Öland – Schwedens Windinsel zwischen Leuchttürmen und Kalksteppe
Öland, Schwedens zweitgrösste Ostseeinsel, liegt getrennt durch den Kalmarsund vor der Ostküste Smålands. Sie ist über die fast sechs Kilometer lange Ölandsbron mit dem Festland verbunden. Die Insel Öland ist eine Welt für sich, wobei sich der Norden und der Süden deutlich unterscheiden. Zwischen dem verwunschenen Troll-Wald (Trollskogen) mit bizarr gewachsenen Kiefern und der kargen Kalksteinsteppe des Stora Alvaret gibt es Leuchttürme, Windmühlen und viele weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken.
Begleite uns auf unseren Erkundungen auf Öland in den Norden und Süden. Entdecke die wunderbare Landschaft, beobachte Vögel, staune über Runensteine und Menhire. In diesem Beitrag findest du viele praktische Tipps zur Anreise nach Öland und für deinen Besuch auf der Insel. Wie immer gilt, lass dich inspirieren und mache dir dein eigenes Bild.

Anreise nach Öland und praktische Tipps
Brücke oder Fähre
Öland ist auf zwei Wegen erreichbar – über die Ölandsbron oder mit der Fähre. Die fast sechs Kilometer lange Brücke verbindet das Festland bei Kalmar mit der Insel. Sie ist kostenlos befahrbar und meist geöffnet, auch wenn bei starkem Wind Einschränkungen für Wohnmobile oder Motorräder möglich sind.
Da wir bereits mit der Fähre von Gotland nach Oskarshamn fuhren, hatten wir keinen Bedarf an einer weiteren Überfahrt. Deshalb fuhren wir von Oskarshamn mit dem Mietwagen nach Kalmar, wo es auf die Brücke zur Insel Öland geht. Wir schätzten uns glücklich, dass wir freie Fahrt hatten, während es in der Gegenrichtung fast bis Borgholm staute. Erst später wurde uns bewusst, dass viele Schweden Midsommer für einen Kurzurlaub genutzt hatten, die nun alle wieder zurückfahren mussten.
Willst du mit der Fähre fahren, hast du zwei Möglichkeiten:
- Ab Oskarshamn fährt im Sommer täglich eine Fähre in rund drei Stunden nach Byxelkrok, im Norden Ölands. Fahrpläne und Preise entnimmst du bitte der offiziellen Website der Ölandslinjen.
- Ab Kalmar Tullhamnen fährt saisonal eine Fähre in etwa 30 Minuten nach Färjestaden. Fahrpläne und Preise entnimmst du bitte der offiziellen Website der Rederei.
Bei starkem Wind kann es sowohl beim Fährbetrieb als auch auf der Ölandsbron zu Einschränkungen kommen. Das solltest du bei deiner Reiseplanung berücksichtigen.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
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Übernachten auf Öland
Wie wir schon am Stau bei der Anreise auf die Insel Öland gesehen haben, ist Öland ein Paradies für Camper. Überall finden wir entlang der Strasse Hinweise auf Campingplätze. Wir sind jedoch mit einem Mietwagen unterwegs, den wir in Stockholm am Flughafen übernommen haben, und suchten uns eine Unterkunft in der Mitte der Insel.
Öland ist rund 137 Kilometer lang und etwa 16 Kilometer breit. Wer, wie wir, sowohl den Norden mit Trollskogen und dem Leuchtturm Långe Erik als auch den Süden mit Stora Alvaret und dem Leuchtturm Långe Jan erkunden möchte, wohnt am besten in der Umgebung von Borgholm*. Borgholm liegt ungefähr in der Mitte von Öland und bietet eine gute Infrastruktur mit Geschäften, Restaurants und Unterkünften. Im Hafen finden zudem zahlreiche Segelschiffe Platz.
Wir entschieden uns für eine Ferienwohnung unweit von Borgholm Castle, etwas ausserhalb der Stadt. Allerdings wird die Unterkunft derzeit nicht vermietet. Von da aus sind beide Richtungen gut erreichbar.
Tipp: Buche deine Übernachtung auf Öland* frühzeitig, wenn du während Feiertagen oder den Sommerferien nach Öland reist. Folge dem Link und öffne die Karte, so lässt sich die Lage der Unterkunft am einfachsten bestimmen.

Häufige Fragen zu Öland
Wie viel Zeit sollte ich für Öland einplanen?
Viele fragen sich, wie viele Tage man auf Öland verbringen sollte. Wir hatten drei Nächte auf der Insel, das war zu kurz. Wenn du im Norden im Trollskogen wandern und den Leuchtturm Långe Erik besteigen möchtest, im Süden das Stora Alvaret zu Fuss erkunden und nicht nur den Långe Jan, sondern auch das umliegende Naturschutzgebiet besuchen willst, empfehlen wir dir, mindestens drei volle Tage auf Öland einzuplanen. Wer gern wandert, fotografiert oder Vögel beobachtet, sollte besser etwas mehr Zeit vorsehen.
Gibt es Elche auf Öland?
Ja, auf Öland lebt tatsächlich eine kleine Population von Elchen, die einst den Kalmarsund durchschwommen hat. Sie halten sich vor allem im nördlichen und mittleren Teil der Insel auf, wo es grössere Waldgebiete gibt. Wir selbst haben keinen Elch gesehen, aber in der Dämmerung oder in den stilleren Waldabschnitten kann man mit etwas Glück einen Elch entdecken. Im Gegensatz zu Gotland, wo es keine Elche gibt, hast du auf Öland also die Chance, welche zu sehen.
Gotland oder Öland – welche Insel ist schöner?
Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber beide Inseln haben ihren eigenen Reiz. Gotland gilt als die Sonneninsel Schwedens. Hier ist alles, sogar das Wetter, ein wenig anders als im Rest des Landes. Gotland ist grösser, vielfältiger und geschichtsträchtiger. Die mittelalterliche Stadt Visby gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Entlang der Küsten wechseln sich Steilufer, Sand- und Kiesstrände ab. Besonders eindrücklich sind die Rauken, die bizarren Kalksteinformationen, die Gotlands Landschaft prägen. Überall stösst man auf Spuren von 8.000 Jahren Geschichte. Mehr erfährst du im Blogbeitrag zu Gotland.
Die Insel Öland ist kleiner, windiger und wirkt lebhafter. Wahrscheinlich auch, weil sie über die Ölandsbron spontan auf dem Landweg erreichbar ist. Das spart Geld und macht sie besonders für Kurzurlaube beliebt. Auch Öland hat einige historische Sehenswürdigkeiten wie die Ruinen des Borgholm Castle, das Ringfort Eketorp, mehrere Menhire und einen Runenstein zu bieten. Im Gegensatz zu Gotland verbringt die schwedische Königsfamilie ihre Sommerferien auf Schloss Solliden auf Öland.
Beide Inseln bestehen aus Kalkstein und haben dadurch eine ähnliche Vegetation. Während auf Gotland viele Orchideen wachsen, haben wir auf Öland keine gefunden. Wenn du also wenig Zeit hast, mache es wie die Königsfamilie und verbringe ein paar Tage auf Öland. Wenn du mehr Zeit hast, besuche beide Inseln. Gotland ist eine Trauminsel.

Ölands Norden
Von Borgholm führt die Strasse 136 in rund einer Stunde Fahrt bis an die nordöstliche Spitze der Insel. Je weiter man in Richtung Nordspitze fährt, desto waldreicher wird Öland. Dort teilt sich die Insel in zwei Halbinseln. Auf der einen Seite findest du den windgeformten Trollskogen, auf der anderen steht der Långe Erik und bietet eine fantastische Aussicht. Zwischen ihnen liegt der natürliche Hafen, den schon die Wikinger als geschützten Ankerplatz nutzten.
Fährst du weiter um die Nordspitze die Küste entlang, kommst du in die kleine Hafenstadt Byxelkrok. Die Küste südlich davon ist windgepeitscht und abwechslungsreich. Für diese Strecke brauchst du länger, selbst wenn du nicht so viele Fotostopps einlegst wie wir.
Wir beginnen unsere Erkundung des Nordens von Öland mit einer Wanderung durch den Trollskogen.
Märchenwald – Trollskogen
Vom grossen Parkplatz im Naturreservat Trollskogen führen drei unterschiedliche Wanderwege durch den Wald, die sich auch miteinander kombinieren lassen. Wir entscheiden uns für den Trollskogestigen, der einmal um die Halbinsel führt. Der Weg verläuft zwischen dem Naturhafen und dem Waldrand bis zur Nordspitze. Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meer und hinüber zum Leuchtturm Långe Erik, der auf der gegenüberliegenden Landzunge steht. Der Pfad führt vorbei an Steinhügelgräbern und alten Mauern, den Resten früherer Wehrgänge aus dem Mittelalter.

Auf der ungeschützten Aussenseite der Halbinsel stehen die „tanzenden“ Kiefern. Ihr Wuchs zeugt vom ständigen Kampf mit dem Wind in ihrer Jugend. Hier, am Meer, liegen auch die Überreste eines Segelschiffs, das 1926 hier gestrandet ist.



Alles in allem ist der Trollskogen ein sehr schönes, aber auch beliebtes Ausflugsziel, sodass man eher keine Tiere entdeckt.
Leuchtturm Långe Erik
Vom grossen Parkplatz führt eine Brücke auf die Insel mit dem Leuchtturm Långe Erik. An den Ufern der Insel sind zahlreiche Vögel bei der Nahrungssuche. Der kurze Weg zum Leuchtturm ist abwechslungsreich. Neben dem Turm stehen ein paar Ferienhäuschen mit echter Schwedenromantik und ein kleiner Hafen.

Wer den Leuchtturm besteigen will, muss sich am Kiosk ein Eintrittsticket kaufen. Auch wenn der Turm heute nur 32 Meter hoch ist, ist der Aufstieg im engen Treppenhaus mit Gegenverkehr beschwerlich. Kurz vor dem Ziel muss man eine Art Leiter erklimmen. Der Ausblick ist schön, doch man kann nur auf einen kleinen Teil des Balkons treten. Bei viel Andrang wird es eng.

Wieder unten gönnen wir uns ein Eis aus dem Kiosk, das viel zu süss ist. Auf der Suche nach einem Platz zum Sitzen entdecken wir am Ufer unzählige Steintürme. Als hätten die Besucher lauter Mini-Leuchttürme gebaut, inspiriert vom grossen Vorbild nebenan.

Byxelkrok
Ehrlich gesagt, halten wir in Byxelkrok am Hafen, weil wir den Namen so lustig fanden. Schon als wir uns mit der Anreise nach Öland beschäftigten, sind wir über den Namen gestolpert, denn hier landen die Fähren aus Oskarshamn. Der Ortsname stammt vermutlich aus dem Altschwedischen und setzt sich aus byxe (Hose) und krok (Bucht oder Krümmung) zusammen.

Rund um den Hafen gibt es Souvenirläden, und die Girls fanden es witzig, dort dieselben Mützen mit der Aufschrift Crew und Captain zu entdecken, die wir einst für unseren Hausbooturlaub in Irland gekauft hatten. Zahlreiche Restaurants warten auf Besucher, und auf der Mole kann man ein Stück hinaus aufs Meer spazieren.
Nach einem kurzen Spaziergang fahren wir weiter und erkunden die Küste südlich von Byxelkrok auf kleinen Strassen.

Küste südlich von Byxelkrok
Südlich von Byxelkrok biegen wir von der Hauptstrasse ab und folgen der Küstenstrasse Hagskogsvägen. Sie führt durch Kiefernwälder und entlang von Küstenwiesen. Der Blick aufs Meer ist immer wieder dramatisch, denn der Sturm schafft ganz eigene Lichtstimmungen. Anfänglich fesselt die kleine Insel Blå Jungfrun in der Ferne immer wieder den Blick.

Bei Byrums Raukar lohnt sich ein Halt auf dem Parkplatz und ein kurzer Spaziergang. Hier hat die Brandung den Kalkstein zu runden Formen geschliffen. Diese weich geschwungenen Felsgebilde unterscheiden sich deutlich von den Rauken auf Gotland.

Ein nächster Fotostopp bietet sich bei der roten Windmühle an.

Im weiteren Verlauf der Strasse treffen wir Immer wieder auf kleine Fischerhütten. Manchmal halten wir kurz an, um den Sturm fotografisch einzufangen.

Rund um Jordhamn zeugen alte Gerätschaften davon, dass hier auf Öland schon sehr lange Kalkstein abgebaut wird. Dass sich dies bis heute nicht geändert hat, zeigt ein moderner Steinbruch. In der Nähe befindet sich auch eine besondere Mühle. Das Schleifwerk Jordhamn ist eine Scheuermühle. Sie kamen ab etwa 1860 auf Öland zum Einsatz und ersetzten die von Ochsen betriebenen Scheuerwerke. Dadurch verkürzte sich die Bearbeitungszeit deutlich. Die so plan geschliffenen Kalksteinplatten wurden als Fussbodenbeläge exportiert.

Fährst du die Küstenstrasse weiter, wartet mit dem Stora Luftakustväg noch ein besonderes Highlight: ein Küstenabschnitt, an dem sich ganze «Städte» aus Steinen türmen.

Von so vielen Eindrücken sind wir hungrig geworden. Unser Restauranttipp ist das Restaurant Elise an der Djupviksgatan. Hier speist du ausgefallen mit Blick aufs Meer.
Schloss Borgholm
Schloss Borgholm gilt als die beeindruckendste Schlossruine Schwedens. Was mit einem Turm rund 1.000 Jahre früher begann, endete mit einem prachtvollen Festungsschloss. Davon sind heute allerdings nach einem verheerenden Brand 1806 nur noch die Mauern übriggeblieben. Doch die schwedische Königsfamilie ist dem Standort treu geblieben, denn unweit von Schloss Borgholm befindet sich Schloss Solliden, eine Sommerresidenz, deren Garten man besichtigen kann.

Wir besichtigen ohne grosse Erwartungen Schloss Borgholm und werden positiv überrascht. Die Schlossruine ist eindrücklich. Bei unserem Besuch fügt sich eine Fotoausstellung über Lost Places wunderbar in das Ambiente des Schlosses ein.


Überall gibt es Gänge und Treppen, und wenn du aufpasst, hörst und siehst du einen feuerspeienden Drachen in einem der dunklen Gänge. Weil wir heutzutage kaum noch Ahnung von Drachen haben, gibt es zudem eine unterhaltsame Ausstellung zur Drachenkunde.
In einer weiteren Ausstellung erfährst du einiges über die Geschichte des Schlosses, aufbereitet an interessanten Fakten. Wir waren sehr ratlos, als wir über die Mengen an Alkohol und Essen gelesen haben, die für ein barockes Festdinner pro Person gerechnet wurden. Allerdings spricht die ausgestellte Hose des Königs auch eine beredte Sprache seines Leibesumfanges.
Schloss Borgholm bietet heute die dramatische Kulisse für Konzerte. Seit dem legendären Roxette-Konzert 1989 erlangte die Schlossruine zusätzliche Berühmtheit. Im Internet finden sich zahlreiche Videos davon.

Im Sommer können Kinder sich schwierigen Ritterprüfungen unterziehen. Wer sie besteht, wird im Thronsaal zum Ritter geschlagen.
Ölands Süden
Der Süden von Öland gehört zur Agrarlandschaft Südölands, heute UNESCO-Weltkulturerbe. Zu dieser geschützten Kulturlandschaft gehören 87 Dörfer, Felder, die Stora Alvaret und die Seewiesen von Mittlandskärret. Hier wird seit Jahrtausenden Landwirtschaft betrieben, angepasst an die kargen Bedingungen des Kalksteinbodens.
In diesem Gebiet steht auch der Karlevi-Stein, ein berühmter Runenstein. Auch das bedeutendste Gräberfeld, das Gettlinge gravfält, ist Teil dieser geschützten Kulturlandschaft. Im ganzen Süden Ölands triffst du zudem auf Windmühlen, einst sollen hier rund 4.000 gestanden haben.
Weitere Highlights im Süden Ölands sind die Alaunfabrik von Degerhamn und das Ringfort Eketorp, bevor an der Südspitze das Naturschutzgebiet Ottenby mit dem Leuchtturm Långe Jan, dem Gegenstück zum Långe Erik, darauf wartet, entdeckt zu werden.
Karlevi-Runenstein und Gettlinge Gravfält
Mitten in den Feldern Südölands steht der Karlevi-Stein, einer der berühmtesten Runensteine Schwedens. Folgt man vom Parkplatz dem ausgeschilderten Weg, gelangt man zwischen den Feldern zum Stein. Erst aus der Nähe erkennt man die Runen, die vor über tausend Jahren in den Granit geritzt wurden. Die Inschrift ist die älteste bekannte Skaldenstrophe Skandinaviens. Sie ist im höfischen Stil der Wikingerdichtung verfasst und ein Ruhmesgedicht und Nachruf auf den Krieger Sibbe.

Folgst du dem Weg noch ein wenig weiter durch das Wäldchen, eröffnet sich plötzlich der Blick auf die Ölandsbron.

Auf der Weiterfahrt sind wir überrascht, grosse Felder mit roten Erdbeeren zu sehen. Ganz anders wirkt das Gräberfeld von Gettlinge, nur wenige Kilometer weiter südlich. Es liegt direkt an der Strasse und zieht sich über 2 km. Hohes Gras und Windmühlen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite der Strasse stehen zahlreiche Menhire auf Viehweiden


Wandern in der Stora Alvaret
Das Herzstück der einzigartigen Agrarlandschaft Südöland ist das Stora Alvaret, eine weite Kalksteinebene, die sich über mehr als 250 Quadratkilometer erstreckt. Die dünne Erdschicht erlaubt nur zähen Pflanzen zu wachsen. Der Wind, der über das Plateau bläst, fegt alles weg. Nur dort, wo bereits einige Pflanzen Halt gefunden haben, lagert sich Boden ab.

Vom Parkplatz starten unterschiedlich lange Wanderungen durch die Stora Alvaret. Zuerst folgen wir dem Weg durch das Tor am Parkplatz zu den kleinen Seen. Der Pfad führt über Holzstege, auch wenn bei unserem Besuch das Gebiet nicht unter Wasser steht. Hier sollte man zahlreiche Vögel beobachten können, aber auf den Seen ist nicht viel los.

So laufen wir zurück und überqueren die Strasse und folgen dem mit Steinmännchen markierten Weg in Form einer Acht. Er führt durch verschiedene Landschaften, von offenen Kalkflächen bis zu grasigen Abschnitten. Man muss aufpassen, wo man läuft, denn immer wieder gibt es grosse Risse zwischen den Kalksteinen. Dort wachsen neben Moosen auch Hauswurz und Wermut.

Zum Schluss unserer Wanderung müssen wir uns sehr beeilen, denn der nächste Regenschauer zieht durch. Wir sind froh, dass wir im Auto sitzen als es richtig losgeht.
Alaun Fabrik – Lost Place
Unweit der Küste bei Degerhamn liegen die Ruinen der alten Alaunfabrik, einst ein bedeutender Wirtschaftszweig auf Öland. Zwischen Mauerresten, steinernen Becken und grasüberwachsenen Hügeln lässt sich noch gut erkennen, wie hier gearbeitet wurde. Zahlreiche Informationstafeln erklären, welche Arbeitsprozesse in den einzelnen Gebäuden und Becken stattfanden.
Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) ist schon seit der Antike als „bitteres Salz“ bekannt. Das Mineral wurde zum Gerben von Leder, zum Färben von Stoffen und zur Wunddesinfektion verwendet. Später fand es auch in der Papierherstellung Verwendung. Alaun war wertvoll. Gewonnen wurde er aus schieferhaltigem Gestein, das zerkleinert, verbrannt und ausgewaschen wurde, um die Alaunverbindungen zu extrahieren. Der Prozess war aufwendig und verlangte grosse Hitze sowie viele Arbeitsschritte.
Heute erinnern die Reste der Öfen, Kalkbecken und Schornsteine an diese Zeit, in der Öland industriell eine wichtige Rolle spielte. Wenn du Zeit hast, lohnt sich ein kurzer Fotostopp.

Leuchtturm Långe Jan
Am südlichsten Punkt Ölands steht der Långe Jan, das Gegenstück zum Långe Erik. Eigentlich wollten wir die 190 Stufen erklimmen und auch hier die Aussicht von oben zu geniessen, aber es kam anders.

Der Weg zum Långe Jan führt durch das Naturschutzgebiet Ottenby. Hier weiden rechts und links der Strasse Kühe, aber es gibt auch zahlreiche Vögel zu beobachten, je näher man dem Leuchtturm kommt. Allerdings scheint dies sehr abhängig von der Tageszeit zu sein. Haubenkibitze spazieren vollkommen entspannt auf der Suche nach dem Abendessen dicht an uns vorbei. Graugänse und Nonnengänse sind in Gruppen unterwegs. Und selbst die Austernfischer sind auf der Weide zu finden. Sie haben Junge, aber die kleinen Federbälle werden immer wieder von den Windböen erfasst.

Als wir uns endlich losreissen ist es für die Besteigung des Leuchtturms schon zu spät. So erkunden wir das Gelände. Wir beobachten Mauersegler bei ihren waghalsigen Flugmanövern im Sturm und sehen die Schwäne im Meer vorbeiziehen.
Auf dem Rückweg aus dem Naturschutzgebiet suchen wir vergeblich Kibitz und Co. Um sie zu beobachten muss man wohl wirklich ihr Abendessen erwischen.

Ringfort Eketorp
Auf dem Rückweg vom Långe Jan nach Borgholm zu unserer Unterkunft fahren wir noch beim Ringfort Eketorp vorbei, das eindrücklich inmitten der weiten Ebene steht. Als wir ankommen, ist die Anlage bereits geschlossen, aber selbst von aussen lässt sich erahnen, wie gut sie rekonstruiert wurde.
Das ursprüngliche Fort stammt aus der Eisenzeit und wurde später in der Wikingerzeit erweitert. Es diente als Zufluchtsort und Verteidigungsanlage, vermutlich aber auch als Handelsplatz und Zentrum für die umliegenden Höfe. In den 1960er-Jahren wurde Eketorp vollständig ausgegraben und danach rekonstruiert. Heute gehört es zu den am besten erforschten Ringburgen Skandinaviens.
Wer tagsüber kommt, kann das Innere des Ringforts besichtigen.

