Stadtbesichtigung in Buenos Aires

Jetzt sind wir also zum dritten Mal in dieser Stadt, ohne dass wir gleich wieder weiter müssen. Aber ich gebe es zu, Buenos Aires überfordert uns. Ich wäre gern irgendwo in Cachi, in El Calafate oder in Ushuaia, nur nicht in diesem Moloch. Gute Luft muss es in Buenos Aires gegeben haben, lange bevor es Autos gab. Der Verkehr ist überwältigend und wir erleiden eine Art Kulturschock, nachdem wir aus dem Regenwald von Iguazú kommen. Welche Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires sollen wir uns mit den Kindern anschauen? Finden wir hier irgendwo Ruhe, um erst einmal anzukommen?

Ich lade dich ein, mit uns Buenos Aires zu besuchen. Buenos Aires setzt sich aus vielen verschiedenen Stadtteilen zusammen, die alle einen ganz eigenen Charakter haben. Insofern besichtigst du eher Stadtteile als einzelne Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires. Du wirst einen Überblick über die Stadt des Tangos und des Fussballs bekommen, aber richtig warm werden wir nicht mit der Stadt. Wir kommen uns vor, wie der letzte Hinterwäldler, der zum ersten Mal in der Stadt ist. Aber irgendwie stimmt das Bild, die Stadt Zürich hat ungefähr 450.000 Einwohner und ist damit die grösste Stadt der Schweiz. Buenos Aires hat dagegen 13 Millionen Einwohner.

Wie immer gilt, lass dich inspirieren und mache dir selbst ein Bild.

Zwischen ehemals modernen Bürogebäuden befinden sich hier und da auch ein paar schöne alte Gebäude an der Avenida 9 de Julio in Buenos Aires.
Die Linienbusse stehen genauso im Stau

Montags in Buenos Aires

Ja, eigentlich wissen wir es, dass der Montag für Stadtbesichtigungen denkbar ungeeignet ist, aber bis wir überall vor verschlossenen Türen standen, war uns nicht bewusst, dass es sich um einen Montag handelt. Es ist Nachmittag, als wir uns mit einem Sack Wäsche auf den Weg machen. Der Plan ist, diese in einer Wäscherei abzugeben, die glücklicherweise auch offen hat und dann erst einmal eine grüne Oase zu finden. Mit den Kindern ist ein Zoobesuch naheliegend und da der Zoo nur wenige Querstrassen vom Hotel entfernt ist, fällt unsere erste Wahl darauf.

Der Tierpark ist eine Schlauchanlage. Während wir zum Eingang laufen, der natürlich am entgegengesetzten Ende liegt, sehen wir bereits erste Tiere, was uns die grosse Strasse nebendran etwas ausblenden lässt. Der Tierpark hat geschlossen, so gehen wir zu Plan B über und laufen weiter zum Botanischen Garten. Erst als wir dort ebenfalls vor geschlossenen Türen stehen, kapieren wir es, annähernd alles, was Eintritt kostet, ist montags geschlossen.

Damit die Lauferei nicht ganz umsonst war, versuchen wir, wenigstens etwas Bargeld aufzutreiben, aber die Automaten ignorieren uns. Nach dem Aufsuchen von drei verschiedenen Geldautomaten geben wir auf und laufen gefühlte 50 Blocks zurück zum Hotel.

Später erfahren wir, dass nicht alle Banken im internationalen Bankverkehr angeschlossen sind und wir es wohl bei den falschen Banken versucht haben.

Die Laune unserer Kinder kann nur mit dem Besuch des Pools auf dem Dach des Hotels etwas aufgebessert werden. Die Aussicht ist irgendwie auch nicht ansprechend.

Hässliche Hochhäuser und ein paar niedrige Blöcke mit ein paar Bäumen davor, das ist die Aussicht vom Hoteldach in Buenos Aires.
Blick vom Hotel-Dach in Buenos Aires
Auf der anderen Seite des Hoteldachs in Buenos Aires bieten sich dem Auge nur weitere Wohnblöcke. Ansprechende Bebauung sieht anders aus.
Die Aussicht wird auch auf der anderen Seite nicht besser.

Essen in Buenos Aires

Unser Hotel liegt in einer Wohngegend von Palermo. So müssen wir wieder mehrere Blocks laufen, bis die ersten Restaurants kommen. Allerdings kommt nur eine Bar nach der anderen, aber kein Restaurant. Nachdem die Mädchen drohen, den plötzlichen Hungertod zu sterben, wenn sie auch nur noch einen Schritt ohne Essen weitergehen müssen, kommt doch noch ein vollbesetzter Italiener entlang des Weges. Wir bekommen sogar einen kleinen Tisch und sind einfach nur froh, dass man hier auch mit Kreditkarte bezahlen kann, denn Bargeld haben wir immer noch nicht.

Bei den Preisen reiben wir uns jedoch verwundert die Augen. Willkommen in der Hauptstadt. Eine Pizza kostet hier so viel, wie sonst ein grosses Steak. Aber das ist nach diesem Tag auch egal. Satt und zufrieden wandern wir zurück ins Hotel und wollen nur noch schlafen. Das Laufen durch die Stadt ermüdet uns schlimmer als jede Wanderung es könnte.

Die Auslage eines Obst und Gemüse Händlers sieht sehr lecker aus.
Ohne Bargeld ist es schwierig einzukaufen

Stadtbesichtigung amerikanisch

Hop On Hop Off Busse

Eine gute Möglichkeit sich einen Überblick über Buenos Aires zu verschaffen und die Sehenswürdigkeiten einzelner Stadtteile in Buenos Aires zu besichtigen, ist der Hop On Hop Off Bus. Es gibt zwei Gesellschaften, «Buenos Aires Bus» mit gelben Bussen, und «Gray Line» mit roten Doppeldecker Bussen. Die Busse beider Linien verkehren regelmässig von 9 bis 19 Uhr und halten an Haltestellen in den interessantesten Stadtteilen der Stadt, von den historischen Stadtteilen wie San Telmo, Monserrat und La Boca bis zum erneuerten Hafen von Puerto Madero und den grossen Parks und Plätzen von Palermo und Recoleta. Durch die Audioguides in mehreren Sprachen erfährst du viel Wissenswertes über die Stadt.

Unser Bus fädelt sich auf die Avenida 9 de Julio in Buenos Aires ein. Insgesamt hat die Strasse 16 bis 20 Fahrspuren. In der Mitte befindet sich ein Grünstreifen und gesäumt wird die Strasse von 10-stöckigen Wohn und Bürohäusern.
Wir sind mit den gelben Bussen unterwegs

Auch wir wollen mit einem solchen Bus Buenos Aires entdecken. So laufen wir zur Haltestelle. Der Fahrplan gibt jedoch nicht einmal eine ungefähre Ahnung davon, wann ein Bus vorbeikommen könnte, was mit dem hohen Verkehrsaufkommen zusammenhängt. Nach einer Viertel Stunde des Wartens kommt ein fast leerer Bus vorbei. Aber leider, leider hat dieser Bus keine Tickets mehr und so fährt er leer weiter. Heute würden wir versuchen, die Tickets online zu kaufen.

Glücklicherweise kommt kurz danach ein weiterer Bus, welcher sogar noch Tickets hat. So suchen wir uns einen schönen Platz in der oberen Etage des Doppelstockbusses und betrachten das Verkehrschaos um uns herum.

Stadtbesichtigung mit dem gelben Hop On Hop Off Bus

Bis wir unseren ersten Ausstiegspunkt erreicht haben, sind wir so paralysiert von dieser Stadt und den Menschenmassen, dass wir beschliessen, einfach sitzen zu bleiben, bis wir den Ausgangspunkt wieder erreicht haben, und die Aussicht zu geniessen.

Wir biegen von der Avenida 9 de Julio ab und auch diese Querstrasse hat 7 Fahrspuren in einer Richtung.
Blick zurück auf die Avenida 9 de Julio

Buenos Aires ist eine chaotische Millionenstadt, welche nur aus Gegensätzen zu bestehen scheint. Die eigentliche Stadt nimmt 203 km2 ein und ist in 48 Stadtteile (Barrios) unterteilt.

Dieses Bild steht für den Stilmix in Buenos Aires. Ein Werbeplakat im Vordergrund neben einem Baum, dahinter eine Hausruine, eine Zwiebelkirche mit hellblauen Türmen vor der Kulisse hässlicher Wohnblöcke.
Ein bisschen von allem

Recoleta

Basílica Nuestra Señora del Pilar im Stadtteil Recoleta. Ein weisses Gebäude in schlichtem, klassischem Stil mit weissem Turm. Das Turmdach ist wie eine Glocke geformt.
Basílica Nuestra Señora del Pilar im Stadtteil Recoleta

Die Stadt der Toten gehört für viele Touristen ebenfalls zum Pflichtprogramm in diesem Stadtteil von Buenos Aires. Gemeint ist der Friedhof Recoleta mit 7.000 Mausoleen. Obwohl viele Gräber imposanter als das von Evita sind, zieht es die meisten Besucher zu ihrem Grab. Allerdings hatten wir mit den Kindern sowieso keinen weiteren Friedhofsbesuch mehr geplant, nachdem sie sich in Punta Arenas die Langeweile damit vertrieben hatten, das Lebensalter der Verstorbenen auszurechnen.

Wir fahren weiter im gelben Bus und reiben uns verwundert die Augen. Eben sind wir noch zwischen Glaspalästen und Luxushochhäusern unterwegs, und einmal abgebogen starren uns schäbige Wohnhochhäuser und dreckige Parkplätze an. Die Abgase der Stadt legen sich auf die Zunge. Inzwischen schmecken wir sie schon.

Balvanera

Der argentinische Nationalkongress, die Plaza de la Constitución und das Teatro Colón – eines der schönsten Opernhäuser der Welt sind beliebte Sehenswürdigkeiten im Stadtviertel Balvenera.

Der Nationalkongress von Buenos Aires. Das Gebäude ist im Neoklassizismus errichtet. Davor befindet sich die Plaza del Congreso mit Denkmal.
Der Nationalkongress an der Plaza del Congreso

Montserrat

Der Stadtteil Monserrat in Buenos Aires hat eine reiche Geschichte. An der Plaza de Mayo versammelten sich am 25.5.1810 die Menschen und forderten die Unabhängigkeit von Spanien. Und auch während der argentinischen Revolution war der Platz ein wichtiger Schauplatz. Bis heute ist dies ein wichtiger Platz für Demonstrationen und Kundgebungen. An der Plaza de Mayo steht auch der Präsidentenpalast, die Casa Rosada.

Der Palast des Präsidenten, die Casa Rosada in Buenos Aires ist ein 3-stöckiger Bau aus hellroten Steinen.
Casa Rosada – Palast des Präsidenten

Weiterhin befinden sich an der Plaza de Mayo das Cabildo (altes Stadthaus, heute ein Museum) und die Kathedrale von Buenos Aires.

La Boca

In den späten 1800er Jahren war La Boca ein Einwandererviertel, in dem viele italienische und spanische Einwanderer lebten. Da die meisten nicht viel Geld besassen, waren die Gebäude in der Regel aus einfachen Materialien wie Holz und Wellblech gebaut. Die Häuser sind bis heute einfach und häufig etwas heruntergekommen. Viele der Häuser stehen zum Verkauf. Dieses Viertel soll der Geburtsort des Tangos sein.

Auch dieses Haus mit dem Bild einer Zugbrücke über einen Kanal steht zum Verkauf im Stadtviertel La Boca.
Auch dieses Haus steht zum Verkauf

Ein anderer wichtiger Teil der Geschichte von La Boca ist der Fussball. Der Club Atlético Boca Juniors, einer der erfolgreichsten Fussballvereine Argentiniens, wurde 1905 im Stadtteil La Boca gegründet. Das Stadion La Bombonera liegt mitten im Stadtteil La Boca.

La Bombonera ist ein grosses Fussballstadion mitten in La Boca, einem Stadtviertel von Buenos Aires.
Gelb-Blau sind die Farben des Vereins

Im alten Buenos Aires kann man noch die Fabrikhallen von einst sehen, die Häuser sind meist heruntergekommen, manchmal bunt bemalt, viele Häuser sind unbewohnt und zerfallen.

Puerto Madero

Puerto Madero ist ein Stadtviertel mit einer einzigartigen Mischung aus alter und moderner Architektur sowie historischer und kultureller Bedeutung. Der Stadtteil war einst ein wichtiger Hafen und Industriegebiet, das jedoch in den 1990er Jahren umgebaut und revitalisiert wurde. Geschaffen wurden neue Viertel mit Luxuswohnungen und Büros. In diesem modernen Bereich erinnern nur noch die alten Kräne an die einstige Funktion als Hafen.

Das Casino mit Casino-Schiff liegen im alten Hafengebiet von Puerto Madero, einem Stadtviertel von Buenos Aires.
Das Casino und das Casino Schiff
Moderne Wohnbauten im völlig neu gestalteten Stadtviertel Puerto Madero von Buenos Aires.
Ganz neue Wohnviertel
Kräne erinnern an den alten Hafen. Hier führt die Fussgängerpromenade durch die Füsse eines riesigen Krans, der gelb und orange leuchtet.
Hafenkran
Am Yachthafen kann man heute an Restaurants und Cafés vorbeiflanieren. Die alten Kräne sind stumme Zeugen der Vergangenheit.
Am Yachthafen

Die Kreuzung, die aus dem Viertel wieder herausführt ist chronisch verstopft. Um jeden Meter wird gekämpft. Unser Busfahrer gibt den Versuch, die Kreuzung gerade zu überqueren, entnervt auf. Er biegt ab und lässt so zwei Stationen aus, indem er sich einen anderen Weg sucht.

Nach fast drei Stunden Busrundfahrt erreichen wir unseren Ausgangsort wieder. Wir sind so erschlagen von den Eindrücken dieser Stadt, als wären wir selbst gefahren. Gemütlich laufen wir durch einen Park zurück zum Hotel. Dabei dürfen wir wieder eine breite Strasse überqueren. Trotz grüner Fussgänger Ampel fühlen wir uns wie ein Hase bei der Treibjagd, denn es biegen immer wieder Fahrzeuge in die Strasse ein.

Ein breite Strasse ohne Mittelstreifen mit insgesamt mindestens 10 Fahrspuren gilt es während einer kurzen Grünphase zu überqueren.
Diese Strasse müssen wir überqueren

Unser Tipp – Verschaffe dir einen Überblick

Dies kannst du mit einer Führung im Palacio Barolo machen. Das Bürogebäude wurde 1923 erbaut und war bis 1935 mit 100 Metern das höchste der Stadt und ganz Südamerikas. Der Palast wurde im Einklang mit dem Kosmos von Dantes Göttlicher Komödie entworfen. Der Keller und das Erdgeschoss repräsentieren die Hölle, Etagen 1 bis 14 das Fegefeuer und die Etagen 15 bis 22 den Himmel. Die Höhe von 100 Metern entspricht den 100 Gesängen der Göttlichen Komödie.

Der Blick von der Kuppel auf dem Dach muss spektakulär sein! Auf dem Palast thront ein Leuchtturm. Er zeigt in Richtung Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Dort steht das Zwillingsgebäude des Barolo, der Palacio Salvo, der ebenfalls von dem italienischen Architekten Mario Palanti entworfen wurde. Auf das Dach des Palacios kommt man allerdings nur im Rahmen einer Führung. Wir haben uns mit der 360° Panoramatour auf der Website zufriedengeben müssen. Diese nimmt dich auf verschiedene Etagen des Gebäudes mit.

Bye, bye Argentinien

Bevor wir noch einmal ins italienische Restaurant essen gehen, heisst es Wäsche abholen und Taschen packen. Am nächsten Morgen geht es früh zum Flughafen. Wir verlassen Argentinien und fliegen weiter nach Costa Rica, wo unser Reiseabenteuer weitergeht. Irgendwann kommen wir hoffentlich einmal wieder. Die Anden werden uns wohl nie mehr loslassen.

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