Marais Salants de Guérande – Landschaft des weissen Goldes

Nur eine Stunde westlich von Nantes, zwischen Atlantik Altstadt von Guérande, breitet sich eine faszinierende geometrische Landschaft aus – die Marais Salants de Guérande. Doch die Landschaft erschöpft sich nicht in Salzfeldern allein. Hinter den rund 2.000 Salzfeldern und der Geschichte der Salzgewinnung in dieser Region warten weitere Entdeckungen. Etwa Batz-sur-Mer mit dem grossen Bunker, dem kleinen Hafen und den Villen aus der Zeit, als der Tourismus begann. Folgst du der Halbinsel weiter, erwarten dich die Côte Sauvage und der Hafen von Le Croisic, ein geschäftiges Küstenstädtchen. Ebenso ist die schmale Halbinsel Pen Bron mit ihren geschützten Dünen, dem Lost Place eines ehemaligen Sanatoriums und langen Sandstränden auf der gegenüberliegenden Seite von Le Croisic sehenswert. Ganz anders dagegen das stille Moorland des Naturparks Brière, wo im reetgedeckten Dorf Kerhinet das traditionelle Leben sichtbar wird. Und nördlich davon erhebt sich mit dem Château de Ranrouët eine unerwartete Burgruine im Grünen.

Komm mit auf eine Reise vom Meer zum Salz – und entdecke eine Region zwischen Küste, Mooren und Geschichte.

Die Marais Salants de Guérande bestehen aus zahlreichen geometrischen Salzfeldern inmitten üppig grüner Natur.
Geometrische Salzfelder

Die Salzgärten von Guérande entdecken

Weit erstrecken sich die Marais Salants de Guérande, eine Landschaft aus geometrischen Becken mit schmalen Dämmen. Zwischen den akkurat angelegten Salzfeldern gibt es immer wieder grössere Seen, die zahlreiche Vögel anlocken. Doch wo ist das Meer? Später lernen wir, dass die Seen die Vorratsbecken mit Meereswasser sind. Nur zweimal im Monat zur Springflut bei Neu- und Vollmond füllen sich die Kanäle und Vorratsbecken mit Meereswasser.

Der Himmel spiegelt sich in den geometrischen Salzfeldern der Marais Salants de Guérande. Am Ufer blüht der Ginster.
Warten auf die Salzernte

Hier, wo salziges Wasser, Sonne und Wind zusammentreffen, tummeln sich im Frühjahr unzählige Vögel. Für sie sind die Seen ein All-you-can-eat-Restaurant und zugleich ein sicherer Brutplatz. Die Marais Salants sind ein Paradies für Ornithologen und ein Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Zwei Stelzenläufer und ein Austernfischer suchen in den Salzfeldern in den Marais Salants de Guérande nach Futter.
Stelzenläufer und Austernfischer in den Salzfeldern

Wir waren im Frühling vor Beginn der eigentlichen Salzgewinnung in den Marais Salants de Guérande unterwegs. Stattdessen waren die Paludiers, die Salzbauern, mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Sie besserten die Ränder und schmalen Wege zwischen den Becken aus. Algen, die sich über den Winter in den Becken gebildet hatten, wurden entfernt. Denn erst, wenn die Sonne stark genug ist und es mindestens dreissig Tage nicht geregnet hat, beginnt die eigentliche Salzernte.

Salzfelder, deren Dämme schon ausgebessert sind, aber wo die Algen noch aus den Becken entfernt werden müssen.
Dies Salzfelder müssen noch von Algen gereinigt werden, bevor die Salzgewinnung starten kann.

Vom Meer ins Becken – wie Salz entsteht

Seit mindestens 1.500 Jahren wird in den Marais Salants de Guérande auf nahezu gleiche Weise Salz gewonnen. Über ein ausgeklügeltes Kanalsystem fliesst das Meerwasser zur Springflut vom 2 bis 7 Kilometer entfernten Atlantik in das Hinterland mit seinem ton- und lehmhaltigen Boden. Je nach Temperatur entscheidet der Paludier, wie viel Wasser er täglich aus den Vorratsbecken in die Salzfelder leitet, um die Verdunstung optimal zu steuern.

Auch heute noch wird das Salzwasser wie vor 1.500 Jahren mit einem per Schieber verschlossenen Rohr in die Salzfelder geleitet.
1.500 Jahre alte Technik, die sich bewährt hat

Die Geometrie der Salzfelder folgt einem klaren System. Zuerst fliesst das Wasser in die äusseren Becken. Auf dem Weg in die Mitte, wo sich die Erntebecken befinden, verdunstet es zunehmend. In der Mitte sammelt sich schliesslich eine gesättigte Lauge, die zu Salz kristallisiert.

Auf den runden Flächen in den Salzfeldern lagern im Sommer die Salzhaufen, die mit der Schubkarre an Land gebracht werden. - Marais Salants de Guérande
Auf den runden Feldern wird das Salz zwischengelagert

Die obersten Salzkristalle, die auf der Wasseroberfläche schwimmen, ergeben das wertvollste Salz – Fleur de sel. Es wird vormittags abgeschöpft. Je nach Windrichtung entstehen grössere oder kleinere Kristalle. Fleur de sel ist strahlend weiss und wirkt wie ein natürlicher Geschmacksverstärker. Das grobe Meersalz dagegen hat durch den Kontakt mit dem tonhaltigen Boden eine graue Farbe und ist reich an Mineralstoffen. Unter dem Namen Terre de Sel, der Marke der Salzbauern-Genossenschaft der Marais Salants de Guérande, wird es international vertrieben.

Grobes Meersalz mit einer beigen oder grauen Farbe - Terre de Sel in den Marais Salants de Guérande.
Grobes Meersalz

Wie anstrengend die Arbeit eines Salzbauern ist, erfahren wir im Rahmen einer Führung des Besucherzentrums Terre de Sel in Pradel. Schon die langen Holzstangen, mit denen die Arbeitsgeräte über die Becken bewegt werden, sind schwer. Und im Sommer brennt die Sonne vom Himmel.

Ein Las, Arbeitsgerät der Salzbauern von Guérande liegt am Boden. An einer langen Stange befindet sich Querbalken. Mit diesem Schieber wird Salz geerntet oder Algen zusammengeschoben.
Wichtiges Arbeitsgerät der Paludiers

Heute entscheiden sich wieder mehr junge Menschen für den Beruf des Paludiers. Sie schätzen die handwerkliche Arbeit draussen in der Natur und tragen dazu bei, ein altes regionales Wissen zu bewahren.

Terre de Sel ist aber mehr als ein Besucherzentrum. Als öffentliche Schnittstelle der Genossenschaft kümmert es sich um die Erhaltung der Handwerkskunst, die Vermarktung und die Zertifizierung des Salzes.

Tipps für deinen Besuch in den Salzfeldern

Das Besucherzentrum Terre de Sel bietet täglich thematisch unterschiedliche Führungen in verschiedenen Sprachen durch die Salzgärten an. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, die Führung vorab zu buchen. Wir können eine Führung nur empfehlen.

Alternativ bietet La Roulotte Bleue, ein unabhängiger Paludier, Führungen an. Allerdings musst du dort per SMS anfragen. Deutsche Touren sind auf Anfrage wohl möglich.

Die Salzfelder kannst du nur im Rahmen einer Führung betreten, denn sie sind Privatgelände. Innerhalb der Salzfelder gibt es kaum Parkplätze, ausser beim Terre de Sel und an der Kreuzung der Vier Routen, wo La Roulotte Bleue seine Besucher begrüsst.

Ausgetrocknete Salzfelder mit gerissenem Tonboden und grosse Vorratsseen von Meereswasser. - Marais Salants de Guérande
Es dauert eine Zeit lang bis ein ausgetrocknetes Salzfeld wieder genutzt werden kann.

Wer die Salzernte erleben möchte, wenn Farben der Salzfelder besonders kontrastreich sind, sollte in den Sommermonaten die Marais Salants de Guérande besuchen. Aber auch unser Besuch im April hat sich gelohnt. Da noch wenig Besucher unterwegs waren, konnten wir auch mal kurz auf den schmalen Strassen zwischen den Salzfeldern für ein Foto anhalten. Ein weiterer Vorteil der Vorsaison: eine private Führung und kein Gedrängel in der Ausstellung des Terre de Sel, wo mit eindrucksvollen Bildern die Arbeit der Paludiers im Lauf der Jahreszeiten erklärt wird.

Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.

Manchmal beginnt die Salzernte auch schon im Mai, aber Voraussetzung ist warmes und trockenes Wetter.

Hinweis: Innerhalb der Marais Salants de Guérande wird an verschiedenen Stellen Salz verkauft. Sowohl im Besuchszentrum Terre de Sel als auch in Verkaufswagen an der Strasse. Im Besuchszentrum Terre de Sel findest du darüber hinaus weitere Produkte wie Honig von den Blumen rund um die Salzfelder. Sein Geschmack ist im Abgang allerdings leicht bitter.

Unser Tipp für den Salzkauf: In der Altstadt von Guérande, nahe der Porte Saint-Michel, gibt es ein Salzgeschäft, das sich auf Gewürzsalz spezialisiert hat. Schon der Anblick der grossen Haufen farbigen Salzes lohnt einen Besuch. Wer Französisch spricht, sollte sich vom Besitzer beraten lassen. Er weiss genau, welches Salz zu welchem Gericht passt. Eine besondere Spezialität ist Salz mit Raucharoma, das nur durch Kräuter entsteht.

Salz in grossen Haufen mit Wasabi, Zwiebeln, Anis, Zimt und weiteren Gewürzen in Guérande.
Im Salzgeschäft

Von den Salzfeldern an die Küste – Batz-sur-Mer, Le Croisic und Pen Bron

Batz-sur-Mer – Vom Salz zum Sommerfrische-Traum

Sobald die Salzfelder enden, bist du direkt in Batz‑sur‑Mer. Die geometrischen Becken reichen bis an den Ortsrand. Das Einbahnstrassensystem führt uns vorbei am Musée des Marais Salants. Es befindet sich in einem alten Salzspeicher. Leider hat es über Mittag geschlossen. Es zeigt wohl sehr eindrücklich die Geschichte und Technik der Salzernte.

Vor dem Museum steht die Skulptur – La Porteres. Die Skulptur erinnert an die Frauen von Batz, die bis 1950 die bis zu 30 kg schwere Salzkörbe auf dem Kopf über die schmalen Dämme der Salzgärten balancierten. Erst dann erleichterten Schubkarren die Arbeit.

Vor der Hausfassade des Museums in Batz-sur-Mer, welches die Kanäle und Salzfelder andeutet, steht die Salzträgerin.
Die Salzträgerin

In Batz-sur-Mer gibt es ein weiteres Museum – das Grand Blockhaus. Dabei handelt es sich um einen grossen Bunker aus dem 2. Weltkrieg, indem heute ein Kriegsmuseum untergebracht ist. Da wir uns von Nantes aus schon den Bunker in Saint-Nazaire angeschaut haben, war unser Interesse an weiteren Atlantikwall-Anlagen gedeckt.

Wir fahren stattdessen zum Hafen von Batz-sur-Mer. Der Ort selbst hiess übrigens bis 1931 Bourg-de-Batz, bevor er sich in „Batz-sur-Mer“ umbenannte, um seine Entwicklung als Badeort zu unterstreichen. Bereits 1875 entstand hier die erste Badevilla, der bald weitere folgten.

Eine Mauer schützt den kleinen Hafen von Batz-sur-Mer und den Strand vor den wild tobenden Wellen des Atlantik.
Eine Mauer schützt den Strand

Der Strand mit den gelben Häuschen gibt Batz-sur-Mer einen unverwechselbaren Charme. Oberhalb des Hafens steht der Menhir „Pierre Longue“, auch Roche-Saint-Michel genannt. Dies ist ein 2,4 m hoher neolithischer Stein, der früher als Seezeichen diente.

Kleine Badehäuschen in unterschiedlichen Gelb-Tönen säumen die Mauern und den Strand in Batz-sur-Mer.
Den Nummern an den Mauern nach zu urteilen, dürften es im Sommer noch mehr gelbe Hütten sein

Le Croisic – Côte Sauvage und lebendiger Hafen

Gleich an unserem Ankunftstag zieht es uns nach einer ersten Durchfahrt durch die Salzfelder bei sonnigem Wetter an die Côte Sauvage von Le Croisic. Von einem Parkplatz an der wilden Küste spazieren wir bis zur Pointe du Croisic, wo das Fort de l’Océan auf den Klippen thront. Das ehemalige Küstenfort stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente der Verteidigung der Atlantikküste, wie viele Anlagen, die im Auftrag von Vauban erbaut und später von Napoleon modernisiert wurden. Heute beherbergt das Fort ein stilvolles Hotel* mit Meerblick – buchbar ab 3 Nächten. Ein sehr schönes Vauban Fort kannst du übrigens auf der Halbinsel Crozon in der Bretagne besichtigen.

Die wilde Küste am Pointe du Croisic mit den Gebäuden, die zur Vauban-Festung gehörten und heute Teil eines Hotels sind.
Blick über die Pointe du Croisic

Vor der Pointe du Croisic verweist ein Schild der kleinen Kunstroute entlang der Küste auf ein Bild von Eugène-Jean Chapleau, der ab den 1940er-Jahren in Le Croisic lebte und die raue Küste in seinen Bildern festhielt. Entlang der Küste gibt es noch weitere solcher Tafeln, die die Bilder verschiedener Künstler zeigen.

Hinter dem Fort entdecken wir einen kleinen, windgeschützten Strand mit Tausenden von Muscheln zwischen den Felsen. Ein friedlicher Ort, wo Einheimische und Touristen die Sonne gleichermassen an der sonst so rauen Küste geniessen.

Miesmuscheln, Hütchenmuscheln, Austern und gedrehte Muscheln - die Wege zwischen den Felsen zum versteckten Strand an der Côte Sauvage von Le Croisic sind voll davon.
Muscheln auf dem Weg zum Strand

Wir folgen der schmalen Küstenstrasse mit dem Auto weiter bis wir den Hafen von Le Croisic erreichen. Le Croisic erinnert uns stark an englische Küstenorte.

Blick auf den Hafen mit den Segelbooten und die alten Bürgerhäuser von Le Croisic
Ein Küstenstädtchen wie gemalt

Im Hafen wird geangelt, aber von hier aus fahren auch die Fischkutter raus. In einem Geschäft, was zur alten Fischhalle gehört, kann man den Fang des Tages kaufen – Fische, Garnelen, Krebse sowie Muscheln.

Das grosse Océarium von Le Croisic lassen wir links liegen – uns zieht es weiter nach Pen Bron, auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

Pen Bron – Dünen, Naturreservat und vergessene Geschichten

Um es gleich vorwegzunehmen: Das Gesicht von Pen Bron wird sich bis 2030 dramatisch ändern. Und das hängt ein wenig mit der Geschichte der Nutzung der Halbinsel zusammen. Nachdem hier im frühen 19. Jahrhundert eine Konservenfabrik für Sardinen stand, wurde auf Initiative von Hippolyte Pallu ein Kindersanatorium 1893 auf der Insel eröffnet. Nach Unterbrechung während des 2. Weltkriegs wurde das Sanatorium in den 1950er Jahren erweitert und in den 1980er Jahren in ein Rehabilitationszentrum umgewandelt. Seit 2017 steht das 100 Hektar grosse Gelände leer.

Uralte Monterey-Zypressen wachsen auf dem Gelände des alten Sanatoriums auf Pen Bron
Monterey-Zypressen bilden den Küstenwald

Nun wird ihm neues Leben eingehaucht. Ein Grossteil des Geländes wird geschützt und von Botanikern und Landschaftsgärtnern aufgewertet. Die heute bebaute Fläche wird komplett umgebaut, denn im Laufe der unterschiedlichen Nutzungen sind viele – nicht immer schöne – Gebäude hinzugekommen. Geplant sind saisonale Unterkünfte, ein Hotel und ein Ökomuseum und auch Geschäfte werden entstehen.  Die alte Kapelle wird erhalten.

Wir starten unsere Erkundung von Pen Bron am Parking Chapelle. Oberhalb und unterhalb des Parkplatzes gibt es einen Weg durch die geschützten Dünen zu den Sandstränden von Pen Bron. Allerdings entscheiden wir uns für eine Umrundung im Uhrzeigersinn. Wir folgen der Strasse zu Fuss weiter. Am Ende ist die Welt für Autos mit einer Schranke versperrt.

Von der Strasse hat man herrliche Ausblicke auf die Sand- und Austernbänke, die sich zwischen Pen Bron und Le Croisic ausbreiten.

Zwischen Le Croisic und der Halbinsel Pen Bron ist das Meer versandet. Bei Ebbe sieht man die zahlreichen Austernbänke.
Blick von Pen Bron auf Le Croisic
Ein kleines Boot liegt vor den Austernbänken von Pen Bron vor Anker.
Austernbänke
Fast könnte man meinen, Le Croisic über die steinerne Mole an der Spitze von Pen Bron zu Fuss zu erreichen. Tatsächlich liegt aber noch eine Hafenausfahrt dazwischen.
Die Mole reicht weit in den Kanal von Pen Bron

Der Weg führt weiter aussen an den alten Gebäuden und den schönen alten Bäumen auf dem Gelände des Sanatoriums vorbei. Hat man die Spitze umrundet, wird das Meer rauer. Bald sieht man die schönen langen Sandstrände.

Der Strand von Pen Bron reicht bis La Turballe, welches man im Hintergrund sieht.
Der Strand von Pen Bron

Der Kreis schliesst sich am Parkplatz. Durch die Marais Salants de Guérande geht es zurück zu unserer Unterkunft, dem Maison Guérande La Baule*, einem hübschen kleinen Häuschen.

Sonnenuntergang über den Marais Salants de Guerande auf dem Heimweg.
Die Salzfelder im letzten Licht des Tages

Guérande – Reichtum durch das weisse Gold

Die Hauptstadt des weissen Landes (Gwen rann), wie die Bretonen diesen Landstrich nannten, ist bis heute Guérande. Eine Ringmauer umgibt die Stadt, die zentral zwischen dem Naturpark Grande Brière (Parc naturel régional de Brière) und den Stränden von La Turballe und Le Baule liegt. Einst bretonisch, gehört sie verwaltungstechnisch heute aber zum Département Loire-Atlantique.

Die Ringmauer von Guérande vom Licht der untergehenden Sonne angeleuchtet, mit Wassergraben davor.
Ringmauer

Meersalz war seit jeher wichtig – als Würzmittel, Mineral und wertvoller Konservierungsstoff. Damit war es ein gefragtes Handelsgut. Durch die Marais Salants de Guérande kam die Stadt früh zu Reichtum. Sie unterhielt eine grosse Schiffsflotte, mit der Salz und Wein verschifft wurden. Das weckte Begehrlichkeiten aller Art. Gegen Angriffe schützte die im Mittelalter erbaute Ringmauer. Gegen die erhobene Salzsteuer mussten die Franzosen dagegen länger kämpfen: 1360 eingeführt, wurde sie während der Französischen Revolution erstmals abgeschafft. Napoleon führte sie jedoch bald wieder ein. Sie blieb bis 1946 bestehen.

Rund um die Ringmauer führt eine Strasse mit vielen Parkplätzen. Die Ringmauer von Guérande kannst du am besten im Rahmen eines Besuchs des Musée du Château de Guérande besichtigen. Das eindrückliche Tor wird von zwei dicken Türmen flankiert. Einer der Türme diente früher als Wohnung des Gouverneurs und beherbergt heute Ausstellungsräume.

Die Ringmauer ist nicht vollständig begehbar. Dennoch empfehle ich dir einen Besuch des Museums und der Stadtbefestigung. Aus dem Museum und von der Mauer erhascht man schöne Blicke auf Guérande. Uns haben die grossen Gärten in einer mittelalterlichen Stadt überrascht.

Überhaupt spürt man in Guérande keine Enge, wie sie einen in vielen mittelalterlichen Städten umfängt. Im Schnittpunkt der historischen vier Torstrassen (für jede Himmelsrichtung eine) befindet sich auf einem grossen Platz die Stiftskirche Saint-Aubin aus dem 12. Jahrhundert.

Zwischen den Häusern der Altstadt von Guérande ist viel Platz für Grün - Blick von der Ringmauer.
Blick von der Ringmauer

Entdeckungen abseits der Salzfelder

Direkt an das weisse Land der Salzfelder schliesst sich die Grande Brière an – das „schwarze Land“ der Moore, Kanäle und rietgedeckten Dörfer. Dieses zweitgrösste Feuchtgebiet Frankreichs erstreckt sich von der Nähe von Guérande bis fast zur Loire Mündung bei Saint-Nazaire sowie La Baule. Und mitten im Naturpark Brière (Parc naturel reégional de Brière) erhebt sich eine sehenswerte mittelalterliche Burgruine.

Naturpark Brière – Kanäle, Moore und rietgedeckte Dörfer

Den Naturpark Brière kann man zu Fuss (GRP Tour de Brière), mit dem Fahrrad, per Pferd oder auf flachen Booten erkunden. Durch die Sümpfe zu gleiten, lohnt sich besonders für Ornithologen – im Frühjahr und Herbst ist der Vogelreichtum am grössten.

Wir entscheiden uns für einen ersten Eindruck zum Besuch des Museumsdorfs Kerhinet. Das kleine Freilichtmuseum vermittelt einen lebendigen Eindruck vom früheren Leben in der Brière.

Das Museumsdorf Kerhinet im Naturpark Brière besteht aus vielen kleinen reetgedeckten Häusern mit farbigen Fensterladen. Im Frühjahr blühen die Glyzinien üppig.
In Kerhinet

18 liebevoll restaurierte Häuser geben einen Eindruck vom früheren Leben. Schilder informieren über das traditionelle Leben im Naturpark Brière. Früher lebten die Menschen hier vor allem von Viehzucht. In den restaurierten Gebäuden findest du neben dem Office du Tourisme auch eine Auberge mit Restaurant sowie kleine Läden mit Kunsthandwerk.

Das grösste Haus in Kerhinet (Naturpark Brière) ist die Auberge mit Restaurant. Das Schilfdach ist teilweise neu gedeckt.
Das Restaurant im Museumsdorf Kerhinet

Beim Office du Tourisme kann man Fahrräder leihen und bekommt Tipps für Touren in der Umgebung. Über Mittag ist das Office allerdings geschlossen.

Das Office du Tourisme in Kerhinet für den Naturpark Brière befindet sich auch in einem reetgedeckten Haus mit Rosen und grünen Fensterladen. Die Mietfahrräder stehen im Garten.
Das Office du Tourisme

Saint-Lyphard, wozu auch Kerhinet zählt, ist eines der grösseren Dörfer im Süden des Naturparks Brière. Von hier aus kann man mit den flachen Booten (chalands) die Sümpfe erkunden und Vögel beobachten. Es gibt auch ein kleines Museum.

Auch von Bréca aus kann man den Naturpark Briére mit dem Boot erkunden. Brèca ist ein kleines ursprüngliches Dort mit vielen reetgedeckten Häusern.

Château de Ranrouët – Eine Festung im Moorland

Das Château de Ranrouët liegt zwei Kilometer östlich von Herbignac und wirkt ein wenig jenseits von allem. An drei Seiten von den Sümpfen der Brière umgeben, steht es auf einer sieben Meter hohen natürlichen Erhebung. Dadurch war die Burg im 13. Jahrhundert schwer einzunehmen.

Die Ruine von Schloss Ranrouët mit Zugbrücke über dem Burggraben.
Romantische Ruine

Im Mittelalter liessen die Herren der Burg nordwestlich einen künstlichen Teich anlegen, der unter anderem den Wassergraben speiste. Die erste Burg, die an dieser Stelle im 12. Jahrhundert entstand, war eine sogenannte Motte-Festung: eine runde Anlage aus Palisaden und Gräben, mit einem Turm auf einer Anhöhe. Mitte des 13. Jahrhunderts entstand die erste Steinburg, von der jedoch heute kaum noch etwas übrig ist.

Das Innere der Burgruine Ranrouët wirkt verwunschen. Kletterpflanzen ranken an den Mauer empor, Moos bildet dicke Polster, ein grauer Joker beobachtet alles. - Naturpark Brière
Im Inneren der Ruine laden sogar Liegestühle die Besucher zum Verweilen ein.

Besitzerwechsel und das Aufkommen von Kanonen führte zu weiteren Umbauten der Burg. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zu einem luxuriösen Herrenhaus umgestaltet. Am Ende der Religionskriege liess Ludwig XIII. Ranrouët schleifen. Im 17. Jahrhundert und unter Missachtung von Vorgaben zur maximalen Mauerdicke wurde Ranrouët erneut aufgebaut. Während der Französischen Revolution wurde die Burg endgültig zerstört und diente den Bewohnern von Herbignac als Steinbruch. Obwohl man Ranrouët bereits 1925 unter Denkmalschutz stellte, begann die Restaurierung erst in den 1970er Jahren.

Der Bereich des ehemaligen Wohnhauses von Schloss Ranrouët im Naturpark Brière ist mit einem Dach vor dem weiteren Verfall geschützt.
Das ehemalige Wohngebäude kann betreten werden

Die Burg schützte einst den Zugang zur Halbinsel von Guérande – und damit indirekt auch die Marais Salants de Guérande, die den Reichtum der Region begründeten.

Heute wirkt die Ruine fast romantisch. Uns fasziniert das Spiel von Licht und Schatten – und die Orchideen, die wir auf dem Gelände entdecken. Im Sommer finden Veranstaltungen in den Mauern statt.

Mit La Roche-Bernard erreichen wir die Bretagne, wo wir als nächstes den Golf von Morbihan erkunden.

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2 Comments

    1. Hallo Judith,
      freut mich, dass du die Salzfelder der Guérande in deine Planungsliste aufnehmen willst. Es ist ein wunderschönes Reiseziel zwischen Nantes und der Bretagne.
      Liebe Grüsse
      Susan

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