Buenos Aires Sehenswürdigkeiten – Stadtviertel und unsere Eindrücke
Die argentinische Hauptstadt erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Die Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires verteilen sich auf viele Stadtviertel, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwischen Recoleta, La Boca und Puerto Madero liegen nicht nur einige Kilometer, sondern gefühlt ganze Welten.
Ist der Hop-on-Hop-off-Bus also eine gute Idee, um Buenos Aires zu erkunden?
Uns überfordert diese Stadt, jetzt, wo wir zum dritten Mal hier vorbeikommen und erstmals zwei volle Tage Zeit haben. Nach den einsamen Landschaften Patagoniens und zuletzt dem Regenwald von Iguazú ist die Millionenstadt ein Kulturschock. Der Verkehr ist überwältigend und die Abgase legen sich auf die Zunge. Es muss lange her sein, dass es hier gute Luft gab.
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Montags in Buenos Aires
Urlaub ist, wenn man vergisst, welcher Wochentag ist. Und so sind wir sehr erstaunt, dass wir auf unserer verzweifelten Suche nach ein wenig Natur in der Umgebung des Hotels überall vor verschlossenen Türen stehen.
Irgendwann, viele Blocks später und nach einem geschlossenen Zoo und einem geschlossenen Botanischen Garten, rieselt die Erkenntnis ins Gehirn. Es ist Montag. Viele Museen und Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires sind montags geschlossen. Auch der Botanische Garten, den man kostenlos besuchen kann, öffnet erst wieder am Dienstag.
Da wir noch etwas Bargeld brauchen, versuchen wir wenigstens, das aufzutreiben. Aber auch das ist einfacher gesagt als getan. Die Geldautomaten, die wir ansteuern, liefern nichts. Beim ersten denkt man noch, ist halt leer. Das kennen wir ja schon. Beim zweiten überlegt man, ob man zu viel Geld will oder sonst etwas falsch gemacht hat. Beim dritten Automaten werden wir dann nachdenklich.
Im Hotel erklärt man uns später, dass wir wohl im Stadtviertel Palermo nicht bei Banken waren, die mit internationalen Karten, etwas anfangen können. Das war natürlich in den Touristengegenden anders.

Immerhin eine geöffnete Wäscherei finden wir, die uns die Wäsche bis zum nächsten Nachmittag wäscht.
Ohne Bargeld gestaltet sich das Essengehen am Abend auch nicht ganz einfach, aber dann finden wir einen Italiener, der Kreditkarten nimmt. Das muss wohl an Palermo liegen.
Mit dem Hop-on-Hop-off-Bus durch Buenos Aires
Eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über die riesige Metropole zu verschaffen und die Sehenswürdigkeiten in den verschiedenen Stadtteilen von Buenos Aires zu entdecken, sind die Hop-on-Hop-off-Busse.
In Buenos Aires fahren zwei Anbieter mit Doppeldeckerbussen durch die Stadt. Der gelbe «Buenos Aires Bus» und der rote Bus der «Gray Line«.
Die Busse beider Linien verkehren regelmässig in unterschiedlichen Zeitabständen. Sie fahren interessante Stadtteile von Buenos Aires an. Historische Viertel wie San Telmo, Monserrat und La Boca genauso wie das moderne Puerto Madero am Hafen.
Die Audioguides vermitteln unterwegs Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Stadtvierteln.

Wir entscheiden uns für den gelben Buenos Aires Bus und laufen zur nächsten Haltestelle in Palermo. Wann der nächste Bus ankommt, können wir nicht herausfinden. Also warten wir.
Bereits nach 15 Minuten kommt ein fast leerer Bus vorbei. Nur mitfahren können wir leider nicht, denn der Bus hat keine Tickets mehr.
Kurze Zeit später kommt dann ein weiterer Bus mit Tickets. So nehmen wir in der oberen Etage Platz und betrachten das Verkehrschaos auf den vielspurigen Strassen.
Sehenswürdigkeiten in Buenos Aires entlang der gelben Route
Eigentlich wollten wir an verschiedenen Sehenswürdigkeiten aussteigen und später mit dem nächsten Bus weiterfahren. Doch bis wir unseren ersten Ausstiegspunkt erreicht haben, sind wir von dieser Stadt und den Menschenmassen so paralysiert, dass wir beschliessen, einfach sitzen zu bleiben.
So bleiben wir im Bus, bis wir unseren Ausgangspunkt drei Stunden später wieder erreicht haben.

Buenos Aires ist eine chaotische Millionenstadt, welche nur aus Gegensätzen zu bestehen scheint. Die eigentliche Stadt nimmt 203 km² ein und ist in 48 Stadtteile (Barrios) unterteilt.
Recoleta
Recoleta gilt als eines der elegantesten Stadtviertel von Buenos Aires. Sein heutiges Gesicht hängt auch mit der Gelbfieberepidemie von 1871 zusammen.
Damals verliessen viele wohlhabende Familien die südlichen Stadtviertel und liessen sich im höher gelegenen Norden nieder. Rund um die Avenida Alvear entstanden prächtige Residenzen nach europäischem, häufig französischem Vorbild. Nicht umsonst wurde Recoleta auch „Petit Paris“ genannt.

Die Stadt der Toten gehört für viele Touristen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Recoleta. Gemeint ist der Friedhof Recoleta mit mehr als 4.500 Grabstätten. Obwohl viele davon imposanter als das Grab von Evita sind, zieht es die meisten Besucher zu ihrem Grab.
Allerdings hatten wir mit den Girls keinen weiteren Friedhofsbesuch mehr geplant, nachdem sie sich in Punta Arenas die Langeweile damit vertrieben hatten, das Lebensalter der Verstorbenen auszurechnen. Das war ziemlich deprimierend.

Wir fahren weiter im gelben Bus und reiben uns verwundert die Augen. Eben sind wir noch zwischen Glaspalästen und Luxushochhäusern unterwegs, und einmal abgebogen starren uns schäbige Wohnhochhäuser und dreckige Parkplätze an. Die Abgase der Stadt legen sich auf die Zunge. Inzwischen schmecken wir sie schon.
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Balvanera und San Nicolás
In Balvanera fahren wir am imposanten Congreso de la Nación vorbei. Der argentinische Nationalkongress mit seiner weithin sichtbaren grünen Kuppel wurde 1906 eröffnet. Vor dem Gebäude erstreckt sich die Plaza del Congreso.

Weiter geht es nach San Nicolás, wo wir am Teatro Colón vorbeifahren. Das 1908 eröffnete Opernhaus ist für seine hervorragende Akustik bekannt und kann im Rahmen einer Führung auch ohne Vorstellungsbesuch besichtigt werden.

Montserrat
Das historische Herz von Buenos Aires liegt im Stadtviertel Montserrat. An der Plaza de Mayo versammelten sich im Mai 1810 die Menschen während der Mai-Revolution, die den Weg zur Unabhängigkeit Argentiniens einleitete. Bis heute ist der Platz ein wichtiger Schauplatz für Demonstrationen und Kundgebungen.
An der Plaza de Mayo steht auch die Casa Rosada, der Sitz der argentinischen Regierung.

Rund um die Plaza de Mayo befinden sich weitere wichtige Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires. Dazu gehören das Cabildo, der ehemalige Sitz der Kolonialverwaltung, und die Catedral Metropolitana.

La Boca
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich La Boca rund um den Hafen zu einem Einwandererviertel. Viele der Einwanderer kamen aus Italien, vor allem aus Genua.
Da die meisten nicht viel Geld besassen, entstanden einfache Häuser aus Holz und Wellblech. Zum Streichen der Fassaden wurden unter anderem Farbreste aus den Werften verwendet. So entstand das für La Boca typische bunte Erscheinungsbild.

La Boca spielte auch bei der Entstehung des Tangos eine wichtige Rolle. Ende des 19. Jahrhunderts trafen in den Hafenvierteln von Buenos Aires unterschiedliche Kulturen und Musiktraditionen aufeinander, aus denen sich der Tango entwickelte

Ein anderer wichtiger Teil der Geschichte von La Boca ist der Fussball. Der Club Atlético Boca Juniors wurde 1905 im Stadtteil gegründet. Sein Stadion La Bombonera liegt mitten in La Boca.

La Boca gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires. Das touristische Zentrum konzentriert sich allerdings vor allem auf die wenigen Strassen rund um Caminito. Schon einige Blocks weiter zeigt das Viertel ein völlig anderes Gesicht.

Puerto Madero
Puerto Madero war einst der Hafen von Buenos Aires. Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet, war er schon wenige Jahrzehnte später den immer grösser werdenden Schiffen nicht mehr gewachsen. Nach dem Bau des Puerto Nuevo verlor der alte Hafen seine Bedeutung und das Gebiet lag mehr als 50 Jahre weitgehend brach.
Ab 1989 begann die Umgestaltung des alten Hafengeländes. Die historischen Speicher wurden restauriert und umgenutzt. Rund um die alten Hafenbecken entstanden neue Wohnhäuser und Bürogebäude. Hafenkräne erinnern noch heute an die ursprüngliche Funktion von Puerto Madero.
Ein Wahrzeichen des neuen Puerto Madero ist die 2001 eröffnete Puente de la Mujer. Die drehbare Fussgängerbrücke wurde von Santiago Calatrava entworfen und soll ein Tango tanzendes Paar darstellen.

Die Kreuzung, die aus dem Viertel wieder herausführt, ist chronisch verstopft. Um jeden Meter wird gekämpft. Unser Busfahrer gibt den Versuch, die Kreuzung gerade zu überqueren, entnervt auf. Er biegt ab und sucht sich einen anderen Weg. Dadurch lässt er zwei Stationen aus.
Nach fast drei Stunden Busrundfahrt erreichen wir unseren Ausgangspunkt wieder. Wir sind von den Eindrücken dieser Stadt so erschlagen, als wären wir selbst gefahren.
Gemütlich laufen wir durch einen Park zurück zum Hotel. Dabei müssen wir wieder eine breite Strasse überqueren. Trotz grüner Fussgängerampel fühlen wir uns wie ein Hase bei der Treibjagd, denn immer wieder biegen Fahrzeuge in die Strasse ein.

Palacio Barolo und Dantes Göttliche Komödie
Der Palacio Barolo an der Avenida de Mayo ist eines der ungewöhnlichsten Gebäude in Buenos Aires. Als es 1923 fertiggestellt wurde, war es mit 100 Metern das höchste Gebäude Lateinamerikas. Entworfen wurde es vom italienischen Architekten Mario Palanti für den Unternehmer Luis Barolo.
Beide waren Bewunderer von Dante Alighieri. So steckt das Palacio Barolo voller Anspielungen auf dessen Göttliche Komödie. Das Gebäude ist wie Dantes Werk in Hölle, Fegefeuer und Paradies gegliedert. Selbst die Höhe von 100 Metern nimmt Bezug auf die 100 Gesänge der Göttlichen Komödie. Ganz oben befindet sich ein Leuchtturm, von dem man weit über Buenos Aires blicken kann.
Im Rahmen einer Führung kann man den Palacio Barolo besichtigen und bis zum Leuchtturm hinaufsteigen. Wir haben uns damals allerdings mit der virtuellen 360°-Tour auf der Website begnügt.
Ein fast schon verwandtes Gebäude steht auf der anderen Seite des Río de la Plata. Auch der Palacio Salvo in Montevideo wurde von Mario Palanti entworfen.
Nach dieser „Stadtbesichtigung“ sind wir offen gesagt erleichtert, Buenos Aires am nächsten Tag in Richtung grünes Costa Rica zu verlassen.
