La Rochelle Highlights am Tor zum Atlantik und ein Ausflug zur Île de Ré
Wer heute am Alten Hafen von La Rochelle flaniert und den Blick auf die mittelalterlichen Wehrtürme richtet, bewegt sich in einer lebendigen Kulisse, die Geschichte und maritimes Lebensgefühl perfekt miteinander vereint. Zu den Highlights im Herzen der Stadt gehört neben den drei markanten historischen Türmen auch das grosse Aquarium von La Rochelle, das Besucher in die faszinierende Unterwasserwelt des Atlantiks und der Weltmeere entführt.
Der Name La Rochelle weckt bei vielen Menschen unbewusst Bilder, die bis zu den Jugenderinnerungen an Alexandre Dumas’ Meisterwerk Die drei Musketiere zurückreichen. Einer der historischen Höhepunkte des Romans spielt genau hier vor den Toren der Festungsstadt. Während Kardinal Richelieu La Rochelle belagert, geraten auch d’Artagnan und seine Gefährten in die Auseinandersetzung. Doch wo im 17. Jahrhundert eine erbarmungslose Belagerung und der Kampf um die Vorherrschaft in Frankreich tobten, präsentiert sich die Stadt heute als eines der charmantesten Reiseziele an der Atlantikküste.

Falls du die Verfilmungen kennst, wundere dich nicht, von La Rochelle sieht man wenig bis gar nichts. Der Alte Hafen hat sich zu sehr verändert, als dass er noch als historische Kulisse dienen könnte. Während ältere Filme in Spanien gedreht wurden, diente bei der jüngsten Verfilmung Saint-Malo als La Rochelle. Die berühmten Türme von La Rochelle wurden später am Computer eingefügt.
Ich lade dich ein, mit mir einen Tag durch diese prächtige Hafenstadt zu flanieren. Reich geworden durch den Fleiss der Hugenotten, den Fischfang sowie die Beute der Freibeuter, war La Rochelle mit seinem protestantischen Glauben und seinen weitreichenden Privilegien lange Zeit ein Dorn im Auge des französischen Königs, was letztlich zur Belagerung führte.
Eine Brücke verbindet La Rochelle mit der Île de Ré, was die Insel zu einem perfekten Tagesausflug macht. Dort erwarten uns kleine Hafenorte, Salzfelder, ein berühmter Leuchtturm und weite Strände. Wer mehr Zeit hat, kann auf der Insel wunderbar relaxen.
Praktische Reisetipps für La Rochelle
La Rochelle liegt an der französischen Atlantikküste im Département Charente-Maritime und gehört zur Region Nouvelle-Aquitaine. Bordeaux befindet sich rund 185 Kilometer südlich, Nantes etwa 145 Kilometer nördlich. Beide Städte sind in etwa zwei Stunden bequem mit dem Auto zu erreichen. Diese Lage macht die historische Hafenstadt zu einem idealen Ausgangspunkt oder Zwischenstopp für Roadtrips entlang der Westküste Frankreichs. Direkt vor der Küste liegt die Île de Ré, die über eine knapp drei Kilometer lange Brücke mit dem Festland verbunden ist und sich sowohl als Tagesausflug als auch als eigenes Urlaubsziel eignet.
Für uns verbindet La Rochelle den rauen Charme des Atlantiks mit dem entspannten Lebensgefühl des französischen Südens, das wir auf unserem Roadtrip bereits in Sète, dem Venedig des Languedoc, und in Gruissan am Mittelmeer gefunden haben.

Anreise
La Rochelle ist auf verschiedenen Wegen unkompliziert zu erreichen. Für die Anreise mit der Bahn bietet sich vor allem die Verbindung über Paris an. Vom dortigen Bahnhof Gare Montparnasse fährt der TGV in knapp drei Stunden direkt ans Ziel. Auch aus den nahen Regionalmetropolen Nantes und Bordeaux gibt es schnelle, direkte Zugverbindungen. Wer lieber mit dem eigenen Auto anreist, nutzt das gut ausgebaute französische Autobahnnetz.
Für die Anreise mit dem Flugzeug besitzt La Rochelle zwar einen eigenen Flughafen direkt vor den Toren der Stadt, dieser wird aus dem deutschsprachigen Raum jedoch kaum bedient. Direktflüge, wie etwa ab Genf, gibt es meist nur saisonal während der Hauptreisemonate. Daher ist es für Flugreisende oft komfortabler und flexibler, einen Flug zum grösseren Flughafen in Bordeaux zu buchen. Von dort aus lässt sich die Weiterreise nach La Rochelle ganz bequem mit einem Mietwagen* oder der Bahn fortsetzen.

Übernachten
In La Rochelle gibt es zahlreiche Unterkünfte* für jeden Geldbeutel. Die Wahl der passenden Unterkunft hängt von der Art der Anreise ab. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist, kann sich direkt in einem der zentral gelegenen Hotels der Altstadt einmieten. Autofahrer, die dagegen einen Parkplatz benötigen, sollten sich lieber etwas ausserhalb der Altstadt von La Rochelle umschauen, da die historische Innenstadt oft eng ist und Parkplätze dort Mangelware oder teuer sind.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
Hinweis: Tiefgaragen in Frankreich haben so ihre Tücken. Bitte genau prüfen, ob das eigene Fahrzeug auch wirklich in die Garage passt.
Selbst wenn man nicht direkt im Zentrum von La Rochelle wohnt, erreicht man dieses schnell, wenn sich in der Nähe der Unterkunft eine Bushaltestelle befindet. Das hervorragend ausgebaute und engmaschig bediente Busnetz bringt einen unkompliziert direkt zum alten Hafen von La Rochelle, von wo aus man die Highlights zu Fuss erkunden kann.
Fahrpläne und die schnellsten Verbindungen lassen sich flexibel über die offizielle „Yélo“-App abrufen, über die man auch Tickets digital kaufen kann. Alternativ kann man einen Fahrschein auch beim Busfahrer oder durch tap and pay kaufen.
Wir haben die App genutzt. Es reicht, wenn einer der Gruppe die App hat. Man kauft Einzeltickets oder Mehrfahrtentickets und scannt mit der App den QR Code im Bus. Ein Ticket ist 60 Minuten ab Entwertung gültig. In dieser Zeit darf man beliebig umsteigen, muss aber jedes Mal erneut den QR Code scannen.
La Rochelle, Richelieu und die drei Musketiere
Mit den drei Musketieren im Kopf sieht man den Alten Hafen von La Rochelle mit anderen Augen. Die Wehrtürme wirken beim Blick über das Wasser wie der Eingang zu jener Festungsstadt, die sich einst dem französischen König widersetzte. Auch wenn Alexandre Dumas die Geschichte für seinen Roman ausgeschmückt hat: Den König, den Kardinal Richelieu, die Hugenotten und die Belagerung gab es wirklich. Sie formten die Stadt und schufen die Kulisse, die heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von La Rochelle gehört.
Doch wie konnte eine einzige Hafenstadt an der Atlantikküste so mächtig werden, dass die Krone sie mehr als ein Jahr lang belagern musste?

Der Alte Hafen von La Rochelle bringt Reichtum und Freiheit
Der erste Hafen von La Rochelle lag noch weiter landeinwärts. Von dort wurden bereits im Mittelalter Wein und Salz nach Nordeuropa verschifft. Eine entscheidende Wendung brachte Eleonore von Aquitanien. Sie heiratete 1152 Heinrich Plantagenet, der zwei Jahre später als Heinrich II. den englischen Thron bestieg. Damit kam auch La Rochelle unter englische Herrschaft.
Heinrich II. ist uns schon in Bordeaux und Saint-Émilion begegnet. Auch La Rochelle profitierte von den engen Verbindungen nach England. Der Handel wuchs und Schiffe der Hanse liefen den Hafen an, um Wein und Salz zu kaufen. Bald reichte der alte Anlegeplatz nicht mehr aus. Im Jahr 1222 erlaubte Heinrichs Enkel, König Heinrich III., den Bau eines neuen Hafens. Es ist der heutige Alte Hafen von La Rochelle.
In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Stadt mehrfach zwischen englischer und französischer Herrschaft. Als die Einwohner 1372 die Engländer vertrieben, liessen sie den französischen König erst einziehen, nachdem er ihnen ihre Rechte bestätigt hatte. La Rochelle gehörte nun zu Frankreich, bewahrte sich aber ein hohes Mass an Freiheit. Der Hafen machte die Stadt reich und der Handel selbstbewusst.
Davon erzählen noch heute die Türme von La Rochelle. Der Tour Saint-Nicolas und der Tour de la Chaîne bewachten die Hafeneinfahrt. Zwischen ihnen konnte eine schwere Kette gespannt werden, die unerwünschten Schiffen den Weg versperrte.

Hugenotten und Freibeuter in La Rochelle
Im 16. Jahrhundert wurde La Rochelle zu einer Hochburg der Hugenotten. Der protestantische Glaube verband sich hier mit dem alten Wunsch, möglichst unabhängig vom französischen König zu bleiben. Hinter den Stadtmauern entstand beinahe ein Staat im Staat.
1568 zog Jeanne d’Albret mit ihren Kindern nach La Rochelle. Sie war Königin von Navarra, überzeugte Protestantin und eine der mächtigsten Anführerinnen der Hugenotten. Ihr Sohn war der spätere französische König Heinrich IV. Jeanne brachte Geld sowie politische Verbindungen mit und machte La Rochelle zum Zentrum der protestantischen Sache.
Zum Kampf gehörte auch der Krieg auf See. Jeanne d’Albret und die protestantischen Fürsten stellten Kaperbriefe aus. Damit durften Freibeuter vor allem Schiffe der katholischen Gegner angreifen. Besonders die spanischen Frachter waren ein lohnendes Ziel. Ihre Ladung füllte die Kassen und jeder gekaperte Kreuzer schwächte zugleich die Gegenseite.
Als Heinrich IV. König von Frankreich wurde, garantierte er den Protestanten im Edikt von Nantes ihre Rechte. La Rochelle durfte seine Befestigungen und Truppen behalten. Nach seiner Ermordung begann sein Sohn Ludwig XIII. diese Sonderstellung jedoch zurückzudrängen. Der Konflikt, den Dumas in Die drei Musketiere aufgreift, war nicht mehr aufzuhalten.
Die Belagerung von La Rochelle
1627 landete der englische Herzog von Buckingham mit seinen Truppen auf der Île de Ré, um die Hugenotten von La Rochelle zu unterstützen. König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu liessen die Stadt daraufhin belagern. Richelieu wollte nicht den protestantischen Glauben allein besiegen. Er wollte vor allem die politische und militärische Macht La Rochelles brechen.
Damit befinden wir uns mitten in der Welt der drei Musketiere. Athos, Porthos, Aramis und später d’Artagnan, ziehen im Roman mit den königlichen Truppen vor La Rochelle. Während Dumas sie unter feindlichem Beschuss in einer Bastion frühstücken und gegen Miladys Intrigen kämpfen lässt, wurde die Lage für die Menschen hinter den Stadtmauern immer verzweifelter.
Richelieu liess die Zufahrt über das Meer mit einem gewaltigen Damm blockieren. Englische Schiffe versuchtem vergeblich, die Sperre zu durchbrechen. In La Rochelle gingen die Lebensmittel aus. Nach mehr als einem Jahr öffnete die ausgehungerte Stadt im Oktober 1628 ihre Tore.
Die alten Befestigungen wurden anschliessend weitgehend zerstört. Die berühmten Türme von La Rochelle blieben jedoch stehen. Sie sind die letzten mächtigen Zeugen jener Stadt, die Richelieu in die Knie zwang. Später dienten sie unter anderem als Gefängnisse. Im Tour Saint-Nicolas wurden nach der Aufhebung des Edikts von Nantes auch Protestanten eingesperrt, die fliehen wollten oder anderen bei der Flucht halfen.

Neuer Reichtum nach der Belagerung
Nach der Belagerung musste sich La Rochelle neu erfinden. Der Fischfang vor Neufundland und der Handel mit den französischen Kolonien brachten wieder Geld in die Stadt. Im 18. Jahrhundert beteiligten sich die Reeder von La Rochelle auch am Sklavenhandel. Nach Nantes entwickelte sich die Stadt zum zweitwichtigsten französischen Sklavenhafen.

In Nantes erinnert heute ein grosses Mahnmal an diese Epoche. Auch das Stadtbild von La Rochelle wurde stark durch diesen Handel geprägt, von dem noch heute die repräsentativen Bürgerhäuser der Altstadt zeugen. Damit führt uns die Geschichte vom Alten Hafen direkt zu den Sehenswürdigkeiten von La Rochelle, die wir nun zu Fuss entdecken.
La Rochelle Highlights rund um den alten Hafen
Unser Rundgang beginnt am Alten Hafen von La Rochelle, wo wir den Bus direkt am Quartier du Gabut verlassen. Das Viertel erstreckt sich vom Alten Hafen entlang des Bassin des Chalutiers bis zum Aquarium La Rochelle. Am Rand des Viertels liegt auch das Musée Maritime mit seinen Museumsschiffen und dahinter der grosse Yachthafen.
Das heutige Gabut entstand auf dem ehemaligen sumpfigen Südufer des Hafens. Im 14. Jahrhundert wurde das Gebiet befestigt, später aufgeschüttet und schrittweise in die Stadt einbezogen.
Seit mehreren Jahren wird der Alte Hafen von La Rochelle umfassend städtebaulich umgestaltet und restauriert. Breite Promenaden und neu geschaffene Freiflächen öffnen den Blick auf die Hafenbecken, die Segelboote und die berühmten Türme von La Rochelle.
Sein heutiges farbenfrohes Gesicht erhielt das ehemalige Hafenviertel Ende der 1980er-Jahre. Kleine Holzhäuser in Rot, Blau und Gelb verleihen dem Gabut ein beinahe skandinavisches Aussehen. Das ist kein Zufall. Die Gebäude wurden von einer dänischen Gruppe entworfen und erinnern bewusst an die alten Handelsbeziehungen zwischen La Rochelle und den Kaufleuten der Hanse. Damit unterscheidet sich das Viertel deutlich von den sonst vorherrschenden hellen Kalksteinfassaden der Altstadt von La Rochelle.

Von hier folgen wir der Promenade in Richtung Tour Saint-Nicolas.
Tour Saint-Nicolas – der schiefe Turm von La Rochelle
Am Ende der Promenade erreichen wir den Tour Saint-Nicolas. Der mächtige Wehrturm bewacht seit dem 14. Jahrhundert die Einfahrt zum Alten Hafen von La Rochelle. Im Turm lebte ein vom Bürgermeister eingesetzter Kommandant mit seiner Familie und den ihm unterstellten Soldaten. Sie kontrollierten den Schiffsverkehr und verteidigten bei einem Angriff den Zugang zum Hafen.
Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Tour de la Chaîne bildete der Tour Saint-Nicolas ein gut gesichertes Hafentor. Eine schwere Eisenkette war auf seiner Seite fest verankert. Vom anderen Ufer wurde sie mit einer Winde quer durch die Hafeneinfahrt gespannt. So liess sich der Hafen für feindliche oder unerwünschte Schiffe vollständig sperren. Für einfahrende Schiffe wurde die Kette wieder ins Wasser abgesenkt. Der Kommandant des Tour de la Chaîne überwachte zudem die Schiffsbewegungen und liess die fälligen Hafengebühren einziehen.

Dass der Tour Saint-Nicolas schief steht, fällt uns direkt davor stehend nicht auf. Wir erfahren es erst durch die Informationstafel vor dem eingerüsteten Turm. Sein Gewicht von rund 17.000 Tonnen lastet auf einem instabilen Untergrund. Bereits während des Baus begann sich das Bauwerk leicht zu neigen.
Seit 2019 wurden erneut Bewegungen am Mauerwerk festgestellt, die sich im Frühjahr 2024 verstärkten. Deshalb ist der Turm bis 2031 für Besucher geschlossen. Zunächst wird der Turm gesichert und stabilisiert, anschliessend folgt eine Restaurierung.
Wir laufen deshalb um das Hafenbecken auf die andere Seite. Dort führt eine breite Promenade an zahlreichen Restaurants vorbei. Hier legen auch die Wasserbusse und die Boote zu den Hafenrundfahrten ab. Eine Fahrt vorbei am Fort Boyard, das auf einer Sandbank im Meer liegt, hätte uns sehr interessiert. Wegen des Niedrigwassers passen die Abfahrtszeiten jedoch nicht in unseren Tagesplan.

Tour de la Chaîne: Aussicht über Hafen und Atlantik
Direkt vis-à-vis des Tour Saint-Nicolas steht der Tour de la Chaîne. Der runde Wehrturm wurde Ende des 14. Jahrhunderts errichtet. Von hier aus wurde einst die schwere Eisenkette bedient, mit der sich die Einfahrt zum Alten Hafen sperren liess.
Ursprünglich war der Turm 34 Meter hoch und trug ein spitzes Dach. Bei einer Explosion im Jahr 1651 wurden die oberen Stockwerke und das Dach zerstört. Fast 300 Jahre blieb der Tour de la Chaîne nach oben offen. Heute ist er nur noch etwa 20 Meter hoch.
Wir steigen hinauf und geniessen den weiten Blick über den Alten Hafen von La Rochelle und den Atlantik. Von oben sehen wir bei Ebbe etwas, das an einen Friedhof am Fuss des Tour Saint-Nicolas erinnert. Die Recherche ergibt jedoch, dass es sich um ein Freiluftlabor handelt. Bereits seit 1904 werden an dieser Stelle Materialien dem Einfluss von Salzwasser und Gezeiten ausgesetzt. Heute untersuchen Wissenschaftler hier vor allem, wie schnell Stahlbeton im Meer altert.

Tour de la Lanterne, Leuchtturm und Gefängnis
Vom Tour de la Chaîne folgen wir der Rue sur les Murs. Der Weg verläuft entlang eines erhaltenen Abschnitts der alten Stadtmauer und führt zum dritten der berühmten Türme von La Rochelle.
Mit seiner hohen gotischen Spitze sieht der Tour de la Lanterne ganz anders aus als die beiden Wehrtürme an der Hafeneinfahrt. Der heutige Turm entstand im 15. Jahrhundert. Seine verglaste Laterne, in der früher ein Feuer brannte, ist ein seltenes Beispiel eines Leuchtturms aus dem späten Mittelalter.

Später wurde der Tour de la Lanterne als Gefängnis genutzt. Seeleute, Freibeuter und Militärgefangene hinterliessen im Innern mehr als 600 in den Stein geritzte Namen, Schiffe und andere Zeichnungen. Wir verzichten auf den Aufstieg und setzen unseren Rundgang zu Fuss fort.


Wenig später erreichen wir das Fort des Dames an der Porte des Deux-Moulins. Der kleine Wehrbau entstand 1622 zur Verstärkung der Stadtbefestigung. Damit stand er bereits, als Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu wenige Jahre später La Rochelle belagern liessen. Während anschliessend grosse Teile der Befestigungsanlagen zerstört wurden, blieb ein Teil des Fort des Dames erhalten.
Bummel durch die Altstadt von La Rochelle
Auf dem Rückweg vom Fort des Dames streifen wir durch die Gassen der Altstadt von La Rochelle und landen zufällig in der Rue Saint-Jean du Pérot. Hier reiht sich ein Restaurant an das nächste. Der richtige Ort für eine Pause und etwas zu essen.

Anschliessend werfen wir einen Blick in die ehemalige Fischhalle. Das Gebäude war ursprünglich ein Kloster der Karmeliten und diente ab 1847 fast ein Jahrhundert lang als Fischmarkt. Heute befindet sich hier La Coursive, ein Theater und Kulturzentrum. Beim Umbau blieben die historische Fassade und Teile des alten Kreuzgangs erhalten.

Wenig später laufen wir durch die Grosse Horloge. Der Uhrturm war ursprünglich ein befestigtes Stadttor und trennte den Hafen vom ummauerten Stadtgebiet. Dahinter lassen wir uns ohne festes Ziel durch die Strassen treiben. Helle Bürgerhäuser, zahlreiche Geschäfte und lange Arkadengänge prägen das Bild. Unter diesen geschützten Laubengängen konnten die Kaufleute früher ihre Waren unabhängig vom Wetter anbieten.

Das historische Rathaus von La Rochelle verpassen wir dabei irgendwie. Dafür landen wir in der Église Saint-Sauveur und begegnen erneut der bewegten Religionsgeschichte der Stadt. Eine erste Kirche wurde an dieser Stelle bereits 1152 errichtet. Die Hugenotten liessen sie 1568 bis auf den Glockenturm abreissen und verwendeten die Steine zur Verstärkung der Befestigungsanlagen.
Der Glockenturm blieb erhalten, weil er sich als Wachturm und Geschützplattform nutzen liess. Während der Belagerung von La Rochelle beobachteten die Hugenotten von dort die Brandgeschosse der königlichen Truppen.
Die heutige Kirche wurde 1718 fertiggestellt. Der alte Glockenturm wird bei unserem Besuch gerade restauriert.

Im Innern zeigt die Kirche bei unserem Besuch eine Ausstellung des Hilfswerks AED über verfolgte Christen in verschiedenen Ländern der Welt. So reicht das Thema religiöser Verfolgung, das uns durch die Geschichte von La Rochelle begleitet, unerwartet bis in die Gegenwart.
Lohnt sich ein Besuch im Aquarium von La Rochelle?
Für uns lautet die Antwort eher nein. Das Aquarium La Rochelle zeigt zwar eine grosse Vielfalt mariner Lebensräume und Bewohner, architektonisch enttäuscht es jedoch.

Der Rundgang führt durch ein dunkles, enges Grottenlabyrinth mit nischenartigen Gucklöchern zu den Becken. Bereits bei etwas Besucherandrang entstehen vor diesen kleinen Öffnungen lange Staus. Der Blick auf die Tiere ist häufig versperrt und in den engen Gängen stellt sich schnell ein fast klaustrophobisches Gefühl ein.

Wer die weiten Panoramascheiben moderner Aquarien wie in Lissabon kennt, wird sich im Aquarium La Rochelle räumlich stark eingeengt fühlen. Am Ende des Rundgangs gibt es beim Restaurant noch ein Tropenhaus. Dafür blieb uns jedoch keine Zeit mehr, da das Aquarium kurz vor der Schliessung stand. Insgesamt gehört das Aquarium für uns nicht zu den La Rochelle Highlights.
Ausflug auf die Île de Ré
Die Île de Ré liegt direkt vor der Küste von La Rochelle. Mit einer Länge von rund 30 Kilometern und einer Fläche von etwa 85 Quadratkilometern ist sie grösser, als sie auf der Karte zunächst wirkt. An ihrer schmalsten Stelle bei Le Martray misst sie dagegen gerade einmal 70 Meter. Hier bleibt zwischen Atlantik und Salzfeldern kaum mehr Platz als für die Strasse, die in den Westen der Insel führt.
Zehn kleine Orte verteilen sich über die flache Insel. Weisse Häuser mit grünen Fensterläden, kleine Häfen, Salzfelder und lange Strände prägen ihr Gesicht. Zu den bekanntesten Île de Ré Highlights gehören Saint-Martin-de-Ré, der Leuchtturm Phare des Baleines und die Salzgärten rund um Loix. Fast 140 Kilometer Radwege machen die Insel ausserdem zu einem beliebten Ziel für Radfahrer.

Wie kommt man zur Île de Ré?
Seit 1988 verbindet eine knapp drei Kilometer lange Brücke La Rochelle mit der Île de Ré. Sie ist rund um die Uhr geöffnet. Für motorisierte Fahrzeuge wird auf der Hinfahrt eine Maut erhoben, die Rückfahrt ist bereits enthalten. Fahrräder und Fussgänger können die Brücke kostenlos nutzen. Die aktuellen Konditionen und Informationen zur Verkehrslage findest du auf der Website.

Ohne Auto erreichst du die Insel mit der regionalen Buslinie 150. Sie fährt vom Bahnhof La Rochelle über Saint-Martin-de-Ré bis nach Les Portes-en-Ré und bedient unterwegs mehrere Orte der Insel. Die aktuellen Fahrpläne veröffentlicht ebenfalls die Website der Île de Ré.
Eine Alternative ist die saisonale Schiffsverbindung zwischen La Rochelle und Saint-Martin-de-Ré. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Achtung, die Fähren sind während der Saison schnell ausgebucht. Angezeigt werden auf der Website der Companie Interiles nur die Fähren, für die noch Plätze reserviert werden können.
Auf bestimmten Fahrten können Fahrräder mitgenommen werden. Da die Stellplätze begrenzt sind, sollte das Fahrrad möglichst zusammen mit der Überfahrt reserviert werden. Einfacher ist es, erst nach der Ankunft eines zu mieten. Das kann man beispielsweise bei Beach Bikes in Saint-Martin-de-Ré.
Wo übernachten auf der Île de Ré?
Wer länger als einen Tag auf der Île de Ré bleiben möchte, hat die Wahl zwischen zehn ganz unterschiedlichen Orten. Rivedoux-Plage liegt direkt hinter der Brücke und ist für seine beiden Strände bekannt. La Flotte und Ars-en-Ré zählen zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Während La Flotte mit seinem Hafen und dem historischen Markt punktet, liegt Ars-en-Ré im Westen zwischen Salzfeldern und Atlantik. Le Bois-Plage-en-Ré besitzt lange Sandstrände. La Couarde-sur-Mer liegt ungefähr in der geografischen Mitte der Insel und eignet sich dadurch gut als Ausgangspunkt für Ausflüge. Saint-Martin-de-Ré ist mit seinem lebhaften Hafen, den Restaurants und Geschäften ideal für alle, die auch am Abend gern etwas unternehmen.
Auf der Île de Ré findest du Hotels, Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Campingplätze. In der Hauptsaison sind viele Unterkünfte früh ausgebucht. Wer mit dem Auto anreist, sollte ausserdem darauf achten, ob ein Parkplatz zur Unterkunft gehört.

Highlights auf der Île de Ré
Die Sehenswürdigkeiten der Île de Ré verteilen sich über die gesamte Insel, eingebettet zwischen Weinbergen, Feldern und weiten Salzlandschaften. Unsere Fahrt führt uns von La Rochelle über die mautpflichtige Brücke bis in den Norden nach Saint-Martin-de-Ré und anschliessend weiter nach Westen bis zum Phare des Baleines.
Kaum haben wir die Insel erreicht, nutzen wir die ersten Parkplätze für einen Blick zurück auf die fast drei Kilometer lange Brücke, die sich in einem weiten Bogen über das Meer spannt. Noch zeigt sich der Himmel an diesem Morgen allerdings in einem trüben Grau.

Abbaye des Châteliers und Fort La Prée
Auf dem Weg zu den Highlights der Île de Ré tauchen schon bald die Ruinen der Abbaye des Châteliers in der Landschaft auf. Zisterziensermönche gründeten das Kloster im 12. Jahrhundert und legten mit dem Weinbau sowie den ersten Salzgärten die wirtschaftliche Basis der Insel. Im 16. Jahrhundert wurde die Abtei aufgegeben.

Ihre Steine fanden bald eine neue Verwendung. Sie dienten als Baumaterial für das nahe gelegene Fort La Prée, das ab 1625 die königliche Macht auf der Insel sichern sollte. Nur zwei Jahre später bewährte es sich, als englische Truppen auf der Île de Ré landeten, um die Hugenotten von La Rochelle zu unterstützen.
Das Fort ist das älteste erhaltene Militärbauwerk der Insel. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach umgebaut und später auch von Vauban überarbeitet. Da es bei unserem Besuch geschlossen ist, sehen wir die Anlage nur von ausserhalb. Der markante Giebel der Klosterruine wurde später schwarz-weiss angestrichen und diente den Seefahrern als weithin sichtbare Orientierung.
Zwischen Salzfeldern und Ars-en-Ré
Weiter westlich folgen wir einem Schild zum Écomusée du Marais Salant. Unsere Hoffnung, dort unsere Salzvorräte auffüllen und kleine Mitbringsel kaufen zu können, erfüllt sich. Der Shop, durch den man das Museum betritt, bietet eine gute Auswahl. Das Museum selbst besteht lediglich aus einigen Schautafeln, Modellen und einem kleinen Kinoraum, in dem ein Einführungsfilm gezeigt wird. Da wir die Salzgewinnung bereits bei einer Führung in den Salzgärten von Guérande kennengelernt haben, geniessen wir lieber die Stille zwischen den geometrisch angelegten Salzbecken.
Mitte September liegen die Salzbecken bereits verlassen da. Keine Salzhaufen und -krusten schmücken das Gelände mehr, aber Vögel fühlen sich in den Kanälen immer noch wohl.

Anschliessend geht es über die schmalste Stelle der Insel nach Ars-en-Ré. Schon von Weitem weist der 40 Meter hohe Kirchturm von Saint-Étienne den Weg. Seine markante schwarz-weiss lackierte Spitze diente ebenfalls seit dem 15. Jahrhundert der Navigation. Ein kurzer Halt lohnt sich, um durch den charmanten Ortskern zu spazieren.

Maritimes Flair in Saint-Martin-de-Ré
Saint-Martin-de-Ré an der Nordküste der Insel ist so etwas wie ihr Zentrum. Bereits die zahlreichen grossen Parkplätze vor dem Ort deuten an, dass es hier sehr voll werden kann. Vom Parkplatz folgen wir den Befestigungsanlagen am Meer bis zum Yachthafen, dessen Becken eine kleine Insel umschliesst. Da frische Luft hungrig macht, suchen wir uns hier erst einmal ein Restaurant und geniessen das Wetter, das Ambiente und eine kleine Stärkung. Wie Gott in Frankreich lassen wir es uns auf diesem letzten Ausflug unseres Roadtrips gut gehen.

Anschliessend schlendern wir an den kleinen Geschäften vorbei und lauschen dem Stimmengewirr aus zahlreichen Sprachen. Beim Blick auf das Hafenbecken vergisst man schnell, dass dieser idyllische Ort einst einen rein militärischen Zweck erfüllte.
Nahezu vollständig umschlossen wird der Ort von gewaltigen Befestigungsanlagen mit insgesamt 14 Kilometern Mauern. Natürlich folgen wir ihnen nicht bis in den letzten Winkel. So erkennen wir auch erst bei der Ausfahrt an der Porte des Campani die typischen Merkmale einer Vauban-Festung. Vauban zog die Mauern bewusst so weiträumig, damit im Fall eines Angriffs die gesamte Inselbevölkerung darin Schutz finden konnte. Innerhalb der Verteidigungsanlagen liegt auch eine Zitadelle am Meer, die noch heute als Gefängnis genutzt wird.

Phare des Baleines
Unseren letzten Stopp legen wir schliesslich am westlichsten Zipfel der Insel ein, dem Phare des Baleines. Während die Salzfelder am Vormittag noch von einsamer Stille geprägt waren, ist hier am „Leuchtturm der Wale“ immer noch erstaulich viel Trubel.


Der 57 Meter hohe, oktagonale Riese aus dem 19. Jahrhundert zieht die Besucher magisch an. Direkt daneben steht der deutlich kleinere Vieille Tour des Baleines, den bereits Colbert im 17. Jahrhundert errichten liess. Mit diesem Blick auf den offenen Atlantik verabschieden wir uns langsam von der Insel und treten den Rückweg zum Festland an.

