Rosa Granitküste – wo die Felsen der Bretagne leuchten
Bizarre Felsen, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen, liegen in der Landschaft. Dazwischen warten immer wieder wunderbare Strände auf den Besucher. Und als wäre das nicht genug, setzt Sonnenschein diese Landschaft besonders in Szene. Dann leuchten die Felsen der Rosa Granitküste rund um Ploumanac’h in vielen Orange- und Rottönen.
Wandern auf dem GR 34 zwischen Île Renote und Perros-Guirec vorbei am berühmten Phare de Ploumanac’h, baden oder mit dem Schiff zu den Sept Îles fahren, um Vögel zu beobachten, sind nur einige Freizeitaktivitäten, die hier auf dich warten.

Was macht die Rosa Granitküste so besonders?
Die Rosa Granitküste verzaubert mit Felsen, die in der Sonne zu leuchten beginnen und deren bizarre Formen die Fantasie anregen. Die Felsen verdanken ihre ungewöhnliche Farbe dem hohen Gehalt an Feldspat, der dem Granit einen einzigartigen rosa Schimmer verleiht.
Besonders beeindruckend wirken sie bei Sonnenaufgang oder -untergang, wenn das warme Licht die Felsen regelrecht zum Glühen bringt. Selbst bei trübem Wetter schimmern die Felsen in sanften Rosatönen.
Ploumanac’h als Ausgangspunkt
Die rosa Granitküste befindet sich im Nordwesten der Bretagne zwischen den Orten Perros-Guirec*, Ploumanac’h und der Île Renote. Um die rosa Granitküste in ihrer Schönheit zu erleben, bieten sich Ploumanac’h, Perros-Guirec oder Trégastel* als ideale Ausgangspunkte an.
Während Perros-Guirec eine lebhafte Stadt ist, ist Ploumanac’h überschaubarer. Alle drei Orte bieten Zugang zum Zöllnerpfad (GR 34), dem Küstenwanderweg der Bretagne.
Von Trégastel kann man direkt zur Île Renote laufen. Wir haben uns für eine kleine Ferienwohnung* mit Parkplatz in Ploumanac’h entschieden. Von der oberen Etage können wir sogar den Strand sehen.
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Ploumanac’h ist ein quirliges Fischerdorf, das 2015 zum beliebtesten Dorf der Franzosen gewählt wurde. Die Felsen rund um den Strand, der bei Flut weitestgehend verschwindet, sind aber auch herrlich.
In der Mitte zwischen Perros-Guirec und Trégastel liegt Ploumanac’h, gehört aber zu Perros-Guirec. Der Zöllnerpfad (Sentier des Douaniers) führt direkt daran vorbei.

Viele Restaurants, Cafés und Eisdielen mit grosser Auswahl laden den Besucher ein, hier zu verweilen. Der grosse Parkplatz platzt bei schönem Wetter schon früh am Tag aus allen Nähten. Es macht aber auch Spass, bei Ebbe durch die Felsen zu klettern. Wir können Ploumanac’h als Ausgangspunkt für die Erkundung der rosa Granitküste sehr empfehlen.
Perros-Guirec hat eine lange Tradition als Badeort. Das Ortsbild wird von vielen Ferienappartement-Anlagen, Hotels und einigen schönen Villen bestimmt. Der Ort ist für seine beiden Strände, den Plage de Trestraou und den Plage de Trestrignel, bekannt.

Wandern an der Rosa Granitküste
Die Schönheit der rosa Granitküste erschliesst sich am besten auf einer Wanderung. Der Wanderweg zwischen Ploumanac’h (Plage Saint Guirec) und dem Plage de Trestraou ist ungefähr 5 km lang. Mehrere Parkplätze bieten auch einen Zwischeneinstieg an.
Saint Guirec ist übrigens einer der vielen Heiligen der Bretagne. Er war ein Mönch und Missionar, der im 6./7. Jahrhundert in die Bretagne kam. Im Vallée des Saints gibt es eine Statue von ihm.
Entlang des Weges bieten sich zahlreiche Fotomotive an. Insofern plane genug Zeit ein. Napoleons Hut ist nicht nur ein Stein mit einer gewissen Ähnlichkeit beim Hafen von Ploumanac’h, sondern spielte im II. Weltkrieg eine Rolle.
Am 3. August 1944 stellte die BBC die Frage, ob Napoleons Hut immer noch bei Perros steht. Das war ein verschlüsseltes Signal an die Résistance, die daraufhin mit Aktionen gegen die Besatzer begann.

Der Hafen von Ploumanac’h ist ein natürlicher Hafen an der Grenze zwischen Trégastel und Perros-Guirec.

Die Chapelle de Diable fasziniert mich aufgrund ihrer Gargoyles. Allerdings haben meine Recherchen ergeben, dass es keine Kapelle ist, sondern sich um einen Bootsschuppen handelt. Dennoch ein sehr schönes Fotomotiv.

Phare de Ploumanac’h
Spannend beim Fotografieren an der rosa Granitküste ist auch, dass sich Wolken, Sonne und damit das Licht alle paar Minuten ändern. Eines der Wahrzeichen der rosa Granitküste ist der Phare de Ploumanac’h (Phare de Mean Ruz). Über eine Steinbrücke, die sich perfekt in die Landschaft einpasst, gelangt man direkt zu ihm.


Unweit des Leuchtturms befindet sich auch ein Visitor Center, das Maison du Littoral. Es gibt entlang des Weges so viel zu entdecken, dass man kaum vorwärtskommt.
Eine Schiene, die zum Meer führt, dient dazu, Rettungsboote unabhängig vom Wasserstand zu Wasser zu lassen, um Booten in Not zu helfen.




Eine ganz andere Perspektive auf den Phare de Ploumanac’h bietet sich vom Wasser. Auf der Rückfahrt unserer Bootsfahrt zu den Sept Îles fahren wir an der Rosa Granitküste vorbei und sehen den Leuchtturm zwischen den Felsen.

Bootsfahrt zu den Sept Îles
Erreichst du den Strand von Trestraou bietet sich vor dem Rückweg zum Ausgangspunkt eine Bootstour zu den sieben Inseln an. Die Sept Îles sind das grösste Vogelschutzgebiet in der Bretagne und Frankreich.
Auch, wenn der Name sieben Inseln andeutet, sind zwei davon nur grosse Felshaufen. Einstmals war der Papageientaucher der am häufigsten vorkommende Vogel auf den Inseln. Als man das Gebiet von 40 Hektaren dann 1976 zum Naturschutzgebiet erklärte, war er fast ausgestorben.
Schuld daran war eine Tourismuswerbung der französischen Eisenbahn, die mit der Jagd auf Papageientaucher warb.
So unternimmt man eigentlich eine Bootstour zu den Sept Îles, um Vögel zu beobachten. Wie viele verschiedene Vögel man sieht, hängt sicher etwas von der Jahreszeit ab.
Ende April haben wir nur eine Handvoll Papageientaucher gesehen. Dafür waren die Basstölpel schon fleissig am Nestbau. Allerdings ist die Kolonie hier nicht so beeindruckend wie die Kolonie am Bass Rock in North Berwick.


Richtig spektakulär jedoch ist die Rückfahrt von den Sept Îles, denn diese führt entlang der rosa Granitküste. Die Perspektive vom Wasser auf die Felsformationen ist noch einmal um einiges spektakulärer.



Die Île Renote – ein verstecktes Paradies
Heute ist die Île Renote eigentlich eine Halbinsel, denn 1885 wurde ein Damm aufgeschüttet, der aus der einstigen Gezeiteninsel eine Halbinsel machte.
Auf der Île Renote gibt es zahlreiche Parkplätze, aber jetzt Ende April und bei stürmischem Wetter sind nur einige Hundebesitzer spazieren. Es ist auflaufendes Wasser.


Wir wandern einmal um die Insel herum. Wegen all der schönen Fotoperspektiven brauchen wir fast eine Stunde, aber dann sind wir auch durchgefroren.
Von der Île Renote kann man die Sept Îles, aber auch den Phare de Ploumanac’h an der rosa Granitküste sehen. Im Sommer und bei Ebbe stellen wir uns die Insel auch toll vor.




Hinweis: Das Aquarium von Trégastel, in dem du die Meeresbewohner der Bretagne kennenlernen kannst, ist eine gute Regenwetter-Alternative.
Sehenswerte Orte rund um die Rosa Granitküste
Auch abseits der bekannten Felslandschaften rund um Ploumanac’h gibt es entlang der Küste einiges zu entdecken.
Die Rosa Granitküste ist dabei nur eine von vielen faszinierenden Küstenlandschaften im Westen Frankreichs. In unserem Überblick zur Atlantikküste Frankreich findest du weitere Orte und Inspirationen für deinen Roadtrip.
Einige der folgenden Ziele lassen sich gut mit einem Aufenthalt an der Rosa Granitküste verbinden.
Das Haus zwischen den Felsen
Das Haus zwischen den Felsen (La Maison entre les Deux Rochers), auch bekannt als Castle Meur, liegt nordwestlich der rosa Granitküste bei Plougrescant, etwa 27 km von Perros-Guirec entfernt.
Ein Abstecher zum fotogenen Haus lohnt sich, wenn man sowieso in der Richtung unterwegs ist. Allerdings ist es seit den 2000er Jahren verboten, Fotos des Hauses ohne Erlaubnis der Eigentümer zu veröffentlichen, damit eine gewisse Privatsphäre gewahrt bleibt. Das Internet vergisst aber nichts.
Insofern findest du dort noch zahlreiche spektakuläre Bilder. Bei unserem Besuch fängt es an zu regnen, sodass wir nach einem kurzen Rundgang weiterfahren.
Sillon de Talbert
Der Sillon de Talbert ist eine schmale sichelförmige Landzunge etwa 40 km von Perros-Guirec entfernt. Die Halbinsel besteht aus einer Mischung aus Sand, Kies und Geröll und wurde durch Gezeiten und Meeresströmungen geschaffen.
Sie bietet vielen seltenen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. So brüten hier der Steinschmätzer und der Sandregenpfeifer. Man findet mit dem Strandflieder und Meersenf Pflanzen, die mit ihren Wurzeln die Dünen befestigen.
Den Steinschmätzer haben wir aus der Entfernung beobachten können. In den beiden nachfolgenden Bildern siehst du, wenn du genau hinschaust, eine junge Smaragdkrabbe mit einem geometrischen Muster auf dem Panzer und im anderen Bild zwei Silberreiher bei der Jagd.


Die Wanderung beginnt am Parkplatz in der Nähe des Maison du Littoral und war bei unserem Besuch nur bei Ebbe möglich, da es durch Stürme zu Durchbrüchen der Sillon de Talbert gekommen ist.
Vom Maison du Littoral sind es bis zur Spitze des Sillon de Talbert 3,5 km. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass das Laufen auf Sand und Kies deutlich anstrengender und langsamer als auf einem befestigten Weg ist. Der Muskelkater am nächsten Tag war auch nicht schlecht.

Phare de Bodic
Unweit des Sillon de Talbert und etwa 36 km von Perros-Guirec entfernt befindet sich ein ungewöhnliches Fotomotiv. Der Phare de Bodic erinnert mit seiner Form tatsächlich ein wenig an eine Rakete.

Abbaye de Beauport
Auch Paimpol mit der spektakulären Abbaye de Beauport ist nur knapp 40 km von der rosa Granitküste entfernt. Die Klosteranlage wurde 1202 gegründet und erlebte bis ins 16. Jahrhundert hinein ihre Blütezeit. Dann begann der Niedergang. Nach der Französischen Revolution wurden Ländereien verkauft und die Gebäude verfielen.

Im 19. Jahrhundert mit der romantischen Verklärung des Mittelalters wurde die Ruine teilweise restauriert, um ihre Strukturen zu stabilisieren und die Atmosphäre der Abtei zu erhalten.
Durch die Einbindung der Natur erreichte man den malerisch-melancholischen Eindruck, der sich heute dem Betrachter eröffnet und der dem Ideal der Romantik entsprach. Als die romantischste Ruine Frankreichs gilt allerdings die Abtei von Jumiège in der Normandie.

In den Gärten rund um die Abtei singt und zwitschert es. Wir haben selten so viele verschiedene Vögel beobachtet.

