Von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama
Die Route von Purmamarca nach San Pedro de Atacama führt über den Paso de Jama, einen Andenpass auf 4.170 Metern Höhe, der Argentinien mit Chile verbindet. In weiten Serpentinen steigt die Strasse durch das Valle de Lipán in das Hochland der Puna hinauf und erreicht eine Landschaft, die mit ihrer Weite und Kargheit fasziniert.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf die Fahrt von Purmamarca nach San Pedro de Atacama. Zuerst folgen wir der Strasse durch die Quebrada de Purmamarca, bevor sie sich in vielen Serpentinen durch das Valle de Lipán zum Paso de Jama hinaufwindet. Nach der Passhöhe führt die Strecke weiter zu den Salinas Grandes, die schon aus der Ferne hell leuchten. Anschliessend passieren wir die Grenze zwischen Argentinien und Chile und fahren auf grosser Höhe weiter, bis es kurz vor San Pedro de Atacama wieder etwas tiefer geht.
Lass dich durch die spektakuläre Fahrt durch die Anden inspirieren und mache dir dein eigenes Bild.

Von Purmamarca durch die Quebrada de Purmamarca
Obwohl Purmamarca zu den schönsten Orten im Nordwesten Argentiniens zählt, verzichten wir darauf, das Ortszentrum und den Berg der sieben Farben genauer zu erkunden. Jetzt macht sich der Zeitverlust durch die verspätete Anreise und die Probleme mit dem Mietwagen bemerkbar. Und da wir am Vortag bereits das grosse Highlight am Ende der Quebrada de Humahuaca gesehen haben, die 14-farbigen Felsen der Serranías del Hornocal, fällt uns diese Entscheidung nicht besonders schwer.
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Wir frühstücken noch gemütlich in unserem etwas ausserhalb vom Ortszentrum gelegenen Hotel Mirador del Virrey*.
Danach beginnt unsere Fahrt von Purmamarca über den Paso de Jama in Richtung San Pedro de Atacama. Zunächst folgen wir der Strasse durch die Quebrada de Purmamarca, bevor sie weiter in Richtung Valle de Lipán ansteigt.
Die Strasse zum Paso de Jama folgt im ersten Teil dem Fluss Río de la Quebrada de Purmamarca. Für die ersten 25 Kilometer brauchen wir über eine Stunde. Nicht, weil die Strasse schlecht wäre, sondern weil die Landschaft so einzigartig ist, dass wir immer wieder anhalten und den Blick über die Schlucht schweifen lassen oder durch kleine Kakteenwälder am Rand des breiten Flussbetts bummeln.


Die Quebrada de Purmamarca zeigt sich dabei überraschend abwechslungsreich. Gefurchte, mehrfarbige Felsen rahmen das breite, jetzt trockene Flussbett ein. An manchen Stellen leuchten die Gesteinsschichten gelb und violett, an anderen öffnet sich die Schlucht und grosse Kandelaberkakteen wachsen am Rand des Tals. Manche treiben Blüten, andere beherbergen Vogelnester zwischen ihren Armen. Kein Kaktus gleicht dem anderen.


Durch das Valle de Lipán zum Paso de Jama
Bei einer Tagesetappe von 420 Kilometern müssen wir unser Tempo etwas steigern. Doch im Valle de Lipán geht es nun in vielen Serpentinen hinauf zum Paso de Jama. Kilometer um Kilometer schraubt sich die Strasse durch die Berge der Anden nach oben.
Die Strasse ist gut ausgebaut und wird erstaunlich häufig auch von Autotransportern genutzt. Insgesamt bleibt das Verkehrsaufkommen aber gering.

Und dann erreichen wir die Passhöhe. Es ist windig und kalt auf 4.170 Metern Höhe am Paso de Jama. Noch höher hinauf führt der Abra del Acay, über den wir auf der Rückreise von San Pedro de Atacama die Anden überquert haben.
Ein paar einheimische Frauen verkaufen auf der Passhöhe Souvenirs. Da wir noch zu viele Äpfel haben, die wir nicht mit nach Chile nehmen dürfen, schenken wir den Verkäuferinnen die überzähligen Früchte.

Ich laufe noch ein Stück zurück, um ein paar Bilder zu machen. Die Landschaft rund um den Paso de Jama ist karg.

Vom Paso de Jama zu den Salinas Grandes
Nach der Passhöhe des Paso de Jama steigt die Strasse immer noch an, bevor es dann eine ganze Weile auf einer Hochebene weitergeht. Irgendwann öffnet sich der Blick und das Weiss der Salinas Grandes schmerzt fast in den Augen. Ohne Verkehr auf der Strasse hält Jörg immer mal wieder kurz an, damit ich für ein Foto aus dem Auto springen kann.


An den Salinas Grandes parken wir und schauen uns den Salzsee etwas genauer an. Es geht eine eigenartige Faszination von dieser blendend weissen Fläche aus, deren Ausdehnungen man nicht schätzen kann. In dieser stillen Unermesslichkeit auf 3.450 m Höhe merkt man nur am Wind, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist.

Am Parkplatz verkaufen ein paar Einheimische Souvenirs in diesen kleinen aus Salzquadern gebauten Verkaufsständen. Ein grosses Stück Salz mit schöner Kristallstruktur nehmen wir zur Erinnerung mit. Unsere Kinder bedauern die Tochter der Verkäuferin sehr, die einfach nur neben ihrer Mutter sitzt und nichts zu spielen hat. So schenken sie dem Mädchen einen Teil ihrer Buntstifte und unseren letzten Apfel.

Auch eine Herde Vikunjas, die sich von den Touristen nicht stören lässt, beobachten wir noch kurz am Strassenrand. 2019 wurden die Salinas Grandes zu den 7 Naturwundern Argentiniens gekürt.
Auf dem Weg zur Grenze zwischen Argentinien und Chile staunen wir nicht schlecht, als wir an einem breiten Flussbett entlang kommen oder Dünen entdecken.


Eine weitere Salzpfanne, der Salar de Olaroz taucht in der Ferne auf. Die Luft flimmert und wir fragen uns, ob man hier auch Fata Morganen auf den Leim gehen kann?
Die Strasse führt in gerader Linie auf den Salar de Olaroz zu und macht kurz vor der weissen Fläche eine Kurve. Dies ist bereits der zweite Salzsee auf der Strecke von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama und noch immer befinden wir uns im Hochland der argentinischen Puna.

Grenzübertritt von Argentinien nach Chile
Wir verlassen die Salinas Grandes, auch wenn wir hier gern noch mehr Zeit verbracht hätten. Als wir die Grenze zwischen Argentinien und Chile erreichen, warten bereits mehrere Busse mit Touristen auf die Abfertigung.
Alle Reisenden müssen hier ihr Gepäck wie am Flughafen durchleuchten lassen. Durch die Touristenbusse vor uns haben sich lange Schlangen an der Gepäckkontrolle gebildet. Für jedes Familienmitglied müssen wir erneut ein Formular ausfüllen und auch unser Mietwagen wird vom Zoll kontrolliert.
Bevor wir endgültig nach Chile einreisen dürfen, müssen wir das komplette Auto ausräumen. Alle Taschen, sogar die Kamerataschen, werden nochmals gründlich durchsucht. Nachdem alles zur Zufriedenheit kontrolliert wurde, dürfen wir die Reise endlich fortsetzen.
Die Grenze zwischen Argentinien und Chile liegt auf über 4.100 Metern Höhe im Hochland der Puna. Das Ausladen und erneute Verstauen unseres Gepäcks ist in dieser Höhe deutlich anstrengender als sonst. Vielleicht sind wir auch einfach etwas angespannt, weil die Zeit schon wieder drängt.
Inzwischen ist es so spät, dass uns die Strasse fast allein gehört, wenn man von weiteren leeren Autotransportern, die uns entgegenkommen, absieht.
Von der Grenze nach San Pedro de Atacama
Hinter der Grenze zwischen Argentinien und Chile führt die Strasse zunächst noch höher hinauf. Unglaublich, aber wir bewegen uns jetzt auf einer Höhe zwischen 4.300 und 4.800 Metern.
Wenn man bedenkt, dass der höchste Berg der Schweizer Alpen, die Dufourspitze, 4.634 Meter hoch ist, bekommt man ein Gefühl für diese Höhe. Wir vertragen die Höhe ganz gut. Bis etwa 4.200 Meter können wir uns noch normal bewegen. Ab ungefähr 4.400 Metern werden wir kurzatmiger. Und auf 4.800 Metern wird schon ein kurzer Spaziergang für ein Foto zu einer sportlichen Leistung und ich keuche als wäre ich gesprintet.


Überrascht sind wir von den vielfältigen Wasserflächen, denen wir unterwegs begegnen.



Kurz bevor es dann nach unten nach San Pedro de Atacama geht, begegnet uns dieser schöne Vulkan und die ersten Wolken.

Die letzten 30 km nach San Pedro de Atacama sind die schwierigsten Kilometer für die Kinder. Verlieren wir doch auf nur 30 km 2.000 Höhenmeter. Obwohl wir deutlich langsamer fahren als erlaubt, bekommen die Kinder den Druckausgleich mit den Ohren nicht geregelt.
Für die LKWs sind immer wieder Bremsspuren mit weichem Kies neben der Strasse angelegt, die scheinbar regelmässig benutzt werden. Dennoch fahren wir an einem umgekippten LKW vorbei, bevor wir San Pedro de Atacama erreichen.

Einbahnstrassen Albtraum in San Pedro de Atacama
Die grösste Herausforderung des Tages steht uns in San Pedro de Atacama noch bevor, nämlich unser Hotel mit dem Auto zu erreichen, um ausladen zu können. Der ganze Ort besteht aus schmalen Einbahnstrassen aus Lehm. Die Grundstücke sind alle mit grossen Mauern aus Lehm umgeben. Wir kreuzen zwar die Strasse immer mal wieder, aber nie auf Höhe der Hausnummer.

Nirgendwo kann man anhalten, denn dann blockiert man den ganzen Verkehr. Nach vielen Runden kreuz und quer durch den Ort, stehen wir vor einem Tor mit dem Namen des Hotels, aber alles ist verschlossen.
Kurz vor einem Nervenzusammenbruch parken wir vor dem Tor. Und Jörg geht zu Fuss zum Hotel. Und siehe da, man kann doch vor das Hotel fahren und darf sogar anhalten und den ganzen Verkehr hinter sich blockieren. Um das Auto zu parken, muss man dann eine weitere kleine Stadtrundfahrt unternehmen, obwohl der Parkplatz eigentlich nur 100 m unterhalb des Hotels an der gleichen Strasse liegt.
Die Rezeption der Terrentai Lodge* befindet sich in einer Art Torbogen, dahinter eröffnet sich eine andere Welt. Weisse Mauern, Flusssteine und dunkle Holzbalken sind farbbestimmend. Alles ist so angelegt, dass möglichst wenig Sonne den Boden erwärmt. Es gibt mehrere Innenhöfe mit kleinen Springbrunnen, sogar einen kleinen Pool gibt es zur Freude der Kinder.

Bei einem leckeren Essen in einem von einer Mauer umgebenen Restaurant mit offenem Innenhof und grossem Feuer geht dieser eindrucksvolle Tag zu Ende. Wenn du wissen willst, was wir neben einem starken Erdbeben noch so alles in der Atacama Wüste erlebt haben, solltest du den Beitrag Facetten der Atacama Wüste lesen.

Hallo zusammen
Super toller Beitrag und Fotos.
Mein Mann und ich werden im November für 7-8 Wochen in Argentinien und Chile herumreisen. Wir werden diese Tour auch machen. Haben noch nichts gebucht. Sind noch am Reiseberichte lesen und lassen uns inspirieren.
Grüessli Brigitte
Hallo Brigitte,
freut mich, wenn dich der Beitrag inspiriert hat. Die beiden Überquerungen der Anden zwischen Argentinien und Chile gehört neben dem Perito Moreno Gletscher mit zu unseren eindrücklichsten Erlebnissen in Südamerika. Die atemberaubende Landschaft, die Einsamkeit und Stille, die Farben – in hoffentlich nicht allzu entfernter Zukunft werden wir hoffentlich wieder da sein und dann viel mehr Zeit haben. Ich wünsche euch viel Spass bei der Reiseplanung und eine tolle Zeit. 7 bis 8 Wochen klingt viel, aber bei der Grösse der beiden Länder schafft man nicht alles.
Liebe Grüsse
Susan