Mont-Saint-Michel – zwischen Himmel und Erde

Den krönenden Abschluss unserer Reise durch die Normandie bildet der Besuch des Mont-Saint-Michel, dem Klosterberg zwischen Himmel und Erde. Majestätisch erhebt sich die Abtei aus der weiten Bucht des Mont-Saint-Michel, die von Poldern und Salzwiesen geprägt ist. Immer wieder taucht der Berg wie eine Fata Morgana im Dunst auf. Wir nähern uns dem beliebtesten Reiseziel Frankreichs langsam: erst eine kleine Wanderung durch die Salzwiesen, dann ein Blick vom Parc d’agrément, bis wir von der Pont de Beauvoir zum Klosterberg wandern, ihn fast umrunden und schliesslich nach oben steigen. Kein Wunder, dass dieses Kloster im Meer für viele ein Sehnsuchtsort ist. Besonders eindrucksvoll ist der Moment, wenn die Flut kommt und der Mont-Saint-Michel wirklich zur Insel wird.

Dieses Schauspiel blieb uns bei unserem ersten Besuch jedoch verwehrt. Deshalb waren wir froh, als es bei einer Bretagne Reise passte. Von Saint-Malo aus fuhren wir entlang der Bucht erneut zum Mont-Saint-Michel bei einem hohen Gezeitenkoeffizienten und erleben tatsächlich bei herrlichem Wetter, wie Frankreichs Klosterinsel zur Insel wird.

Ein Sprichwort sagt, dass man im Leben dreimal zum Mont-Saint-Michel kommt. Bei uns wird es sich wohl bewahrheiten. Beim ersten Besuch war die Abteikirche geschlossen und beim zweiten Besuch haben wir keine Tickets mehr bekommen. Diese waren auf Tag im Voraus ausgebucht. Beim dritten Besuch werden wir wohl oder übel langfristig planen, mit den Gezeiten im Blick.

Wie immer gilt, lass dich inspirieren und mache dir dein eigenes Bild.

Die Wanderung zum Mont-Saint-Michel führt immer am Couesnon entlang.
Ausblick auf den Mont-Saint-Michel beim Wandern

Den Mont-Saint Michel im Blick

Unser Aufenthalt beim Mont-Saint-Michel steht wettertechnisch unter keinem guten Stern. Mitten im Frühling haben wir Novemberwetter mit Nebel, Regen und viel Wind. Deshalb beschliessen wir nach einem Blick vom Aussichtspunkt im Parc d’agrément den ersten der beiden Tage anders zu nutzen und das Dior Museum in Granville zu besuchen.

Der berühmte Mont-Saint-Michel und die ihn umgebenden Polder verschwinden im Nebel.
Nur durch das Rapsfeld erkennt man die Jahreszeit, während der Mont-Saint-Michel im Nebel verschwindet.

Auf dem Rückweg ist das Wetter besser. Wir folgen der Route de la Baie und entdecken unterwegs immer wieder Parkplätze mit schönen Aussichtspunkten auf den St. Mont Michel. An einem dieser Stopps nutzen wir eine Regenpause und wandern ein wenig auf dem GR 22 durch die Salzwiesen. Die Weite und Stille, nur unterbrochen von den Rufen der Schafe, stehen in starkem Kontrast zu den Menschenmassen auf dem Klosterberg.

Diese Wiesen werden in unregelmässigen Abständen vom Meer bedeckt. Entwässerungsrinnen verhindern, dass sie sich in Sümpfe verwandeln. Seit je her pflegen die Schafe diese als Viehweiden genutzten Salzwiesen. Das Fleisch dieser Schafe soll einen besonderen Geschmack haben. Auf der Speisekarte haben wir sie jedoch nicht gefunden.

Schafe grasen auf den Salzwiesen in der Bucht vom Mont-Saint-Michel, der sich im Hintergrund im Dunst erhebt.
Blick vom GR 22
Auf dem Weg durch die Salzwiesen in der Bucht vom Mont-Saint-Michel geniessen wir die Einsamkeit.
Von dieser Einsamkeit ist auf dem Klosterberg nichts mehr zu spüren.

Da wir im Restaurant Les Couesnons reserviert haben, kehren wir irgendwann um. Das Restaurant gehört zu einem Campingplatz und bietet eine sehr schmackhafte Küche zu fairen Preisen.

Unser Gastgeber der Gites Ferme de la Baie* warnte uns vor dem Touristennepp auf und rund um den Mont-Saint-Michel. Wir wohnen sehr malerisch in Roz-sur-Couesnon auf dem einzigen Hügel neben dem 7 km entfernten Mont-Saint-Michel. Morgens schauen die Hühner erwartungsvoll zur Terrassentür hinein.

Als wir vom Bäcker kommen, stehen 4 Hühner vor der Nachbartür und der Hahn hat sie von unserer Tür im Blick.
So sieht es aus, als wir vom Bäcker zurückkommen.

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Die Polder, der Couesnon und der Mont-Saint-Michel

Die Geschichte der Bucht vom Mont-Saint-Michel ist ebenso wechselhaft wie der Sand, aus dem sie besteht, und dem Fluss Couesnon, der in sie mündet. Erstaunliche Kräfte stehen sich hier gegenüber. Der Mensch, der seine Grenzen immer weiter ausdehnt und das Meer. Die Polder sind die künstlichen Landflächen, die dem Wasser abgerungen wurden, da sie meist unterhalb des Meeresspiegels liegen. Eingedeichtes Land, so die Bedeutung des Wortes Polder, ist fruchtbar gemachtes Land, welches einfach zu bearbeiten ist und ganzjährig eine gewisse Feuchtigkeit im Untergrund bewahrt.

Abendlicher Blick vom Parc d'agrément auf den im Dunst auftauchenden Mont-Saint-Michel.
Abendlicher Blick

Der Couesnon bildet die ungefähre Grenze zwischen Bretagne und Normandie. Doch der Fluss veränderte früher immer wieder seinen Verlauf, sodass er als Grenze zwischen zwei Provinzen nicht wirklich geeignet war. Die Kanalisierung des Couesnon im Jahr 1858 führte ebenfalls zu einer Änderung des Flussverlaufs. Womit natürlich die Grenzdebatte erneut aufkam. Für die Menschen war die Frage der Grenzen nicht nur theoretisch, sondern hatte ganz praktische Auswirkungen, denn Recht und Steuern hingen nicht zuletzt davon ab.

Farbenfroher Bauernhof in den Poldern der Bucht am Mont-Saint-Michel
Farbenfroh

Seit jeher haben die Menschen in die Gestaltung der Bucht am Mont-Saint-Michel eingegriffen. Zuletzt wurde ein Staudamm mit einem ausgeklügelten Wassermanagement gebaut. Einerseits verhindert er, dass die Flut das Wasser im Couesnon ansteigen lässt und weit hinauf alles überschwemmt und andererseits hilft er den Sand aus der Bucht des Mont-Saint-Michel zu spülen, denn die Bucht droht zu versanden.

In der Mitte des Couesnon teilt nach dem Staudamm ein Steindamm in zwei Hälften. Es sieht so aus, als würden sie beide auf den Mont-Saint-Michel zufliessen.
Nach dem Staudamm

Unser Tipp für die Polder in der Bucht vom Mont-Saint-Michel: Egal, ob du dich selbst versorgst oder noch Mitbringsel für daheim suchst, der Farmverkauf von La Ferme des Beaux Bois ist eine wahre Fundgrube. Du findest die Farm in Cherrueix, an der Strasse RD 797. Das Rapsöl von dort ist geschmacklich einzigartig. Auf der Farm gibt es auch einige Wohnmobilstellplätze und einen Selbstbedienungsverkauf mit frischem Obst und Gemüse ausserhalb der Öffnungszeiten.

Der Mont-Saint-Michel als Insel

Jeder hat die Bilder vor Augen, in denen der Mont-Saint-Michel komplett von Wasser umgeben ist. Doch dies sind seltene Ereignisse, auch wenn die Gezeiten in der Bucht vom Mont-Saint-Michel zu den stärksten Gezeiten Europas zählen. Der Tidenhub, der Unterschied zwischen Niedrigwasser und Hochwasser, beträgt 14 m. Der Zeitabstand zwischen zwei Hochwassern beträgt etwa 12 h 25 min. Deshalb verschieben sich die Uhrzeiten täglich.

Blick von der Brücke über die Bucht und den Mont-Saint-Michel bei Ebbe
Der Mont-Saint-Michel bei Ebbe
Der Mont-Saint-Michel als Insel bei Flut im letzten Licht des Tages. - Frankreich Klosterinsel
Mont-Saint-Michel bei Flut

Stehen Sonne, Mond und Erde in einer Linie addieren sich die Gezeitenwirkungen von Sonne und Mond und es kommt zur Springflut. Zweimal im Monat zu Vollmond und Neumond besteht die Chance, dass der Klosterberg zur Insel wird. Die Gezeitentabelle wird für Saint-Malo veröffentlicht. Du musst 5 Minuten für den Mont-Saint-Michel zu den Zeiten addieren. Bei einem Koeffizienten von über 100 verschwindet der Steg im Wasser. Ab einem Koeffizienten von 106 und höher wird der St. Mont Michel wirklich zur Insel.

Im Visitor Center für den Mont-Saint-Michel werden auf Tafeln alle wichtigen Informationen für den jeweiligen Tag veröffentlicht.

Die Gezeitenwelle

In der Bucht vom Mont-Saint-Michel zieht sich das Wasser bis zu 15 km zurück und kommt dann mit rasender Geschwindigkeit wieder. Für Fotografen interessant ist die Gezeitenwelle (le Mascaret). Sie setzt mit Beginn der Flut ein, ist aber etwa zwei Stunden vor der höchsten Flut in den Flüssen der Bucht eindrücklich zu beobachten.

Wir beobachten die Welle am Staudamm des Couesnon. Sie läuft zum Staudamm und gewinnt scheinbar an Kraft. An den Biegungen prallt das Wasser gegen die Uferböschung und steigt dort hoch. Mich erinnerte die Szene an Filme, in denen der Bruch einer Staumauer dargestellt wird. So dramatisch ist es hier nicht, doch Geräuschkulisse und Geschwindigkeit lassen erahnen, welche Kraft die Gezeiten rund um den Mont-Saint-Michel entwickeln.

Die Gezeitenwelle rast auf den Staudamm des Couesnon zu. Im Hintergrund erhebt sich Frankreichs Klosterinsel.
Die Gezeitenwelle

Tipps für die Beobachtung der Springflut

Da der Klosterberg erst ungefähr zwei Stunden nach der Gezeitenwelle zur Insel wird, hast du genügend Zeit vom Staudamm zum Mont-Saint-Michel zu laufen. Die Ausblicke sind immer wieder spektakulär. In den Wiesen singen die Vögel. Ich frage mich, wo all die Vögel wohl sind, wenn das Wasser kommt und die Wiesen überschwemmt?

Noch dauert es bis das Wasser die Menschen auf der Dammkrone zurück zum Steg drängt. Die Feuerwehr steht aber bereit und passt auf, dass keiner in den Fluten am Mont-Saint-Michel versinkt.
Es dauert noch etwas, bis das Wasser sich von beiden Seiten auf dem Damm begegnet
Inzwischen ist der Eingang zur Stadt im Meer, wie man Frankreichs Klosterinsel auch nennt, nicht mehr passierbar. Die Leuite auf dem Stand-up-Paddel haben nun die beste Aussicht.
Stand-up-Paddle oder Gummistiefel wären eine gute Idee zum Fotografieren

Bereite dich darauf vor, dass Menschenmassen unterwegs sind. Willst du das Schauspiel allerdings vom Mont-Saint-Michel aus erleben, musst du dir Stunden vor dem Ereignis einen Platz mit Aussicht entlang der Mauern sichern. Bedenke aber, dass du noch mindestens eine Stunde auf dem Klosterberg im Meer ausharren musst, bis du ihn wieder verlassen kannst. Dagegen kannst du auf dem Steg umkehren, wenn du genug gesehen hast.

Anders sieht es natürlich aus, wenn du auf dem Mont-Saint-Michel übernachtest. Dann kannst du den Klosterinsel im Meer ohne Tagestouristen erleben.

Parkplätze für den Mont-Saint-Michel

Gleich am ersten Tag hatten wir entdeckt, dass es direkt vor der Pont de Beauvoir, wenn man aus den Poldern kommt, einige Parkplätze gibt. Wer dort kostenlos parken wollte, musste früh da sein.

Hinweis: Als wir jetzt wieder da waren, haben wir gesehen, dass das Parken dort nun unterbunden wird.

Heute wird der gesamte Verkehr auf den grossen Besucherparkplatz geleitet. Beim Visitor Center fahren kostenlose Shuttlebusse bis zum Staudamm und weiter zum Ende des Stegs am Mont-Saint-Michel. Die Parkplatzgebühr ist hoch, dafür sind die Busse und die sauberen Toiletten inbegriffen. Zu Fuss sind es vom parking Mont-Saint-Michel bis zum Klosterberg etwa zwei Kilometer.

Ein Pferd galoppiert mit dem Reiter für die one-way zu befahrende Ponte de Beauvoir, von wo aus wir unsere Wanderung zum Mont-Saint-Michel starten.
Ein Pferd galoppiert auf die one-way zu befahrende Brücke.
Der Steg zum Mont-Saint-Michel, der bei Springflut am Ende überflutet wird, ist jetzt von Menschen übersät.
Auf dem Steg geht es zum Klosterberg

Wanderung zum Mont-Saint-Michel

Es gibt viele Wege zum Mont-Saint-Michel. Der GR 22 führt direkt durch die Bucht zum Klosterberg. Wir wandern bei unserem ersten Besuch von der Pont de Beauvoir los und folgen dem Fluss. Dabei haben wir den Mont-Saint-Michel immer im Blick. Die Wanderung ist leicht und der Rundweg etwa acht Kilometer lang.

Bei Ebbe lohnt sich auch eine Wanderung rund um den Mont-Saint-Michel. Doch ohne Blick auf die Gezeitentabelle kann sie gefährlich werden. Falls dich das Wasser überrascht – auf der Rückseite gibt es einen weiteren Zugang in die Stadt.

Mächtige Mauern schützen den Klosterberg Mont-Saint-Michel vor dem Meer und vor Angreifern.
Beeindruckende Silhouette
Von der Bucht aus sieht man am besten, welch mächtige Festung der Klosterberg war.
Auch während des Hundertjährigen Krieges konnte die Festung nie eingenommen werden
Die Kapelle Saint-Aubert an der Westseite des Mont-Saint-Michel
Um die Kapelle Saint-Aubert und den Brunnen ranken sich zahlreiche Legenden

Die Flut kommt „wie ein Pferd im Galopp“. Wir entscheiden uns deshalb vorsichtshalber für den Hintereingang zum Klosterberg.

Auch der Eingang von der Westseite zum Mont-Saint-Michel unweit der Kapelle Saint-Auberg wird von einem mächtigen Wachturm beschützt.
Über ein paar Felsen klettern und schon sind wir oben.

Auf dem Mont-Saint-Michel

Der erste Aufstieg nach dem Hintereingang ist noch erfreulich leer. Das ändert sich schlagartig, als wir den Strom von Besuchern treffen, der sich vom Haupteingang nach oben schiebt.

Der leere Blick auf den breiten Weg mit Mauern, Türmchen und einer Pyramide täuscht. Hinter der Kurve beginnt das Gewusel der Menschenmassen auf dem Mont-Saint-Michel.
Lustige Geometrie

In den schmalen Gassen ist es so voll, dass man leicht Platzangst bekommen könnte. Umso erstaunlicher, denn der 1. Mai ist einer jener drei Tage im Jahr, an denen die Abtei Mont-Saint-Michel geschlossen ist. Wir wollen uns kaum vorstellen, wie es zur Hauptsaison aussieht, wenn bis zu 20.000 Menschen durch die Gassen drängen.

Wir ärgern uns über uns selbst, dass wir die Abtei verpassen. Hätten wir damit gerechnet, hätten wir das Wetter in Kauf genommen. Doch als wir die Tickets online kaufen wollten, war es so oder so zu spät. Selbst in der Nebensaison muss man den Besuch des Mont-Saint-Michel im Voraus planen.

So geniessen wir stattdessen die Blicke von oben auf die Stadt und die Bucht, bevor wir den Massen entfliehen und zum Auto zurückwandern.

Das Falltor ist unser Weg fort von den vielen Menschen, die sich durch die engen Gassen des Mont-Saint-Michel schieben.
Einfach Mittelalterlich

Damit endet auch unser abwechslungsreicher Urlaub in der Normandie. Auch, wenn wir viel gesehen haben, angefangen von Monets Garten in Giverny, der Umgebung von Giverny, traumhaft schönen Abteien im Tal der Seine, über charmante Orte an der Alabasterküste, die Abtei Hambye und Granville, das Wetter hätte auf dieser Reise besser sein können.

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2 Comments

  1. Wir haben vor Jahren eine Normandietour unternommen – mit dem Fahrrad. Es ging von Rouen drei Wochen lang durch die Region bis zum Mont St. Michel 🙂 Was für eine schöne Tour das war. Danke fürs wieder dran erinnern…

    1. Hallo Ilona,
      wow, drei Wochen auf dem Fahrrad durch die Normandie stelle ich mir anstrengend, aber auch eindrücklich vor. Manchmal wäre uns die Entschleunigung durch ein Fahrrad lieb gewesen. Hat es allerdings geregnet und gestürmt, waren wir froh, nicht auf einem Fahrrad zu sitzen.
      LG
      Susan

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