Über den Abra del Acay nach Cachi – Abenteuer auf der Ruta 40
Nach einigen Tagen in Chile fahren wir zurück nach Argentinien. Die Fahrt über den Abra del Acay, den mit 4.895 m höchsten Punkt der Ruta 40, bringt uns und unseren Mietwagen an die Grenzen. Es ist die abenteuerlichste Strecke dieser Südamerika-Reise. Vor uns liegen 470 km Strecke durch atemberaubende Landschaften. Am Ende des Tages ist das grösste Problem das Fahren gegen die Zeit.
Wir starten in San Pedro de Atacama und fahren über San Antonio de los Cobres und den Abra del Acay nach Cachi, wo wir uns einen Tag lang erholen, bevor wir unsere Reise durch die spektakulären Valles Calchaquíes fortsetzen.
Wenn du Lust hast, ein wenig Nervenkitzel zu erleben, dann steig ein und komm mit. Wenn es dir zu viel ist, nimmst du die Strecke über den Paso de Jama nach Salta.
Auf dem Weg nach San Antonio de los Cobres
Um nach Cachi zu gelangen, haben wir zwei Möglichkeiten. Wir können die deutlich weitere Strecke über Salta wählen oder die Route durch die Anden über San Antonio de los Cobres und den Abra del Acay fahren.
Da der Allradantrieb bei Rusty, unserem alten Ford Pickup als Mietwagen, nicht funktioniert, erkundigt sich Jörg vor der Entscheidung noch einmal in der Touristeninformation von San Pedro de Atacama. Dort erklärt man ihm, dass wir lediglich ein Fahrzeug mit genügend Bodenfreiheit benötigen. Weitere Informationen zur Strecke erhalten wir nicht.
Also fahren wir zunächst über den Paso de Jama zurück nach Argentinien. Ab Olaroz Chico verlassen wir die Hauptverbindung nach Purmamarca und fahren durch die einsame Hochebene in Richtung San Antonio de los Cobres.


Die Strasse führt am Rand des Salar de Cauchari vorbei und ist bis fast zum Ende des Salzsees gut zu fahren. Aber das kann sich natürlich mit jedem Regen verändern.

Am Ende des Salzsees folgen wir den Wegweisern auf einer malerischen Strasse, die sich durch sanfte Hügel nach San Antonio de los Cobres schlängelt. Wir kommen gut voran, auch wenn wir immer wieder für ein Foto anhalten müssen.




San Antonio de los Cobres ist ein trauriger Ort auf 3.775 m Höhe. In der Nähe befindet sich eine Kupfermine.

Von San Antonio de los Cobres zum Abra del Acay
Hinter San Antonio de los Cobres wird die Ruta 51 abschnittsweise ausgebaut. Dort, wo sich Ruta 51 und Ruta 40 trennen, wechseln wir auf die Ruta 40 in Richtung Abra del Acay.

Vor uns baut sich eine dramatische Bergkulisse mit schneebedeckten Gipfeln auf. Die Ruta 40 führt hier noch als Gravelroad mitten hinein in die Berge.

Am Anfang läuft noch alles wunderbar. Dann steht plötzlich ein Hinweisschild, das uns eigentlich hätte stutzig machen sollen. Darauf stehen viele Dinge. Wir verstehen, dass man nur bei Tageslicht fahren soll. Irgendetwas von Schlaglöchern lesen wir ebenfalls. Ausserdem soll man die Natur respektieren.
Ein Auto kommt uns entgegen. Der Fahrer hält am Schild an und geht erst einmal pinkeln. Wir denken uns nichts dabei und fahren weiter.
Die Strasse ist nur etwa so breit wie ein Auto. Deshalb sind wir jedes Mal erleichtert, wenn hinter der nächsten Kurve kein Fahrzeug auftaucht. Wir umrunden Hügel um Hügel und gewinnen ständig an Höhe.

Immer wieder sehen wir unterhalb der Strasse Baustellenfahrzeuge. Erst später erfahren wir in Cachi, dass Argentinien dabei ist, 60.000 km Glasfaserkabel zu verlegen und dass die Bauarbeiten damit zusammenhängen.
Nach jeder Kurve erwarten wir, dass sich der Blick öffnet und es endlich wieder bergab geht. Doch die Strasse steigt immer weiter an. Je höher wir kommen, desto schlechter wird die Fahrbahn. Die Baustellenfahrzeuge haben tiefe Spurrillen hinterlassen, die inzwischen hart getrocknet sind.
Mit zunehmender Höhe hat Rusty, unser alter verbeulter Ford Pickup, Probleme mit der Leistung. Dafür schluckt er jede Menge Diesel.
Kurz vor der Passhöhe des Abra del Acay hält Jörg an und rennt 100 m zurück zum letzten Bauarbeiter, den wir gesehen haben. Die Strasse ist inzwischen so schlecht, dass wir gefühlt jedes Rad einzeln durch die Spurrillen und Löcher navigieren müssen. Wir kommen kaum noch voran und bis Cachi sind es noch etliche Kilometer.
Jörgs sportlicher Einsatz auf nun fast 5.000 m Höhe zeigt, wie viel Adrenalin inzwischen durch seine Adern pulsiert. Der Bauarbeiter beruhigt ihn, dass wir die Passhöhe fast erreicht hätten und die Strasse danach besser würde. Die Passhöhe Abra del Acay liegt auf 4.895 m Höhe. So hoch wollten wir eigentlich nie hinauf.
Inzwischen klagen die Kinder über Kopfschmerzen. Ob sie von der Höhe kommen oder von der Anspannung, die sich von den Eltern auf die Kinder überträgt, bleibt ungewiss. Wir wissen nur, die Zeit drängt und wir wollen wieder runter.

Vom Abra del Acay nach Cachi – immer an der Wand lang
Augen zu und durch oder wie meine Grossmutter zu sagen pflegte: «Sind wir über den Schwanz gekommen, kommen wir über den Hund».
So fahren wir also weiter. Herunter geht es immer, die Frage ist nur wie.
Hinter der Passhöhe Abra del Acay wird die Strasse tatsächlich etwas besser, gefühlt aber schmaler. Endlos langsam schrauben wir uns an den Berghängen wieder talwärts. Kein Wunder, dass die Strecke auf der Landkarte fast gerade aussieht. Mal ist ein Stück der Strasse weggebrochen, mal wurde sie durch Wasser ausgespült, mal sind Felsnasen zu umrunden. Es ist nervenaufreibend und zeitaufwendig. Teilweise liegt der Abgrund direkt neben uns, was Jörg gar nicht schätzt. Jedenfalls fahren wir und fahren und kommen Cachi gefühlt nicht näher.


Als wir eine Art Talboden auf 3.000 m Höhe erreichen, verschwindet auch noch die Sonne langsam hinter den Gipfeln. Wir folgen dem Tal mit seinem Fluss. Die Strasse führt hoch und runter. Den Fluss müssen wir mehrmals durch das Wasser queren. Flussdurchfahrten haben wir zwar in Australien schon geübt und auch der Wasserstand ist nicht problematisch, aber mit zunehmender Dunkelheit wird es nicht einfacher.
Dann endlich sehen wir in der Ferne Lichter in der Dunkelheit. Sie lassen uns hoffen, dass wir bald in Cachi sind. Nur leider führt die Strasse immer daran vorbei und wir sind wieder in der Dunkelheit gefangen. Auch wenn die Strasse inzwischen deutlich breiter ist, geht es immer noch hoch und runter. Es ist stockdunkel. Kein Mond erhellt den Himmel.
Ich sitze quasi im Ausguck und versuche, den Verlauf der Strasse am Ende des Scheinwerferlichts zu erkennen. Jörg konzentriert sich auf die unmittelbar vor ihm liegende Fahrbahn. So navigieren wir durch die Schwärze der Nacht.
Ich sage an: hoch, runter, Kurve zu dir, Kurve zu mir (rechts und links bekomme ich nicht mehr hin) und Jörg fährt. Wir fahren an dunklen Gehöften vorbei, wo sich jeweils eine Anzahl kläffender Hunde auf unser Auto stürzt und wir alle Mühe haben, sie nicht zu überfahren. Zwei Hasen versuchen Selbstmord zu verüben, aber wir sind langsam genug, um rechtzeitig zu bremsen. Wir wollen nur noch ankommen und aus diesem Albtraum der Nacht im Licht aufwachen.
Willkommen in Cachi
Wir erreichen Cachi, aber unser Hotel, das La Merced Del Alto*, ist auf keinem der vielen Hinweisschilder zu finden. Vollkommen fertig, halten wir an einer Pizzeria und erkundigen uns nach dem Weg. Da es kompliziert zu erklären ist, weil das zum Hotel umgebaute Kloster etwas ausserhalb der Stadt liegt, wird der Pizzabote mit seinem Moped vorausgeschickt, sodass wir hinterherfahren können.
Nach 13 Stunden Fahrt erreichen wir um 22.00 Uhr unser Hotel. Die Rezeptionistin war bereits am Telefonieren, weil wir nicht eingetroffen sind und doch zwei Zimmer für zwei Nächte gebucht hatten. Nach unserer Erklärung, welchen Weg wir gekommen sind, öffnet sogar der Küchenchef seine gerade geschlossene Küche noch einmal. Bei einem leckeren Abendessen fallen die Strapazen der Fahrt langsam von uns ab.
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Was wir von der Fahrt über den Abra del Acay gelernt haben
Die Fahrt über den Abra del Acay lehrte uns Demut vor der gewaltigen und wunderschönen Natur. Nun schon zum zweiten Mal kurz hintereinander. Erst das Erdbeben in San Pedro de Atacama und jetzt diese Strecke auf den alten Wegen der Inkas. Und wir sind dankbar dafür, dass es trocken war. Dass dies nicht immer so ist, zeigten ja die Spurrillen vor der Passhöhe.
Was würden wir heute anders machen? Wahrscheinlich würden wir noch viel früher aufbrechen oder je nach Jahreszeit auch eine Zwischenübernachtung in San Antonio de los Cobres* einplanen, auch wenn der Ort nicht ansprechend war und sehr hoch liegt.
Für den Abra del Acay sollte man den Tag vor sich haben. Wer die Strecke fährt, sollte wenigstens zwei Nächte in Cachi* übernachten, damit er genug Zeit hat, sich zu erholen.
Die Bodenfreiheit ist bei einem Fahrzeug wichtiger als der Allradantrieb, auch wenn wir uns viel wohler gefühlt hätten, wenn wir ihn gehabt hätten.
Ausserdem schauen wir seit der Fahrt über den Abra del Acay stets bei Reiseplanungen den Streckenverlauf auf der Satellitenkarte an. Die vielen Serpentinen am Berghang nach unten waren auf der Karte nicht ansatzweise dargestellt.
Hinweis: Die Höhe sollte man keinesfalls unterschätzen. Wir hatten bereits in Humahuaca Zeit, uns langsam an die Höhe zu gewöhnen, und konnten bei unserem Abstecher zu den Serranías del Hornocal erste Erfahrungen auf über 4.000 m Höhe sammeln. Auch die Fahrt über den Paso de Jama und die Tage in San Pedro de Atacama haben uns auf diese Passfahrt vorbereitet.
Wir würden die Fahrt über den Abra del Acay wieder nur optional einplanen, wenn es uns in den Tagen zuvor in der Höhe gut gegangen wäre.

Hallo Zusammen, am 12.7.2026 waren wir mit unserem Bucher Duro auf dem Abra del Acay von San Antonio de los Cobres und zurück. Die Strasse ist von der Seite sehr breit ( Schild 4,0 m) und ist auch mit grösseren LKWs zu meistern. Da wir nicht wussten, ob die Seite nach La Poma für unser Fahrzeug machbar ist, haben wir darauf verzichtet. Aber der Aufstieg hat sich definitev gelohnt.
LG A.Meyer
Vielen Dank für die aktuelle Ergänzung! Als wir dort unterwegs waren, war die Strasse von San Antonio de los Cobres noch im Bau. Gut zu wissen, dass sie inzwischen auch mit grösseren Fahrzeugen gut befahrbar ist. Und ja, der Ausblick vom Abra del Acay ist die Fahrt definitiv wert. Hach jetzt habe ich wieder Fernweh!
Liebe Grüsse
Susan