1. Hallo Katja,
      oh, das freut mich, dass du den Jahresrückblick gelesen hast. Auf der einen Seite schreibt man so eine Bilanz für sich selbst und auf der anderen Seite gibt man anderen die Möglichkeit, den Kopf hinter der Website besser kennenzulernen.

      Ich habe bisher nur drei, der auf Judiths Seite verlinkten Jahresrückblicke gelesen und bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich sie sind. Soweit ich weiss, wolltest du auch einen Jahresrückblick schreiben. Sobald die «freien Tage» beginnen, werde ich all die Dinge lesen, zu denen ich im Moment nicht komme. Ich bin schon gespannt auf deinen Rückblick und so ganz ohne Produkt stehst du ja nicht da, da gab es doch so tolle Camping-Führer?
      Liebe Grüsse
      Susan

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