Valencia Architektur zwischen Moderne und historischen Gebäuden
Sonne tanken, im Strassencafé draussen sitzen und ein viel zu süsses Eis geniessen, eine spannende Stadt am Meer erkunden und dabei nicht einmal sehr weit fliegen müssen: Klingt das wie ein Traum? Valencia, wo die Orangen bei rund 300 Sonnentagen im Jahr reifen und die Stadt in der Vergangenheit wohlhabend gemacht haben, ist perfekt für eine Auszeit im Winter. Auch die Architektur in Valencia ist faszinierend. Zwischen Bahnhof und Altstadt, zwischen Hafen und Ciutat de les Arts i les Ciències liegen Geschichte und Architektur dicht beieinander.
Dieser Beitrag nähert sich den Sehenswürdigkeiten Valencias über die Architektur. Der Blick reicht von den spannenden Gebäuden in der Altstadt über die moderne Architektur der Ciutat de les Arts i les Ciències bis zum Hafen. Architektur ist dabei der rote Faden, der dich durch Valencia führt und auf Besonderheiten und spannende Aspekte aufmerksam macht, die man sonst vielleicht übersehen würde.

Praktische Tipps für Valencia
Die Innenstadt von Valencia lässt sich gut zu Fuss erkunden, andere Viertel, die etwas weiter entfernt sind, wie die Ciutat de les Arts i les Ciències sind mit dem öffentlichen Verkehr einfach zu erreichen. Wie man am günstigsten fährt und wo man sich am besten eine Unterkunft sucht, dazu mehr in den praktischen Tipps für Valencia.
Zwei Dinge vorweg:
- An der Haltestelle zu stehen und zu warten, reicht nicht. Wenn deine Buslinie kommt, musst du winken, sodass der Busfahrer auch anhält.
- Das System der roten Busse in der Innenstadt und die Metro funktioniert sehr gut. Allenfalls ist ein roter Bus an den Wochenenden mal so voll, dass der Fahrer an der Haltestelle vorbeifährt und die Passagiere später herauslässt.
Was dagegen mehr schlecht als recht funktioniert, sind die Metro-Busse (gelbe Busse). Die gelben Busse verbinden andere Aussenquartiere mit der Innenstadt und haben einen Fahrplan. Da diese Busse weitere Strecken durch die Innenstadt fahren, sind 15 bis 20 Minuten Verspätung kein Einzelfall gewesen. An den schlecht markierten Haltestellen der gelben Busse wird nicht angezeigt, wann der nächste Bus kommt. Oft gibt es auch kein Wartehäuschen und keinen Sitzplatz. Wann hat ein Bus nur Verspätung und wann kommt er einfach nicht?
Zweimal haben wir vergeblich auf einen Bus gewartet. Gleich am Ankunftstag mit dem Gepäck haben wir eine Stunde umsonst gewartet und als die Mitwartenden gegangen sind, haben wir uns ein Uber zur Haltestelle bestellt. Je nach Uhrzeit und Wochentag fahren diese Busse alle ein bis zwei Stunden. Die Metro-Busse sehen aus wie Reisebusse und haben ein Gepäckfach.

Mit dem öffentlichen Verkehr durch Valencia
Du kommst am Flughafen an und wirst als Erstes die Metro zu deiner Unterkunft nehmen. Die Metro verbindet viele Aussenbezirke mit der Innenstadt. In Valencia gibt es 5 Metro-Linien. Die Linien 3 und 5 bringen dich vom Flughafen in die Innenstadt. Im Flughafen, auf dem Weg zur Metro hast du zwei Möglichkeiten:
- Du kannst dir die Valencia Tourist Card am Automaten besorgen. Es gibt sie für 24 Stunden, 48 Stunden oder 72 Stunden. Die Karten sind wiederaufladbar, aber nur für die beim ersten Mal gewählte Stundenzahl. Beim Wiederaufladen gibt es 10 Prozent Rabatt. Die Stunden zählen, ab der ersten Entwertung. Sie kostet zwischen 17 Euro und 30 Euro. Mit dieser Karte kannst du den öffentlichen Verkehr beliebig oft nutzen und umsteigen. Ausserdem bekommst du bei Eintritten Rabatte.
- Alternativ kannst du dir einen Einzelfahrschein am Automaten vor den Sperren für die Metro kaufen. Mit einem Einzelfahrschein kannst du nicht umsteigen. Da der Flughafen eine andere Tarifzone als die Innenstadt hat, ist dies aber eine günstige Option, wenn du sonst nur in der Innenstadt unterwegs bist.
Hast du dich für die Valencia Tourist Card entschieden, musst du dir keine Gedanken mehr über die Bezahlung des öffentlichen Verkehrs machen. Lege sie beim Kauf von Eintrittskarten vor, um zu erfahren, ob du Rabatt erhältst.

Wohnst du aber direkt in der Innenstadt, ist die Tourist Card die teuerste Variante. Dann kommst du mit Einzeltickets oder Mehrfachtickets günstiger.
- Einzeltickets kannst du direkt beim Busfahrer kaufen. Das ist bequem, aber es kostet ungefähr doppelt so viel, wie die Einzelfahrscheine der Mehrfahrtenkarte SUMA 10.
- SUMA 10 (10 Einzelfahrscheine für die Zone A) ist die günstigste Variante. Die SUMA 10 Karten sind übertragbar, d.h. du musst sie nur für jeden Reisenden entwerten.
- Es gibt auch SUMA Tickets für einen bis drei Tage für die Zone A, die sehr viel günstiger als die Valencia Tourist Card sind. Wir haben ausserhalb der Innenstadt am Meer gewohnt und deshalb die Tourist Card gekauft.
Bei der Metro muss man den Fahrschein beim Betreten und Verlassen der Metro-Station scannen. In Bussen steigt man stets vorn beim Fahrer ein. Entweder man kauft ein Ticket oder man scannt hinter dem Fahrer sein Ticket.


Übernachten in Valencia
Für uns hat das Meer eine magische Anziehungskraft und da wir zu Fünft unterwegs waren, suchten wir nach einer grossen Ferienwohnung oder einem Ferienhaus, weshalb wir etwas ausserhalb von Valencia gewohnt haben. Nicht wissend, dass die Metro-Busse so unzuverlässig sind, sonst hätten wir anders entschieden. Stehen Valencias Sehenswürdigkeiten und Architektur im Vordergrund, würden wir das nächste Mal nicht so weit ausserhalb wohnen. Bei einem Badeurlaub sieht das anders aus.
Auch, wenn wir in einem süssen kleinen Summer Beach House* gewohnt haben, waren wir umzingelt von Hochhausarchitektur aus verschiedenen Jahrzehnten. Zum grossen Teil waren es Ferienwohnungen. Im Sommer kann ich es mir nicht vorstellen.

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Architektur in der Altstadt von Valencia
In der Altstadt verdichten sich viele architektonische Schichten Valencias. Öffentliche Gebäude, religiöse Bauten und Alltagsarchitektur liegen dicht beieinander und prägen das Stadtbild. Dieser Abschnitt konzentriert sich auf Orte, die uns auf unseren Wegen besonders aufgefallen sind.
Estación Valencia Nord – der Bahnhof von Valencia
Der erste Eindruck einer Stadt entsteht oft dort, wo man ankommt. In der Innenstadt von Valencia ist es für Fernreisende der Bahnhof, der diesen Moment prägt. Die Halle über den Gleisen wird von Glas und Stahl getragen. Die grosse Glasdecke nimmt die Farbe des Himmels auf und verändert die Stimmung je nach Licht. An sonnigen Tagen wird die Ankunftshalle lichtgeflutet. Alles glänzt und spiegelt sich auf den Fliesen des Bodens. Die Konstruktion folgt der Ingenieurarchitektur der Jahrhundertwende. Der Bahnhof wurde zwischen 1906 und 1917 von Demetrio Ribes erbaut und gilt als Vertreter des späten spanischen Jugendstils.

Von der Gleishalle führt der Weg durch die Schalterhalle nach draussen. Sie bildet einen deutlichen Kontrast zur technischen Klarheit der Gleishalle. Viel Holz, Mosaike und Hängelleuchten prägen den Raum. Die alten Fahrkartenschalter sind noch in Betrieb. Die Wände sind mit Fliesen verkleidet. Immer wieder tauchen Orangenmotive auf. Sie verweisen still darauf, woher die Stadt ihren Reichtum bezog.

Neben der Schalterhalle liegt ein weiterer Raum, der durch Fenster mit ihr verbunden ist. Historisch war dies ein Warteraum für wohlhabende Reisende. Hier dominieren Mosaike und handgemalte Fliesen. Sie erzählen Geschichten von Brauchtum und vom Orangenanbau.

Erst beim Verlassen des Gebäudes wird deutlich, wie klar die Fassade gestaltet ist. Die Linien sind ruhig, fast streng. Von aussen wirkt die Architektur des Bahnhofs von Valencia mehr wie ein repräsentativer Stadtbau. Dass es sich beim Gebäude um einen Kopfbahnhof handelt, erschliesst sich erst beim zweiten Blick. Über dem Hauptportal thront ein Adler auf einem Globus. Er symbolisierte einst Geschwindigkeit und Bewegung. Farbige keramische Ornamente mit Pflanzen und Orangen verweisen auf die landwirtschaftliche Identität Valencias.

Wer mit dem Rücken zum Eingang des Bahnhofs steht, blickt auf einen Boulevard mit Häusern, die klassizistische und Jugendstilelemente vereinen. Rechter Hand zieht ein gewaltiger Rundbau den Blick auf sich. Es ist die Stierkampfarena.
Plaza de Toros – Stierkampfarena
Was im ersten Moment von der Architektur an ein römisches Kolosseum erinnert, ist die 1859 erbaute Stierkampfarena von Valencia. Sie liegt eingekesselt mitten in der Stadt und wirkt zu gedrungen für den Raum. Es ist kein Zufall, dass das klassizistische Gebäude an das römische Kolosseum erinnert, denn der Architekt Sebastián Monleón Estellés liess sich von römischen Amphitheatern inspirieren.
Die Architektur der Stierkampfarena von Valencia wirkt auf den ersten Blick rund. Tatsächlich besteht sie aus 48 geraden Fassadenabschnitten. Diese polygonale (vieleckige) Bauweise lässt den Bau fast kreisförmig erscheinen und folgt damit der Logik klassischer Amphitheater. Rhythmisch angeordnete Arkaden gliedern die einzelnen Abschnitte und verleihen dem massiven Bau eine gewisse Leichtigkeit und Ordnung.

Die Stierkampfarena ist geschlossen. Wir konnten die Arena nicht besichtigen. Wer das Stierkampfmuseum (Museo Taurino) besucht, bekommt wohl nicht nur Einblicke in diese spanische Tradition, sondern auch in die Arena. Der Stierkampf in Valencia führt gewöhnlich zum Tod des Stieres durch das Schwert. Nicht unsere Art der Unterhaltung.
Boulevards und Plätze
Grosszügige Plätze und breite Boulevards durchziehen Valencia. Und obwohl viele Gassen in der Altstadt eng sind, entsteht dadurch nie dieses beklemmende Gefühl, das man aus vielen Altstädten kennt.
Valencia ist heute kaum noch eine mittelalterliche Stadt. Viele Gebäude der Altstadt stammen aus dem 19. Jahrhundert. Dennoch wirkt die Stadt anders als Paris. Die Architektur von Valencia folgt keiner einheitlichen Ordnung, sondern lebt vom Nebeneinander verschiedener Stile. Genau diese Mischung prägt das Stadtbild.
Die Plaza de la Virgen entstand nicht durch den Abriss von Häusern, sondern auf dem Erbe eines antiken römischen Forums.

Anders dagegen entstand die Plaza del Ayuntamiento durch den Abriss eines Klosters und enger Gassen. Ähnlich auch die Plaza de la Reina, die durch den Abbruch ganzer Häuserzeilen neu geformt wurde. Die Stadtentwicklung der Altstadt ist damit nicht abgeschlossen. Auch heute noch sieht man grosse Baugruben.

Die breiten Boulevards, die uns so sehr an Buenos Aires erinnern, entsprechen der europäischen Tradition der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts und prägen bis heute die Architektur von Valencia. Die Avenida de Blasco Ibáñez bildet das Herzstück des Universitätsgeländes und ist ein Paradebeispiel für diese Phase der Stadtplanung. Typisch für diese Zeit war der Wunsch nach Licht, Luft und Hygiene in der Stadt. Die Trennung der Fahrtrichtungen durch einen breiten Parkstreifen sollte Raum zum Flanieren im Schatten bieten. Ganz toll findet diesen Park heute eine grosse Kolonie grüner Mönchssittiche.

Weitere Beispiele dieser Boulevards sind die Gran Vía Marqués del Turia sowie der Paseo de la Alameda, eine historische Promenade am alten Flussbett des Turia. Sie wurde bereits im 17. Jahrhundert als Ort für Kutschenkorsos angelegt.
Post und Rathaus ein architektonischer Dialog
Das Rathaus (Ayuntamiento) und das Postgebäude (Palacio de Comunicaciones) stehen sich auf der rund 70 bis 80 Meter breiten Plaza del Ayuntamiento gegenüber. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten städtebaulichen Machtdemonstration zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier zeigt sich die Architektur von Valencia besonders deutlich als Ausdruck von Macht, Repräsentation und Stadtentwicklung.
Ziel war es, ein neues Stadtzentrum zu schaffen, das den mittelalterlichen Kern rund um die Kathedrale ergänzt. Dabei verkörperte das Rathaus die politische Macht, während das Postgebäude für moderne Kommunikation und wirtschaftlichen Fortschritt stand. Die grosse Fläche zwischen den beiden Bauten ist bewusst als Raum für die Bürger angelegt. Zum Jahreswechsel befanden sich hier eine Eisbahn und ein Kinderkarussell. Der Platz verjüngt sich nach Norden hin und nimmt fast eine dreieckige Form an. Um von Süden kommend auf den Platz zu gelangen, überquert man einen XXL-Fussgängerstreifen.

Das Postgebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Architekten Miguel Ángel Navarro im Stil des Eklektizismus errichtet. Das Innere gilt als besonders sehenswert. Während unseres Besuchs war allerdings nur die Postfiliale an der Gebäudeecke geöffnet. Das dürfte mit einem Eigentümerwechsel zusammenhängen, denn das Gebäude gehört heute der Regionalregierung. Bei der Suche nach einem offenen Eingang entdeckten wir immerhin den bekannten Löwenbriefkasten. Die Post wird hier direkt in den Rachen eines Löwen geworfen. Der markante Metallturm auf dem Dach diente ursprünglich als Telegrafenmast.

Das Rathaus war vor dem Umbau durch die Architekten Francisco de Mora y Berenguer und Carlos Carbonell Pañella eine Schule. Davon ist heute nichts mehr zu erkennen. Nach der Sicherheitskontrolle führt eine monumentale Marmortreppe nach oben. Der Festsaal, der Salón de Cristal, mit seinen Buntglasfenstern und der reich geschmückten Decke erinnert eher an einen Palast als an ein Verwaltungsgebäude. In der Weihnachtszeit wird hier eine grosse Krippe aufgebaut, die die Weihnachtsgeschichte erzählt.

Auch der Balkon, von dem später Franco Ansprachen hielt, ist zugänglich. Er wurde jedoch bereits vor seiner Machtübernahme errichtet und gehört ursprünglich zur architektonischen Inszenierung des Platzes.
Plaza Redonda – der runde Platz
Der Platz wurde 1840 an der Stelle des ehemaligen städtischen Schlachthofs und Fischmarkts errichtet. Zum Zeitpunkt des Baus galt dieser Ort als das exakte geometrische Zentrum Valencias. Als Beispiel funktionaler Stadtplanung zeigt die Architektur von Valencia hier eine ungewohnte, fast experimentelle Seite.
Der Architekt Salvador Escrig Melchor wollte den bis dahin ungeordneten Strassenhandel in einem strukturierten und geschlossenen Bereich bündeln. Deshalb wurde der Platz als einheitliches Gebäudeensemble konzipiert. Die Häuserfassaden bilden einen perfekten Kreis mit einem Durchmesser von 37 Metern. Das Erdgeschoss war von Anfang an für den Handel vorgesehen, während die oberen drei Stockwerke als Wohnraum dienten. Um den Platz in das bestehende enge Gassennetz einzubinden, führen bis heute vier schmale Zugänge von den umliegenden Strassen direkt in den Innenhof.

Bei der letzten grossen Sanierung in den 2000er Jahren erhielt der Platz ein grosses, schattenspendendes Metalldach. Heute wird er vor allem für den Verkauf von Kunsthandwerk genutzt.

Tipp: Nimmst du den nördlichen Ausgang in Richtung Santa Catalina, findest du das schmalste Haus von Valencia. Es ist 107 Zentimeter breit. Während die Fassade erhalten blieb, ist das Innere mit den Nachbarhäusern verbunden. Das an der Ecke gelegene Hutgeschäft Sombreros Albero besteht seit 1820 und ist eine Institution in Valencia.


Der Heilige Gral und die Kathedrale von Valencia
Die Kathedrale von Valencia zeigt exemplarisch, wie sich die Architektur von Valencia über Jahrhunderte entwickelt hat. Erbaut auf den Fundamenten einer römischen Tempelanlage und der späteren maurischen Moschee, ist sie ein architektonisches Nebeneinander verschiedener Epochen. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist das Ergebnis einer über Jahrhunderte andauernden Erweiterung. Die drei grossen Bauepochen sind an ihren drei Portalen sichtbar.
Den Ursprung bildet die romanische Puerta del Palau (13. Jh.) mit ihren sieben Archivolten (Bögen) und den 14 Köpfen oben. Es handelt sich bei den Köpfen um die Ehepaare, die nach einer Legende nach der christlichen Rückeroberung aus den Pyrenäen nach Valencia kamen, um die Stadt neu zu bevölkern.

Die gotische Phase (14. Jh.) manifestiert sich in der Puerta de los Apóstoles mit der Salomonsrose. Sie ist Schauplatz des historischen Wassergerichts (donnerstags 12.00 Uhr). Ursprünglich im 14. Jahrhundert als komplett freistehender Turm erbaut, wurde der Glockenturm erst später durch die Verlängerung des Kirchenschiffs mit der Kathedrale verbunden.
Den Abschluss bildet die barocke Puerta de los Hierros (18. Jh.), deren geschwungene Fassade den Haupteingang repräsentativ in Szene setzt.

Diese stilistische Vielfalt setzt sich im Inneren fort, wo die Kapelle des Heiligen Kelches eine der bedeutendsten Reliquien der Christenheit beherbergt. Der Heilige Gral ist der Kelch, aus welchem Jesus beim letzten Abendmahl trank. Da von zwei Päpsten die Messe mit diesem Kelch zelebriert wurde, gilt er als indirekt von der Katholischen Kirche anerkannt.
Architektur unter dem Stadtboden von Valencia
Gleich neben der Kathedrale liegt das Archäologische Zentrum l’Almoina. Unter einem modernen Glasdach sind hier die Reste des römischen Forums sowie Spuren aus westgotischer und maurischer Zeit freigelegt. Der Blick nach unten macht sichtbar, wie viele Schichten unter der heutigen Stadt liegen. Im Wasserfilm über dem Glasdach spiegeln sich die umliegenden Gebäude.

Mercado Central – Markthalle
Ebenso wie die Estación Valencia Nord ist die Markthalle in der Altstadt von Valencia ein herausragendes Beispiel für den valencianischen Modernismus (Jugendstil) und ein prägendes Bauwerk der Architektur von Valencia. Im Gedränge der Markthalle lohnt sich ein Blick nach oben. Die Dachkonstruktion wird von Gusseisen und Stahl mit traditionellen Elementen wie Keramik und farbigem Glas kombiniert. Durch den Einsatz von genieteten Stahlträgern konnten enorme Spannweiten überbrückt werden, ohne dass störende Pfeiler nötig waren.

Die Markthalle ist als Vieleck konzipiert, in dem mehr als 900 Marktstände Platz finden. Die Gänge sind voll. Wer es ruhiger mag oder die spannenden Auslagen fotografieren möchte, geht besser zum Mercado de Russafa. Dort kaufen nur Einheimische ein.


Bevor der Mercado Central erbaut wurde, gab es an dieser Stelle einen Freiluftmarkt, wahrscheinlich schon aus vor-maurischer Zeit. Um das pulsierende Handelszentrum der Stadt zu verwalten, wurde bereits 1914 die Llotgeta erbaut. Sie steht genau zwischen der gotischen Seidenbörse (Lonja de la Seda) und dem modernen Markt. Die Architekten wählten einen neogotischen und eklektischen Stil (eine Mischung aus historischen Stilen), um eine optische Brücke zur mittelalterlichen Umgebung zu schlagen.

Während die Markthalle für Fortschritt steht, steht das Verwaltungsgebäude für Beständigkeit. Heute wird es als Ausstellungsraum genutzt.

Lonja de la Seda – Wall Street des 15. Jahrhunderts
Die Seidenbörse gehört zu den Bauwerken, an denen sich die Architektur von Valencia besonders klar ablesen lässt. Im gotischen Stil erbaut, erinnert sie mit ihren Zinnen in Form von Kronen und dem massiven Turm von aussen eher an eine Festung als an ein Handelsgebäude. Diese Erscheinung war bewusst gewählt. Das Gebäude demonstriert die Sicherheit, Stabilität und Stärke der valencianischen Kaufleute. Es ist Schutzraum für die wertvollen Transaktionen in Zeiten, wo Handelswege unsicher waren.

Ein Spruchband im Inneren der grossen Halle gemahnt die Kaufleute ehrlich zu handeln und Geld nicht zu Wucherzinsen zu verleihen. Der massive Turm der Seidenbörse diente nicht nur als Aufbewahrungsort für wichtige Dokumente, sondern auch als Kerker für Schuldner und Betrüger. Im Gewölbekeller wurde die Kasse der Stadt gelagert.
Der Kontrast zwischen Aussen (Festung) und Innen (Reichtum) könnte nicht grösser sein. Der Vertragssaal mit seinen 17 Meter hohen gedrehten Säulen, die an Palmen erinnern, auch weil sie im Sterngewölbe aufgehen sowie die Höhe des Raums erinnert an einen Sakralbau und unterstreicht die Bedeutung, der hier abgeschlossenen Verträge.

Die Eingänge zum Saal werden von Chimären bewacht. Der Boden im Saal besteht aus schwarzem Marmor mit einem Linienmuster, das in Rauten mündet, in denen sich sechszackige Sterne befinden.


Der Boden im Zwischenraum und der Kapelle dagegen besteht aus der dreidimensionalen Illusion von Würfeln aus Marmor und lässt einen schwindlig werden.

Das Seegericht tagte in einem Raum im Turm mit der prächtigen Holzdecke aus dem 14. Jahrhundert, die aus einem Rathaus entfernt wurde. Wer sich jetzt wundert, warum es hier ein Seegericht gab – Valencia war das wirtschaftliche Zentrum der Krone von Aragon und beherrschte weite Teile des Mittelmeers. Ein Handelsgericht wäre dem nicht gerecht geworden.


Der heutige Eingang liegt an der Rückseite des Gebäudes und führt durch den Orangengarten vorbei am achteckigen Brunnen zur Vertragshalle. Früher war der Haupteingang direkt gegenüber dem heutigen Mercado Central. Seit 1996 gehört die Seidenbörse zum UNESCO-Weltkulturerbe, weil sie eines der reinsten Beispiele für profane (nicht-religiöse) Gotik in Europa ist.

Gegenüber der Seidenbörse steht die barocke Kirche Santos Juanes, die den Platz räumlich abschliesst. Zusammen mit Markthalle und Llotgeta entsteht hier ein dichter architektonischer Dialog aus Handel, Glauben und Macht.

Torres de Serranos und Torres de Quart
Die Torres de Serranos und Torres de Quart markieren bis heute die ehemaligen Grenzen der Altstadt. Sie gehören zu den letzten sichtbaren Resten der Stadtmauer, die 1856 abgerissen wurde, um Platz für die Stadterweiterung zu schaffen. In der Architektur von Valencia lassen sich an diesen Toren Wachstum und Wandel der Stadt besonders gut ablesen.
Die christliche Stadtmauer, die ab 1356 errichtet wurde, umschloss ein deutlich grösseres Gebiet als die frühere maurische Befestigung. Sie entstand in einer Phase wirtschaftlicher Blüte und sollte Valencia als aufstrebende Handelsmetropole schützen und repräsentieren.
Die Torres de Serranos wurden als prachtvolles Eingangstor im Norden in der valenzianischen Gotik von 1392 bis 1398 mit einer Höhe von 33 Metern errichtet. Der Baumeister war Pere Balaguer.

Das Westtor (Torres de Quart) wurde erst 50 Jahre später (1451 – 1460) nach dem Vorbild der Torres de Serranos errichtet. Es hatte allerdings eine stärkere militärische Bedeutung und diente weniger der Repräsentation. Baumeister waren Francesc Baldomar und Pere Bonfill. Man erkennt die Einschusslöcher aus dem spanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon.


Den architektonischen Höhepunkt dieses Baubooms im goldenen Zeitalter Valencias markiert der Bau der Seidenbörse. Entgegen dem Spruchband im Vertragssaal, das stolz von einer Bauzeit von 15 Jahren berichtet, erstreckte sich die tatsächliche Bauzeit von 1482 bis 1533. Lediglich der Vertragssaal wurde innerhalb von etwa 15 Jahren fertiggestellt, während die Türme erst später folgten.
Der Baumeister Pere Compte prägte diese Phase entscheidend. Er war nicht nur für die Seidenbörse verantwortlich, sondern leitete unter anderem auch die Erweiterung des Kirchenschiffs der Kathedrale von Valencia.
Das Kloster El Carmen
Im Kloster El Carmen lässt sich die Geschichte Valencias besonders gut an der Architektur ablesen. Das Gelände, auf dem das Kloster steht, lag zwischen zwei Stadtmauern: der älteren maurischen Befestigung und der später errichteten christlichen Stadtmauer. Nach der christlichen Rückeroberung Valencias erhielten die Mönche des Karmeliterordens dieses Areal und liessen sich hier 1281 nieder. Unter dem Kloster fand man die Reste eines maurischen Wohnhauses.
Zunächst entstand ein gotischer Kreuzgang, der sich um Kapelle und Refektorium gruppierte. Diese frühe Kapelle ging später in der Iglesia de la Santísima Cruz auf.


Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster so mächtig, dass der grössere Renaissance-Kreuzgang errichtet wurde. In den oberen Etagen befanden sich die Zellen der Mönche.

Die Kirche Iglesia de la Santísima Cruz wurde ab dem 14. Jahrhundert (Gotik) über der ursprünglichen kleinen Kapelle errichtet und im 17. Jahrhundert (Renaissance/Frühbarock) wesentlich erweitert und umgestaltet. Ende des 18. Jahrhunderts wurde noch das prächtige Barockportal angebaut. Durch die spätere Trennung von Kirche und Kloster wirkt es heute fast wie ein Kulissenbau, da der räumliche Zusammenhang verloren ging.

Diese Trennung ist eine Folge der Säkularisierung von 1835. Die Kirche wurde zur Pfarrkirche der Gemeinde, während das Kloster ab 1848 zum Sitz der Königlichen Akademie der Schönen Künste von San Carlos wurde. Hier wurden die bedeutendsten Künstler Valencias ausgebildet. Der grosse Ausstellungsraum Sala Ferreres stammt aus dieser Zeit.
Nach dem spanischen Bürgerkrieg wurden Kunstakademie und Museum getrennt. Das Kloster stand leer. Nach der Restaurierung wurde es zum Centre del Carme Cultura Contemporània (CCCC). Das heutige Konzept unterscheidet sich von anderen Museen. Das Kloster ist Gemeindezentrum und Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Der Eintritt ist frei.
Barrio del Carmen
Das Barrio del Carmen gilt als das Herz der Altstadt von Valencia, auch wenn das Viertel rund um die Kathedrale streng genommen älter ist. El Carmen liegt zwischen der maurischen Stadtmauer und der später errichteten christlichen Stadtmauer. Diese Lage hat das Viertel geprägt und ihm lange eine mittelalterliche Struktur bewahrt.
Das maurische Erbe wird besonders im Layout der Gassen sichtbar. Es gibt keine Sichtachsen. Stattdessen prägen schmale, verwinkelte Gassen und Sackgassen das Viertel. Engstellen kanalisieren Wind und die enge Bebauung wirft Schatten.
Mitten im Viertel, gegenüber des CCCC, stösst man auf ein kleines, ungewöhnliches Bauwerk. Die Casa de los Gatos ist ein Kunstwerk von Alfonso Yuste Navarro aus dem Jahr 2003. Es zeigt ein typisches valencianisches Stadthaus im Miniaturformat. Das Haus spielt auf eine lokale Legende an. Während der kurzen christlichen Rückeroberung Valencias im Jahr 1094 galten Katzen als Unglücksbringer und wurden verfolgt. Der Überlieferung nach überlebten nur vier Tiere. Ihnen ist dieses Haus gewidmet.

Ebenfalls eng mit der Geschichte Valencias verwoben ist das Casa de los Rocas. Das Gebäude wurde 1447 als eine Art heilige Garage für die Kutschen Figuren der Corpus-Christi-Prozession gebaut. Die Kirche nutzte die Prozession zur Vermittlung christlicher Werte. Die gigantischen Figuren für dieses Spektakel mussten weithin sichtbar sein. Bis zum Bau der Casa de los Rocas wurden sie in den Zunfthäusern gelagert, die sie auch finanzierten. In El Carmen waren im 14. bis 16. Jahrhundert eher die Zünfte, die viel Wasser brauchten oder schmutzig waren, angesiedelt.


Im 17. und 18. Jahrhundert veränderte sich das Viertel erneut. Adlige und wohlhabende Bürger suchten Baugrund, während die Innenstadt bereits dicht bebaut war. In El Carmen kauften sie Grundstücke auf, rissen Werkstätten und einfache Häuser ab und errichteten Stadtvillen. So entstand ein bizarrer Mix.
In der Neuzeit war El Carmen lange ein vernachlässigtes Quartier. Ab den 1990er Jahren zog genau dieser Zustand Street-Art-Künstler an. Heute begegnet man in El Carmen an vielen Ecken künstlerisch gestalteten Fassaden, Mauern und Toren, oft mit Bezügen zur Geschichte der Stadt und ihren Bewohnern.

Palacio del Marqués de Dos Aguas – Keramikmuseum
Der Palacio del Marqués de Dos Aguas ist nicht nur ein Meisterwerk des Rokoko, sondern die Allegorie von Aufstieg und Fall der Familie Rabasa de Rerellós. Ursprünglich im 15. Jahrhundert als solide, wehrhafte Gotik-Residenz errichtet, spiegelte das Haus zunächst den pragmatischen Reichtum der Familie wider, die als Steuerpächter und Seidenhändler zu immensem Vermögen gekommen war.
Mit der Erhebung in den Markgrafenstand (1740) liess die Familie das bescheidene gotische Erbe hinter sich und baute die Gotik-Residenz mit immensem Aufwand in einen Adelspalast um. Das überbordende Portal von Ignacio Vergara mit seinen Flussgöttern ist Architektur als Marketing: Es schreit den neuen Status als Marqués de Dos Aguas in die Strassen Valencias.

Die Flussgötter als muskulöse Gestalten verkörpern die zwei Lebensadern der Region Valencia: Turia und Júcar. Da die Familie dort riesige Ländereien besass, symbolisieren die Götter, dass die Natur (das Wasser) den Reichtum der Markgrafen buchstäblich „herbeispült“.
In der Nische über dem Eingang thront die Jungfrau vom Rosenkranz (Virgen del Rosario). Sie war die Schutzpatronin der Familie. Das ist der typische Barock-Kniff: Unten die heidnische Mythologie (Flussgötter), oben der christliche Schutz. So war man nach allen Seiten abgesichert.

Mit dem Aussterben der direkten Linie im 19. Jahrhundert begann der Niedergang, der auch nicht durch die Umgestaltung der Räume im Inneren aufgehalten werden konnte.
Dass die schweren Türen zum Jahreswechsel verschlossen blieben, obwohl die Website explizit verkürzte Öffnungszeiten angab, unterstreicht die Ironie der Geschichte. Der zu Stein gewordene Schrei nach Anerkennung beherbergt heute das Erbe eines anderen – die Keramiksammlung von González Martí.
Die grüne Zäsur – Jardin de Turia
Nach extremen Regenfällen im Hinterland rollten am 14. Oktober 1957 zwei Flutwellen durch Valencia. Die Turia trat über die Ufer und setzte die Altstadt bis zu fünf Meter tief unter Wasser. Das war ein städteplanerischer Wendepunkt in Valencia.
Die Verlegung des Flusses wurde beschlossen und 1964 mit dem Bau des neuen Flussbettes begonnen. 1973 bezog die Turia ihr neues Flussbett. Wollten die Stadtplaner im trockengelegten Flussbett eine achtspurige Autobahn unterbringen, wollte die Bevölkerung das Flussbett grün. Dafür protestierten sie lange. Erst ab 1982 begann man mit der Umsetzung.
Der Jardín del Turia fungiert heute als eine Art „Zeit-Schleuse“. Er liegt etwa vier Meter unter dem Strassenniveau und dient als riesiger Regenwasser-Puffer. Während die versiegelten Gassen der Altstadt bei Starkregen das Wasser kaum aufnehmen können, dient das tiefergelegene Grün als „Schwamm“ und schützt die Fundamente der Stadt durch ein unsichtbares System aus unterirdischen Rückhaltebecken und Kanälen.

In Valencia herrschte Siedlungsdruck, die Stadt brauchte Wohnraum. Neue Avenidas wurden parallel zum nun trockenen Flussbett angelegt. Die Architektur Valencias ist hier funktionaler und moderner.
Am untersten Abschnitt der mehr als 9 km langen Turia Gärten begann Santiago Calatrava die Ciutat de les Arts i les Ciències zu planen. Das erste fertiggestellte Gebäude war L’Hemisfèric.
Die moderne Neustadt und die Ciutat de les Arts i les Ciències entwickelten sich in einer Symbiose: Die Architektur der Wohnviertel bildete das „Publikum“, während Calatravas Skelettbauten im tiefgelegten Park die „Bühne“ besetzten.
Ciutat de les Arts i les Ciències
Am Ende der Turia-Gärten erhebt sich die weisse Stadt von Santiago Calatrava. Die Ciutat de les Arts i les Ciències ist der sichtbarste Ausdruck moderner Architektur in Valencia. Beginnend mit der Oper, dem Palau de les Arts Reina Sofía, die wie ein Wächter in der Landschaft steht. Durch die weissen Mosaiksplitter (Trencadís-Technik) funkelt sie im gleissenden Licht der Sonne. Ihre Form erinnert an einen korinthischen Helm, was diese Annahme eines Wächters verstärkt.

Für die ganze Anlage wichtig sind die Wasserbecken. Sie dienen als Spiegel für die Gebäude und stellen das verbindende Element dar. Denn eine Brücke (Puente de Monteolivete) trennt die Oper vom Auge, dem L’Hemisfèric. Daneben liegt das Rückgrat eines Dinosauriers oder Walfischs, das Wissenschaftsmuseum (Museu de les Ciències). Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich ein begrünter Laubengang, ebenfalls mit Rippen, L’Umbracle. Eine weitere Brücke (Pont de l’Assut de l’Or) in Form eines Segelschiffs trennt das Ensemble, welches mit dem blau-violetten Àgora Gebäude einen Abschluss findet.

Im Gegensatz zu den weissen Gebäuden, die aus weissem Beton und Stahl bestehen, besteht das Àgora nur aus Stahl. Die Farbgebung bricht die Optik und soll an die tiefen des Meeres erinnern. Die Form erinnert wieder an einen Helm.

Am Ende der strahlenden Achse weicht der weisse Beton silbernem Draht, die Voliere und der getarnte Funkmast stehen wie technisches Strandgut am Rande der Vision der Ciutat de les Arts i les Ciències. Bevor das Eingangsgebäude des Aquariums (L’Oceanogràfic) vom Architekten Félix Candela noch einmal zu einer organischen Form zurückfindet.

Palau de les Arts Reina Sofía (Oper)
Die Oper empfängt den Besucher bereits am Eingang mit einer statischen Sensation: Eine gewaltige weisse Metallfeder schwingt sich über das Dach und bohrt sich als tragendes Element dramatisch in den Boden und überschattet eine maritime Deckstruktur.

Von der Strassenseite aus, wirkt die Oper dagegen wie ein monumental riesiges, ovales Auge durch die Aussparungen in der Betonschale. Der grüne Garten könnte die Iris sein. Damit ergibt sich eine formale Verwandtschaft mit dem Hemisfèric.

Im Inneren der Oper offenbart sich eine filigrane Welt aus Glas und weissem Beton. Treppen und Ränge aus Beton scheinen in Calatravas Architektur zu schweben.




Der dramatische Höhepunkt wartet im Zuschauerraum. Wie in einem Kokon aus Licht und Schatten wird der Besucher eingehüllt. Die Ränge und die absenkbare Beleuchtung ziehen sich in rhythmischen Wellen durch den Raum. Während die Rückwand aus dunkelblauen Keramik-Mosaiken durch die dynamisch gewellte Struktur der perfekten Schallsteuerung dient. Integrierte Rundspiegel brechen die massive Wandfläche auf und eröffnen dem Besucher beim Umherschauen überraschende Spiegelungen. So wird die Architektur selbst zu einem Teil der optischen und akustischen Inszenierung.


Zur faszinierenden Architektur der Oper von Valencia gäbe es so viel mehr zu sagen, aber das würde den Rahmen des Beitrags sprengen.
L’Umbracle – Das Tor zur Moderne
Der Name kommt vom lateinischen umbraculum und bedeutet schlicht „Schattenspender“ oder „Sonnendach“. Der 320 Meter lange begrünte Laubengang dient als Aussichtsterrasse. 50 filigrane weisse Metallbögen spannen sich wie ein schützender Brustkorb über den Garten. Einmal mehr sieht man hier, wie das Zusammenspiel von Material und Licht eine seltene Eleganz entfalten.

Direkt unter dem Garten befindet sich ein zweistöckiges Parkhaus (Estacionamiento Ciudad de las Artes y las Ciencias) und eine moderne Disko (Club Mya) sowie technische Anlagen.

L’Hemisfèric – Das Auge des Wissens
Von der Terrasse des L’Umbracle fällt der Blick direkt auf das L’Hemisfèric. Das Design ist eine direkte Metapher für das menschliche Auge, das die Welt beobachtet. Für Calatrava war es das «Auge der Weisheit». Im Inneren des Gebäudes befindet sich ein IMAX-Kino, Planetarium und ein Laserium. Man hat die Wahl, ob man in die Sterne schaut oder in der Kuppel des Gebäudes eine Lichtshow sieht.
Das Auge sieht somit nicht nur Valencia, sondern in seinem Inneren seine eigene futuristische Vision. Beim nächsten Valencia-Besuch werde ich das Innere besuchen.

Museu de les Ciències Príncipe Felipe Valencia
Als nächstes fällt dein Blick auf 21 rhythmische Skelettbögen, die scheinbar aus dem Wasser ragen. Betrachtest du das Wissenschaftsmuseum dann von unten von der Stirnseite im Osten, wirst du die markanten Träger der Dachkonstruktion sehen, die am Anfang und Ende des Gebäudes scheinbar ins Wasser gleiten. Diese Träger sind gleichzeitig Treppenaufgänge auf das terrassenartige Vordach.

Der Abschluss an der Stirnseite bricht aber die Skelett-Logik mit gläserner Leichtigkeit wieder auf. Atlantis, was im Wasser versinkt? Die Fassaden neigen sich in einem steilen Winkel direkt dem türkisfarbenen Wasser zu. Da kein fester Sockel sichtbar ist, entsteht die surreale Illusion, das Gebäude würde im Becken versinken.


Von der Brücke Pont de l’Assut de l’Or bekommst du ein beeindruckendes Bild von der städtebaulichen Dimension der weissen Stadt.
Pont de l’Assut de l’Or
Der offizielle Name der Brücke «Brücke des goldenen Damms» bezieht sich auf ein historisches Wehr, das in der Nähe lag. Calatrava sah in der Brücke jedoch die Funktion eines Scharniers, welches die Zersplitterung der einzelnen Viertel wieder verbindet.
Der geneigte Pylon der Schrägseilbrücke ist 125 Meter hoch. Die 29 gespannten Stahlseile erinnern an eine Harfe. Von der Seite aus wirkt die Brücke jedoch für mich wie ein Segelschiff. Die Bewohner Valencias sehen allerdings in der Brücke einen Schinkenhalter.

Àgora – Versammlungsplatz
Calatrava plante das blau-lila Gebäude als Multifunktionsgebäude von Sportveranstaltungen bis zu Kongressen. Deshalb war der «Hahnenkamm» des Daches auch so konzipiert, dass man die Lamellen mechanisch ein- und ausfahren lassen konnte, um das Licht im Inneren des Gebäudes zu regulieren. Allerdings gab es damit zahlreiche Schwierigkeiten. Heute ist das Dach deswegen ein statisches architektonisches Merkmal.

Ein Stahlskelett trägt die Aussenhaut aus tiefblauen geordneten Keramikplatten. Dieses Muster imitiert einen Mauerwerksverbund. Vertikale Glasbänder ziehen sich bis zum Dach hinauf. Je nach Lichteinfall verändert das Gebäude seine Farbnuancen. Calatrava selbst dachte beim Entwurf an zwei Hände, deren Finger ineinandergreifen. Ich würde eher Muschelhälften oder den Helm als architektonische Klammer sehen.
Seit 2022 hat es die spanische Bank Caixa übernommen und das Innere komplett als Ausstellungsfläche umgebaut.
L’Oceanogràfic
Den Schlusspunkt der architektonischen Reise bildet das Oceanogràfic. Das Eingangsgebäude von Félix Candela erinnert mit seinen hauchdünnen Betonschalen an eine sich öffnende weisse Seerose. Doch ehrlich gesagt, sind wir ziemlich ernüchtert nach unserem Besuch gewesen.

Wer das Oceanário de Lisboa kennt, jenes wegweisende Werk der Expo 98, vermisst hier schmerzlich dessen immersive Tiefe. In Lissabon verschmilzt die Architektur mit dem Element; das gigantische Zentralbecken vermittelt das Gefühl eines grenzenlosen Ozeans. Die Bereiche rundherum sind von zahlreichen anderen Tieren bewohnt. In Valencia hingegen wirkt das Innere kleinteilig und bedrückend.
Vier Belugawale kreisen in einem Gebäude, welches einem Iglu nachempfunden wurde. Ursprünglich mal für 2 Wale gebaut, wurden noch die Belugas aus Charkiw gerettet und teilen sich nun den Platz. Auch das Delphinarium hat einen schalen Nachgeschmack bei uns hinterlassen. Pelikane leben hier mit schrecklich verstümmelten Flügeln und versuchen doch die ganze Zeit zu fliegen. Dieses Aquarium kann ich nicht guten Gewissens empfehlen.
Weitere Architekturperlen in Valencia
Die Geschichte des Handels, die sich in Markthalle und Seidenbörse verdichtet, endet nicht im Zentrum Valencias, sondern setzt sich in der Architektur der Lagerhäuser am Hafen fort. Und die Keramik, die Paläste und öffentliche Bauten prägte, taucht in den Wohnquartieren wieder auf. Eines davon stelle ich dir nachfolgend vor.
Marina de Valencia
Die Marina de Valencia ist ein dynamischer Ort, an dem sich die Entwicklung auch an der Architektur ablesen lässt. Als die Umgestaltung des Hafens um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts begann, errichtete man als erstes die Lagerhäuser (Tinglados) im Jugendstil. Diese «Kathedralen des Handels» dienten als Lagerort für Reis, Wein und Orangen. Heute stehen noch drei dieser Lagerhäuser und werden als schattiger Stadtplatz für Märkte und von Jugendlichen genutzt oder wurden zu Eventlocations.
Am Ende des Gebäudekomplexes steht das Edificio del Reloj, das vier Jahre später entstand, um Reisende zu empfangen. Es wurde nach dem Vorbild des Gare de Lyon in Paris in einem best-of-Architekturmix erstellt. Der Turm mit Glocke als akustischem Zeitsignal und Turmuhr diente der zeitlichen Synchronisation der Hafenabläufe im Hafen.

Zeugen der Historie als wichtiger Handelhafen sind auch die alten Kräne. Vor dem Cabria Monumental, einem Schwimmkran, steht heute die Skulptur «La Pamela» von Manolo Valdés. Der Hut ist ein beliebter Treffpunkt.

Anlässlich des in Valencia 2007 stattfindenden America’s Cup wurde das moderne Gebäude Veles e Vents erstellt. Das von David Chipperfield und Fermín Vázquez entworfene Gebäude besteht aus vier übereinandergestapelten, horizontal verschobenen Betonplattformen. Die dadurch entstandenen grossen Terrassen boten den Zuschauern und Ehrengästen optimale Aussichtspunkte auf das Regatta-Geschehen und den Hafen.

El Cabanyal – ein Fischerdorf
Vom Hafen aus ist es ein Katzensprung in die Gassen des ehemaligen Fischerdorfs. Pueblo Nuevo del Mar hiess das Dorf, bevor es 1897 eingemeindet wurde. Seinen Charakter konnte es sich bis heute bewahren.
Was macht dieses Viertel so besonders? Manche sprechen von Little Havana, wenn sie von El Cabanyal reden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Seeleute und Fischer, ihre oft schmalen, aber lang nach hinten reichenden Häuser mit Kacheln (Azulejos) zu verkleiden. Einerseits kopierten sie den Stil der Häuser der Reichen, allerdings mit industriell gefertigten Kacheln statt handgemalter Einzelstücke. Andererseits hatten die Kacheln eine Schutzfunktion. Die salzhaltige Meeresluft greift normalen Putz an, während Kacheln langlebig sind, das Sonnenlicht reflektieren und die Häuser kühler halten.



Heute sieht man diesen Mix aus alten und restaurierten Häusern, auch wenn sich der eine oder andere moderne Block ins Viertel geschlichen hat.

Für alle, die gern Brunchen, habe ich einen Tipp, das Doux-Amer. Hier gibt es auf schweren Keramiktellern rustikale Köstlichkeiten, deren Grundlage oft eine dicke Scheibe Sauerteigbrot ist. Süsse Dinge fehlen natürlich auch nicht.

Und wen es am Ende seines Rundgangs an den Strand zieht, der ist von El Cabanyal nie weit entfernt.

Damit endet dieser Beitrag über Valencias Architektur, der uns an vielen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeigeführt hat, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Wir kommen sicher zu einer anderen Jahreszeit wieder, vielleicht im Frühling oder Herbst, wenn die Gärten noch ansprechender sind und die Temperaturen nicht zu heiss sind. Im Botanischen Garten kann man auch ein Jugendstil-Schattenhaus bewundern.

Ah, diese Stadt steht schon ewig auf meiner eigentlich nicht vorhandenen Bucket-List! Danke des Beitrags ist sie nochmal nach oben gerutscht…
Liebe Gudrun,
na dann, auf nach Valencia. Manchmal brauchen Orte nur einen kleinen Anstoss, um wieder ins Blickfeld zu rücken. Vielleicht passt sie ja irgendwann in deine Reiseplanung.
Liebe Grüsse
Susan
Vielen Dank für den sehr umfassenden Beitrag und die vielen Tipps. Valencia habe ich ganz konkret für unsere nächste Spanien-Reise im Auge. Gerade die coole Architektur finde ich sehr spannend. Du machst auf jeden Fall nochmal mehr Lust drauf, Valencia zu entdecken. VlG, Nadine
Liebe Nadine
Dann wünsche ich dir viel Freude bei der Reiseplanung. Vorfreude gehört ja auch zum Reisen dazu. Und Valencia ist dafür auf jeden Fall ein schönes Ziel.
Liebe Grüsse
Susan
Liebe Susan,
wow, was für ein ausführlicher Artikel! Valencia steht für uns schon so lange auf der Liste, aber wir haben’s noch nie hingeschafft – und das als große Calatrava-Fans! Danke für die spannenden Einblicke, wird auf jeden Fall gemerkt.
Viele Grüße von den «Hierdadorts» Gabi und Michael
Liebe Gabi, lieber Michael
Als Calatrava-Fans kommt ihr in Valencia tatsächlich voll auf eure Kosten. Wir fahren sicher auch noch einmal hin.
Falls Zürich für euch näher liegt: Calatrava hat auch den S-Bahnhof Stadelhofen mit der Passage entworfen und ganz neu das Haus zum Falken direkt neben den Gleisen. Es ist natürlich nicht so spektakulär wie Valencia, aber am Bahnhof erkennt man seine Handschrift sehr deutlich.
Liebe Grüsse
Susan
Valencia steht noch auf meiner Reiseliste! Vor ein paar Jahren waren wir in Málaga und die Stadt hat mich sehr begeistert. Dort gab’s auch einiges an spannender Architektur und die Markthalle erinnert mich auch ein bisschen daran. Beim nächsten Mal geht’s die Küste ein Stück weiter Richtung Norden nach Valencia. Danke fürs Mitnehmen und die Tipps!
Liebe Britta,
Valencia könnte dir dann tatsächlich gut gefallen. Die Mischung aus historischer Altstadt, moderner Architektur und den lebendigen Markthallen macht die Stadt wirklich spannend. Vielleicht führt euch die nächste Reise ja wirklich ein Stück weiter die Küste hinauf. Danke dir fürs Mitlesen und viel Freude beim Planen.
Liebe Grüsse
Susan
Liebe Susan, ich schließe mich Romy an, ich habe wohl auch einiges verpasst als ich letztes Jahr da war. Gerade die moderne Architektur ist ja echt faszinierend.Fahre auf jeden Fall auch nochmal hin und nehme euren Beitrag als Gedächnisstütze 🙂
LG Christiane
Liebe Christiane,
das scheint vielen so zu gehen. Gerade bei Städten mit spannender Architektur entdeckt man oft erst beim zweiten Besuch Dinge, an denen man beim ersten Mal einfach vorbeigelaufen ist.
Wie schön, wenn dich unser Beitrag beim nächsten Mal ein wenig begleiten kann. Vielleicht entdeckst du dann noch ein paar weitere Ecken, die dich überraschen.
Liebe Grüsse
Susan
Danke für die Inspiration. Bei meinem Besuch in Valencia hatte ich nicht so viel Zeit, und mir ist einiges entgangen. Danke für die neue Bucketlist.
Hallo Romy
Es ist ja oft so, dass man bei einem ersten Besuch längst nicht alles sieht, was man sich vorgenommen hat. Aber genau das ist auch das Schöne daran. Man hat gleich einen guten Grund, noch einmal zurückzukehren.
Liebe Grüsse
Susan