Roadtrip durch Wales mit dem Wohnmobil
Vier Wochen unterwegs auf einem Roadtrip durch Wales mit dem Wohnmobil. In diesem Logbuch nehmen wir dich mit auf unsere Reise durch das kleine Land zwischen England und der Irischen See. Wir berichten von unseren Vorbereitungen und von den täglichen Etappen unserer Rundreise durch Wales.
Wales versteckt sich und wird oft übersehen. Über viele Jahrhunderte war es ein beliebtes Ziel für Piraten und zugleich die kürzeste Verbindung zwischen England und Dublin.
Für uns ist Wales Neuland. Nach zahlreichen Schottland-Reisen und einigen England-Reisen wird es Zeit für etwas Neues. Bei der Reisevorbereitung wird uns schmerzlich bewusst, dass Wales eine eigene Sprache hat. Kymrisch (Cymraeg). Und auch wenn sie sehr logisch aufgebaut sein soll, treiben mich die vielen Konsonanten der Ortsnamen leicht in den Wahnsinn. Wenn es also mal so aussieht, als wäre ich beim Schreiben eingeschlafen und mit dem Kopf auf der Tastatur gelandet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Aneinanderreihung von Buchstaben stimmt.

Wir reisen wieder mit dem eigenen Wohnmobil und weil das Logbuch für den Schottland Roadtrip doch dauerhaft auf Interesse stösst, schreibe ich auch ein Logbuch über den Wales Roadtrip. Vier Wochen werden für einen ersten Eindruck von Wales reichen. Je mehr wir uns jedoch einlesen, umso klarer wird, dass uns auch mit der doppelten Zeit nicht langweilig werden würde.
Begleite uns auf unserem Roadtrip durch Wales hier im Logbuch oder auf dem Telegram-Kanal. Die Einträge im Logbuch folgen der Bloglogik, das Neueste steht oben, nur die Einleitung bleibt immer ganz oben.
Bilanz des Roadtrips durch Wales
Wales in Zahlen
Anzahl Reisetage: 31
Gefahrene Kilometer: 4.940
Höchste Temperatur: 33° C über Pfingsten
Anzahl Regentage: 1,5
Niederschlag: deutlich weniger als erwartet
Wind: deutlich mehr als erwartet
Kosten für Diesel: 965 SFr (getankt zwischen 180.9 p und 184.9 p)
Kosten für Campingplätze: 955,- SFr
Kosten für die Fähre Rotterdam – Hull und retour mit Camper, Kabine mit Fenster und Abendessen vom Buffet: 755,- £

Haben sich die Mitgliedschaften gelohnt?
Wir hatten uns vor Beginn der Reise entschieden, die Mitgliedschaften beim Cadw (94.50 £) und National Trust (168 £) zu erwerben. Vor allem im Norden von Wales hatten wir auf unserer Rundreise mit all den Burgen die Kosten für den Cadw schnell wieder drin. Am Ende haben wir 41.50 £ durch die Mitgliedschaft beim Cadw eingespart.
Die Mitgliedschaft im National Trust hat sich für uns noch deutlicher gelohnt. Während unserer Wales-Rundreise besuchten wir sechs National-Trust-Anwesen sowie mehrere National-Trust-Parkplätze. Am Ende lagen die regulären Eintritts- und Parkgebühren rund 70 £ über dem Preis der Mitgliedschaft. Für uns hat sich die Mitgliedschaft im NT damit auch gelohnt.
Noch wichtiger war allerdings, dass wir unterwegs nie überlegen mussten, ob sich ein Schloss, eine Burg oder ein Garten lohnt. Gerade dadurch haben wir manches spontan besucht, was wir ohne Mitgliedschaft vielleicht noch einmal überlegt hätten.
Man muss aber wissen, dass es in Wales sehr viele Gärten gibt, die zu einem privaten Trust gehören und für die man teilweise tief in die Tasche greifen muss. Wir haben weitere 205,- £ für Eintritte ausgegeben.

Camping in Wales
Wales ist ein sehr campingfreundliches Land. In den meisten Regionen stehen zahlreiche grosse und kleine Campingplätze zur Auswahl. Die fehlende Mitgliedschaft im Caravan und Motorhome Club beziehungsweise im Camping and Caravaning Club haben uns keine Probleme bereitet. Viele der Plätze sind von Farmern betriebene Plätze, für die man sowieso keine Mitgliedschaft braucht.
Wir haben einige Male auf einem Platz des Caravan and Motorhome Club übernachtet. Entweder es war gar kein Problem oder es gab vom Club unabhängige Plätze. Und einmal konnte man nur online reservieren, da hat uns das alte Login von der Mitgliedschaft in 2023 geholfen. Der Computer hat dann sogar einen Rabatt abgezogen.
Ein Preisvergleich der Campingplätze ist schwierig, denn die Leistungen, die man fürs Geld erhält sind sehr unterschiedlich und abhängig von:
- Angebot und Nachfrage (vor Bank Holiday Tagen und im Sommer teurer, dann auch einige Tage im Voraus reservieren)
- Grasplatz oder Kiesplatz
- mit Stromanschluss oder ohne
Erst vor Ort erfährt man, ob Zusatzkosten für den Strom oder das Duschen entstehen.
Wir haben versucht, möglichst immer einen Platz mit Stromanschluss und wenn möglich einen Kiesplatz zu bekommen. Die Kosten für Strom waren mal in den Gebühren enthalten, wurden nach Verbrauch erhoben (Münzeinwurf oder Ablesen) oder wurden pauschal mit 5 bis 8 £ berechnet.
Auch die Qualität der sanitären Einrichtungen war sehr unterschiedlich. Der teuerste Campingplatz in Llanberies in Snowdonia hatte mit die besten sanitären Einrichtungen. Sie waren geheizt, die Kabinen waren komfortabel mit wassersicheren Ablageplätzen für Kleidung. Das Duschwasser war warm und die Duschen gingen nicht alle 30 Sekunden aus. Allerdings haben wir dort 59.20 £ für eine Nacht bezahlt.

Bei günstigen Campingplätzen für ungefähr 20 £ kommen oft noch die Kosten für Strom und fürs Duschen per Münzeinwurf hinzu. Der Preis sagt aber nichts über die Qualität der sanitären Einrichtungen aus. Die Spanne reicht von eigenem Badezimmer mit WC, Waschbecken und Dusche bis zu Gruselfaktor inbegriffen.
Nicht alle Campingplätze haben Waschmaschinen. Wir haben für eine Waschmaschine 4 £ bezahlt und für die Wäschetrockner 1 £ für 20 bis 25 Minuten.
Die Campingplätze verlangen oft die Gebühr in bar, sei es dass sie kein Kreditkartenlesegerät haben oder die Kosten sparen wollen. Auffällig ist, dass wir ausser bei den Clubsites nie eine Quittung erhalten haben.
Tipps für deinen Campingurlaub in Wales
Vor Wochenenden, an denen schönes Wetter angesagt ist und um Feiertage herum, sollte man Campingplätze im voraus buchen, sonst hat es meist auch gereicht am gleichen Tag für den Abend zu suchen.
Auf Anglesey und am Meer eröffnen viele kleinere Campingplätze erst zwischen Mitte und Ende Mai.
Wenn alle Stricke reissen und alles voll ist, gibt es grosse Parkplätze am Ortsrand oder am Meer, wo man gegen Bezahlung über Nacht stehen darf. Die Kosten lagen meist bei 12 £. Manchmal gibt es sogar Toiletten. Für Leute, die autark sind, können diese Parkplätze von Vorteil sein, da sie oft näher an Restaurants sind. Auf den National Trust Parkplätzen war das Übernachten stets verboten.
Entlang der grösseren Strassen durch Wales gibt es Parkplätze, die den französischen Aires nachempfunden sind. Meist ist es nur eine halbkreisförmige Ausfahrt neben der Strasse, aber dort dürfte man auch über Nacht stehen. Allerdings gibt es dort auch kein Wasser, kein WC und keine Picknickplätze.
Auch wenn man auf dem Roadtrip etwas Zeit aufwenden muss, um spontan einen Campingplatz zu finden, würde ich immer nur kurz im Voraus buchen, vor allem wenn man nur ein bis zwei Nächte bleiben will. Zum einen fährt man vielleicht weiter, wenn das Wetter bescheiden ist. Zum anderen hat das Wetter in den Bergen einen Einfluss auf die Route. Wir konnten in den Brecon Beacons wegen Erdrutschen nicht wie geplant fahren, sondern mussten weite Umwege in Kauf nehmen.
Eine gute Roadtrip Planung sollte immer in Möglichkeiten denken, um flexibel zu bleiben.

Fazit zum Roadtrip in Wales
Wales hat uns in vielerlei Hinsicht gefallen. Es ist nicht so überlaufen wie Schottland und bietet auf engem Raum die unterschiedlichsten Landschaften – Berge, Steilküste, Sandstrand, Dünen und natürlich immer das Meer.

Wales ist ehrlich. Die Spuren der Vergangenheit des Bergbaus, ob Kupfer, Schiefer oder Kohle sieht man überall. Auch der Reichtum, der für einige wenige daraus resultierte, ist bei Schlössern und Gärten zu besichtigen.
Der Norden von Wales war umkämpft. Immer wieder die Engländer. Die Burgen erzählen viel von der Geschichte.

Die Dichte an Highlights ist im Norden von Wales sehr hoch. Die Insel Anglesey hat uns sehr gefallen, vor allem die Wanderung zur Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn bei herrlichem Wetter war ein Traum. Das Garten-Highlight im Norden von Wales waren die Bodnant Gardens zur Rhododendron Blüte. Aber sicher steht und fällt vieles mit dem Wetter, über das wir uns im Mai nicht beschweren durften.
Snowdonia hat im Vergleich zu den weiten, oft schwermütigen Highlands etwas «Lieblicheres». Das liegt sicher daran, dass die Berge nicht ganz so hoch sind und es weniger Moore gibt.
Die Strassen und Mobilfunkabdeckung sind im Norden von Wales besser als im Süden, wo Schlaglöcher und schlecht geflickte Strassen teilweise recht herausfordernd für das Wohnmobil waren.

Im Unterschied zu Schottland sind viele Strassen durch bewachsene Mauern wie auch im Süden Englands üblich, eingegrenzt. Auch wenn wir im Wohnmobil durch die höhere Sitzposition mehr sehen konnten, sieht man weniger von der Landschaft als in Schottland. Durch die vielen Feldränder mit Hecken und Mauern gibt es aber einen unglaublichen Artenreichtum an Vögeln. Vor allem im Norden hat uns der Ruf des Fasans stets begleitet. Im Süden wurde er deutlich seltener.

Wales ist das Land der historischen Eisenbahnen, die durch wunderschöne Landschaften fahren. Wir haben es mehr als einmal bedauert, dass entschleunigte Eisenbahnfahrten bei schönem Wetter durch wundervolle Landschaften nicht in unseren Zeitplan gepasst haben.
Wer Burgen, Gärten, Küstenlandschaften, historische Eisenbahnen und eine lebendige eigene Kultur mag, wird in Wales mehr finden als nur eine Alternative zu Schottland.
Roadtrip im Grenzland zwischen Wales und England
Llangollen und das Dee-Tal
28.5.26 Heute heisst es Abschied nehmen. Am Abend fährt unsere Fähre in Hull zurück nach Rotterdam. Aber so ganz können wir uns noch nicht trennen. Einmal noch wollen wir den Blick auf das traumhafte Dee-Tal werfen.
Es ist unser zweiter «River Dee». Auf unserem Roadtrip durch Schottland sind wir in den Cairngorms dem River Dee begegnet, der dort entspringt und die höchst gelegene Quelle aller grossen Flüsse Grossbritanniens hat. Er durchquert die ganzen Highlands und mündet bei Aberdeen in die Nordsee. In meinem Beitrag über die Cairngorms findest du dort einige meiner Lieblingsplätze.

Der «River Dee», der durch Wales fliesst, entspringt im Snowdonia Gebirge. Er fliesst zuerst durch das Dee-Tal und biegt dann Richtung Norden ab, fliesst an Chester vorbei und mündet in die Bucht von Liverpool in die irische See.
Die Menschen, die diesen Flüssen ihren Namen «Dee» gaben, waren wohl genauso von der Schönheit angetan. In Wales ist es der Fluss der Göttin und in Schottland Wasser Gottes.

Da das walisische Dee-Tal reich an Rohstoffen war, gibt es hier eine Eisenbahn durch das malerische Tal. Später transportierte sie viktorianische Urlauber aus den englischen Industriegebieten an die walisische Westküste (nach Barmouth) ans Meer in die Sommerfrische.
Wir folgen von Llangollen der Strasse durch das Dee-Tal bis zur heutigen Endstation nach Corwen. Der Bahnhof wurde mit viel Liebe restauriert und die bereits abgerissenen Schienen wurden bis zu dieser Station wieder verlegt.

Wie stolz die Eisenbahner auf ihren Bahnhof sind, sieht man daran, dass wir mit den schweren Kameras bewaffnet, eingeladen werden, den Bahnhof auch ohne Ticket zu besuchen. Das waren noch Zeiten als Bahnhöfe so aussahen.

Der Zug begegnet uns auf der Rückfahrt. Irgendwie erinnert er mich spontan an eine Modelleisenbahn. Die Spurbreite ist normal, aber da die Eisenbahn in Grossbritannien sehr früh gebaut wurde, sind Tunnel, Bahnhöfe und Brücken entsprechend der Norm von vor 200 Jahren, als alles eine Nummer kleiner war. Deshalb sind die Züge daran angepasst.
Für uns wird es Zeit umzukehren. Wollen wir uns doch noch eine technische Meisterleistung im Dee-Tal anschauen, die Horseshoe Falls sehen. Ein hufeisenförmiges Wehr staut den Dee und zweigt täglich rund 68 Millionen Liter Wasser ab, die in den Llangollen-Kanal umgeleitet werden. Was einst ein grosses Industrieprojekt war, welches an Geldmangel scheiterte, ist heute ein Eldorado für Wassersportler und wichtig für die Trinkwasserversorgen. Zum Pontcysyllte Aqueduct haben wir es nicht mehr geschafft.

Wir fahren jetzt im scheinbar immer dichten Verkehr rund um Liverpool und Manchester nach Leeds, wo wir unsere Tochter wieder abliefern und schon einmal viele ihrer Sachen zurück in die Schweiz mitnehmen.
Die Fähre nach Hull erreichen wir zur Boarding Time. Allerdings lässt man uns lange warten, bis die LKWs so verstaut sind, dass dann die Wohnmobile drauf dürfen. Bei einem Abendessen am Buffet klingt der Abend aus.
Powis Castle – koloniale Sammlung und Barockgärten
27.5.26 Von Bishop’s Castle, für das wir uns keine Zeit nehmen, sind es nur 20 Minuten Fahrt zum Powis Castle. Das thront auf einem Felsen in der Nähe von Welshpool. Einstmals als Burg vom walisischen Prinzen Gruffudd ap Gwenwynwyn ab ungefähr 1200 erbaut, gelangte es im Jahr 1587 in die Herbert Dynastie und wurde von da an sukzessive in ein prachtvolles Wohnschloss umgebaut.
Heute wird es vom National Trust betrieben. Im Inneren des Schlosses herrscht strenges Fotoverbot, da das Inventar noch im Besitz der Familie ist. Und das Inventar hat es in sich. Angefangen mit der Clive Sammlung.

Ein monumentales Gemälde von Benjamin West erklärt, was man in diesen beiden Räumen sieht und woher der unglaubliche Reichtum der Familie kommt. Es zeigt die Unterzeichnung des Vertrags von Allahabad im August 1765 zwischen dem Mogulkaiser Shah Alam II. und der East India Company nach verlorener Schlacht. In diesem Vertrag überträgt er das Steuermonopol für die reichen Provinzen Bengalen, Bihar und Odisha an die East India Company. Er überreicht Robert Clive, dessen Sohn Edward in die Powis Familie einheiratete, die Urkunde. Der Sohn, der ebenfalls Edward Clive hiess, legte den Namen ab, um der 2. Earl von Powis zu werden.
Die Sammlung umfasst 700 wertvolle Gegenstände aus Indien. Von Waffen, über Elfenbein Figuren, Kleidern bis zu weissen Tigern.
Eine Zahl hat mich schockiert. Innerhalb von nur 50 Jahren wurden zwischen 1875 und 1925 über 80.000 Tiger in Indien abgeschlachtet. Heute leben ungefähr 3.000 Exemplare wieder wild.

Nachdenklich betreten wir nach dem Besuch der Sammlung das Schloss durch einen Kellereingang. Gleich im ersten Raum wartet der nächste Schock. Wandhohe Vitrinen über und über vollgestopft mit ausgestopften Tieren. Sogar Möwen und kleine Singvögel starren uns aus ihren toten Glasaugen an. Es kommt mir vor, als hätten die Bewohner versucht, ein gruseliges Lexikon der Tierwelt zu erstellen. Wir flüchten aus diesem morbiden Kabinett des Schreckens.
Und landen in der Dunkelheit des Blauen Salons. Wertvolle Wandteppiche aus dem 15. Jahrhundert werden vor dem Licht geschützt. Durch die Dunkelheit wirkt der Raum allerdings grün, weil sich die Farbwahrnehmung der blau-grünen Farbe in der Dunkelheit verschiebt.
Im Schloss gibt es ein französisch gestaltetes Königszimmer für Charles II., der jedoch starb ohne je einen Fuss in dieses Zimmer gesetzt zu haben. Die Herberts waren treue Anhänger der königlichen Stuart-Familie. Ein solches Prunkzimmer zu bauen, ohne zu wissen, ob der König jemals kommt, war wohl die ultimative Form der Ehrerbietung.
Nach dem Schlossbesuch geht es in den Garten. Terrassen führen den Hang hinunter. Die im 18. Jahrhundert zu Pyramiden barock beschnittenen Eiben, haben heute eine Wolkenform. Als im 19. Jahrhundert der englische Landschaftsgarten aufkam, liess man sie Jahrzehnte wild wachsen und danach konnte man sie nicht mehr in eine Form pressen. Heute kann man grummelige Gesichter erkennen.

Auf den Terrassen gibt es wilde Blumenbeete, eine Orangerie, Rosen und Glyzinien zu bestaunen. Und sehr viele steile Treppen nach unten, wo sich seitlich der alte Obstgarten anschliesst und ein weiterer barocker Garten, der aber auch mit englischen Blumenbeeten aufgelockert ist.


Der Wilderness Bereich ist ein angenehmer Kontrast zu den strengeren Gärten und der grossen Grasfläche. In Powis Castle sind 5 Gärtner Vollzeit beschäftigt und in der Anzuchtgärtnerei kümmert sich eine Vollzeit und eine Teilzeitstelle um den Nachschub für die Blumenbeete.

Im grossen Wald- und Grasgelände lebt eine Herde von Dammhirschen. Wir sehen beim Parken eine Hirschkuh oder ein Reh im hohen Farn und diverse Fasanenhennen.
Übernachtung: Llandyn Holiday Park bei Langollen, Graspitches mit und ohne Stromanschluss.
Im Königreich der Bücher – Hay-on-Wye
26.5.26 Wir verlassen Stratford-upon-Avon. Hier sind uns definitiv zu viele Menschen. So setzen wir unseren Roadtrip im Grenzland zwischen Wales und England fort. Ob man sich in England oder Wales bewegt, merkt man nur daran, ob die Strassenschilder zweisprachig sind oder nicht.
Statt ein beschauliches Bücherstädtchen erwartet uns dann allerdings eine Überraschung. Ein Bienenschwarm ist nichts gegen den Ort und die Temperaturen sind schon wieder zum Schmelzen. Wir haben das Glück und treffen Hay-on-Wye zur beschäftigtsten Woche des Jahres an – zum grossen Bücherfestival.

Eine Woche lang findet ein grosses Festprogramm mit Autorenlesungen, Interviews und vielem mehr statt. Unsere Tochter findet auch gleich ein Interview mit ihrem Lieblingspodcaster und Autor und verschwindet auf dem Festival Gelände.
Allerdings hat hier niemand je mit solchen Temperaturen gerechnet. Man erzählt uns, dass es meistens kalt und regnerisch gewesen wäre. Insofern fühlt sich der Festival Besuch unter dicken Zelten eher wie in der Sauna an.
Wir Alten setzen unsere Erkundung im übervollen Hay-on-Wye alleine fort und arbeiten uns von Bücherladen zu Bücherladen zum Ursprung des ganzen vor. Der Buchhändler Richard Booth hatte die wohl erfolgreichste Marketing Idee überhaupt. Am 1. April 1977 rief er die Unabhängigkeit von Hay-on-Wye aus und ernannte sich selbst zum König. Das zog international so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass man sich von staatlicher Seite sogar zu Klarstellungen gezwungen sah.

Immerhin konnte in der Folge der wirtschaftliche Verfall des Ortes gestoppt werden. Der Aprilscherz wurde ausgebaut. Der König hatte ein Parlament. Der Premierminister war allerdings sein Pferd. Für die Einwohner von Hay-on-Wye gab es eigene Pässe, eine C.I. Hay, Briefmarken, Gesetze und mehr.

Da er die Wirtschaft ankurbelte, liess man ihn gewähren. Irgendwann gab es sogar einen Putsch. Heute hat das nicht einmal 2.000 Seelen-Dörfchen jedenfalls 24 Bücherläden. Wir haben zwar mitbekommen, dass man in Wales sehr gerne liest, denn überall gibt es Second Hand Bücherläden, wo man für 50 Pc wunderbare Bücher bekommt. Das unser Auto nicht fürchterlich überladen ist, hängt nur mit dem akuten Platzmangel zusammen.

Auch in den richtigen Bücherläden ist uns aufgefallen, dass Bücher viel erschwinglicher sind, als in der Schweiz.
Aber zurück zur Buchhandlung von Richard Booth, der Laden ist riesig und ein Gemisch aus Second Hand und neuen Büchern. Riesige Sessel laden dazu ein, gleich vor Ort im Buch zu versinken. Es gibt so viel zu entdecken. Nur die Hitze hat uns dann herausgetrieben.
Während wir so überlegen, was wir als nächstes machen, passieren wir einen Friseur und Jörg schaut rein und fragt, ob er einen Haarschnitt bekommen könnte. Da der eigentliche Kunde nicht aufgetaucht war, hatte er Glück. Wie wir später erfuhren, ist es sehr schwer, einen Termin bei der Dame zu bekommen. Der viel zu späte Kunde bekam jedenfalls keinen neuen Termin.

Inzwischen wurde es spät und später und irgendwie wussten wir immer noch nicht, wo wir die Nacht verbringen wollten. Auf dem Parkplatz hatten wir auch kein Netz, um irgendetwas entlang der Route zu finden. Das schlechte Netz macht uns hier immer öfter Probleme, denn auch zum Bloggen brauche ich eine Internetverbindung.
So picken wir irgendwann unser nicht begeistertes Kind wieder auf und fahren ins Blaue. Irgendwo unterwegs gibt es dann einen Parkplatz mit Netz und wir finden in Bishop’s Castle sowohl einen Campingplatz als auch eine Unterkunft für unser Kind. Im Castle Hotel klingt der Tag bei einem guten Essen im Garten aus, bis uns aufziehende Wolken und Donnergrollen zur Eile drängen.
Übernachtung: Fox Holes Castles Camping and Cabins, nur per Mail anzufragen, Graspitches mit und ohne Strom. Es gibt einen Weg durch die Felder nach Bishop’s Castle.
Bourton-on-the-Water, Hidcote Garten und Stratford-upon-Avon
25.5.26 Schon morgens ist es heiss und das Thermometer steigt im Verlauf des Tages auf unglaubliche 32 Grad. Wir lassen uns bei der Tagesplanung etwas von diesen Temperaturen leiten. Inzwischen ist uns schmerzlich bewusst, dass die Zeit nicht ausreicht, um all die hübschen Dörfer zu sehen, an denen wir am Vortag vorbeigefahren sind.
So fällt unsere Wahl auf Bourton-on-the-Water, das Venedig der Cotswolds. Mit dem Kanal, in dem eiskaltes Wasser fliesst, sicher ein sehr ansprechender Ort, aber die grossen Parkplätze lassen uns böses ahnen. Und so ist es dann auch. Kolonnen von Menschen schieben sich durch die Gassen oder lagern am Kanal. Kleine Kinder scheint die Kälte des Wassers nicht zu stören, sie spielen begeistert im flachen Wasser. Alle Cafés und Restaurants sind voll.


Wir laufen ein wenig entlang des Kanals, werfen hier und da ein Blick auf ein hübsches Haus mit schönem Garten und teilen uns dann auf. Jörg geht zu Bourton-on-the-Water Miniatur (Modelle sind im Massstab 1:9), während ich mit Tochter der Empfehlung eines Shop-Besitzers folgen und durch ein Naturschutzgebiet mit vielen Häschen in Richtung eines anderen, nicht so überlaufenen Ortes gehen. Allein die Temperaturen lassen uns bald umkehren. Diese schwüle Hitze ist in Bewegung nicht auszuhalten.
So fahren wir weiter zum Hidcote Garten. In einem Garten gibt es immer Schattenplätze. Dort angekommen, beschliesst die Familie zuerst einmal, den Tea Room zu besuchen, in der Hoffnung auf etwas anderes als Brötchen. Naja, Sandwiches, Quiches und eine Erbsen-Minz-Suppe entsprechen nicht so ganz der Wunschvorstellung. Aber da es nun inzwischen fortgeschrittener Mittag ist und wir nicht gefrühstückt haben, essen wir halt dort etwas. Mit sehr viel nachträglichem Salz ist die Erbsen-Minz Suppe sogar unerwartet recht lecker.
Der Hidcote Garten ist berühmt für die Schaffung von Gartenräumen, die jeweils komplett unterschiedlich sind. Lange Sichtachsen schaffen eine gewisse Ordnung. Wir wandeln durch den Garten und schmelzen dahin.




Im gemütlichen Wohnhaus überrascht uns eine Fotoausstellung, «A Place That Whispers». Handzeichnungen und Fotografien des Gartens wurden digital ineinandergefügt und in einem traditionellen Druckverfahren gedruckt. Die Bilder scheinen Märchen und Legenden zu illustrieren.
In einem schattigen Laubengang verschwatzen wir uns dann auch noch. Und dann müssen wir schon wieder eilen, damit wir in Stratford-upon-Avon rechtzeitig einchecken.
Es ist immer noch so heiss, als wir uns in der Shakespeare Stadt etwas zu essen suchen. Erst als die Sonne langsam untergeht, macht der Stadtbummel durch die Altstadt mit den vielen Tudor Häusern Spass. Für den Shakespeare’s Birthplace in der Henley Street hat unsere Zeit nicht gereicht, obwohl ich den gern gesehen hätte. Aber noch einen Tag in den Cotswolds anzuhängen, wollten wir auch nicht.



Übernachtung: Stratford Touring Park, direkt auf dem Grün vor der Rennbahn, ohne jeden Schatten. Kalt abduschen war auch nicht, denn es gibt in der Dusche nur zwei Zustände, an oder aus.
Tredegar House und Abstecher in die Cotswolds
24.5.26 Unsere Rundreise durch Wales geht weiter, auch wenn wir nach dem Besuch des Tredegar House einen Abstecher nach England machen. Aber der Reihe nach.
Morgens besuchen wir erst einmal Tredegar House. Das spannendste an dem vom National Trust verwalteten Anwesen ist wohl die dramatische Familiengeschichte.

Für Militärhistoriker ist das Haus wegen Godfrey Charles Morgan (dem späteren 1. Viscount Tredegar) bedeutsam. Er kämpfte in der berühmten Schlacht von Balaklava auf der Krim, wo die Engländer mit den Franzosen, dem Osmanischen Reich und Sardinien gegen das russische Kaiserreich kämpften.
Aufgrund eines missverstandenen Befehls wurde die leichte Brigade in ein tiefes Tal geschickt, wo sie von drei Seiten von russischen Kanonen beschossen wurden. Von den 670 Reitern wurden zahlreiche getötet oder gerieten in Gefangenschaft. Godfrey Charles Morgan und sein Pferd überlebten diesen Ritt.
Da er keine Kinder hatte ging das Vermögen an seinen Neffen Courtenay Morgan. Dieser schaffte es, den Reichtum zu mehren und zum 1. Earl von Tredegar ernannt zu werden. Mit seinem homosexuellen Sohn Evan, der das gesamte Geld für Reisen, Party und schwarze Magie ausgab, endet die Dynastie.

Er heiratete zwar zweimal, um die Familienkasse aufzufüllen, aber die erste Frau starb früh und die zweite Frau hatte auch auf eine vermögende Eheschliessung gehofft. Die Ehe wurde vier Jahre später geschieden.

Nach einem Picknick machen wir uns dann auf den Weg in die Cotswolds. Castle Combe soll das schönste Dorf in England sein, und so steigen wir dort in die Cotswolds ein. Dass unser Besuch auf Pfingsten fällt, war ungeschickt, wie wir schon bei den Problemen, eine Unterkunft und einen Stellplatz zu finden, gesehen hatten.


Dass ein kleiner Ort so überlaufen sein kann, hätten wir uns nicht vorstellen können. Wir finden zwar auf Anhieb auf dem grossen Parkplatz ausserhalb des Ortes einen Platz und mussten nicht 50 mal kreisen, wie das Auto neben uns, aber das Dorf war dann vor lauter Menschen nicht zu fotografieren.
Auf meinem Telegram Kanal mache ich mir dazu Gedanken über die Anziehungskraft dieser beschaulichen Orte.
Die Strassen in den Cotswolds waren auch ziemlich voll, obwohl wir uns auf den Umgehungsstrassen gehalten haben. So sind wir an zahlreichen Orten vorbeigefahren, weil wir auf dem Campingplatz und im Hotel einchecken mussten. Beides lag leider fast 30 Minuten Fahrtzeit voneinander entfernt, aber es war einfach nichts zu finden.

Nächstes Problem, etwas zu essen finden. Wieso alle Pubs am Pfingstsonntag geschlossene Küche haben, kann mir keiner erklären, zumal sie dann Montag wieder geöffnet sind. Obwohl wir noch Tipps und Google folgen, am Ende essen wir die letzten alten Brötchen vom Vortag.
Übernachtung: Moreton in Marsh – riesiger Campingplatz, sauber mit Campingbedarfsartikeln und ganz viel Wildlife.
Tintern Abbey und Caerphilly Castle
23.5.26 Und wieder einmal starten wir früh, weil wir unsere Älteste in Bristol Parkway vom Zug abholen. Sie wird die letzten paar Tage unseres Roadtrips mit uns reisen. Parkway hat den Vorteil, dass man nicht durch die Umweltzonen von Bristol fahren muss.
Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Tintern Abbey. Als wir ankommen, ist der Parkplatz schon fast voll. Dies hat einen Grund, denn an Pfingsten werden Besucher mit dem Mittelalter gelockt. Im Inneren der Ruine befindet sich ein mittelalterliches Dorf. Dieses Mal mit einer Herrin, die ansagt, wer was zu machen hat, einem Schneider, der viele Lagen Leinen übereinander näht, um einen schweren Mantel zu bekommen, eine Taverne mit vielen mittelalterlichen Spielen und einer Sammlung von mittelalterlichen Trinkgefässen. Früher brachte man seinen eigenen Becher mit. Das Kochzelt fehlt natürlich auch nicht. Ein Schmied stellt Pfeilspitzen her und natürlich sind auch die Bogenschützen im Dorf. Eigentlich kann hier jeder mit dem Bogen umgehen. Das wird dann in der Gluthitze des Mittags präsentiert.


Die beeindruckende Ruine der Abtei ist leider zur Hälfte eingerüstet, was den Eindruck schmälert. Es gibt übrigens ein zweites Kloster, welches von Tintern Abbey inspiriert wurde, aber das steht in Irland.
Wir fahren nach dem Besuch weiter nach Caerphilly Castle, der nach Windsor Castle zweitgrössten Burg in Grossbritannien. Die Burg wurde auf einem zuvor unbebauten Sumpfgelände errichtet. Wasserläufe wurden umgeleitet. Es entstand eine Wasserburg, die mit mehreren Verteidigungswällen ganz neue Massstäbe setzte.

Einer der Türme hat sich geneigt und ist heute schiefer, als der schiefe Turm von Pisa. Warum weiss keiner so genau. Eine Holzskulptur tut so, als würde sie den Turm stützen.
Auch hier sind der rote und der weisse Drache in einer Grube zu bewundern. Ein schöner Rundgang durch die Burg.
Vor der Burg am Wasser ist es nicht minder spannend. Denn hier leben unter anderem zahlreiche Nonnengänse. Ihren Nachwuchs scheinen sie gut versteckt zu haben, aber dann entdecken wir die Küken. 17 Küken werden von 2 Gänsen bewacht und der neugierige Schwan wird immer wieder verscheucht. Gänse bilden Kinderkrippen, kein Wunder haben wir so wenig Nachwuchs gesehen.

Übernachtung: Ty Coch – wunderschöner Stellplatz mit netten Besitzern. Hier gibt es auch einige Hütten, die man mieten kann. Unsere Tochter bringen wir in einer dieser Shepherds Huts unter. Ein alter liebevoll eingerichteter Zirkuswagen ohne Räder.
Cardiff
22.5.26 Heute Morgen verlassen wir den Campingplatz früh, um noch einen Parkplatz am Park zu bekommen. Und wir haben Glück und finden sogar noch einen Platz am Strassenrand unter den Bäumen im Schatten.
Von da aus ist es nicht mehr weit zum Schloss von Cardiff, mit dem wir heute unsere Stadtbesichtigung beginnen. Der Weg führt nach dem Park an einer Mauer mit lauter Tieren entlang. Diese Tiere wurden 1892 fertiggestellt und sehen aus, als würden sie gleich die Mauer überwinden und sich auf die Passanten stürzen.

Später wurden sie sehr berühmt, denn 1933 wurden sie in einem Zeitungs-Comic lebendig. Als die Mauer für die Verbreiterung der Strasse versetzt wurde, kamen noch ein paar neue Tiere ohne Glasaugen dazu.
Das Schloss selbst überrascht uns gleich in der Eingangshalle mit einem Tartan. Auf Nachfrage erfahren wir, dass der Marquess of Bute, der das Schloss im 19. Jahrhundert so prunkvoll umbauen liess, Clan Chef der Stuarts of Bute ist. Die Linie stammt direkt von einer unehelichen Linie des schottischen Königs Robert II. ab. Durch eine strategische Heirat im Jahr 1766 gelangte die schottische Familie Bute in den Besitz riesiger Ländereien in Südwales – inklusive Cardiff Castle und der dortigen Kohlefelder.

Unermesslicher Reichtum gepaart mit Fantasie haben einen beeindruckenden Palast geschaffen. Ob Bibliothek, der arabische Raum oder der Festsaal, das Schloss ist immer wieder überraschend. Im Festsaal wird die Geschichte vom Ritter Robert, der einst dort lebte, wo heute der gotische Palast steht, erzählt.
Robert (Earl of Gloucester) war ein unehelicher Sohn von König Heinrich I. Nach dem Tod des Königs brach ein verheerender Thronfolgekrieg aus. Roberts Halbschwester, Mathilda, war die rechtmässige Erbin. Doch ihr Cousin, Stephan von Blois, riss die Krone an sich. Robert wurde zum treuesten Beschützer seiner Schwester.

Es gibt vieles auf dem Schloss Gelände zu entdecken, so beispielsweise eine normannische Burg. Daneben gibt es Picknick Tische und eine Spielecke mit verschiedenen Outdoor Spielen und einen Stand, an dem man mehr über die Herkunft seines walisischen Namens erfahren kann. In Wales änderte sich nämlich der Name mit jeder Generation, weil man einfach der Sohn vom Vater war. Erst die Engländer wollten vererbbare Namen um Steuern und Gerichtsakten besser führen zu können.

Ein faszinierender Schlossbesuch und das Kontrastprogramm zur Armut der Menschen, die in den Kohleminen von Blaenavon arbeiteten.
Ein anderes Kontrastprogramm zeigt sich in der Innenstadt von Cardiff. Einst als Kohlehafen reich geworden, rutschte die Stadt am Ende des Kohlebooms in eine Wirtschaftskrise. So hat man einerseits die schönen viktorianischen Bürgerhäuser und Arkaden, aber alles ein wenig heruntergekommen. Und andererseits fürchterliche Bausünden aus Beton dazwischen. Die ganze Innenstadt besteht nur aus Shopping und Food. Wahrscheinlich weil die Innenstadt autofrei ist und Anwälte und Ärzte, die sich sonst die Häuser oder Mieten leisten können, für ihre Klientel erreichbar sein müssen.
Übernachtung: Vishwell Farm, schöner Campingplatz mit überwiegend Grasplätzen, sauberen Sanitäranlagen ohne Laundry.
Blaenavon Iron Works und Cardiff
21.5. 26 Als wir morgens aufwachen ist die Welt um uns herum verschwunden. Wir hören die Kühe muhen, aber wir sehen nicht weiter als bis zum Rand des Campingplatzes. Am Vortag dachte ich noch, die riesigen Abraumhalden fotografierst du morgen und heute früh sind sie verschwunden.

10.00 Uhr stehen wir vor den Iron Works, allerdings ist wieder eine Schulklasse vor uns. Blaenavon hat heute als Industrielandschaft den Weltkulturerbe Status. Nicht nur Kohle, sondern auch Erz und Kalkstein wurden hier gefördert und gleich verarbeitet.
Wer heute durch die monumentalen Ruinen wandert, sieht die klassische Eisenproduktion des 19. Jahrhunderts. Hier wurde Steinkohle zu Koks gebrannt, der heisser brennt und stabiler ist. Von oben schichtete man Koks, Eisenerz und Kalkstein in die riesigen Hochöfen, während von unten mit Dampfkraft Luft hineingeblasen wurde. Am Ende floss flüssiges Roheisen heraus, das zu Barren gegossen wurde.
Hier erfanden zwei junge Chemiker ein Verfahren wie man dem Erz den Phosphor entziehen kann. Das Patent für besseren Stahl wurde in ganz Europa angewendet.
Der hohe Turm war ein wasserbetriebener Lastenaufzug (Water-Balance Tower). Das Prinzip ist das gleiche wie beim Falkirk Wheel.

Auf dem Gelände gibt es noch die Wohnungen der Vorarbeiter zu bewundern. Ihre Ausstattung entspricht verschiedenen Zeitepochen. Das Eisenwerk machte auch 10 Prozent seines Umsatz mit dem eigenen Shop, der mangels Konkurrenz recht teuer war.

Eigentlich war es eine Fortführung der Sklaverei mit anderen Mitteln. Wohnung wurde gegen Geld vom Arbeitgeber gestellt. Der Lohn wurde in Token gezahlt, mit denen man nur dort im Laden und dem Pub bezahlen konnte. Verlassen des Arbeitgebers war nur möglich, wenn man schuldenfrei war.
Auch hier arbeiteten Kinder und Frauen. Ein Kind bekam ein Fünftel vom Lohn eines Erwachsenen.
Nachdem wir alles gesehen haben, fahren wir nach Cardiff. Je näher wir der Küste kommen, um so mehr hellt es sich auf. Es wird sogar richtig warm. Wir checken am Campingplatz ein und begeben uns zu Fuss durch den Park in Richtung Schloss.
Da am Wochenende im nahe gelegenen Kricket Stadion Meisterschaften mit grosser Fernsehübertragung stattfinden, werden nicht nur Parkplätze gesperrt, sondern auch Wege im Park. Bis wir endlich beim Schloss sind, lohnt der Eintritt nicht mehr. Deshalb laufen wir zur Station des Wasserbuses, nur um endlich an der Station angekommen, festzustellen, dass diese Station nicht bedient wird. Na vielen Dank auch.

Wir wollen zum Hafen und zum Laufen ist der Weg definitiv zu weit. So gehen wir zurück zum Bahnhof und nehmen ein Taxis. War günstiger, als es der Wasserbus gewesen wäre.
Am Meermaid Quai halten wir Ausschau nach einer Fähre oder Sunset Hafenrundfahrt, aber hier sind scheinbar alles Beamte. Um 16.00 ging das letzte Schiff.
So bummeln wir staunend ob des Gebäudemixes am Hafen entlang und lassen den Tag gemütlich bei einem Essen draussen ausklingen. Zurück zum Campingplatz nehmen wir dann wieder ein Taxi und verbringen den Rest des Tages lesend und die Sonne geniessend.

Genauso wie die Strassen ist auch die Netzabdeckung im Süden von Wales sehr viel schlecher.
Übernachtung: Cardiff Caravan Park, praktische Lage, Fahrradverleih, WLAN schlecht, Netzabdeckung minimal, Duschen und WC – sagen wir mal so, ich habe nicht hier geduscht.
Industrielandschaft von Blaenavon – Big Pit
20.5.26 Der Regen hat sich verzogen und die Temperaturen sind milder geworden, aber der Wind ist noch kräftig. Wir fahren heute nach Blaenavon. Die Strassen sind herausfordernd. Löcher, Flickwerk und noch mehr Löcher. Wir hoppeln nach Bleanavon und sind froh, dass sich unser Auto nicht in Einzelteile zerlegt.
Unser erstes Ziel ist Big Pit, die Kohlemine. Allerdings meint es der Copilot Navi nicht gut mit uns und schickt uns auf schmalsten Strassen durch Wohngebiete, die die Geschichte der Arbeiterklasse auf ihre Weise sehr deutlich illustrieren. Irgendwann wird der Weg zu abenteuerlich und wir verwenden Google Maps und dürfen alles wieder zurückfahren. Gelangen dann aber sehr komfortabel zum unteren Besucherparkplatz.

Eine halbe Stunde bleibt uns bis zum Beginn unserer Tour, so dass wir eine Kleinigkeit essen und dann losstürzen. Als wir zum Treffpunkt kommen ist der Warteraum schon voller Schüler aus der Normandie. Ein Teil wird vor uns eingekleidet, so dass sich der Tourbeginn verzögert.
Dann endlich ist unsere Gruppe dran. Wir bekommen Helme mit Beleuchtung und einen Gürtel mit Equipment umgebunden. Anschliessend müssen wir alles abgeben, was eine Batterie enthält. Autoschlüssel, Uhren, Mobiltelefone, Kameras, alles wandert in einem Stoffbeutel und wird eingeschlossen. Es fühlt sich an wie ein räuberischer Überfall, bei dem alle ihre Wertsachen in den Beutel geben müssen.

Eigentlich wird Methan nur beim Abbau freigesetzt, aber Vorschrift ist Vorschrift.
Unser Guide stammt wieder aus einer Familie von Bergleuten und hat auch selbst in der Mine gearbeitet.
Wir fahren in einem Förderkorb (kein Lift, darauf legt er wert) 90 m unter die Erde und beginnen unsere Tour. Die Besuchsmine ist für eine Kohlemine erstaunlich flach. Andere Minen gehen in Blaenavon bis zu 890 m Tiefe. Die geringe Tiefe von Big Pit hat dazu geführt, dass sie heute Bestandteil des National Coal Museum ist.
Wir gehen durch Tunnel, die immer wieder durch Türen verschlossen werden, damit die Belüftung nicht den einfachsten Weg nach draussen nimmt.
Das erste, was uns demonstriert wird, ist die Dunkelheit im Stollen. Alle machen ihre Lampen aus und wir dürfen uns vorstellen, wie es mit einer Kerze ist.
Als nächstes wird uns ein einfaches Telefon gezeigt. Zwei Drähte, die wenn man sie kurzschliesst einen Klingelton ergeben. Dummerweise gibt es dabei auch Funken, was in einer anderen Mine zu einem schweren Grubenunglück mit 400 Toten geführt hat.
Vollkommen überrascht sind wir, als wir die Pferdeställe unter der Erde sehen. Die Pferde mussten die Wagen mit der Kohle durch die Gänge ziehen. Im Alter von 4 Jahren kamen sie in die Grube und arbeiteten meist bis es zum Abdecker ging.
Den Menschen ging es auch nicht viel besser. Jungs begannen im Alter von 6 Jahren mit 12 Stunden Schichten. Schule gab es keine, wenn man von der Sonntagsschule in der Kirche absieht. Später wurde das Alter der Kinder auf 10 hochgesetzt.
Irgendwann erfahren wir dann auch, was wir noch im Gürtel mit uns herumtragen. Es ist ein Kohlenmonoxid Filter. Gut, den brauchten wir nicht, denn die chemische Reaktion lässt ihn ziemlich heiss werden.

Nach dem Besuch der Mine kann man noch durchs Gelände laufen und sich das Museum anschauen. Bis wir zum Auto zurückkehren, ist es zu spät sich noch die Eisenhütte anzusehen. So bleiben wir hier und übernachten auf einem sehr einfachen Campingplatz mit defekter Dusche. Aber das Essen im Whistle Inn war hervorragend.
Übernachtung: Whistle Inn and Park – kein Strom, WLAN und zur Zeit keine Duschen.
Ein verschollener Garten und spektakuläre Küste
19.5.26 Der Regen ist hartnäckig und singt uns mit dem Wind in den Schlaf. Beim Aufwachen am Morgen ist alles grau, die gegenüberliegende Strassenseite ist von der Wolke verschluckt und es regnet immer noch. Dennoch machen wir uns auf den Weg nach Aberglasney.
Als wir die verschollenen Gärten von Aberglasney erreichen, nieselt es nur noch und dann hört es auf und wird etwas heller.

Der Garten von Aberglasney hat eine wechselhafte Geschichte. Im zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen vom US Militär beschlagnahmt, eine deutsche Bombe fiel drauf und danach geriet er in Vergessenheit. Einem reichen Amerikaner ist die Restauration des Gartens zu verdanken. Durch den Kontakt zu einem walisischen Denkmalschützer, der den Welsh Historic Gardens Trust gegründet hatte, erfuhr er zufällig von dem Garten.
Begeistert von dem elisabethanischen Kreuzganggarten und der Gartenstruktur, entschied er sich, die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen, damit der neu gegründete Trust das Land kaufen und die Restaurierung starten konnte. Das war 1995 und der Zustand des Gartens auf den Bildern, die man uns am Eingang zeigt, lässt uns fragen, welcher Garten.

Heute sind die verschiedenen Gartenareale liebevoll wieder hergestellt. Manches wirkt in der Symmetrie barock auf uns, anderes ist scheinbar wild.


Wieder einmal der Küchengarten lässt mich neidisch blicken. Von Birnen als niedrige Geländer gezogen umrandete Beete, die geometrisch angelegt sind und auf denen auch das Gemüse geometrisch angeordnet wächst bis zu den Beerensträuchern entlang der Mauern alles sehr mustergültig. Da frag ich mich, was wohl mein Gemüsegarten daheim macht.

Im Garten leben viele Vögel. Das Rotkehlchen ist hier recht zutraulich. Erst beobachten wir, wie ein schlankes Rotkehlchen ein dickes Junges füttert. Im ersten Moment dachten wir an einen Kuckuck. Und dann beim Lunch nimmt es auf unserem Tisch Platz und bedient sich mit grösster Selbstverständlichkeit von meinem Teller. Gute Menschenkenntnis besass es auch, denn Jörg hätte sein Sandwich verteidigt.

Bei immer noch sehr bewölktem Wetter und starkem Wind fahren wir als nächstes zur Rhossili Bay. Die Westspitze der Gower-Halbinsel wird regelmässig zu den schönsten Stränden gewählt. Der breite, goldgelbe Sandstrand wird im Osten von den fast 200 Meter hohen Hügeln der Rhossili Downs eingerahmt. Oben auf den Klippen grasen Pferde und Schafe.

Am südlichen Ende ragt eine markante, schlangenförmige Felsformation ins Meer – Worm’s Head, eine Gezeiteninsel. Die Freiwilligen Organisation Coast Watch hat eine Station und beobachtet genau, wer sich auf die Gezeiteninsel begibt und informiert die Küstenwache, wenn wieder einmal Touristen die Stärke der Gezeiten unterschätzen. Normal sind hier 8 Meter Gezeitenunterschied.

Da das Wetter recht bedrohlich aussieht, kehren wir um und verweilen ein wenig bei den Pferden mit ihren Fohlen. Die Schilder bitten um 20 m Abstand von den Tieren, aber dafür müssten wir ins Wasser springen und die Tiere haben keinerlei Scheu vor den Besuchern. Der Parkplatz wird vom National Trust betrieben.


Zurück im Auto beschliessen wir dann, was wir am nächsten Tag unternehmen wollen und suchen uns einen Campingplatz. Auf schmalen Strassen holpern wir von Schlagloch zu Schlagloch bei starkem Wind dem Campingplatz entgegen.
Übernachtung: Heritage Coast Campsite – Campingplatz, der nur Stellflächen auf dem Gras hat, etwas abgelegen liegt und recht teuer ist, für das, was er bietet. Will am liebsten Barzahlung. Mobilempfang schlecht, WLAN nur bei der Rezeption.
Camper Alltag und ein Botanischer Garten
18.5.26 Es regnet die ganze Nacht und auch morgens macht der Regen kaum mal Pause. Wir nutzen die Zeit, um mal abzuschätzen, wie lange wir noch nach Cardiff brauchen werden und wie viel Zeit wir dann noch haben, bis der Urlaub endet. Wäre ja gut, wenn wir auch in Hull sind, wenn die Fähre ablegt.
Ausserdem wird auch unsere Älteste zwischen den Prüfungen noch ein Stück mit uns reisen und auch dafür sollten wir wissen, wann wir wo sind. Bei all den vielen Möglichkeiten und den Unwägbarkeiten mit dem Wetter, ist das ganz schön schwierig. Aber wir legen uns fest.
Jetzt beginnt die eigentliche Schwierigkeit, wir nähern uns Pfingsten und der Pfingstmontag ist auch in Wales ein Bank Holiday Tag und damit ist alles plötzlich unglaublich teuer und ausgebucht. Da ist es natürlich auch nicht hilfreich, dass unser geplanter Abstecher nach England in die Cotswolds auf Pfingsten fällt.
Wir verbringen viel Zeit mit der Suche nach Campingplätzen, die noch nicht ausgebucht sind. Als wir dann endlich loskommen, müssen wir noch einkaufen. Bis wir in Tenby, einer hübschen Stadt mit bunten Häusern am Hafen und einem grossen Sandstrand ankommen, ist die Stadt heillos überlaufen. Wir sind froh ohne Blechschaden wieder aus der Stadt zu kommen.
Inzwischen hat auch der Regen wieder eingesetzt. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und des Wetters entscheiden wir, den Colby Woodland Park wegzulassen und stattdessen direkt in den Botanischen Garten von Wales zu fahren.
Ich wollte den Botanischen Garten von Wales gern wegen seines von Norman Foster entworfenem Glashaus sehen. Es hat eine elliptische Kuppel, die sich in die Hügel schmiegt und an einen gigantischen Wassertropfen erinnert. Es ist wohl das grösste freitragende Glasdach, welches man bei unserem Besuch gerade aufwändig reinigte.

Im Inneren wirkt vieles noch unfertig, obwohl sowohl das Glashaus als auch der Botanische Garten als Millenniumsprojekt im Jahr 2000 eröffnet wurde.

Während andere botanische Gärten wie Edinburgh oder der Benmore Botanic Garden in Schottland auf eine über 200-jährige Geschichte blicken und Pflanzen nach ihren Lebensräumen gruppieren, verfolgt man in Wales im zweifach ummauerten Garten die Präsentation nach gemeinsamer DNA und möchte so auf die Evolution der Pflanzen aufmerksam machen. Für das Auge des Betrachters ergibt sich eine bunte Mischung, die sich nicht wirklich erschliesst.
Obwohl jünger, wirkt das Tropenhaus von der Bauart älter als das von Foster entworfene Glashaus.
Ansonsten gibt es im botanischen Garten sehr viel natürlichen, wilden Lebensraum und Wasserläufe. Uns hat der Garten etwas ratlos zurückgelassen. Man will vieles, aber irgendwie erschöpft es sich in Andeutungen, wie der japanische Garten.

Der Garten richtet sich auch an die jüngeren Besucher. Die Raupe Nimmersatt und der Gruffalo werden im Garten aufgegriffen und der schmale Wasserlauf, der sich den Hang neben dem Rockgarten mit einer Einführung in die Geologie von Wales entlangschlängelt, dürfte im Sommer für viel Spass sorgen.
Wir organisieren uns mit dem WLAN vom Botanischen Garten noch einen Campingplatz, weil die Gegend hier aus aneinandergereihten Funklöchern erscheint. Am Campingplatz angekommen, machen wir da weiter wo wir am Vormittag aufgehört haben und checken Verfügbarkeiten von Unterkünften.
Die heftigen Regenschauer sind zum unter die Bettdecke kriechen.
Übernachtung: Towy Valley Campsite, netter Besitzer, gute sanitäre Einrichtungen. Lage im Nirgendwo, aber nicht weit vom Botanischen Garten oder den Aberglasney Gardens.
St Davids und Picton Castle
17.5.26 Wir starten unseren Tag mit einem Besuch in St Davids. Normalerweise liegen Heiligtümer ja oben. Ich vermutete immer für die kürzere Verbindung zum Himmel, aber die Kathedrale von St Davids liegt in einer Senke, wie auch schon das Kloster von St Davids vor ihr. An der Küste hatte das einen ganz praktischen Zweck, man wollte nicht unnötig die Aufmerksamkeit von Piraten auf sich ziehen.

St Davids ist heute der Schutzpatron von Wales. Sein Todestag der 1. März ist walisischer Nationalfeiertag. Da er beim Kampf gegen eindringende germanische Sachsen mit ähnlicher Rüstung empfahl, sich einen Lauch an den Helm zu stecken und die Schlacht gewonnen wurde, gilt der Lauch als Glückssymbol und ist auf der Speisekarte allgegenwärtig.
Aber zurück zu unserem Besuch in St Davids: Ab dem Moment, wo wir den Camper verlassen, begleitet uns das Spiel der Glocken. Diese befinden sich in einem separaten Glockenturm neben dem Torhaus oberhalb der Kathedrale. Sechs Leute spielen das Wechselläuten. Das schafft eine einzigartige Stimmung.
Der Bau der Kathedrale begann 1181, nachdem zehn Jahre zuvor der englische König Heinrich II. höchstpersönlich nach Pembrokeshire reiste, um am Schrein von St David zu beten. Dann erliess der Papst auch noch den Erlass, dass zwei Reisen nach St Davids einer Pilgerreise nach Rom entspricht, was zu einem massiven Pilgerstrom führte.
Der Bau der Kathedrale verlieh dann nach altem Recht St Davids auch noch das Stadtrecht. Damit ist St Davids mit ungefähr 1.400 Einwohnern die kleinste Stadt Grossbritanniens.
Der Blick von oben auf die Kathedrale und die Ruine des Bischofspalastes ist eindrücklich. In der Kathedrale findet gerade der Gottesdienst statt. Als die Glocken aufhören, hört man den Chor durch die Mauer. Gänsehaut. Die Akustik der Kathedrale ist ausgezeichnet. Ende Mai findet das St Davids Cathedral Music Festival über mehrere Tage statt, aber da sind wir schon woanders.

Wir schauen uns stattdessen die vom Cadw unterhaltene Ruine des Bischofspalastes an. Den protestantischen Bischof, der veranlasste, das wertvolle Bleidach zu entfernen und zu verkaufen, um die Mitgift seiner Töchter zu finanzieren, möchte man heute noch schütteln.

Ohne Dach verfiel der Palast schnell. Heute brüten überall in den Mauern Rabenvögel.
Für uns geht es nach dem Besuch von St Davis auf unserem Roadtrip durch Wales weiter zum Picton Castle and Garden.

Dieses über die Jahrhunderte als Familienhaus genutzte Anwesen ist heute Bestandteil eines eigenen Trust, in den es die letzten Besitzer überführten, nachdem die Kinder kein Interesse daran hatten. Das Haus ist zu besichtigen und im Vergleich zu vielen anderen Schlössern fast gemütlich zu nennen.

Der grosse Garten hat viele Wald- und Rasenflächen mit einzelnen Solitärgewächsen. Der Walled Garden wurde für viel Geld renoviert und ist ein echter Ort zum Wohlfühlen. Im Gewächshaus wachsen die Setzlinge für die Blumen- und Gemüsebeete und für den Verkauf. Alles in allem ein Besuch, den wir sehr genossen haben.

Abends noch Wäsche waschen, was dank zweier parallel betriebener Waschmaschinen und Trockner recht schnell ging.
Übernachtung: Windmill Hill Caravan Site bei Pembroke. Schöner Campingplatz, netter Farmer, sanitäre Anlagen eng.
New Quay, Cenarth Falls und Wales Coast Path
16.5.26 Als wir Aberystwyth verlassen, ist das Wetter noch ok. Als wir unser erstes Ziel – New Quay – erreichen, regnet es heftig. Trotzdem platzt der hübsche Ort aus allen Nähten. Hier soll man mit etwas Glück Delfine sogar im Hafen sehen. Die Bootsfahrten zu den Delfinen sind ausgebucht bis zum frühen Abend, obwohl es den ganzen Tag hier regnen soll.

Wir essen erst einmal etwas auf einem total schiefen Parkplatz, der unsere Teller und alles auf dem Tisch rutschen lässt, aber der Regen lässt nicht nach. Ein kurzer Gang zum Hafen und dann beschliessen wir weiterzufahren.

Erfreulicher Weise macht der Regen eine Pause als wir die Cenarth Falls erreichen. Hier sollen nach Regen, den wir ja hatten, im Mai die Seeforellen springen. Wir wandern den Fluss entlang, aber kein Fisch lässt sich sehen.

Dafür sehen wir zahlreiche Vögel wie beispielsweise die Gebirgsstelze. Der Weg ist urig und schützt uns eine Zeit lang vor dem wieder einsetzenden Regen. Im September springen hier die Lachse.

Nach einer kurzen Pause fahren wir weiter und haben das Gefühl, im November gelandet zu sein. So tief hängen die Wolken. Und Jörg verkündet, ab Mittwoch soll es wieder besser werden. Glücklicherweise wurde es schon bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz besser.

Der Himmel riss auf und wir blicken direkt aufs Meer. Die Laune steigt subito und wir begeben uns noch auf den Wales Coast Path, der die ganze Küste von Wales umrundet. Zwar führt der enge Weg manchmal ziemlich dicht am Abgrund vorbei, aber es blüht herrlich und der Himmel ist blau.


Übernachtung: Caerfair Caravan und Tent Park. Hier gibt es sehr viele Campingplätze, aber dieser liegt direkt am Meer. Die Aussicht und sehr gute sanitäre Einrichtungen sogar mit Familien Badezimmern, die Sitzbadewannen für Kinder haben und das freundliche Personal – absolute Empfehlung.
Aberystwyth und Devil’s Bridge Falls
15.5.26 Aberystwyth ist eine Stadt umgeben von mehreren Hügeln. Unten am Meer befinden sich die Geschäfte und Restaurants, die Universität und die Ruinenreste vom Castle. Parkplätze sind Mangelware. Viele Strassenzüge sehen renovationsbedürftig aus.

Unser Campingplatz befindet sich auf einem Hügel, der wahrscheinlich ein Vorort ist, d.h. wir fahren mit dem Camper runter in die Stadt und gehen erst einmal einkaufen, weil Freitag vor einem langen Wochenende ist. Wäre wahrscheinlich nicht nötiggewesen, weil in Wales auch an den Feiertagen viele Geschäfte geöffnet haben, aber so ist es erledigt. Das Parkhaus der Einkaufspassage mit Tesco und Marks and Spencer ist hoch genug, dass wir auf der unteren Ebene parken können.
Als Nächtes schauen wir zur Station der Cliff Railway auf den Constitution Hill. Hügel trifft es, der Campingplatz liegt höher. Drei Parkplätze und Schweissausbrüche beim Wenden in den engen zugeparkten Strassen. So wichtig ist uns weder die Aussicht, noch die Camera Obscura. In der Schweiz gibt es eine am Berninapass, da stehen die Berge dann Kopf.

So fahren wir zu einem der wenigen Parkplätze im Ort, wo wir etwas finden und laufen die Seafront Promenade entlang. Aberystwyth war im 19. Jahrhundert ein elegantes Seebad, das als Biarritz von Wales vermarktet wurde. Es ist windig und ausser zwei geöffneten Coffee Shops ist auf der Promenade nichts los. Der Vergnügungspier öffnet ab 12.00. Das schöne alte Universitätsgebäude ist eingerüstet und wird renoviert.

Als Wales im 19. Jahrhundert seine erste Universität gründen wollte, gab es für dieses Vorhaben keine Unterstützung seitens der britischen Regierung. Stattdessen spendeten die kleinen, hart arbeitenden Leute ihre Pennies, damit diese Universität gegründet werden konnte. Deshalb ist es heute «The People’s University».
Wir schauen noch zu den Ruinenresten des Aberystwyth Castle, das mit einer Gedenkstätte für den 2. Weltkrieg verbunden ist und gehen zurück zum Auto.

Bisher hat uns der Ort nicht für sich einnehmen können, das ändert sich als wir zur Nationalbibliothek von Wales fahren. Wunderbar auf dem Penglais Hill oberhalb der Stadt gelegen, ist das neoklassizistische Gebäude schon von aussen ein Hingucker.

Drinnen können wir uns frei bewegen, nur für den Lesesaal braucht es einen Leserausweis. Etwas befremdlich, aber in der unteren Etage gibt es Souvenirshops. Sehr freundliche Mitarbeiter weisen uns den Weg zu den Ausstellungen der Nationalbibliothek. Ab der mittleren Etage ist ein roter Teppich ausgelegt, der alle störenden Geräusche schlucken soll.
Neben dem Lesesaal gibt es hier gemütliche Sitzecken, einzelne Räume mit Büchersammlungen, die von Personen gestiftet wurden und eine Ausstellung, die zeigt, wie das Kymrische in TV und Radio Einzug hielt.
In der oberen Etage gibt es eine Fotoausstellung aus dem Fundus und eine spannende Ausstellung zum Thema Portraits und eine Schatzkammer, die Bilder, Briefe und Bücher zeigt.
Der Bücherbestand ist im Backsteinanbau der Bibliothek gelagert.
Zum Abschluss des Tages unternehmen wir einen kleinen Abstecher ins Hinterland von Aberystwyth und fahren 20 Minuten durch die grünen Hügel zu den Devil’s Bridge Falls. Was es hier zu sehen gibt, sind drei übereinander gebaute Brücken und ein schöner Wasserfall, der in mehreren Fallstufen nach unten fällt.


Der Rundwanderweg beinhaltet 700 unterschiedlich hohe und im Fall der Jakobstreppe sehr steile Treppenstufen. Für mich waren die Knie die Herausforderung, für Leute mit Höhenangst die steilen Stellen. Alle Treppen haben aber ein stabiles Geländer. Anstrengend war es.
Die Rückfahrt im Abendlicht durch diese liebliche Landschaft war ein schöner Abschluss dieses Tages auf unserem Roadtrip durch Wales.

Übernachtung: Zweite Nacht im Midfield Holiday Park.
Entlang der Cardigan Bay
14.5.26 Heute Morgen beeilen wir uns, wollen wir doch zur Öffnungszeit am Harlech Castle sein. Ganz klappt es nicht, weil wir noch einen Tesco anfahren, in der Hoffnung auf Brötchen. Der Tesco war zwar gross genug, aber es gab trotzdem keine Frischbackwaren.
Am eher kleinen Parkplatz von Harlech Castle haben wir dann Glück, dass gerade jemand wegfährt. Der Ort ist klein und eng und liegt heute nicht mehr am Meer, wie zur Bauzeit der Festung. Diese hatte damals tatsächlich einen Zugang zum Meer. Heute liegt sie eine Meile davon entfernt.

Stattdessen sieht man bereits von der Festung die ganzen Holiday Parks, wo man das Gefühl von Menschen in Dosen bekommt. Dicht an dicht grüne Häuschen und Dauercamper. Das geht die ganze Cardigan Bay so.

Harlech Castle gehört zu den von Edward I. errichteten Burgen. Die Ruine ist eindrücklich, genauso wie der Sturm bei unserem Besuch.

Der nächste Regenschauer setzt eine Stunde nach Ankunft ein. Aber diese Stunde war ausreichend für den Besuch.
Weiter geht es nach Barmouth. Auf der Suche nach dem Parkplatz am Meer biegen wir falsch ab und stehen vor einem Coop, der tatsächlich noch Brötchen hat.
Da es inzwischen wieder regnet, geniessen wir die Brötchen und lassen sofort alles stehen, als der Regen aufhört. Als erstes gehen wir zur Mawddach Mündung, um die berühmten hölzernen Eisenbahn-Brücke zu sehen. Mit 820 m Länge ist die 1867 eröffnete Brücke die längste Holzbrücke in Wales und wird heute noch ganz regulär genutzt.

Es ist Ebbe, der Wind hat den Sand auf die Wege verweht. Und uns zieht es noch an den Strand und das Meer. Das ist aber in der ganzen Cardigan Bay tückisch. Da die Bucht extrem flach ist und der Gezeitenunterschied hier 4 bis 5 Meter beträgt, verschwindet das Meer einfach. Wir sind ihm gefolgt, aber die Wellenkante haben wir nicht erreicht.

Gut, dass der nächste Regenschauer sich ankündigte, weshalb wir umdrehen. So spontan ohne Timetables im Kopf, sind wir es jetzt, die vor dem Meer und dem Regen davon laufen. Das Wasser kommt nicht langsam als Welle von vorne. Es schiesst durch Rinnen und schneidet den Rückweg ab.

Na, wir haben rechtzeitig umgedreht und sind nur von oben nass geworden.

Weiter geht es auf der Rundreise durch Wales auf einer sehr malerischen Route nach Aberystwyth, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Bevor wir den Ort erreichen, halten wir noch bei den Ynyslas Sand Dunes. Wanderdünen sind die bewachsenen bis zu 10 m hohen Dünen nicht mehr, aber eindrücklich sind sie schon. Die ausgeschilderte Wanderung im Naturschutzgebiet hat dann natürlich länger gedauert als gedacht, aber der Kaninchen Nachwuchs war auch herzallerliebst.


Wir erreichen dann mit ach und krach den telefonisch reservierten Campingplatz 3 Minuten vor Office-Schliessung.
Übernachtung: Midfield Holiday Park. Oben, malerisch auf einem der Hügel gelegen. Die inzwischen in die Jahre gekommenen Sanitären Anlagen werden ersetzt. Am Neubau sind noch die Handwerker beim Innenausbau.
Wales Rundreise im Norden
Italien in Wales
13.5.26 In der Nacht schlägt das Wetter um und ein heftiger Sturm rüttelt am Auto. So ist an einen erholsamen Tiefschlaf nicht zu denken. Und der Wind bleibt uns den ganzen Tag erhalten, auch wenn er sich etwas abschwächt.

Dennoch starten wir motiviert in den Tag und fahren weiter über die Llŷn Halbinsel nach Porth Colmon, weil dort ein sehr schöner Strand liegen soll. Wir haben gerade den Parkplatz gefunden, da öffnet der Himmel seine Schleusen. So wichtig war es uns dann auch nicht, dass wir warten, bis der Schauer sich verzogen hat, so fahren wir weiter.
Ein paar notierte Punkte überspringen wir. Irgendwie haben wir das Gefühl, wir müssen endlich weiter in Richtung Süden fahren. In Llanbedrog halten wir dann noch kurz auf dem National Trust Parkplatz und schauen uns wenigstens die Strandhütten an. Zur Skulptur des Iron Man laufen wir dann aber nicht. Der Wind ist sehr unangenehm.


Da fällt uns wieder Portmeirion ein, welches ja beim ersten Versuch schon geschlossen hatte. Von der Windrichtung rechnen wir uns aus, dass es dort einigermassen windgeschützt sein müsste und tauchen ein in Fantasialand.
Vorher muss man allerdings 20 £ Eintritt zahlen, denn die Stiftung die dieses Dorf ohne Einwohner führt, braucht die Gelder zum Unterhalt, was wir gerne glauben.

Das Motto von Sir Clough Williams-Ellis, dem Architekten von Portmeirion lautete: „Schätze die Vergangenheit, verschönere die Gegenwart, baue für die Zukunft“. Und das hat er von 1926 bis 1976 getan. Er hat die Kulisse für eine Urlaubs-Oper entworfen, von Italien inspiriert.

In diese Kulisse hat er Bauteile von historischen Gebäuden, die abgerissen werden sollten, integriert. Er hat munter Stile, Baumaterialien, Techniken und Epochen gemixt.
Herausgekommen ist etwas ziemlich einzigartiges. Ein buntes Dorf ohne Einwohner mit besonderem Klima. Hier wachsen sogar Feigen und auf den vielen Kilometern Wanderwegen kann man wohl noch mehr Exoten entdecken.

Es ist das perfekte Ziel für diesen Tag, denn bei den kurzen Regenschauern findet man schnell einen Unterschlupf. Ob ich dort allerdings Urlaub machen wollte, sei dahingestellt. Es war einfach witzig es mal zu sehen.

Weniger witzig war die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Eigentlich wollten wir weiter in Richtung Harlech, aber die Campingplätze waren ausgebucht, öffnen erst am 15. Mai oder hatten keinen Strom. So haben wir uns an den Campingplatz mit der Aussicht und dem guten WLAN erinnert und konnten dort eine weitere Nacht verbringen.
Übernachtung auf der Rundreise durch Wales: Mynydd Du Caravan Park mit herrlicher Aussicht über Snowdonia und/oder das Meer. Gute Sanitär Einrichtungen, hervorragendes WLAN und freundlicher Empfang.
Llŷn Halbinsel
12.5.26 Unsere Rundreise durch Wales mit dem Camper heute führt uns auf die Llŷn Halbinsel. Vorbei geht es an der sogenannten Stadt der Riesen – Tre’r Ceiri, einer eisenzeitlichen Hügelfestung auf dem Yr Eifl. Kurz hatten wir mit dem Gedanken gespielt uns die Reste der Steinhäuser und Mauern anzusehen, aber als wir den Berg mit den vielen Flecken so sehen und es so aussieht als würde er nur aus Geröllhalden bestehen, nehme ich von der Idee Abstand. Meine Knie mit wackligen Steinen über zu strapazieren, bringt mir nichts. Die Aussicht vom Fuss des Berges ist aber grandios.

So geht es weiter zu einem verlassenen Dorf in einer tiefen Bucht. Nant Gwrtheym war ein sehr isoliertes Dorf. Wer sich die steile Strasse herunterstürzt wird verstehen warum. Hier lebten ein paar Bauernfamilien bis 1861 Granitsteinbrüche in den umliegenden Bergen eröffnet wurden.
Da die steile Strasse noch nicht existierte wurden alle Waren per Schiff transportiert.

In den 1940er Jahren schloss der Steinbruch, die Bewohner zogen weg und das Dorf wurde zu einem Geisterdorf, was verfiel. 1970 zog eine Hippie Kommune ein, verliess den Ort aber auch ein paar Jahre später wieder. In den 1980er Jahren erwarb eine Stiftung, die ein ortsansässiger Arzt ins Leben rief, das Gelände und investierte viel Geld.
Heute ist Nant Gwrtheyrn das Sprachzentrum zur Förderung der walisischen Sprache. Lange Zeit war es den Walisern nicht erlaubt Cymraeg zu sprechen. Der Verlust der eigenen Sprache ist Verlust der eigenen Identität. Ein beliebtes Mittel der Unterdrückung. 1967 wurde das Verbot aufgehoben und seit 1990 wird kymrisch wieder in der Schule gelehrt. Nicht zuletzt dank der Bemühungen des Sprachzentrums.

Den Bemühungen des Sprachzentrums ist auch zu verdanken, dass heute alle Strassenschilder, Geschäftsschilder und Infotafeln in Cymraeg und in Englisch beschriftet sind.
Zum Sprachzentrum gehört auch ein Restaurant mit Meetingräumen und ganz viele B&B Cottages sowie ein kleiner Shop.

Eine gespaltene Eiche gibt uns zunächst Rätsel auf, ist aber die Darstellung einer berühmten Legende, die im Tal stattgefunden haben soll. Am Tag ihrer Hochzeit versteckte sich die Braut Meinir gemäss einer alten Tradition vor ihrem Bräutigam Rhys. Sie fand jedoch kein Versteck und schlüpfte in eine hohle Eiche, in der sie stecken blieb. Rhys suchte jahrelang vergeblich nach ihr und verlor den Verstand. Als die Eiche Jahre später vom Blitz getroffen wurde, kam ihr Skelett im Hochzeitskleid zum Vorschein.

Wir geniessen die Umgebung und den herrlichen Sonnenschein auf der Terrasse und fahren dann wieder zurück in die zivilisierte Welt.

Unser nächstes Ziel ist Porthdinllaen, ein winziges Fischerdorf in einer geschützten Bucht. Da wir schon oben am Golfplatz stehen, als wir sehen, dass hier nur Golfer parken dürfen, nehmen wir den Parkplatz an der Rückseite des Golfplatzes für Besucher und bezahlen die 5 £ Parkgebühr. Unten hätte es aber auch einen Parkplatz vom National Trust gegeben.
Der Spaziergang über den Golfplatz ist kurzweilig, denn das schöne Wetter lockt die Golfer auf den Rasen. Ganz zur Spitze können wir dann nicht laufen, weil der Weg wegen Erdrutschen gesperrt ist, aber wir können der kleinen Strasse zum Strand folgen. Das Ty Coch Inn ist geöffnet und wird stark frequentiert. Auch wir lassen uns in der Sonne nieder und geniessen ein IPA.

Anschliessend geht es auf Verdacht zu einem Campingplatz auf einer Farm in Sichtweite vom Golfplatz, wo wir problemlos einen Platz bekommen. Wir stellen die Liegestühle in die Sonne, schnappen uns ein Buch und geniessen den Abend.

Übernachtung: Porthdinllaen Farm, grosser Campingplatz mit vielen Dauercampern. Man bezahlt hier für den Stromanschluss 8 £ extra und muss dann in der Dusche auch noch 50 pc für 10 Minuten einwerfen. WLAN gibt es keines.
Unterwegs in der Grafschaft Gwynedd
11.5.26 Der Tag beginnt, wie der letzte Tag geendet hat mit dem Besuch des Caernarfon Castle nachdem wir mal wieder etwas eingekauft haben. Es ist Ebbe, so dass das Wasser fast verschwunden ist. Mit Wasser sieht das Castle fotogener aus. Erstaunlich viele Besucher sind unterwegs, um das Castle zu besuchen.

Nach Unterwefung der walisischen Fürsten liess König Edward I. die Burg ab 1283 errichten. Sie war an die Stadtmauer angeschlossen, die heute noch in weiten Teilen intakt ist. Im Inneren der Stadtmauern durften nur Engländer leben.

Das vom Cadw verwaltete Castle wird laufend renoviert. Inzwischen kann man mit einem Aufzug nach oben fahren und auf Wehrgängen, Terrassen und Türmen laufen. Bei den Türmen weiss man nie, ob der Weg oben oder unten weitergeht. Meine Knie fanden das Mittelalter ziemlich blöd, weil ich in so vielen Türmen nach der Aussicht und dem Weg gesucht habe.

Es gibt auch einige Ausstellungen, die einzelne Aspekte der Geschichte erzählen. So zum Beispiel eine Ausstellung über das Leben der Königin. Eleonore von Kastilien wurde im Jahr 1254 im Alter von nur 12 Jahren aus rein politischen Gründen mit dem damals 15-jährigen Edward verheiratet. Entgegen aller Erwartungen entwickelte sich daraus eine echte Liebesbeziehung. Sie wich zeitlebens kaum von seiner Seite und begleitete ihn sogar auf Kreuzzüge.
In 36 Ehejahren brachte sie 16 Kinder zur Welt, von denen aber bei ihrem Tod nur noch ein Sohn und fünf Töchter lebten. Ihr Sohn Edward, der spätere König Edward II. wurde auf Caernarfon geboren.
Nachdem Edward I. Wales erobert hatte, verlangten die walisischen Stammesfürsten einen neuen Fürsten, der in Wales geboren war, Walisisch sprach und einen tadellosen Charakter hatte. Sie wollten keinen englischen Herrscher akzeptieren. So präsentierte er den walisischen Fürsten seinen neugeborenen Sohn.
Seit diesem Tag im Jahr 1301 trägt der älteste Sohn des amtierenden englischen Monarchen traditionell den Titel Prince of Wales.
Alles in allem ein spannender Besuch im Castle. Mit der Stadt dagegen konnten wir nicht wirklich warm werden. Alles wirkt irgendwie schmutzig und wenig gepflegt.
Während Caernarfon Castle eine reine Zwingburg ist, deren Hauptzweck es ist, die heimische Bevölkerung zu unterdrücken ist Criccieth Castle stolze Festung der walisischen Fürsten von Gwynedd. Uns begeistert die herrliche Aussicht von der Ruine.

Von Edward I. erobert und weiter ausgebaut, von den Walisern während der Rebellion zurückerobert und vom Nationalhelden Glyndŵr so zerstört, dass sie nie wieder aufgebaut wurde.

Der Ort selbst ist etwas merkwürdig. Läuft man durch die Strassen steht an jedem zweiten Haus ein «zu verkaufen Schild» von einem Makler. Es gibt wenig gut erhaltene alte Bausubstanz.
Wir fahren nach dem Besuch erst einmal und checken am Campingplatz ein, bevor wir uns noch auf den Weg nach Portmeirion machen. Was wir jedoch nicht bedacht haben ist, dass dieser künstlich geschaffene Ort für Tagesbesucher um 17.00 Uhr schliesst. Danach ist der Ort nur noch den gebuchten Übernachtungsgästen zugänglich.
So können wir das wunderbare Abendlicht leider nicht für Fotos nutzen und fahren noch etwas essen in Porthmadog.
Übernachtung auf dem Roadtrip durch Wales: Mynydd Du Caravan Park mit herrlicher Aussicht über Snowdonia und/oder das Meer. Gute Sanitär Einrichtungen, hervorragendes WLAN und freundlicher Empfang.

Zwischen Schieferhalden und Bergseen in Snowdonia
10.5.26 Die Sonne lacht und wir starten früh. Llanberis schläft um diese Zeit noch. So können wir kurz am Schwert anhalten und auf dem Weg zum Pass noch ein paar Fotos schiessen. Allerdings scheitert unser zweiter Versuch am Llyn Ogwen Boathouse oder irgendwo am Llyn Ogwen zu parken. Bereits 9.00 Uhr ist nicht der kleinste Parkplatz zu finden. Wir wollten zu einer Wanderung zum Cwm Idwal – eine Rundwanderung um einen See, die als leicht beschrieben wird – starten.


So ist es entschieden und wir begeben uns zum nächsten Punkt des Tagesplanes. Wir fahren nach Blaenau Ffestiniog zu den Slate Caverns. Nicht so ganz wissend, was wir uns darunter vorstellen sollen, sind wir erst einmal überrascht von den Menschenmassen. Offensichtlich gibt es hier eine Mountainbike Strecke auf der gerade eine Nationale Meisterschaft ausgetragen wird.
Da sauber getrennt wird zwischen Parkplätzen für Biker und Parkplätzen für die Caverns, ist das Parken hier kein Problem für uns. Die Caverns sind auch ein in der Gegend bekanntes Zip Lines Zentrum. Man kann hier nicht nur über die Schieferhalden rasen, sondern auch in den Höhlen geführte Zip Lines Parcours absolvieren.
Unsere Schieferhöhlen-Tour führt uns glücklicherweise zu Fuss tief in die Schieferhöhlen. Unser Guide war bereits mit 8 Jahren das erste Mal in den Höhlen. Vater und Grossvater haben beide ihr Geld mit dem Schieferabbau verdient. Der Grossvater ist dabei gestorben.

Noch an der Oberfläche erklärt er uns, wie der Schieferabbau funktioniert. Immer vier Leute aus einer Familie bilden ein Team. Zwei arbeiten in den Höhlen und brechen den Schiefer, zwei konfektionieren den Schiefer und spalten ihn zu dünnen Platten und auf Normgrössen.
Das Spalten der Schieferplatten geht erstaunlich einfach. Ein Gerät, was aussah wie ein Spachtel wird gerade mit zwei, drei Hammerschlägen in den Schiefer geschlagen. Danach konnte man den Spachtel ganz einfach durch die Platte bewegen und hatte eine dünnere Platte abgetragen. Zugeschnitten wurde er fast so, wie man heute Fliesen bricht. Einfach über eine Metallstange gebrochen.
Auch wenn es uns furchtbar ungerecht vorkommt, dass nur ein Drittel des Verdienstes beim Team landete, weil ein Drittel für Transportbruch und ein Drittel für den Besitzer der Mine abgegeben werden mussten, gehörte die unglaublich schwere Arbeit in den Minen zu den gut bezahlten Jobs in Wales.
Weniger gut bezahlt waren diejenigen, die den ganzen Schutt abtransportieren mussten und die riesigen Halden anhäuften.

In den einzelnen Höhlen im Berg vermitteln dann Projektionen und Lichtshows ein sehr plastisches Gefühl davon, wie es wohl war, in der Dunkelheit zu arbeiten. Kerzen mussten bezahlt werden und wurden nur sparsam benutzt.
Am eindrücklichsten war die Demonstration unseres Guides, wie die Männer mit einer Kette ums Bein gewickelt, von der Decke hängend, die Bohrlöcher für die Sprengungen vorbereiteten. War das Bohrloch 4 cm tief wurde auch noch die Kerze gelöscht. Ein Bohrloch von Hand in den Schiefer zu bohren, war mindestens 7 Stunden Arbeit. Man nutzte dann Bretter, um sich abzustützen, da die Blutzufuhr im Bein nach kurzer Zeit gestoppt wurde.
Im Berg in Blaenau Ffestiniog arbeiteten bis zu 350 Männer gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen im Berg. In Llanberis bis zu 3.000.
Unsere Tour ging nur bis in die zweite Ebene unter dem Einstiegspunkt nach unten, ungefähr 150 m tief. In den tieferen Ebenen steht heute Wasser, weil die Pumpen nicht mehr betrieben werden.

Die Tour war sehr eindrücklich. Irgendwie sehen wir die vielen Schieferdächer jetzt mit anderen Augen.
Unser nächstes Ziel war das Cwmorthin Valley. Auch hier wurde Schiefer abgebaut. Unser Auto passte nicht unter der Brücke durch, so dass wir weit unten parken mussten. Steil ging es bergauf, immer bedroht von einer Schieferpyramide.

Und irgendwann fragten wir uns, ob das wirklich der Weg zum Bergsee und dem Wasserfall wäre. Eine Wanderin erklärte uns, dass es ewig in der Schieferhalde so weiter gehen würde und dass die Aussicht da, wo wir waren, eigentlich besser wäre. So kehrten wir um, nicht zuletzt auch, weil meine Knie bergab gar nicht begeistert sind.

Als wir endlich wieder am Auto waren, bin ich froh, dass wir nicht noch höher gekraxelt sind. Auf einer landschaftlich reizvollen Fahrt können sich die Knie dann erholen. Unser Weg führt uns als nächstes ins reizende Örtchen Beddgelert und weiter nach Caernarfon.

Die Strasse ist über weite Strecken identisch mit der Strecke der Ffestiniog Railway, die hier mit historischen Schmalspurbahnen fährt. Für Bahnfans bei schönem Wetter ein absolutes Träumchen. Allerdings fährt sie nicht alle Tage alle Strecken.
Unser Tag endet nach einem Essen mit einer Umrundung des Caernarfon Castles im Licht der untergehenden Sonne, bevor wir wieder nach Llanberis fahren. Auf die Nachtbeleuchtung wollten wir dann doch nicht warten.

Übernachtung: Zweite Nacht im Llanberis Touring Park.
Snowdonia wir kommen
9.5. 26 Heute Morgen heisst es endgültig Abschied nehmen von Anglesey, wo wir noch einmal auf unserem Roadtrip durch Wales übernachtet hatten. Unser erstes Ziel sind die Aber Falls am nördlichen Rand des Snowdonia-Nationalpark (Eryri).
Wir starten recht früh, was auch gut ist, denn die letzten Kilometer hinter dem Dorf Abergwyngregyn zum Parkplatz werden zum Hindernisparcours. Schmale Strasse und geparkte Autos, da sind wir froh, wenn wir nicht auch noch viel Gegenverkehr haben.
Der untere Parkplatz ist schon voll. So fahren wir über die Brücke zum oberen Parkplatz beim Parkautomaten und WC. Bezahlt werden müssen 5 £.
Der Weg zum ersten Wasserfall ist in weiten Teilen ein breiter Kiesweg, der unterschiedlich steil nach oben geht. Geht man dann oben noch über den Fluss zum zweiten Wasserfall ändert sich der Weg. Grosse Treppen führen dann in einen sehr unebenen Wanderweg. Eigentlich ein Traum, nur meine Knie finden es gar nicht gut. Vor allem bergab auf dem Rückweg wird es zur Tortur.


Die Wolken hängen noch tief auf den Bergkuppen. Weissdornbüsche verströmen einen betörenden Duft und Hasenglöckchen färben einzelne Flecken violett-blau. Neben Schafen gibt es unterwegs auch eine kleine Ausstellung zu sehen. Eigentlich ist der Weg sehr kurzweilig.


Wieder am Parkplatz brunchen wir und dann geht es tiefer in den Snowdonia Nationalpark. Vom N-Wales-Expressway biegen wir auf die A5 ab und folgen der landschaftlich schönen Strasse vorbei an grossen Schieferhalden zum Llyn Ogwen. Wir haben Glück und finden auf einem der vollen Parkplätze an der Strasse doch einen Platz zum Halten, so dass wir etwas fotografieren können.

Weiter geht es bis die A 4086 abbiegt. Wir folgen ihr vorbei an den Zwillingsseen und über den Pen-y-Pass nach Llanberis. Am Pass, der ganze 359 m hoch ist, ist viel los. Parken darf aber nur, wer sich vorab einen Parkplatz gebucht hat. Hier gehen viele Wanderungen los, auch die die auf den Snowdon führen.


Immer wieder fühlen wir uns ans Hochgebirge erinnert, aber eigentlich sind die Berge gar nicht hoch. Der Snowdon ist zwar mit 1.085 Metern der höchste Gipfel von Wales und England. Der Ben Nevis in Schottland ist aber mit 1.345 m der höchste Berg Grossbritanniens.
Wahrscheinlich liegt das Gefühl an der glazialen Formung – tiefe Täler und oft rundgeschliffene Gipfel. Ausserdem sind die Gipfel baumfrei und karg. Wir fühlen uns jedenfalls sehr an die Highlands erinnert.

In Llanberis können wir viel vom Ort sehen, denn Baustellenampeln lassen uns immer wieder anhalten. Wir beziehen unseren Campingplatz, der am Wochenende komplett ausgebucht ist, was bei der Wettervorhersage auch nicht verwunderlich ist und beginnen mit der Planung für den nächsten Tag.
Das Schiefermuseum ist geschlossen, die Website der Snowdonia Railway ist nicht erreichbar, aber nach allem was wir gehört und gelesen haben, wäre es viel Geld für 30 Minuten auf dem Berg. Wer seine Bahn verpasst, muss nämlich runter laufen, wenn die Bahn ausgebucht ist. So suchen wir uns aus dem Strauss der vielen Möglichkeiten andere heraus und planen einen spannenden weiteren Tag im Snowdonia Nationalpark.
Anschliessend laufen wir noch in den Ort, essen eine Kleinigkeit, schreiben etwas Logbuch und fallen schon wieder müde ins Bett.
Übernachtung: Llanberis Touring Park. Teuer, grosszügig gestaltet mit hervorragenden Sanitäreinrichtungen.
Bodnant Gärten
8.5.26 Den Morgen nutzen wir, um einerseits mit der Wäsche fertig zu werden und andererseits planen wir die nächsten beiden Tage voraus. Das Wetter soll in den Snowdonia schön werden, so ist es entschieden, dass wir sie als nächstes auf dem Roadtrip durch Wales einplanen. Wir haben Glück und können den Llanberis Touring Park noch für zwei Nächte buchen. Es ist mit 47 £ der teuerste Stellplatz auf dieser Reise, aber sehr zentral gelegen.
Mittags machen wir uns dann auf zu den Bodnant Gärten, denn die Hidden Gardens auf Anglesey haben nur an einigen Tagen der Woche offen, aber das ist kein Problem, denn meine Reiseplanung denkt in Möglichkeiten, wie ich es ausführlich in einem eigenen Beitrag beschrieben habe.
„In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden.“ (Blaise Pascal) Ja, wir waren im Paradies und wurden 17.00 Uhr daraus vertrieben.

Der Garten gehört zu den schönsten Gärten, die ich gesehen habe. Jetzt Anfang Mai sind die Rhododendren noch voll erblüht, die meisten Azaleen liefern sich noch einen Farbwettkampf. Die Glyzinien und der Goldregen Bogen beginnen gerade zu blühen. Die Kamelien blühen noch vereinzelt im Schatten. Die vielen Rosen brauchen noch zwei Wochen, bis sie aufgehen.

Die Gartenanlage besteht aus zahlreichen Gärten, die das Terrain aufnehmen. Immer wieder wird für fantastische Sichtachsen gesorgt. Es gibt einige Gebäude, die im gesamten Gelände verstreut sind.
Ein tiefer Taleinschnitt mit Fluss und Nebenbächen hat es mir besonders angetan. Die Hänge erblühen und dazwischen stehen Sequoias und andere alte Bäume. Die Old Mill lädt zum Verweilen ein, aber dazu hatten wir keine Zeit.

Andere Gärten sind formaler gestaltet, wie die Gärten, die sich an einer Seite des Landhauses in Terrassen nach unten ziehen. Rosen, Teich mit Seerose und Wasserbecken mit der Pin Mill sind hier die Hauptdarsteller der drei Terrassen.

Stolz sind die Mitarbeiter des vom National Trust verwalteten Gartens auf den Goldregen Bogen. Ich bin eher von den Farbkombinationen der Rhododendren und Azaleen, Judasbäumen und Ahornbäumen begeistert.

Ab den 1920er Jahren begannen der Besitzer Henry McLaren (2. Lord Aberconway) und sein Chefgärtner Frederick Puddle damit, die von berühmten Pflanzenjägern aus Asien mitgebrachten Wildarten zu kreuzen. Ziel war es einerseits das Farbspektrum zu erweitern und andererseits die Blütezeit zu verlängern. Heute verkündet man stolz, dass fast in jedem Monat ein Rhododendron blüht.

Schade, dass wir für diesen Garten nicht einen ganzen Tag Zeit hatten. Vielleicht passt es am Ende der Reise, dass wir noch einmal in den Garten zurückkehren. Mit 18 £ Eintritt ist er zwar nicht preiswert, aber als National Trust Mitglied kann uns das egal sein.

Auf dem Rückweg zu unserem Campground fahren wir noch nach Bangor und schauen uns den Vergnügungssteg in der Menai Strait an und essen eine Kleinigkeit. Immer sind die Restaurants voll und man muss Glück haben, noch einen Tisch ohne Reservation zu bekommen.

Ich könnte auch kochen, aber ich geniesse es, es einmal nicht tun zu müssen. So kann ich den Blog noch führen.
Übernachtung: Zweite Nacht in Tai Hirion auf Anglesey, wo unsere Wäsche hoffentlich mal trocken ist.
Einmal rund um Anglesey
Plas Newydd und ein steinzeitliches Langgrab
7.5.26 Die reichlich 13 Kilometer Wanderetappen vom Vortag liegen vor allem mir noch in den Knien. Insofern lassen wir es heute Morgen langsam angehen. Ich nutze die Zeit und schreibe ein wenig am Blog und sichte Bilder.
Das Wetter weiss noch nicht so recht was es will, als wir starten. Unser erstes Ziel ist Plas Newydd ein Herrenhaus und ehemaliger Sitz der Marquesses of Anglesey. Das vom National Trust verwaltete Anwesen liegt direkt an der Menai Strait und besticht mit schönem alten Baumbestand.

Das grosse Herrenhaus ist zu besichtigen. Viele Portraits der Familie sind zu bewundern und Tapeten aus unterschiedlichen Renovationsepochen. Die Familie besitzt noch eine private Wohnung.
Das Haus beherbergt auch ein Rex Whistler-Wandbild. Es gilt als eines der bedeutendsten Werke des Künstlers Rex Whistler und ist mit einer Länge von 17,5 Metern riesig. Das Bild ist ein Meisterwerk des Trompe-l’œil. Man muss genau hinschauen, um zu sehen, dass alles eine optische Täuschung ist. Leider verstarb der Künstler im zweiten Weltkrieg, bevor er das Bild fertigstellen konnte.
Das Bild ist eine fantasievolle Zusammenstellung von Landschaften, angefangen von den Bergen von Snowdonia bis zu einer italienischen Hafenstadt.
Rex Whistler war unsterblich in die älteste Tochter des 6. Marquess of Anglesey verliebt und machte dieser zwei Heiratsanträge, die diese ablehnte. Seine Liebe und Hoffnung findet ebenfalls im Bild viele Anspielungen.
Ansonsten gibt es eine grosse Militärausstellung im Haus, die auf den ersten Marquess of Anglesey zurückgeht, der in der Schlacht bei Waterloo ein Bein verlor und die Ländereien geschenkt bekam.
Auf Anglesey befinden sich viele Zeugnisse der Megalithkultur. So konnte man schon im Park von Plas Newydd ein 5.000 Jahre altes neolithisches Grabmal bewundern. Unweit von Plas Newydd befindet sich ein weiteres der vielen steinzeitlichen Zeugnisse Bryn Celli Ddu, ein 4.000 bis 5.000 Jahre altes Grab, welches man betreten kann.


Anschliessend begeben wir uns auf Bargeldsuche, denn auch der Campground, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen, möchte bar bezahlt werden. Was in der Schweiz kein Problem wäre, entpuppt sich hier als schwieriger als gedacht. Die Post kann weder mit EC noch mit Visa- oder Mastercard etwas anfangen. Der Geldautomat an der Shell Tankstelle ist leer und der Geldautomat im Supermarkt verlangt unanständig hohe Gebühren. Aber letztenden Endes bleibt uns nichts anderes übrig.
Übrigens verschlägt es uns bei der Bargeldsuche in den Ort mit dem endlosen Namen: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Die Bedeutung lautet: Marienkirche in der Mulde der weissen Haselsträucher nahe beim schnellen Strudel und der Kirche des heiligen Tysilio bei der roten Höhle. Da kommt Spass auf beim Absender oder auf Visitenkarten. Jedenfalls wirbt hier jeder damit.

Wir müssen endlich mal Wäschewaschen, also fahren wir auf den Campingplatz. Der Bauer, der den Platz betreibt, ist allerdings gerade dabei die Kühe zu melken. Bis wir so weit sind, Wäsche waschen zu können, ist es später, denn die Waschmaschine musste erst einmal leer durchlaufen, um das Dreckwasser loszuwerden.
Immerhin können wir in der Zwischenzeit schön essen gehen. Wir folgen der Empfehlung zur Tavern on the Bay in Red Wharf Bay. Das Restaurant befindet sich am Ende eines Caravan und Ferienhauskomplexes. Wer Urlaub nach Ölsardinenart machen will, macht ihn dort. Das Essen ist hervorragend.

Übernachtung: Tai Hirion. Schöner, etwas abgelegener Platz, grosszügig gestaltet mit freundlichem Besitzer. An der Farm kann man selbsthergestellten Käse und andere Kleinigkeiten kaufen. Bezahlung nur Bargeld.
Eine Kirche im Meer, Dünen und Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn
6.5.26 Wir machen uns zwar morgens auf den Weg zu den Felsentoren Bwa Gwyn auf Holy Island. Allerdings endet die enge Strasse, auf die uns Google führt an einer Privatstrasse und das, was man als Parkplatz interpretieren könnte, ist schon von zwei Autos belegt. So wenden wir und fahren zur Church in the Sea.
Auf unserer Suche nach einem Weg landen wir zuerst einmal fälschlicherweise auf einer Rennstrecke. Motorräder ziehen ihre Runden.
Nach mehrmaligem wenden kapieren wir es. Es gibt für Autos keine Zufahrt. Man muss das Auto oben an der Strasse parken und hinunter zum Meer laufen. Auf dem Hinweg begleitet uns dauerhaft das Brummen der Motoren.

Der Anblick der Church of the Sea ist spannend. Allerdings ist auflaufendes Wasser und wir sind uns nicht sicher, ob der Damm im Wasser geflutet wird oder nicht. Jörg traut sich trotzdem auf die Insel. Die Kirche ist geschlossen, aber in den Sommer Monaten finden im Juni, Juli und August ein Gottesdienst statt.

Jörgs Gang zur Kirche zieht nach und nach sämtliche Kühe auf der Weide als Publikum an.

Weiter geht es ins nahe gelegene Aberffraw. Hier übt die englische Luftwaffe und die Rennstrecke ist auch noch zu hören. Schade, denn die Landschaft ist einzigartig. Im ersten Moment denken wir an die Fairy Glens auf der Isle of Skye, aber hier sind es bewachsene Dünen, die diese hügelige Landschaft bilden.

Wir folgen dem Fluss bis zu seiner Mündung ins Meer. Die Sonne brennt vom Himmel.

Ein weiteres Highlight wartet an diesem Tag noch auf uns, nachdem wir einen Campingplatz für die Nacht gefunden haben. Die Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn ist ein echtes Highlight.
Durch das private Newborough National Nature Reserve & Forest geht es nach dem Passieren der Schranke in einen dichten undurchdringlichen Wald. Wir nehmen den letzten Parkplatz im Wald, da wir nicht wissen, dass es unten auch noch einen grossen Parkplatz gibt und laufen.
Der Weg führt bald an einen breiten Strand und läuft sich im nassen Sand ganz gut. Endlos erscheint die vom Wald eingerahmte Bucht mit dem Sandstrand zu sein. In der einen Richtung sieht man Ynys Llanddwyn und in der anderen erheben sich die Snowdonia Berge im Dunst.

Auf Ynys Llanddwyn gibt es einen Rundweg am Rand der Küste entlang und einen Weg mitten durch die Insel. Auch wenn es länger ist, wandern wir auf dem Rundweg. An der Spitze der Insel stehen die Ruinen einer alten Kirche, keltische Kreuze, Lotsenhäuser und der Leuchtturm.



Da wir doch länger gebraucht haben, als gedacht, können wir nicht so lange verweilen, wie wir uns das gewünscht haben, denn die Parkuhr läuft ab. So begeben wir uns schweren Herzens zurück zum Wohnmobil.

Wir essen noch eine Kleinigkeit im einzigen Pub weit und breit und fahren dann zum Campingplatz.
Übernachtung: Brambles Caravan and Motorhome CL Site. Sie haben einen Platz mit Strom, den sie an Nichtmitglieder vergeben. Zum Übernachtungspreis, der bar bezahlt werden muss, kommt der verbrauchte Strom dazu. Schöner Platz mit Teichen und zwei Bädern.
Steine, Vögel und Holy Island
5.5.26 Unser achter Tag der Rundreise durch Wales fängt süss mit warmen Scones an, die uns 9.00 Uhr zum Wohnmobil gebracht werden. Wenn nicht die vielen Kalorien wären, könnte man sich daran gewöhnen. Hier isst man sie mit Butter, Erdbeermarmelade und Clotted Cream, einer Art fester Sahne.

So gestärkt beschliessen wir als Erstes in Cemaes nach den Stromatolithen zu suchen. Wir spazieren zwar geologisch durch die Erdzeitalter, aber die Stromatolithen sehen wir nicht. Der Weg ist vom Geopark mit vielen kleinen Tafeln und Steinmustern recht interessant gemacht.

Anschliessend geht es weiter nach Cemlyn Bay, wo ein breiter natürlicher Kieswall eine Brackwasserlagune vom offenen Meer trennt. Jetzt im Mai brüten hier Seeschwalben. Viele Ornithologen sind unterwegs. Auf Tafeln wird vermerkt, welche Vögel man sonst noch sieht. Wir beobachten die Vögel eine Weile.


Anschliessend geht es nach Porth Swtan, aber das strohgedeckte Heritage Museum ist genauso geschlossen, wie alles andere. Der Wegweiser hat uns aber gefallen.

Dort organisieren wir uns den nächsten Campingplatz kurz vor der Überfahrt nach Holy Island und checken zuerst einmal ein, damit wir dann nicht an eine bestimmte Office Zeit gebunden sind.
Anschliessend geht es nach Holy Island, wo es in Holyhead einen grossen Tesco gibt. So können wir erst einmal unsere Vorräte auffüllen, bevor wir weiter zum South Stack fahren.
Normalerweise soll es hier sehr voll sein, aber wir haben Glück. Am Parkplatz für den Leuchtturm stehen nur ein paar Autos. Der Leuchtturm hat bereits geschlossen, aber auf 400 Treppenstufen nach unten hätten meine Knie sowieso keine Lust gehabt.

Die Klippen sind hier bis zu 60 m hoch. Da viele Vögel in den Klippen brüten, gibt es eine Vogelbeobachtungsstation. Auch wenn wir den Puffin Weg entlang der Klippen laufen, sehen wir doch vor allem Möwen und nicht einen Puffin. Die Alpenkrähen, die hier ebenfalls brüten und die man vor allem an den roten Beinen erkennt, lassen sich im Flug mit angezogenen Beinen auch nicht unbedingt für den Laien identifizieren.

Alles in allem, wunderschöne Gegend und theoretisch perfekt für den Sonnenuntergang. Nur darauf warten wollen wir nicht. Wir gehen erst einmal etwas essen, nur haben viele Restaurants hier montags und dienstags geschlossen.
Anschliessend fahren wir noch zum Holyhead Breakwater, dem mit 2,7 Kilometer Länge längsten Wellenbrecher Grossbritanniens. Im Hafen liegt die Fähre nach Irland, die am nächsten Morgen startet. Der Weg zum Wellenbrecher führt vorbei an vielen Ruinen beeindruckender Häuser.

Der Holyhead Breakwater beschreibt keine gerade Linie, sondern eher ein Dog Leg. Wir gehen nur einen Teil des Damms, denn inzwischen geht die Sonne unter und wir sind von den vielen Eindrücken des Tages müde.

Übernachtung: Pen y Bont Touring und Campsite in Valley. Schöner Campingplatz mit sehr sauberen Waschräumen. Nimmt nur Bargeld.
Unterwegs im Copper Kingdom
4.5.26 Der Himmel ist verhangen. Das kommt uns gerade recht, denn dann müssen wir uns nicht beeilen. So schreibe ich morgens noch etwas am Logbuch und bin froh, dass das Mobilfunknetz heute Morgen ganz gut ist. Währenddessen repariert Jörg den Tisch, der durch das Absenken seine Schrauben verloren hat. Da ich ja im Moment unten auf einem Bett schlafe, welches den Tisch integriert, bin ich ganz froh, dass es nun weniger wackelig wird.
Vom Campingplatz Betreiber erhält er nicht nur das Werkzeug, sondern auch eine neue Sicherung, falls das Bett mal wieder die Sicherung schiesst. Ausserdem wissen wir jetzt, wo wir Wohnmobilzubehör in Wales kaufen können – bei Halford’s.
Unser erstes Ziel heute ist Moelfre, ein malerisches Fischerdorf mit einem Denkmal für das Schiffswrack der Royal Charter. Wir laufen den kurzen Weg zum Visitor Center, wo man die Geschichte der Seenotrettung in Moelfre eindrücklich thematisiert. Man glaubt kaum, dass das Meer hier so tückisch sein kann, wenn man sieht, wie ruhig es heute plätschert. Ein altes Rettungsboot ist ebenfalls zu sehen. Ein paar Schritte weiter hat man für das neue Seenotrettungsboot ein grösseres Haus bauen müssen. Auch das ist zu besichtigen.


Weiter geht es zum alten Hafen nach Amlwch. Einstmals eine kleine Bucht, wurde dieser Hafen mit dem Boom des Kupferbergbaus zu einem der wichtigsten Häfen in Nord Wales ausgebaut. Am Hafen im alten Wächterhaus ist das GeoMôn Geopark Centre untergebracht. Es erzählt viel über die Geologie von Anglesey.


Von hier aus ist es nicht weit zum Parys Mountain, den man schon von weitem sieht. Der Parkplatz hat einen Höhenbegrenzer, aber am Strassenrand ist viel Platz für grössere Fahrzeuge.

Die Erze von Parys Mountain entstanden vor etwa 480 Millionen Jahren am Meeresboden durch vulkanische Aktivitäten. Neben Kupfer finden sich hier auch Zink, Blei sowie kleine Mengen Silber und Gold. Wir begeben uns auf einen Rundwanderweg rund um den Great Opencast, den riesigen Krater. Am Eingang kann man sich eine Karte mit den Wanderwegen mitnehmen. Sie sind allerdings nicht ausgeschildert.

An diesem Nachmittag haben wir herrliches Licht, welches die Farben im Krater zum Leuchten bringt von der gegenüberliegenden Seite der Windmühle.
Die Windmühle ist ein interessantes Relikt der Industriegeschichte. Mit der Zeit mussten die Bergleute immer tiefer graben, um an das Kupfererz zu gelangen. Dabei drang ständig Wasser in die Schächte ein, welches abgepumpt werden musste. Dafür nutzte man dampfbetriebene Pumpen. Die Kosten für die Kohle verschlangen aber viel Geld, sodass man zur Unterstützung des Antriebs die Windmühle baute.

Die Stollen führten bis 278 Meter unter den Meeresspiegel. Der Krater, den man sieht, ist also nur ein Bruchteil des ehemaligen Abbaugebietes. Hier wurden schätzungsweise zwischen 1768 und 1904 rund 130.000 Tonnen reines Kupfermetall aus dem Boden geholt. Dafür musste enorm viel Erzgestein abgebaut werden.
Zum Abschluss des Tages fahren wir auf ganz schmalen Strassen zum Parkplatz der Llanbadrig Church, die malerisch auf den Klippen liegt und als eine der ältesten Kirchen in Wales gilt. Unser Hauptinteresse gilt nicht der im Inneren schlichten Kirche, sondern der «Gwan Mélange». Einem chaotischen Gemisch aus Gesteinsblöcken, die vor Millionen von Jahren durch Unterwasserrutschungen entstanden sind. Dazu folgen wir ein Stück dem Küstenwanderweg, erhaschen dann aber doch nur einen Blick von oben.


Wie ein Fremdkörper ragt die White Lady aus den sonst eher dunklen Steinen herraus.

Auf dem Weg zur Kirche hatten wir abseits der Hauptstrasse Gadly’s Country House gesehen. Hier essen wir hervorragend und sehr ausgefallen zu fairen Preisen zu Abend.
Übernachtung: Gorphwysfa Campground. Obwohl er zum CAMC gehört, war es kein Problem als Nichtmitglied einen Platz zu bekommen. Das besondere hier: Bei Bestellung am Abend erhält man verschiedene walisische Frühstücke oder walisische warme Scones zur bestellten Zeit ins Wohnmobil geliefert. Eier von den Hühnern auf dem Gelände kann man ebenfalls kaufen. Hier wird nur Bargeld akzeptiert.
Beaumaris, Puffin Island & Penmon Point
3.5.26 Die Nacht war alles andere als entpannt, dennoch hiess es früh raus, denn wir hatten eine Morgentour ab Beaumaris nach Puffin Island gebucht. Es regnet zwar nicht mehr, aber die Wolken hängen noch tief als wir abfahrbereit sind.
Auf dem grossen Parkplatz ohne Höhenbegrenzung ist noch viel Platz. Da der 4.5. hier ein Feiertag ist und viele das lange Wochenende nutzen, ändert sich das wenig später dramatisch. Jetzt kurz nach 9.00 Uhr sind noch nicht viele Leute unterwegs. Wir holen unsere Tickets und bummeln noch ein wenig durch den Markt, der gerade aufgebaut wird, bevor es losgeht.
Es gibt drei Anbieter mit Bootsfahrten nach Puffin Island oder auch durch die Menai Strait. Speedboot-Fahrten sind jedoch für meinen Rücken Gift, was die Auswahl deutlich reduziert. Die Entscheidung war richtig, denn auf dem Rückweg sehen wir, was die Speedboote für Manöver fahren, um den Passagieren einen Adrenalin-Kick zu versetzen.
Es geht mit einem kleinen Boot und viel Wind bis zu Penmon Point. Anschliessend wird die nicht weit entfernte Insel einmal umrundet. Wir sehen verschiedene Möwen, Gänse, Kormorane, Eiderenten, Seehunde und einen Puffin. Die Tour ist ganz nett. Jörg hat Seeluft geschnuppert, aber viel zu sehen gab es nicht.


Wieder an Land machen wir uns auf den Weg nach Beaumaris Castle. Inzwischen schieben sich Menschenmassen durch den Ort. Wir biegen kurz vor dem Schloss noch auf einen weiteren Markt ab und schauen, was es da so gibt. Ein Stand verkauft Cider von Anglesey. Die Entscheidung zwei Probiergläser zu kaufen, bereuen wir schon nach dem ersten Schluck. Sauer umschreibt es nicht einmal annähernd. So kaufen wir als nächstes Apfelsaft, um die Getränke geniessbar machen zu können.
Im unvollendeten Schloss, welches von Cadw verwaltet wird, ist das Mittelalter los. Bogenschützen, Ritter, Köche, Medinzinfrau und vieles mehr. Die Leute gehen jeweils in ihrer mittelalterlichen Profession voll auf. Wir erfahren viel über die Langbögen der damaligen Zeit. Auch waren wir erstaunt, welche Gewürze man im Mittelalter bereits kannte und verwendete. Auf dem Feuer schmort derweil ein Kessel, in dem Lauch, Zwiebeln und Äpfel gedünstet wurden. Verfeinert wird das ganze mit Würstchen.

Und auch mit der Medizinfrau, die im richtigen Leben Biochemikerin ist, unterhalten wir uns angeregt über die Verwendung von Heilpflanzen. So vergeht die Zeit.

Wieder am Auto zurück, versuchen wir dann doch erst einmal die Sicherung für das Bett zu finden. Zufälligerweise fand Jörg schnell in unserem rudimentären Anleitungsheft zum Wohnmobil die richtige Stelle und dann auf Anhieb die richtige Sicherung.
So können wir mit dem Auto entspannt zur Penmon Priory fahren. Da wir 7.50 £ für den Parkplatz bezahlen müssen, womit wir auch die Berechtigung erhalten nach Penmon Point zu fahren nutzen wir das schöne Wetter und fahren nach Besichtigung der Abtei noch zur Spitze. In der Abtei stehen zwei keltische Kreuze aus dem 10. Jahrhundert.

An Penmon Point ist noch richtig was los. Die Classic Cars, die sich heute dort versammelt hatten, sind weitestgehend wieder weg, aber viele Leute geniessen das Wetter noch am Meer. Auch wir beschliessen im symphatischen Surfer Café gleich noch ein Abendessen zu bestellen und so endet ein weiterer abwechslungsreicher Tag auf unserem Roadtrip durch Wales.

Übernachtung: Kingsbridge Caravanpark
Anreise nach Anglesey
2.5.26 Da unser Campingplatz in Haworth eine gute Mobilfunkanbindung hat, versuchen wir vor Abreise noch ein drittes Mal das Problem mit Lightroom und dem Bilderimport zu lösen. Dieses Mal gehen wir zwei Versionen zurück und richten einen neuen Katalog ein und es wirkt Wunder. Aber dann ist es kurz vor 10.00 Uhr und wir müssen den Platz verlassen. Das Wetter ist trüb. Wie anders die Landschaft dann wirkt.
Bevor es los geht, telefonieren wir noch wegen des Campingplatzes in Anglesey und haben Glück, dass wir noch einen Stellplatz für zwei Nächte reservieren können. Der Verkehr ist dicht und wir verlieren viel Zeit. Dennoch reicht die Zeit aus, um Penrhyn Castle zu besuchen.

Was man mit Geld früher so alles in 10 Jahren erschaffen konnte. Nicht dass mir dieses Fake-Castle im Mittelalterlook gefällt. Es ist innerlich und äusserlich beeindruckend durch die vielen Steinmetzarbeiten und seine Grösse. Was wir anfangs für Stuck hielten, sind tatsächlich zu einem grossen Teil Steinmetzarbeiten. Einen Feind abwehren musste es aber nie.

Unwillkürlich fragen wir uns, was dieses Schloss wohl wiegt. Darüber finde ich keine Angaben, aber allein das Schieferbett wiegt bereits eine Tonne. Das Vermögen für den Bau des Schlosses stammt aus dem Schieferbergbau und den Zuckerplantagen in Jamaika. Für das Schloss ist letzter Eintritt 15.00 Uhr, die Gärten muss man bis 17.00 Uhr verlassen haben.
Wir laufen noch zum Walled Garden und geniessen den Blick auf die Snowdonia Berge, dann müssen wir schon wieder eilen, damit wir nicht eingeschlossen werden.

Um nach Anglesey zu gelangen, muss man die Menai Strait passieren. Es gibt die Menai Suspension Bridge, die Hängebrücke mit der grössten Spannweite ihrer Zeit und die Britannia Bridge, eine zweistöcke Brücke, über die die Eisenbahn und die Schnellstrasse geführt wird.
Ich hatte gelesen, dass man von der Insel mit der Kirche und dem Friedhof einen schönen Blick haben soll, aber wir haben beim ersten Versuch keinen Weg hin gefunden. Dort, wo wir dann geparkt haben und bei Ebbe hingelangt sind, konnten wir zwar einen Blick auf die Hängebrücke werfen, aber die Welt war dann mit Privatgrundstücken verriegelt.

So haben wir fürs Erste aufgegeben und sind zum Campingplatz gefahren, haben eingecheckt und sind zurück nach Beaumaris gefahren, um eine Kleinigkeit zu essen.
Als wir dann endlich wieder auf dem Campingplatz waren und eigentlich nur noch schlafen wollten, liess sich das Hubbett nicht mehr bewegen. Inzwischen regnete es stark. Jetzt noch herauszufinden, welche Sicherung es sein könnte, da hat Jörg lieber auf dem Sitz genächtigt.
Übernachtung: Kingsbridge Caravanpark, Mobilfunk Empfang nur in einem bestimmten Haus. So wird das natürlich nichts mit Blog.
Anreise nach Wales mit dem Wohnmobil
Wentworth Castle Gardens und Leeds
1.5.26 Da wir unser Kind wieder nach Leeds zurückbringen, besuchen wir auf dem Rückweg die Wentworth Castle Gardens bei Barnsley.
Auf dem Weg dorthin wundern wir uns einmal mehr, dass Copilot GPS andere Wegzeiten angibt, als Google. Unser Verdacht war, dass es irgendwo entlang der Strecke vielleicht Brücken mit zu geringer Höhe gibt, aber später haben wir herausgefunden, dass er wohl die Umweltzonen meidet. Da wir schneller sein wollten, sind wir Google Maps gefolgt und prompt führte uns die Strecke in eine solche Umweltzone bei Bradford. Dort müssen alle Busse und Vans online eine Gebühr bezahlen. 9 £, das nenne ich mal eine teure Abkürzung. Hoffentlich haben wir auf dem Weg nach Haworth nicht schon eine solche Zone übersehen.
Das Schloss selbst ist heute ein College. Thomas Wentworth, späterer 1. Earl of Stafford kauft die Stainsborough Hall und baut sie zu einem prunkvollen Anwesen aus, was er in Wentworth Castle umbennt, um es seiner Familie zu zeigen, die ihn beim Erbe übergangen hat.

Stainborough Castle ist eine künstlich erschaffene Burgruine. Jeder der vier Türme wurde nach einem der Kinder benannt und jeder Turm war im Inneren anders gestrichen. Der Eyecatcher war der Spielplatz der Kinder. Im Sommer finden dort heute Aufführungen statt. Die Drei Musketiere können wir uns gut in dieser Umgebung vorstellen.
Und wieder ist uns das Wetter gewogen. Die Sonne scheint und mit 23 Grad ist es angenehm warm. Die Gärten ziehen sich einen Hang hoch. Besonders sehenswert ist sicher das viktorianische Glashaus, die blühenden Rhododendren und Azaleen, von denen die Gärten eine grosse Sammlung beherbergen. Der Landschaftspark beherbergt verschiedene Gärten.

Fasane fühlen sich in den Gärten ausreichend sicher, so dass man sie wunderbar beobachten kann. Zum Anwesen gehören auch grosse Weiden mit Baumreihen. Besucher können zwischen den Schafen spazieren und ihnen einfach zusehen. Ein wunderbar friedlicher Anblick, von dem wir uns nur losreissen können, weil uns das Schlosscafé lockt.

Anschliessend geht es nach Leeds, wo die Schwierigkeit besteht, unser Wohnmobil zu parken. Alle Parkplätze sind Parkhäuser oder haben Gewichtsbeschränkungen. Am Strassenrand werden wir dann doch noch fündig. Das Bezahlen mit den Apps ist etwas mühsam.
In Leeds schauen wir uns die Corn Exchange und die Arkaden an. Die Corn Exchange wurde 1864 fertiggestellt und ist eines von nur drei Gebäuden, die für den Getreidehandel errichtet wurden. Das Gebäude in Form eines Eis mit einer Kuppel aus Glas und Eisen wirkt etwas deplaziert. Im Inneren finden sich heute zahlreiche Boutiquen. Es schliesst 18.00 Uhr.

Auf dem Weg kommen wir an der Markthalle vorbei. Eigentlich ist sie schon geschlossen, aber für ein Foto darf ich noch drei Schritte reingehen. Allerdings verpasse ich die Tafel, die daraufhin weisst, dass Marks & Spencer in dieser Markthalle ihren Ursprung als kleiner Marktstand hatten.
In die Arkaden schauen wir nur herein. So viele Luxusgeschäfte. Das passt so gar nicht zu den vielen Wohnvierteln. Aber in Leeds passt vieles nicht zusammen. Alt und modern, heruntergekommen und auf Hochglanz poliert und die Menschen, denen wir begegnen, sind irgendwie auch anders drauf. Von der Schminke bis zur Kleidung, wir fühlen uns wie in einem Freilufttheater, wo jeder eine Rolle zu spielen scheint.

Der Abend klingt bei einem indischen Essen in einem grossen Fachwerkhaus, was früher als Bibliothek genutzt wurde, aus. Nachdem wir unser Kind wieder am Studentenwohnheim abgesetzt haben, fahren wir zurück nach Haworth, wo wir eine weitere Nacht verbringen, weil alle Campingplätze rund um Leeds wegen des langen Wochenendes ausgebucht waren.
Willkommen in England – Salts Mill – Haworth
30.4.26 Die Überfahrt ab Rotterdam verlief ereignislos. Trotz verspäteter Abfahrt legen wir pünktlich in England an. Passkontrolle war schnell und schon befinden wir uns auf der Autobahn von Hull nach Leeds. Bevor wir unsere in Leeds studierende Älteste aufsammeln, noch ein initialer Einkauf in einem Tesco und dann war es so weit. Nach mehr als drei Monaten konnten wir unser Kind wieder in die Arme schliessen.
Bevor wir bei herrlichem Wetter für zwei Tage gemeinsam ins Abenteuer starten, versuche ich noch mein Problem mit Lightroom zu lösen, indem wir das Update auf die neueste Version machen. Das führt aber auch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ehe wir weiter Zeit vergeuden, wollen wir lieber das schöne Wetter geniessen. So kommt es jedenfalls, dass die Veröffentlichung des Logbuchs etwas hinter meinen Plänen herhinkt.
Erster Stopp ist die Salts Mill in Saltaire. Hier wurden Stoffe hergestellt. Der Gründer war ein Visionär. Die Eisenbahn lief über das Firmengelände und brachte Kohle, Alpakawolle, Schafwolle und Baumwolle. Da die Lebensbedingungen der Arbeiter in den Städten katastrophal waren, baute er für seine 3.000 Arbeiter für die damalige Zeit grosszügige und moderne Häuser in der Nähe der Fabrik. Der ganze Komplex ist heute Unesco-Weltkulturerbe. Die Räumlichkeiten werden als Galerieflächen und für Kleingewerbe genutzt. Eine kleine Ausstellung erzählt die Geschichte der Salts Mill.



Und schon geht es weiter nach Haworth, dem eigentlichen Ziel des Ausflugs. Hier wuchsen die Brontë Schwestern auf und schrieben ihre berühmten Romane. Mit 13 £ ist der Eintritt recht teuer, auch wenn man damit ein Jahr lang das Haus besuchen könnte. Das Haus ist original eingerichtet und man erfährt viel über das Leben der berühmten Schwestern. Nur schliesst es schon um 17.00 Uhr, so dass nicht viel Zeit bleibt, um in die Erklärtexte einzusteigen. Die Schwestern waren nicht nur im Schreiben sondern auch im Zeichnen und Sticken sehr begabt.

Da das Wetter noch herrlich ist, machen wir noch einen Ausflug ins Moor zum Wasserfall. Begleitet von Schafen, den Rufen der Fasane und Kiebitzen ist die Wanderung recht kurzweilig. Da es jedoch seit ein paar Tagen nicht geregnet hat, ist vom Wasserfall nicht wirklich etwas zu sehen, aber das Tal, das Flüsschen mit den Steinen ist sehr schön.


Dass wir definitiv zu lange verweilt haben, zeigt sich dann bei der Suche nach einem Abendessen. Die meisten Küchen schliessen 20.00 Uhr. Aber wir haben Glück und finden noch ein Restaurant, welches uns trotz schliessender Küche noch leckere Burger serviert.

Übernachtung: Upwood Camping Platz oben auf dem Black Moor. Derzeit nur von Haworth aus anzufahren. Sie haben auch unterschiedlich grosse Campingpods von einfach bis luxuriös. Unsere Tochter schläft in einem grossen leeren Fass.
Auf dem Weg zur Fähre in Rotterdam
29.4.26 Nach der schlecht geschlafenen Nacht brechen wir früh auf. Wir beschliessen, uns auf dem Weg nach Rotterdam in Belgien die Abtei von Villers-la-Ville anzuschauen. Diese liegt ungefähr auf der Hälfte der noch zu fahrenden Strecke, 30 km südlich von Brüssel, etwas abseits der Autobahn.
Sie ist in einen weitläufigen Park mit Gärten eingebettet. Gegründet 1146 war diese Zisterzienserabtei eines der mächtigsten Klöster in Europa. Heute wandelt man durch beeindruckende gotische Sketette aus Stein, in denen sich teilweise die Natur ihren Platz zurückerobert.


Als wir die zweite Etage der Ruine des Gästehauses der Möche erklimmen, werden wir von einem Paar Nonnengänse kritisch beäugt. Sie haben hier ihre sieben Jungen ausgebrütet.

Der Weg zurück zur Autobahn führt uns direkt an Waterloo vorbei. Viele Kriegsdenkmäler zieren den Ort. Der künstliche Hügel, der an einen Zuckerhut erinnert, ist der Löwenhügel. Es ist ein Denkmal für den Schulterschuss des Prinzen von Oranien. Wellington war später über den Bau gar nicht erfreut, denn durch die Aufschüttung des Hügels wurde die Topografie des Schlachtfeldes vollkommen zerstört.

Ab Brüssel wird der Verkehr zur Geduldsprobe. LKWs und noch mehr LKWs fahren langsam Richtung Antwerpen und Rotterdam. Immerhin fährt es in unserer Richtung, was man von der Gegenrichtung nicht behaupten kann. Gut haben wir viel Zeit eingeplant.
Dennoch erreichen wir die Fähre erst, als das Boarding schon begonnen hat. Da wir noch nicht die Tasche mit den Sachen für die Nacht gepackt haben, ist es noch einmal etwas stressig. Aber dann steht der Aufzug bereit und wir fahren in die 10. Etage zu unserer Kabine. Die Küche öffnet und wir können schon vor Abfahrt im ersten Schwung zu Abend essen.
Die Abfahrt der Fähre verzögert sich dann etwas, weil noch ein Öltanker aus Houston an sein Entladepier geschleppt werden muss und das dauert. Aber dann fahren wir in den Sonnenuntergang.

Alles sehr entspannt bis ich versuche die Bilder von der Kamera herunterzuladen und eine Lightroom Beta Version eines KI Bilderassistenten mich in den Wahnsinn treibt. Denn der Film läuft in Endlosschleife und blockiert alles. Mehrere Neustarts und das Abwählen des Assistenten bringen nichts. Und dann ist die Mobile Verbindung weg. Das WLAN auf dem Schiff ist so überfordert, dass man gar nicht reinkommt.
Es geht los
28.4.26 Wir starten gegen 14.00 Uhr ins Abenteuer und fahren noch bis Luxemburg. Irgendwie sind vor dem langen Wochenende alle Campingplätze ausgebucht. Aber da wir nicht wussten, wann wir loskommen, konnten wir nichts buchen. Die Park4Night App zeigt kurz vor der Stadt Luxemburg einen grossen Parkplatz an. Dort verbringen wir die Nacht, nachdem wir vorher noch tanken waren. Der Diesel ist deutlich günstiger, als in allen anderen Ländern.
Die erste Nacht im Wohnmobil ist unruhig. Die Geräusche von aussen wie landende Flugzeuge sind das eine, aber das Bett ist das andere. Auf dieser Reise schlafen wir erstmals in zwei Etagen, weil meine Knie immer noch nicht klettern wollen. Nur verrutscht das untere Bett, so wie wir es gebaut hatten. Und der Rücken tat schon vorher beleidigt.

Reisevorbereitungen Wales Rundreise
Die Vorfreude steigt
25.4.26 Bald geht es los. Am liebsten würde ich gleich losfahren und zaubern, damit das Wohnmobil sich selber packt. Inzwischen sind die ersten beiden Campingplätze reserviert, dann haben wir mehr Zeit mit unserer Ältesten in England, die wir auf der Anreise nach Wales für zwei Tage aufpicken werden.
Inzwischen haben wir doch entschieden, die Strecke nach Rotterdam nicht in einem Tag zu fahren. Sondern irgendwo unterwegs noch eine Übernachtung einzulegen. Letzter Impuls für diese Umentscheidung war, dass der Abfahrttermin der Fähre vorverlegt wurde. Zwar nur 30 Minuten, aber immerhin. Wir werden spontan unterwegs nach einem Platz für die Nacht suchen, wenn wir keine Lust mehr haben, weiterzufahren.
Mit zu dieser Entscheidung hat geführt, dass in den letzten beiden Wochen vor dem Start so viel Unvorhergesehenes passiert ist, dass wir besser mehr Zeit einplanen. Viel Zeit und Nerven hat uns unser Alltagsauto gekostet. Aus einer vermeintlichen technischen Panne wurde ein Abschied, sodass wir jetzt nur das Wohnmobil für alle Wege hatten und eben mal schnell noch einen Ersatz finden müssen, der dann hoffentlich abholbereit nach unserer Rückkehr vom Roadtrip durch Wales auf uns wartet. Es wird zwar nur eine Überbrückungslösung damit die Jüngste noch ihren Führerschein mit einem geschalteten Auto zu Ende bringen kann. Uns gibt es etwas Zeit, in Ruhe zu überlegen, welche Anforderungen das nächste Fahrzeug erfüllen soll.
Um uns noch mit Mitgliedschaften für einen der Caravan Clubs zu beschäftigen, war keine Zeit mehr. In Wales gibt es aber so viele kleine Stellplätze, die keinem der beiden grossen Clubs angehören, dass wir es wohl auf sich beruhen lassen. Wir werden am Ende berichten, ob das eine gute Entscheidung war.
Einen Roadtrip planen
20.3.26 Unsere Reiseplanung denkt immer in Möglichkeiten. Wetter, Lust und Laune, Tipps von Einheimischen können da noch ziemlich Einfluss nehmen. Am schwersten ist es immer, einzuschätzen, wie lange man in einer Gegend bleibt, bevor man weiterfährt.
Insofern weiss ich nicht, ob unsere Zeit ausreicht, um alles zu sehen und zu machen, was ich mal grob geplant habe. Vier Wochen klingt viel, ist aber für eine Rundreise durch Wales dann doch eher wenig, musste ich feststellen.
Ausserdem muss ich gestehen, dass die Reiseplanung am Anfang der Reise noch sehr detailliert ist und auch viele Fotospots beinhaltet, die ich gern fotografieren würde. Zum Ende der Reise wird es dann eher eine Grobplanung, weil ich gar nicht weiss, ob unsere Zeit so weit reicht.
Als ich angefangen habe mit der Reiseplanung, hatte ich noch die Idee, die Cotswolds in England mit einzubauen. Davon habe ich mich aber inzwischen verabschiedet. Immerhin habe ich damit schon eine weitere Idee für einen Roadtrip, bei dem ich dann gegebenfalls noch Dinge in Wales besichtigen kann, für die die Zeit nicht gereicht hat.
Wir fahren jedenfalls gegen den Uhrzeigersinn durch Wales, weil wir Anglesey zuerst besuchen. Im Mai ist noch Ruhe vor dem Sturm. Ab dem 22. Mai 2026 findet auf der Insel das Urdd National Eisteddfod statt – eines der grössten Jugendkulturfestivals Europas mit rund 90’000 Besuchern.
Zum Thema Reiseplanung habe ich einen ganzen Beitrag geschrieben, in dem ich intensiver auf das Thema Reiseplanung für individuelles Reisen eingehe.
Mitgliedschaften
7.3.26 Die Routenplanung für unseren Wales Roadtrip schreitet voran. Deshalb wird es langsam Zeit, die Mitgliedschaften zu beantragen, damit die Ausweise und Unterlagen rechtzeitig ankommen. Beim Roadtrip durch Schottland hatten wir das Problem, dass wir mit provisorisch heruntergeladenen Dokumenten reisen mussten und deshalb immer wieder Fragen beantworten mussten.
Der Cadw bewahrt und unterhält vor allem militärische und religiöse Architektur in Wales. Die grossen Burgen und Abteien wie Tintern Abbey gehören zum Cadw. Die Mitgliedschaft gilt nur in Wales. Es gibt Explorer Pässe für Besucher aus dem Ausland für 7 oder 14 Tage. Bei einer vierwöchigen Reise lohnt sich für uns die Jahresmitgliedschaft.
Cadw ist gewissermassen das walisische Pendant zur English Heritage Mitgliedschaft. Wer von Wales aus beispielsweise noch die Cotsworlds besuchen möchte, bekommt im ersten Jahr der Mitgliedschaft beim Cadw 50 % Rabatt auf den Eintritt bei English Heritage Stätten.

Der National Trust ist dagegen eine gemeinnützige Stiftung, die im gesamten Vereinigten Königreich ausser Schottland tätig ist. Schottland hat seinen eigenen National Trust. Es gibt aber Abkommen, dass man bei der Mitgliedschaft im einen auch Vergünstigungen im anderen bekommt.
Der National Trust schützt prächtige Herrenhäuser, weitläufige Gärten und grosse Naturareale. Insofern sind oft die Parkplätze an den Küsten vom National Trust betrieben und bei einer Mitgliedschaft kostenlos. Für Ausländer gibt es den National Touring Pass mit einer Gültigkeit von 7 oder 14 Tagen. Wir nehmen auch hier die Jahresmitgliedschaft.
Eine Mitgliedschaft in einem der Caravan Clubs prüfen wir am Ende der Reisevorbereitungen.

Damit die Drohne in Wales fliegen darf
15.2.26 Seit dem Brexit benötigt man in Grossbritannien eine Drohnen-Piloten-Lizenz sowie eine Operator-ID, wenn man Drohne fliegen will. Während Jörgs Drohnen-Piloten-Lizenz noch von unserem Schottland Roadtrip 2023 gültig ist, muss die Operator-ID jährlich erneuert werden. Das hat er in Vorbereitung für unseren Roadtrip durch Wales heute erledigt.
Möchtest du auch Drohne fliegen, so findest du alle Informationen auf der Drone and Model Aircraft Registrationsseite.
Links und Bücher für die Reisevorbereitung
Links und Apps:
- Wettervorhersage: Met Office Wales Forecast (dort kann man auch speziell für Snowdonia Wettervorhersagen bekommen).
- zum Download Met Office Weather Forecast-App
- Passinformationen wie in den Alpen gibt es nicht, aber Traffic Wales informiert über alles Wichtige rund um die Verkehrslage.
- Informationen zu Gezeiten, Hochwasser und starken Regenfällen findest du auf der Website von Natural Resources
- Da die berüchtigten Midges vor allem im schottischen Hochland leben, gibt es für Wales keine Vorhersage
- Pitchup – Campsites in Wales
Nationalparks entlang der Route in Wales:
- Eryri National Park (Snowdonia)
- Pembrokeshire Coast National Park
- Bannau Brycheiniog National Park (Brecon Beacons)
Bücher für die Vorbereitung des Roadtrips durch Wales:
Wales by Road Travel Guide: Der Guide wird jährlich herausgegeben und enthält, neben einigen allgemeinen Informationen zu Spezialitäten und Unterkünften, kurze Beschreibungen zu Sehenswürdigkeiten. Er bietet aber keine nachfahrbaren Routen mit Sehenswürdigkeiten, auf denen man aufbauen könnte.
Dumont Reiseführer Wales: Wir lieben es, etwas in der Hand zu haben, deshalb hatten wir uns einen Reiseführer für Wales zu Weihnachten gewünscht. Allerdings fand ich ihn dann doch etwas lückenhaft und nicht passend für unsere Reiserichtung aufgebaut. Aber er kommt ins Auto, zum schnellen Nachschlagen.
Photographing North Wales: Nachdem ich so begeistert vom Buch für Schottland war, besorgte ich mir den Band für North Wales. Ich dachte noch, gut haben sie ihn unterteilt, dann ist das Buch nicht so gewichtig. Es hat mich aber nicht so auf den ersten Blick begeistert. Es kommt mit zur Inspiration und kann seine Magie unterwegs wirken lassen.
111 Gründe Wales zu lieben: Dieses Buch hat mein Verständnis für Wales auf eine sehr unterhaltende und humorvolle Weise gefördert. Klare Kaufempfehlung.

Visum beantragen
Seit unserem letzten Roadtrip durch Schottland braucht man für England ein Visum. Old fashioned wollten wir es am PC beantragen, aber das geht nicht. Der Chip im Reisepass muss ausgelesen werden.
Für die Beantragung brauchst du deinen Reisepass, eine E-Mail-Adresse auf die du während des Prozesses Zugriff hast, und eine Kreditkarte. Danach folgst du einfach der Anweisung der App, die du einfach per QR Code von der Seite ETA UK herunterladen kannst.
Die App funktioniert einfach und führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess. Zuerst gibst du Name und Adresse ein und beantwortest einige Fragen. Danach musst du dir einen neutralen Hintergrund für die Fotos suchen, die du mit dem Mobiltelefon aufnimmst und das Auslesen des Chips erlauben. Die App öffnet automatisch die Stelle in den Einstellungen des Mobiltelefons, an der du den Zugriff erlauben musst.
Als Letztes gibst du die Daten der Kreditkarte ein. Für Schweizer wird der Betrag in Euro abgebucht. Schön, dass wir damit gleich doppelte Umrechnungskurse haben.
Bei uns kamen die E-Mails für die Bestätigung der Einreichung und das Visum praktisch gleichzeitig hintereinander. Es ging erstaunlich schnell.
Wichtig: Das Visum ist zwei Jahre gültig und erlaubt Aufenthalte von insgesamt sechs Monaten im Vereinigten Königreich. Voraussetzung ist allerdings, dass dein Reisepass so lange gültig bleibt. Deshalb haben wir vor der Beantragung des Visums für den Roadtrip durch Wales unsere Pässe noch erneuern lassen.
Fehlerhafte Fährbuchung nach Hull
11.1.26 Yeah, wir buchen die Fähre von Rotterdam nach Hull und freuen uns, dass es günstiger ist als vor drei Jahren, als wir Ende August von Hull weiter nach Schottland gefahren sind. Die Freude währt allerdings nicht lange. Als die Buchungsbestätigung per E-Mail eintrifft, steht dort plötzlich statt Rotterdam nach Hull die umgekehrte Richtung. Offensichtlich war das Feld «Outbound» angeklickt und wir haben es übersehen.
Ohne Flextarif können wir online nichts ändern. Erleichtert stellen wir immerhin fest, dass die Hotline dank Zeitverschiebung noch erreichbar ist. Der Sprachcomputer kennt dann allerdings unsere Buchungsnummer nicht und schmeisst uns wieder raus. Beim zweiten Versuch verlangen wir, mit einem menschlichen Operator verbunden zu werden. Nach 15 Minuten Wartezeit sind wir endlich dran.
Die Dame ist sehr nett, storniert unsere Buchung und ändert die Reiserichtung. Dabei stellt sie fest, dass wir zwar die korrekte Länge des Wohnmobils angegeben haben, es aber als Auto erfasst wurde. Da die Wohnmobil-Auswahl online nicht als Option verfügbar war, bekommen wir den Aufpreis sogar geschenkt. Wahrscheinlich auch, weil die Strecke Rotterdam nach Hull günstiger gewesen wäre als andersherum.
Alles in allem war der Anfang unserer «Anreise» nach Wales also ein ziemlicher Schreck. Schlussendlich hat sich aber alles zum Guten gewendet. Beim nächsten Mal denken wir ernsthaft über einen Flex-Tarif nach.
Die Idee für einen Roadtrip nach Wales
Alles beginnt damit, dass unsere Älteste im Master ein Semester an die Universität nach Leeds geht. Wenn wir einen Grund bräuchten, wäre es ein Besuch bei ihr. Tatsächlich ist es aber mehr der Aufhänger, aus dem die Idee für einen Roadtrip durch Wales mit dem Wohnmobil entsteht.
Bei unserem Roadtrip durch Schottland haben wir bereits die Fähre von Rotterdam nach Hull genommen. Auf dem Weg zur Westküste Schottlands und später auf der Rückfahrt nach Hull sind wir durch Yorkshire gefahren. Die Landschaft hat uns sehr gut gefallen. Deshalb entscheiden wir uns auch für diese Reise wieder für die Anreise mit der Fähre von Rotterdam nach Hull.
Dieses Mal wollen wir allerdings direkt von Zürich nach Rotterdam fahren, ohne zwischendurch zu übernachten.
