Alabasterküste Normandie: charmante Orte, dramatische Klippen

Wie perlweisse Giganten ragen die Kreidefelsen der Alabasterküste in der Normandie aus dem Meer empor. Die Côte d’Albâtre erstreckt sich über rund 120 Kilometer entlang des Ärmelkanals von Le Havre bis Le Tréport und gehört zu den eindrucksvollsten Küstenlandschaften Frankreichs.

Weisse Klippen, kleine Fischerorte und historische Hafenstädte prägen diese Landschaft. Orte wie Étretat, Fécamp, Veules-les-Roses oder Dieppe gehören zu den bekanntesten Stationen entlang der Alabasterküste.

Ich lade dich ein, mit uns diese besondere Küste der Normandie zu entdecken. Wir besuchen charmante Orte, wandern entlang der Kreidefelsen auf dem GR21 und erkunden die berühmten Klippen von Étretat, sowohl von oben als auch vom Wasser aus.

Und wir gehen der Frage nach, was die Faszination dieser Landschaft ausmacht. Die Klippen erreichen hier zwar nur rund 110 Meter Höhe, bleiben damit weit hinter den 600 Meter hohen Klippen von Slieve League in Irland zurück. Dennoch gehören sie zu den eindrucksvollsten Küsten Europas.

Die Klippen der Alabasterküste bei Étretat mit zwei Bögen im Bild
Die Klippen bei Étretat

Fécamp an der Alabasterküste

Das klackernde Geräusch der rollenden Steine hören wir in Fécamp an der Alabasterküste der Normandie zum ersten Mal und es wird uns während unserer Tage an der Alabasterküste ständig begleiten. Die meisten Strände der Alabasterküste bestehen nur aus Steinen, aber es gibt Ausnahmen wie in Veules les Roses, wo es zumindest bei Ebbe auch einen Sandstrand gibt. Diese Steine sind wichtig, schützen sie doch die Küsten vor der Erosion der Wellen. In manchen Orten stehen sogar Schilder, die das Sammeln der Steine unter Strafe stellen.

Unzählige Steine bilden den Strand von Fécamp an der Alabasterküste.
Fécamp im Abendlicht

In Fécamp treffen wir auch erstmals auf die weissen Klippen der Alabasterküste. Alabaster ruft Assoziationen von vornehmer Schönheit und Transluzenz hervor. Was vor allem auf die Klippen von Étretat zutrifft. Dort sieht man wie mit dem Lineal gezogene gleichmässige dunkle Linien in den Klippen. Dabei handelt es sich um Feuersteine, die die Klippen durchziehen. Durch die Erosion von Wasser, Feuchtigkeitsschwankungen und daraus entstehenden Risse und Frost, rutschen immer wieder Teile der Klippen ab. Das Meer setzt die Feuersteine frei und schleift sie. So entstehen diese Strände aus Kieselsteinen.

An den Klippen von Étretat sind die Schichten von Feuersteinen besonders gut in den Klippen der Alabasterküste zu erkennen.
Linien aus Feuersteinen

In Fécamp haben wir eine ideal gelegene Ferienwohnung mit 2 Schlafzimmern gemietet. Nur 2 Minuten vom Hafen entfernt gelegen, aber der sanierte Altbau ist sehr hellhörig oder Geister schlurfen nachts durch unser Appartement. Von hier aus starten wir zu unseren Exkursionen an der Alabasterküste. Wobei auch Fécamp einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

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Sehenswürdigkeiten in Fécamp

Der Hafen mit seinen Booten und den beiden Leuchttürmen, die die Hafeneinfahrt markieren, hat eine starke Anziehungskraft. Am Hafen befindet sich auch das Tourismus-Büro. Da wir eine Bootstour unternehmen, lernen wir den Hafen noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Der Hafen wurde 1889 errichtet. Die Holzmole zu beiden Seiten der Hafeneinfahrt diente dem Ziehen der Schiffe in den Hafen.

Der rote Leuchtturm an der Hafenausfahrt von Fécamp mit der hölzernen Hafenmole vom Wasser aus gesehen.
Heute ist die hölzernen Mole bei Spaziergängern beliebt

Fécamp hat eine lange Tradition im Fischfang. Bis nach Neufundland waren die Flotten unterwegs, um Kabeljau, Schellfische, Makrelen und Hering zu fangen. Und seit Jahrhunderten wurde in Fécamp Fisch geräuchert. Der Geruch dürfte atemberaubend gewesen sein. Das Musée de Pêcheries erzählt die Geschichte. Allerdings hat sich bei unserem Besuch keine Gelegenheit ergeben, das Museum zu besuchen. Vom Glasaufbau auf dem historischen Gebäude muss man eine schöne Aussicht über den Hafen haben.

Der Hafen von Fécamp vom Wasser aus gesehen. Über den alten Häusern thront die Glaskuppel des Fischerei Museums.
Die Glaskuppel überragt die alten Gebäude

Die Aussicht auf Fécamp kann man aber auch von den Klippen, die Fécamp einrahmen, geniessen. Allerdings ist der Wanderweg am Cap Fagnet bei unserem Besuch gesperrt. Insofern haben wir die Aussicht auf den Ort auf unserer Wanderung nach Yport auf der anderen Seite von Cap Fagnet und auf einer Schiffstour nach Étretat genossen.

Fécamp, ein hübsches Städtchen an der Alabasterküste, mit seiner Promenade, seinem Steinstrand, Hafen und Cap Fagnet von oben gesehen.
Blick auf Fécamp

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Fécamp ist der Benediktinerpalast, der Ende des 19. Jahrhunderts im Neorenaissancestil erbaut wurde. Dieser Palast ist heute eine Mischung aus Palast, Museum und Produktionsstätte des berühmten Kräuterlikörs. Allerdings konnte man den Benediktinerpalast nur im Rahmen einer 1,5-stündigen französisch-sprachigen Führung mit anschliessender Verkostung besuchen. Führungen in Englisch oder mit Audioguide waren nicht möglich. Selten wurden wir so unfreundlich behandelt, insofern haben wir dankend verzichtet.

Ein verspielter Palast im Stil der Neo-Renaissance ist das Palais Bénédictine in Fécamp.
Extravagantes Dekor schmückt den Palast im Inneren

Wanderung von Fécamp nach Yport auf dem GR21

Die Fernwanderwege in Frankreich, die sogenannten Grand Randonnée, ziehen sich auch durch die Normandie. Es sind die alten Wege der Fischhändler, der Zöllner oder Pilgerer. Ihre Wege führen entlang zahlreicher Sehenswürdigkeiten. So liegen beispielsweise Roche-Guyon oder die Abteien in der Schleife der Seine am Fernwanderweg entlang der Seine. Zu den beliebtesten Küstenwanderwegen der Normandie zählt jedoch der GR21 entlang der Alabasterküste. Der rund 190 Kilometer lange Wanderweg führt von Le Tréport bis Le Havre und folgt dabei den weissen Klippen der Normandie.

Wir wandern nur ein 6,5 km kurzes Teilstück von Fécamp nach Yport. Die eigentliche Etappe würde auf 18,7 km Länge nach Étretat führen.

Blick auf die Alabasterküste von der Promenade beim Casino in Fécamp.
Diese Ansicht hat auch Monet in einem seiner Bilder festgehalten.

Unterhalb der Kreidefelsen gelaufen, wäre man viel schneller in Yport, aber einerseits läuft das Wasser gerade auf und andererseits ist der Weg gesperrt. Der Wanderweg führt uns hinter dem Casino von Fécamp hoch auf die Klippen der Alabasterküste. Anfänglich verläuft der Weg noch in Sichtweite der Küste. Doch je weiter wir uns Yport nähern, umso weiter entfernen wir uns von der Küste.

Noch einmal sehen wir zurück auf Fécamp, jedoch versperrt eine bewachsene Klippe der Alabasterküste teilweise den Blick auf die Strandpromenade.
Blick zurück
Auf dem Weg von Fécamp nach Yport leuchtet ein Rapsfeld gelb, während das Meer als schmale Linie vor dem Himmel erscheint.
Farbkontraste der ländlichen Normandie

Wir bummeln durch Yport zum Meer. Allerdings haben wir nicht sehr viel Zeit zum Verweilen, denn wir wollen den Mittagsbus zurück nach Fécamp nehmen.

Die Strandpromenade von Yport ist gesäumt von blau-weissen Badehäuschen.
Yport ist ein kleiner Bade- und Fischerort

Hinter den Kabinen ist es wunderbar windgeschützt. Kinder spielen und Erwachsene sitzen auf den Bänken und lesen.

Die farbigen Fischerboote, die jetzt am Steinstrand im Schutz einer grossen Klippe der Alabasterküste von Yport warten, erinnern an die Tradition als Fischereihafen.
Romantik am Hafen von Yport

Für einen Euro pro Person bringt uns der Bus, der zwischen Fécamp und Ètretat pendelt, von Yport zurück zum Bahnhof in Fécamp.

Étretat – die «gigantischste Architektur der Welt»

Étretat an der Alabasterküste der Normandie zieht Besucher aus aller Welt an. Die weissen Kreideklippen mit ihren Bögen und Felsnadeln gehören zu den bekanntesten Naturwundern Frankreichs.

Der Besucherandrang in Étretat, die Begeisterung der Maler, die die Klippen, Bögen und Felsnasen immer wieder auf die Leinwand gebannt haben, haben ihren Grund. Die weissen Klippen von Étretat an der Alabasterküste sind einzigartig anzusehen. Um die Klippen bei Étretat zu erkunden, hast du verschiedene Möglichkeiten. Unser absoluter Favorit ist die Tour im Speedboot von Fécamp nach Étretat bei schönem Wetter, denn die Perspektive vom Wasser ist absolut einzigartig.

Eine andere Möglichkeit ist es, rechts und links auf die Étretat einrahmenden Klippen der Alabasterküste zu steigen. Ein besonderes Highlight sind die Gärten von Étretat, wo sich Natur, Landschaft und Kunst auf einzigartige Weise verbinden.

Update 2025: Die Strände, ausgenommen der Strand an der Promenade in Étretat wurden wegen der Gefahr herabstürzender Felsen gesperrt. Auch ist es verboten, die ikonischen Felsdurchbrüche zu durchqueren.

Tipp: Übernachte ein oder besser zwei Nächte in Étretat, denn dann hast du die Möglichkeit, die Gezeiten besser planen zu können und auch einen schönen Sonnenuntergang zu erleben.

Mit dem Speedboot nach Étretat

Trotz Sonnenschein ist es windig und kühl als wir 17.00 Uhr ins Speedboot steigen. Entsprechend dick eingemummelt quetschen wir uns in die Sitze des Speedboots. Mit ordentlicher Geschwindigkeit nähern wir uns schnell dem ungefähr 20 km entfernten Étretat. Die Wellen lassen das Boot hart aufschlagen. Und dann tauchen sie auf, die berühmtesten Klippen von Étretat an der Alabasterküste. Die spektakulären Bögen hat ein Süsswasserfluss in grauer Vorzeit geschaffen.

Der Preis für die Bootsfahrt ist nicht ganz billig, aber wir sind froh, dass wir diese Tour unternommen haben. Die Perspektiven vom Wasser sind einzigartig und vermitteln auch ein ganz anderes Gefühl für die Höhe der Klippen von Étretat.

Die Falais d'Aval ist eine Felsklippe mit einem Bogen an der Alabasterküste bei Étretat. Hier befindet sich auch das Loch zum Mann.
Spektakulär, die Falaise d’Aval

Vor der Höhle unterhalb der Klippen von Étretat wurde 1777 eine Austernfarm errichtet, deren Reste man bei Ebbe noch sehen kann. Hier vermischt sich das Süsswasser eines unterirdischen Flusses mit dem salzigen Meereswasser, was zu einem besonderen Geschmack der Austern führte. Marie Antoinette liess sich mit diesen Austern beliefern, die an dieser Stelle nur zur Abrundung des Geschmacks für ungefähr 4 Monate reiften. Das Thema Austernfarm wird in den Gärten von Étretat aufgegriffen.

Le Trou á l'Homme ist eine natürliche entstandene Höhle, durch die ein Tunnel gegraben wurde. Alabasterküste bei Étretat
Das Loch zum Mann

Geschichten und Geschichte

In der Höhle Trou à l’Homme in den Klippen von Étretat überlebte ein Schiffbrüchiger gerade so als 1792 das schwedische Schiff in einem schrecklichen Sturm unterging. So erhielt die Höhle ihren Namen «Das Loch zum Mann». 1920 wurde ein Tunnel gegraben, der eine Verbindung zum Strand von Jambourg schafft. Bei Ebbe kann man durch die Höhle wandern, aber den Gezeitenplan sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man nicht 6 Stunden ausharren will.

Vor den Klippen in Étretat beginnen die Erklärungen der Kapitänin. Allerdings ist das Französisch viel zu schnell. So konzentriere ich mich auf die Kamera, die ich mitgeschleppt haben. Das Schaukeln des Bootes ist nicht nur für die Fotografie herausfordernd, wenn man zu Seekrankheit neigt.

Im Torbogen von Aval ist die Kapelle Notre Dame de la Garde zu sehen. Neben dem Torbogen steht die sogenannte Hohlnadel l'aiguille creuse. - Étretat
Torbogen von Avale mit Kapelle Notre-Dame de la Garde und l’aiquille creuse

Diese Perspektive mit der Kirche Notre-Dame de la Garde im Torbogen von Avale hast du nur vom Wasser aus. Die Felsnadel von Étretat, die sogenannte Aiguille Creuse, wurde spätestens mit der Netflix-Serie Lupin bekannt. Diese Serie beruht auf der Romanvorlage von Maurice Leblanc. Arsène Lupin war eine Art französischer Robin Hood. Im Roman von Leblanc soll die Felsnadel im Inneren hohl sein und einen märchenhaften Schatz enthalten.

Das Schlüsselloch ist ein Loch in Form eines Bartschlüssels in den Klippen der Alabasterküste von Étretat.
Das Schlüsselloch
Verschiedene Höhlen in der Klippe und das Schlüsselloch von der Schmugglerbucht aus gesehen. Alabasterküste bei Étretat
Die Schmugglerbucht mit der Rückseite des Schlüssellochs

Das «Schlüsselloch» ist auf einen natürlichen Einsturz der Wand zurückzuführen, durch die früher Süsswasser floss. Es mündet in der Schmugglerbucht, wo man gut verschiedene Höhlen entdecken kann. In diesen wurden die Schmuggelwaren wie Tabak, Alkohol, Kaffee und Tee im 17. und 18. Jahrhundert deponiert.

Süsswasseraustritt aus den Felsen am Strand bei Etretat.
Ein Süsswasserfluss fliesst hier aus den Felsen
Am Strand von Tilleuls bei Étretat sieht man gut die Verwitterung der Klippen. Während ein Teil langsam von Grünzeug bewachsen wird, sieht man auf der anderen Seite die Reste der Felsstürze.
Felssturz am Strand von Tilleuls

Auf dem Rückweg entlang der Alabasterküste halten wir auch immer wieder an einzelnen Punkten an. Yport und Fécamp vom Wasser aus zu sehen, bringt eine neue Perspektive auf die Orte. Vor der Hafeneinfahrt in Fécamp begegnet uns noch ein Schiff, welches vom Offshore-Windpark zurückkommt.

Neben dem Hafen von Fécamp ragen die höchsten Klippen der Alabasterküste auf. Das grüne Schiff und der rote Leuchtturm bilden ein schönen Kontrast.
Rückkehr in den Hafen von Fécamp.

Anreise mit dem Auto und Parken in Étretat

Die Parkplatzsituation in Étretat ist angespannt. Selbst bei unserem Besuch in der Nebensaison war es schwierig, einen Parkplatz zu finden. Solltest du mit dem Auto anreisen und nicht gleich morgens früh da sein, sparst du dir am besten den Versuch einen Parkplatz auf den Parkplätzen der Innenstadt zu bekommen und fährst gleich zum Parking du Valaine an der Strasse nach Le Havre. Von dort ist ein Spaziergang zur Strandpromenade. Du sparst dir damit Zeit und deine Nerven werden auch geschont.

Falaise d’Amont – Aussichtspunkt über Étretat

Wir besuchen Étretat an einem windigen und trüben Tag und steigen hinauf zur Falaise d’Amont, einer der beiden grossen Klippen oberhalb des Ortes. Auf dieser Klippe liegen auch die berühmten Gärten von Étretat. Wer nicht gut zu Fuss ist, kann auch mit einem kleinen Züglein nach oben fahren.

Das einzig bunte an diesem tristen Tag in Étretat an der Alabasterküste sind die Boote, die auf den Sommer warten.
Wenigstens etwas Farbe an diesem Tag

Immer wieder bieten sich Ausblicke auf die Strandpromenade und die Klippe von Aval beim Aufstieg an. Allerdings ist dieses Novembergrau ein Stimmungskiller.

Die Porte d'Aval in Etretat bei auflaufendem Wasser an einem grauen Tag von der gegenüberliegenden Seite gesehen, ist weniger spektakulär als auf der Bootstour entlang der Alabasterküste.
Porte d’Aval

Neben den Ausblicken auf die Küste steht auf der Falaise d’Amont die gotische Kirche Notre-Dame de la Garde aus dem Baujahr 1854. Unübersehbar ragt auch eine «Nadel» in die Höhe. Diese gehört zum Denkmal für die Piloten Charles Nungesser und François Coli, welche 1927 versuchten den Atlantik zu überqueren und verschollen sind.

Die Kirche auf Falaise d’Amont von Etretat ist der Schutzpatronin der Seeleute geweiht. Leider ist sie geschlossen.
Hier bei der Kirche könnte man traumhafte Sonnenuntergänge geniessen

Wir lassen uns durchpusten und wandern eine ganze Weile oben an den Klippen entlang. Wie anders war doch die Perspektive auf der Bootstour von Fécamp. Irgendwann haben wir genug und drehen um. Rundwanderwege gibt es hier nicht. Schliesslich wollen wir noch die berühmten Gärten von Étretat in Augenschein nehmen.

Blick von oben auf den Klippen in Étretat an der Alabasterküste auf den"Elefanten".
Die Klippen sind nur an wenigen Stellen gesichert.

Die märchenhaften Gärten von Étretat

Die Gärten von Étretat liegen auf der Falaise d’Amont hoch über dem Meer. Hier verbinden sich Landschaft der Alabasterküste, Kunst, Natur und Formschnitt zu einer aussergewöhnlichen Gartenanlage. Der Name im Plural kommt nicht von ungefähr. Die Anlage besteht aus sieben unterschiedlichen Gartenbereichen, die jeweils ein eigenes Thema aufgreifen und zusammen ein grosses Ganzes bilden.

Das Herzstück ist der Garten der Impressionen. Landschaft, Spiralen wie Meereswirbel und überraschende Blickachsen prägen diesen Teil des Gartens.

Man betritt den Garten durch den Jardin Avatar. In Sanskrit bedeutet Avatar wörtlich so viel wie «herabsteigen», womit die göttliche Präsenz gemeint ist. Der Besucher betritt mit dem Durchschreiten des Tores eine surreale Welt. Bäume, die Musik machen und Formschnitt. Die Alabasterküste spiegelt sich vielfältig im Garten wider – Wellen, Unterwasserwelten, Bögen.

Unterschiedlich farbige Blätter und Formen erschaffen eine fantastische Welt im Jardin Avatar, in den Gärten von Étretat.
Faszinierend, obwohl ich Formschnitt sonst nicht mag

Der Garten der Emotionen etwa nimmt das Thema der Austernfarm auf und soll die Unterwasserwelt symbolisieren. Die Skulpturen der Gesichter steht für die Emotionen des Meeres.

Grosse Gesichter ragen aus den hügelig geschnittenen Büschen. Ihr Gesichtsausdruck ist abhängig vom Blickwinkel. Skulpturen von Samuel Salcedo
Skulpturen von Samuel Salcedo

Der Jardin d’Aval ist Ort der Begegnung und des Verweilens. Wie passend, dass uns gerade hier die Katze begegnet und ihre Streicheleinheiten von den Besuchern eingefordert. Bezeichnend für diesen Garten sind auch die Eibenbögen und zahlreiche Frauenschuh Orchideen.

Ein Zen Garten mit 3D-Schallwellen aus Ton, die das Wort Kunst in verschiedenen Sprachen erzeugen. Sitzplätzen, die zum Meditieren einladen.

Na, bist du jetzt neugierig, die Gärten von Étretat zu erkunden? Diese Gärten verdanken wir der französischen Schauspielerin Madame Thébault, die Ende des 19. Jahrhunderts inspiriert von Monet begann, hier einen Garten anzulegen. Monet selbst schuf in Giverny einen der berühmtesten Künstlergärten Frankreichs.

Fasziniert von dieser Geschichte begann der Landschaftsarchitekt Alexandre Grivko 2017, die Anlage in Étretat neu zu gestalten. Heute gehören die Gärten von Étretat zur Liste der Great Gardens of the World.

Wir trinken noch einen Tee in den Gärten und spazieren dann langsam durch den Ort zurück zum Auto. Am nächsten Tag folgen wir der Alabasterküste weiter nach Veules-les-Roses.

Markt in Veules-les-Roses

Der kleine Ort platzt aus allen Nähten, kein Wunder heute an einem Mittwoch ist grosser Markttag. So fahren wir zum Parking des Falaises, einem grossen Parkplatz auf den Klippen, wo auch zahlreiche Wohnmobile einen schönen Platz gefunden haben. Durch einen kleinen Park mit Aussichtspunkten führt ein Weg nach unten in den kleinen Ort.

Auf dem Weg nach unten in den Ort Veules les Roses überblickt man einen Teil der Strandpromenade. Die Ebbe zeigt, dass es neben Steinen sogar einen Sandstrand an der Alabasterküste gibt.
Ein Sandstrand bei Ebbe …

Veules-les-Roses ist bekannt für den mit 1.149 m kürzesten Fluss Frankreichs, der dem Ort einen besonderen Charme verleiht und für die Rosen, die hier zahlreich wachsen. Noch blühen sie nicht. Wir stürzen uns in den Markt und folgen den kleinen Fluss. Dieser pittoreske Ort mit seinem kleinen Fluss schleicht sich in unser Herz.

Eine gedeckte Brücke führt zu lauschigen Plätzen an einer Terrasse in Veules les Roses.
Einfach zauberhaft

Bei einem Spaziergang entlang des Flusses entdecken wir die in Stein gemeisselten Spuren der Vergangenheit: zahlreiche Mühlräder, reetgedeckte Cottages, Villen, eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die im 16. Jahrhundert umgestaltet wurde. Der Ort ist bezaubernd und die Bewohner verwickeln einen gern in ein Schwätzchen. Veules-les-Roses hat die Auszeichnung zu einem der schönsten Dörfer zu Recht verdient.

Das alte Mühlrad und Wehr sind Zeugen der einst 11 Mühlen, die in Veules les Roses in Betrieb waren.
Elf Mühlen waren dereinst in Veules les Roses in Betrieb
Ein verwunschener Garten mit einem hübschen Fachwerkhaus steht am Fluss in Veules les Roses.
Von der Brücke über den Zaun geschaut
Ein reetgedecktes Fachwerkhaus steht am schilfbewachsenen Ufer des Flusses in Veules les Roses
Die gepflegten Häuser und Gärten tragen massgeblich zum Charme von Veules les Roses bei

Wir bummeln durch den Ort und verweilen zu lange, denn als wir das Meer wieder erreichen, ist die Flut zurückgekommen, sodass wir einen Spaziergang unterhalb der Klippen bei Veules-les-Roses auf einen anderen Normandie Besuch vertagen müssen. Beim nächsten Mal würden wir versuchen, in diesem zauberhaften Ort zu wohnen.

Dieppe

Nach dem Besuch von Veules-les-Roses ist Dieppe zunächst ein kleiner Kulturschock. Als erstes bahnen wir uns einen Weg durch die verstopften Strassen nach oben zur Chapelle Notre-Dame de Bonsecours. Die Kirche steht auf der Klippe wie ein Leuchtturm und ist von überall gut sichtbar. In der Kirche erinnern zahlreiche Schiffsmodelle und Gedenktafeln an die Seeleute und Schiffe, die das Meer nicht zurückgegeben hat. Es ist bedrückend und wir sind von der schieren Menge überwältigt.

Die Chapelle Notre Dame de Bonsecure in Dieppe von der Stadt aus gesehen. Sie steht auf den Klippen der Alabasterküste.
Chapelle Notre Dame de Bonsecure
Die Aussicht von der Klippe der Alabasterküste, auf der die Kirche in Dieppe steht, ist fantastisch.
Die Wohnmobil Plätze finden wir wenig ansprechend

Unsere Parkplatzsuche in Dieppe gestaltet sich anfänglich etwas schwierig. Wir hatten vor der Drehbrücke Parkplätze entdeckt. Aber auch nach zweimaligem kreisen haben wir die Einfahrt nicht gefunden. So fahren am Hafen entlang in Richtung Strandpromenade und hier gibt es zahlreiche kostenlose Parkplätze für PKWs und einen weiteren Stellplatz für Wohnwohnmobile.

Kurz vor uns ist die grosse Fähre von England eingelaufen. Wir beobachten eine Weile, wie das winzige Boot die dicken Leinen entgegennimmt und laufen dann zur Strandpromenade.

Gelb leuchtet die grosse Fähre im Hafen von Dieppe. Bei den dicken Tauen meint man, dass das kleine Boot, welches sie entgegennimmt, sinken müsste.
Wie eine Nussschale im Wasser wirkt das kleine Boot im Vergleich zur Fähre

Entlang der langen Promenade erinnern zahlreiche Schilder und Mahnmale an den Zweiten Weltkrieg. Dieppe war 1942 Schauplatz eines gescheiterten alliierten Landungsversuchs, bei dem von rund 6.200 Soldaten etwa 4.750 ihr Leben verloren. Erst beim Laufen merkt man, wie lang die Promenade wirklich ist. Irgendwann lassen wir uns von einem der zahlreichen Eiswagen verführen und machen es uns auf den Steinen am Meer bequem.

In Dieppe führen Holzstege zum Steinstrand. Auf den Kieselsteinen der Alabasterküste kann, man gut sitzen und das Meer beobachten
Wir und der Strand in Dieppe

Die Burg von Dieppe, wo sich das Stadtmuseum befindet, bewundern wir nur aus der Ferne. Zurück zum Auto wandern wir durch die Gassen der Innenstadt, da wir noch ein frisches Brot brauchen. Haben wir doch auf dem Markt in Veules-les-Roses lauter Leckereien gekauft, die unser heutiges Abendessen werden.

Fazit zu unserem Aufenthalt an der Alabasterküste

Die Faszination der Alabasterküste der Normandie liegt für mich im Zusammenspiel der Farben: die weissen Kreideklippen, das Meer und die kleinen Küstenorte, die sich dazwischen an die Küste schmiegen. Während unseres Aufenthalts war die Sonne zwar selten zu sehen. Doch jedes Mal, wenn sie kurz durch die Wolken brach, verwandelte sich die Landschaft und zeigte ihre ganze Schönheit.

Beim nächsten Mal würden wir nicht an einem Ort wohnen und immer fahren. Viel schöner wäre es, jeweils zwei Nächte in Étretat und Veules-les-Roses zu verbringen, um die Orte auch in den Randzeiten zu erleben und Ebbe und Flut besser planen zu können. Übernachtungen in Étretat* gibt es zahlreich, dagegen muss man für eine Übernachtung in Veules-les-Roses* früh buchen. Für Fécamp wäre ein Tag mehr als ausreichend gewesen.

Als Reisezeit würden wir beim nächsten Besuch wieder die Vor- oder Nachsaison wählen. Im Sommer dürfte es an vielen Orten sehr voll werden. Zudem waren bei unserem Aufenthalt einige Gärten noch geschlossen, etwa Shamrock mit der weltweit grössten Hortensiensammlung.

Dass unser Besuch in Le Havre wegen der übersehenen Stufe so schnell endete, empfinde ich bis heute als schade. Die Stadt hat uns mit ihrer Architektur überrascht. Der Vulkan von Oscar Niemeyer ist zwar ein Theater und kann nicht besichtigt werden, doch zum Komplex gehört auch die Stadtbibliothek. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und konnten uns in Ruhe umsehen. Eine beeindruckende moderne Bibliothek.

Hinweis: Wer die Musterwohnung des Architekten Perret sehen will, muss dies in der Touristeninformation ein paar Tage im Voraus reservieren.

Das innere Becken von Le Havre mit Fussgängerbrücke, dem Vulkan von Oscar Niemeyer und dem Kirchturm von Saint Joseph.
Le Havre ist die Stadt der Architekten
Eckige 50er Jahre Häuser und der Vulkan, der an den Kühlturm eines AKWs erinnert, mit dem weniger hohen Pendent der Stadtbibliothek in Le Havre.
Das Runde muss in das Eckige

Da ein Urlaub in der Normandie nie lang genug ist, um alle Sehenswürdigkeiten zu entdecken, kommen wir bestimmt wieder. Falls du noch weitere Inspiration für deinen Normandie Urlaub suchst, findest du auch bei meinen Blogger-Kolleginnen spannende Beiträge:

Im nächsten Normandie Beitrag entführe ich dich über die spektakuläre Ponte de Normandie ins idyllische Kloster Hambye.

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6 Comments

  1. Was für ein ausführlicher, interessanter Beitrag, liebe Susan. Wir waren über Ostern ebenfalls in der Normandie, hatten tatsächlich mehr Glück mit dem Wetter, und uns hat’s auch unglaublich gut gefallen. Ich sitze gerade selber an einem Beitrag 😉
    Liebe Grüße
    Julia

    1. Liebe Julia,

      ich erinnere mich, ein paar Insta Posts von dir gesehen zu haben. Ihr habt, glaube ich, auch die Landungsstrände besucht. Bin jedenfalls schon gespannt auf deine Beiträge zur Normandie. Die Zeit reicht ja nie, um alles zu sehen. Ich hätte noch Ideen für zwei weitere Aufenthalte in der Normandie.

      Liebe Grüsse
      Susan

  2. Ich musste tatsächlich erstmal schauen, wo die Alabasterküste ist. Aber sieht sehr schön aus muss ich sagen, auch die Bilder sind gut gelungen. Danke für die Tipps. Lg, Meike

    1. Hallo Meike,

      also wenn ich auf der Weltkarte deines Blogs schaue, dann hast du in Europa noch ein wenig Spiel. Da kann es schon vorkommen, dass man mal nachschauen muss, in welcher Gegend, was liegt. Geht mir mit den Provinzen in der Mitte Italiens regelmässig so. Aber schön, wenn dir der Beitrag gefallen hat.

      LG
      Susan

  3. Ein wirklich umfassender Bericht liebe Susanne. Besonders der Teil zu Veules lese, Rose und die Gärten von Etretat haben mich inspiriert. Weder ich bei meiner nächsten Tour in die Normandie sicher einplanen. Vielen Dank. LG Christiane

    1. Liebe Christiane,

      Veules les Roses und dir Gärten von Étretat waren auch für uns Highlights an der Alabasterküste. Da sich die ausgestellte Kunst und der Formschnitt in den Gärten von Étretat immer wieder ändern, würde ich diese Gärten bei meinem nächsten Besuch der Normandie auf alle Fälle auch wieder besuchen. Und Le Havre steht ja auch noch aus, nachdem mein kleiner Unfall die Weiterbesichtigung verhindert hat. Die Jardins Suspendu standen dort ganz oben auf meiner Liste. Gärten, die an die Hängenden Gärten der Semiramis erinnern und sich in einem alten Fort befinden, laden doch wirklich zu einem Besuch ein.

      LG Susan

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