Schönheit in der Vergänglichkeit – eine virtuelle Fotoausstellung

Schon lange geistert mir der Gedanke einer online Fotoausstellung im Kopf herum. Schliesslich verfolge ich auf unseren Reisen schon länger auch kleine Fotoprojekte, die alle auf der Festplatte liegen. Allerdings wollte ich nicht nur Fotos aneinanderreihen. Insofern wird es auch ein wenig philosophisch, denn unter den vielen Themenideen habe ich mich für meine erste virtuelle Fotoausstellung für das Thema «Schönheit in der Vergänglichkeit» entschieden. Ein Thema mit so vielen Facetten, wie beispielsweise Wabi-Sabi-Ästhetik in der Fotografie, dass ich nur einzelne Aspekte anschneiden kann.

Die grösste Schwierigkeit einer virtuellen Präsentation von Fotos ist für mich der fehlende Raum. Die Wirkung eines Bildes hängt immer auch von der Präsentation ab. Mir fehlen hier Wände oder die festen Seiten eines Buches, wo ich Text und Bild sorgfältig anordnen könnte. Zusätzlich muss ich versuchen, sowohl der Darstellung am PC als auch der Darstellung am Mobiltelefon mit meinen begrenzten technischen Möglichkeiten irgendwie gerecht zu werden. Wenn du dir die Bilder am PC anschaust, hast du mehr von den Bildern.

Wie immer gilt, lass dich von der virtuellen Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit inspirieren. Ich freue mich über eine anregende Diskussionen oder Feedback in den Kommentaren.

Plakat zur virtuellen Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit

Allem wohnt Schönheit inne, nur nicht jeder sieht es

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit liegt die Schönheit im Auge des Betrachters, doch die Gedanken darüber, was Schönheit ist oder ausmacht, hat sich im europäischen Kontext über die Jahrhunderte verändert. Von der griechischen Antike stammt der Gedanke, dass die Schönheit der Dinge mit der Ordnung einhergeht. Jeder Anfänger in der Fotografie lernt die grundlegenden Dinge des Bildaufbaus, wie Goldener Schnitt, Spirale oder Dreieck unbewusst über seine Landschaftsfotos zu legen, damit diese uns harmonisch erscheinen. In der Fotografie spielen wir mit der Ordnung, mit Proportionen, mit Symmetrien und Linien.

Ob Schönheit eine Eigenschaft der Dinge, eine Empfindung des Subjektes, oder etwas Drittes ist, ist bis heute unklar. Philosophen von der Antike bis zur Aufklärung haben sich episch darüber gestritten. Seit der Aufklärung gilt Schönheit als Sinnbild des ästhetischen Geschmacks.

Die Würdigung der Schönheit in der Vergänglichkeit kommt in unserer Kultur am ehesten noch im Einrichtungsstil des Shabby Chic der 80er Jahre, wo sichtbare Gebrauchsspuren zum Konzept gehörten, zum Ausdruck. Während man beim Vintage die Schönheit alter Dinge neu entdeckt.

Vergänglichkeit als Konstante des Lebendigen

Werden und Vergehen ist ein Grundgesetz des Kosmos. (Funfact am Rande: Kosmos steht griechisch für Ordnung. Und auch das Wort Kosmetik leitet sich von diesem Wortstamm ab. Kosméo – ich ordne, ich schmücke.)

In der Vergänglichkeit finden wir die Ästhetik des Unperfekten, welches sich durch Asymmetrien, Unregelmässigkeiten und Unebenheiten und vielleicht auch durch eine gewisse Einfachheit und Klarheit auszeichnet.

Der Bilderzyklus altes Holz zeigt durch Salzwasser, Sand und die Elemente verwitterte Hölzer.

Gealtertes Holz - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz
Gealtertes Holz von Rost gefärbt

Doch haben wir in unserer Gesellschaft gelernt, die Schönheit des Unperfekten überhaupt wahrzunehmen? Die visuelle Wahrnehmung folgt unseren Seh-Gewohnheiten. Unsere Augen nehmen Tausende Reize auf, bleiben irgendwo hängen. Durch den Vergleich mit Bekanntem, kommt es zur Wertung des Gesehenen und im Zweifel wenden wir unsere Aufmerksamkeit einem neuen «Bild» zu. Wir sehen also nur Dinge, zu denen wir ein Konzept haben, die wir wissen. Fotografieren ist ja in erster Linie ein «Sehen-Lernen».

Neue Haut - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz
Neue Haut

So war es auch für mich, denn in einem Hafen in Frankreich blieb mein Blick auf dem Wort Galapagos hängen und das Kopfkino setzte ein. Wozu dienten diese verrosteten Gerätschaften? Kamen sie von den Inseln. Erst auf den zweiten Blick habe ich dann die Schönheit in der Vergänglichkeit entdeckt.

Verrosteter Schriftzug "Galapagos" und rostende Ketten

Galapagos war in diesem Fall wohl der Name eines Fischerei-Unternehmens, denn später habe ich den Namen auch an alten Hummerkörben entdeckt.

Angefressen - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - altes Holz
Angefressen

Feuer, kraftvolles Symbol für die Zerstörung und den Wandel, die Reinigung, den Neuanfang.

Tanz mit dem Feuer - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz
Tanz mit dem Feuer

Der ewige Kreislauf – Wabi-Sabi in der virtuellen Fotoausstellung

Im Gegensatz zu unserem kulturellen Konzept der Schönheit gibt es in der fernöstlichen Kultur eine lange Tradition der Ästhetik, die sich auf die Schönheit der Unvollkommenheit und Vergänglichkeit konzentriert (Wabi-Sabi). Das Prinzip des Wabi-Sabi findet in vielen kulturellen Ausdrucksformen Anwendung. Damit hat es einen ähnlichen Einfluss wie das griechische Weltbild in unserer Kultur. Beispielhaft seien die japanische Teezeremonie, Gartengestaltung, Poesie oder Keramik erwähnt.

Wabi kommt aus dem Zen Buddhismus und ist ein spiritueller Weg zu Zufriedenheit mit den einfachen Dingen und spirituellem Reichtum. Dabei ist das Ziel, dass Geist und Körper eins werden. Dazu gehört auch die Wertschätzung der Vergänglichkeit des Lebens als Aufforderung zu einem erfüllten Leben in Harmonie mit der Natur.

Sabi widerspiegelt den Kreislauf von Entstehen und Vergehen. Nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen, nichts ist perfekt. Es ist Ausdruck der stillen Würde des Alterns und Gebrauchtseins. Bei Objekten spricht man gern auch von Patina.

Der nachfolgende Bilderzyklus in der virtuellen Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit zeigt die Ästhetik von Rost.

Nach ganz fest kommt lose - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung - Rost
Nach ganz fest kommt lose
Zerberstende Ketten - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung - Rost
Zerberstende Ketten
Mit Schwung gealtert - online Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Mit Schwung gealtert
Geschraubt - Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Für die Ewigkeit geschraubt
Aufgeflammt - virtuelle Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Aufgeflammt – Im Vergehen lodert scheinbar noch einmal das Feuer der Entstehung auf.
Rostgebirge - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Die Schichten der Zeit
Rostlandschaft - Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Rostlandschaft
Abdrücke - online Fotoausstellung "Schönheit in der Vergänglichkeit" - Rost
Kraterlandschaft
Auflösende Verbindungen - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Rost
Auflösende Verbindungen

Vergänglichkeit – Geschichten des Wandels

Die immerwährende Veränderung, das ewige Werden und Wandeln erzählen viele Geschichten, die unbedingt zum Thema der virtuellen Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit gehören. Nachfolgend erzähle ich dir mit den Bildern meiner virtuellen Fotoausstellung zwei ganz unterschiedliche Geschichten.

Vom Baum zum Kunstwerk

Diese runden Hölzer hatten, nachdem ihr Leben als Baum geendet hat, verschiedene Aufgaben an Land und im Wasser, über die ich nur mutmassen kann. Jetzt werden sie genutzt, um den Rumpf von Schiffen zu stützen, die an Land einen neuen Anstrich erhalten. So erhalten diese Hölzer mal mehr, mal weniger Farbe und deutliche Gebrauchsspuren. Dadurch entstehen kleine Kunstwerke, die steter Veränderung unterliegen. Damit ich deine Fantasie nicht beeinflusse, haben diese Bilder nur Nummern. Meine Bildtitel findest du am Ende der Geschichte.

Schäumend - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 1
Warenströme - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 2
Spinne beim Abseilen - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 4
Totempfahl - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 3
Abstrakte Landschaft - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 5
Abstrakt - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 6
Küste - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 7
Bootsfahrt im Sonnenuntergang - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Holz mit Farbe
Nr. 8

(Nr. 1 Schäumend, Nr. 2 Warenströme, Nr. 3 Totempfahl, Nr. 4 Spinne beim Abseilen, Nr. 5 Abstrakte Landschaft, Nr. 6 Vögel und Meer, Nr. 7 Steilküste, Nr. 8 Bootsfahrt im Sonnenuntergang)

Von Licht und Schatten und Wind

Diese Geschichte zeigt die Schönheit in der Vergänglichkeit in der virtuellen Fotoausstellung anders. Der Blick richtet sich vom Detail auf das Ganze. Sie handelt von unbeständigen Kunstwerken, durch Wind geformt und von Licht, Schatten und Farbe in Szene gesetzt. Es war früh und es war kalt, auch wenn die ersten Sonnenstrahlen eine Ahnung von Wärme versprachen. Der Wind wehte stark, aber noch entwickelte sich der Sandsturm erst, der 3 Tage anhielt und uns flüchten liess.

Mit dem Bilderzyklus der Dünen in der Namib geht es um den eingefrorenen Moment, um scharfe Kanten, die vom Wind gebrochen werden, um den ewigen Kampf von Licht und Schatten. Es geht um das Verwehen der Spuren und die nicht linear verlaufende Zeit der Veränderung.

Augenblick der Ewigkeit - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Augenblick der Ewigkeit
Spiel des Windes - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Spiel des Windes
Ruhe vor dem Sturm - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Ruhe vor dem Sturm
LIcht und Schatten - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Licht und Schatten
Aufrecht gegen die Elemente - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Aufrecht gegen die Elemente
Auflösung und Neuordnung - Wabi-Sabi Fotografie in der Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Auflösung und Neuordnung
Stumme Zeitzeugen - Fotoausstellung Schönheit in der Vergänglichkeit - Namib
Stumme Zeitzeugen

Vergänglichkeit – der vorübergehende Augenblick

Kirschblütenwolke - japanische Kirschblüte

«Zarte Kirschblüte
atmet, sich selbst entfaltend,
Frühling ein und aus.»

(Haiku von Schmuddelkind bei poetry.de)

Im Prozess des Vergänglichen liegt immer ein Stück Wehmut. Die schnell vergänglichen, aber anmutigen Blütenwolken des japanischen Kirschbaums sind wohl der Inbegriff jenes Gefühls der Traurigkeit. Ohne den innewohnenden Abschied könnten wir uns aber niemals über den Neubeginn freuen. Das immerwährende Glück wird gewöhnlich und hätte bald seinen Reiz verloren. Falco fragte in seinem letzten Lied: «Muss ich denn sterben, um zu leben?»

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2 Comments

  1. Hallo Susan, mir gefallen alle Bilder. Sie sind sehr passend zu den jeweiligen Themen, auch die Erläuterungen dazu.
    Mein «Lieblingsbild» ist «Der Tanz mit dem Feuer». So alltäglich, aber mit einer großen Symbolkraft, die Du sehr gut beschriebenen hast.

    Schöne Ausstellung !

    1. Hallo Sabina,

      danke für dein positives Feedback. Freut mich wirklich sehr. Ein mir bekannter Holzkünstler sagte einmal: «Wenn jeder, der deine Ausstellung betrachtet, ein Kunstwerk findet, was zu ihm spricht, dann war die Ausstellung ein Erfolg».
      Jetzt wärmt mich das Feuer noch.
      Liebe Grüsse
      Susan

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