Warum ihr Porrentruy bei einer Reise durch den Jura keinesfalls links liegen lassen solltet

Es regnet in Strömen als wir mit unserem Camper in Zürich zu unserer einwöchigen Reise durch den Jura aufbrechen. Mit vielen Ideen im Gepäck, aber ungeplant reisen wir am liebsten. Und so entscheiden wir uns erst während der Fahrt mit der Besichtigung des mittelalterlichen Örtchen Porrentruy (französisch) beziehungsweise Pruntrut (deutsch) zu beginnen. Soll es doch hier allerlei Überraschendes zu entdecken geben. Dazu braucht man jedoch einen Schlüssel. Deshalb laufen wir kaum in Porrentruy angekommen als erstes zur Tourist-Information (Rue du 23. Juin 20). Allerdings haben wir nicht bedacht, dass in einer Kleinstadt über Mittag geschlossen wird. Die gleiche Erfahrung machen wir am Museum Hôtel-Dieu (Grand Rue 5). Von 12 – 14 Uhr sind die Türen geschlossen. So muss der Geheime Rundgang durch den Ort warten und wir versuchen unser Glück zunächst beim Botanischen Garten von Porrentruy.

Das Wildschwein soll der Sage nach die Stadtmauern von Porrentruy übersprungen haben und, von einer fliegenden Axt vor dem Rathaus tödlich verletzt, zusammengebrochen sein.
Das Wildschwein soll der Sage nach die Stadtmauern von Porrentruy übersprungen haben und, von einer fliegenden Axt vor dem Rathaus tödlich verletzt, zusammengebrochen sein.

Der Botanische Garten von Porrentruy

Das Tor des Botanischen Gartens ist geöffnet, was wir als Einladung zur Besichtigung verstehen. Wie muss man sich einen Botanischen Garten vorstellen, der in der Altstadt eines kleinen Ortes wie Porrentruy liegt und einer der ältesten Botanischen Gärten der Schweiz ist? Der Hauptteil des Botanischen Gartens liegt eingebettet vom Jesuitenkollegium inmitten der Altstadt. Ein neuerer Teil mit Gewächshäusern liegt etwas entfernt. Bekannt ist der Botanische Garten für seinen Rosengarten und die 180 Iris-Varietäten. Nur liegt die Natur dieses Jahr ungefähr 3 bis 4 Wochen zurück. So  sind wir für beides zu früh gekommen. Immerhin ein paar Iris Pflanzen bekennen schon Farbe.

Geschützt von den Mauern des Jesuitenkollegs wachsen Iris, Rosen und viele weitere Pflanzen im Botanischen Garten von Porrentruy.
Geschützt von den Mauern des Jesuitenkollegs wachsen Iris, Rosen und viele weitere Pflanzen im Botanischen Garten von Porrentruy.
Iris-Blüte - Botanischer Garten Porrentruy
Iris-Blüte – Botanischer Garten Porrentruy

Sehr gut gefallen mir auch die grossen Bäume, die gegenüber des geschützten Bereichs der Hausmauern wachsen. Hier gibt es sogar Raritäten zu bewundern. Im hinteren Teil des Botanischen Gartens wachsen typische Pflanzen der Jurakette.

Männliches Knabenkraut - eine Orchidee, die in naturbelassen Regionen der Schweiz noch häufiger anzutreffen ist.
Männliches Knabenkraut – eine Orchidee, die in naturbelassen Regionen der Schweiz noch häufiger anzutreffen ist.

Normalerweise könnte man durch ein Tor auf dem Weg zum zweiten Teil des Botanischen Gartens mit den Gewächshäusern abkürzen. Dieses ist aber geschlossen. So geht es aussen herum und wir bekommen einen weiteren Eindruck von Porrentruy. In den Gewächshäusern wachsen exotische Pflanzen. Viele mögen es warm, so dass wir uns beim Betrachten etwas aufwärmen können. Währenddessen geht ein starker Regenguss nieder.

Die Teufelszunge zeichnet ein unangenehmer Geruch aus.
Die Teufelszunge zeichnet ein unangenehmer Geruch aus.

Als es aufhört zu regnen, begeben wir uns erneut zur Tourist-Information, die jetzt geöffnet hat.

Secret Circuit – die etwas andere Stadtbesichtigung

Geheimer Stadtrundgang, dass hört sich doch richtig spannend an. Es ist ein wenig wie eine Schatzsuche für Erwachsene. Wobei ich mir vorstellen kann, dass auch Kinder Spass an einer solchen Stadtbesichtigung haben. Schliesslich erhält man eine Schatzkarte, auf der die Stationen markiert sind. Die Fähigkeit einen Stadtplan lesen zu können, ist also von Vorteil.  Weiterhin ist der magische Schlüssel im Preis von 9 Sfr pro Person enthalten. Bevor es aber losgehen kann, müsst ihr noch eine Verhaltens- und Haftungserklärung für den Schlüssel unterschreiben.

Wer statt des Aufzugs die Treppe nimmt, wird dieses wunderschöne Exemplar einer Wendeltreppe auf seinem geheimen Stadtrundgang durch Porrentruy entdecken.
Wer statt des Aufzugs die Treppe nimmt, wird dieses wunderschöne Exemplar einer Wendeltreppe auf seinem geheimen Stadtrundgang durch Porrentruy entdecken.

Ohne Regenschirm hätte es noch mehr Spass gemacht, aber wir lassen uns den Spass auch nicht vom Regen verderben und begeben uns sehr neugierig als erstes zum Schloss, welches wir von der Stadt unten betreten können. Über die Roggenbach Kapelle geht es nach oben. Dort lernen wir, dass zu Zeiten der Fürstbischöfe (1528 – 1792) noch sehr viel mehr Gebäude zum Schloss gehörten. Ein Fürstbischof ist übrigens irdischer Herrscher und geistlicher Führer in einer Person.

Der Aufgang über die Aussentreppe zum Réfous-Turm braucht etwas Überwindung. Geheimer Stadtrundgang Porrentruy
Der Aufgang über die Aussentreppe zum Réfous-Turm braucht etwas Überwindung.
Blick vom Réfous-Turm auf den Schloss Innenhof. - Geheimer Stadtrundgang Porrentruy
Blick vom Réfous-Turm auf den Schloss Innenhof. – Geheimer Stadtrundgang Porrentruy

Oben im Schlosshof können wir sowohl das Gefängnis als auch den Réfous-Turm mit unserem magischen Schlüssel betreten. An beiden Orten erwartet uns eine lustige kleine Video-Installation. Weiter führt uns der Weg zu einem Wasserreservoir. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl. allein im Dunkel der Gewölbe zu stehen, in denen einst Wasser gespeichert wurde. Die Videoinstallation ist überraschend.

Im Wasserreservoir tropft es von der Decke. Das Gewölbe erinnert wirklich an eine unterirdische Kathedrale. - Geheimer Stadtrundgang Porrentruy
Im Wasserreservoir tropft es von der Decke. Das Gewölbe erinnert wirklich an eine unterirdische Kathedrale.

Und es gib weitere überraschende Orte in Kellern von Wohnhäusern. Alles wird hier jedoch nicht verraten. Nach ungefähr 2,5 Stunden beenden wir unseren Rundgang, indem wir noch kurz im Hôtel-Dieu die wunderschöne, alte Apotheke bestaunen.

Tipp: Ein Museums-Eintritt ist gratis, wenn man den geheimen Stadtrundgang (Secret Circuit) gegebucht hat.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Porrentruy und Umgebung

Das beschauliche Örtchen Porrentruy, immerhin die zweitgrösste Stadt des Kanton Jura, nahe an der französischen Grenze gelegen, hat noch einiges mehr zu bieten. Für Freunde von Uhren gibt es einen Uhrenrundgang durch die Stadt. Von der Sonnenuhr im Botanischen Garten über das Foucaultsche Pendel neben dem Eingang zum Botanischen Garten gibt es hier viele weitere Uhren (Turmuhren, Kirchenuhren, Rathausuhr etc.) zu bewundern. Die Geschichte vieler Orte im Jura ist nun einmal mit der Uhrenfertigung verbunden. In der Tourist-Information findet ihr einen Prospekt «Porrentruy und seine Uhren», indem es Hintergrundinformationen zu den Uhren gibt. Einige der Uhren begegnen euch auch auf dem geheimen Stadtrundgang.

Foucaultsches Pendel - Porrentruy
Foucaultsches Pendel – Porrentruy

Die Kirchen Saint-Pierre (14. Jahrhundert) und Saint-Germain (13. Jahrhundert) sollen auch sehr sehenswert sein. Weiterhin lädt das Jurassica Museum mit einer Mineralien Dauerausstellung und verschiedenen Sonder- und Wanderausstellungen zu einem Besuch ein.

Spartipp: Wer im Kanton Jura übernachtet erhält den Jura-Pass. Damit gibt es Vergünstigungen auf Eintritte und der ÖV ist kostenlos zu benutzen.

Wir stellen in Porrentruy, wie noch so oft in diesem Urlaub fest, dass die Zeit hier im Jura schneller läuft. Nun ist es schon Abend und wir haben noch keinen Campingplatz für die Nacht. Ausserdem sind wir langsam durchgeweicht vom vielen Regen. Was wir beim Camping aufs Geratewohl im Jura erleben, findet ihr im Beitrag «Camping im Jura».

Hinweis: Nicht weit von Porrentruy entfernt, befindet sich der Préhisto-Park von Réclère (Tropfsteine und Dinos). Für Kinder ein echtes Erlebnis.

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