Über die Pont de Normandie zur Abtei Hambye
Die Pont de Normandie, umgangssprachlich oft auch als Le Havre Brücke bezeichnet, ist eine Schrägseilbrücke der Superlative. Sie verbindet Le Havre und Honfleur. Wenn du die Seine nur aus Paris kennst, wirst du sehr erstaunt sein, wie breit sie sich kurz vor ihrer Mündung in den Ärmelkanal macht.
Mit dem Überqueren der Pont de Normandie verlassen wir endgültig die Alabasterküste. Die letzte Etappe unserer Reise führt uns zum Mont-Saint-Michel. Doch auf dem Weg dahin besuchen wir noch die Abtei Hambye.
Idyllisch in einem bewaldeten Tal gelegen, finden wir dort Momente tiefen inneren Friedens und fühlen uns plötzlich in Frankreich an Schottland erinnert.
Ich lade dich ein, mit uns die Pont de Normandie zu bestaunen, nach Fotospots zu suchen und dir das Leben in der Abtei Hambye anno 1500 vorzustellen.

Pont de Normandie – die Brücke über die Seine
Zahlen und Fakten
Bei Le Havre mündet die Seine in den Ärmelkanal. Bis Rouen, rund 120 Kilometer flussaufwärts, können grosse Fracht- und Kreuzfahrtschiffe die Seine befahren. Deshalb hat die Pont de Normandie selbst bei höchstem Wasserstand eine Durchfahrtshöhe von 52 Metern.
Die Brücke ist 2.141 Meter lang, hat eine Spannweite von 856 Metern und eine Steigung von bis zu 6 Prozent. Die Pylone sind 215 m hoch und dafür ausgelegt, notfalls auch der näheren Bekanntschaft mit einem Giganten der Ozeane standzuhalten.
Aufgrund der starken Winde in der Normandie entschied man sich für eine Schrägseilbrücke statt einer Hängebrücke. Dennoch dürfen LKWs sie bei starkem Wind nicht überqueren.

Maut
Die Pont de Normandie ist mautpflichtig. Die aktuellen Tarife findest du auf der Website der CCI Seine Estuaire.
Die Maut bezahlst du direkt an der Mautstation. Wie auf französischen Autobahnen wählst du die Spur passend zu deiner Zahlungsart. Bezahlen kannst du bar, mit Bankkarte oder Télépéage-Badge.
Fussgänger, Radfahrer und Motorradfahrer können die Pont de Normandie kostenlos überqueren. Radfahrer trennt allerdings nur ein weisser Streifen von den zahlreichen Fahrzeugen. Fussgänger schützt wenigstens ein kleiner Betonsockel. Als Fussgänger solltest du aber schwindelfrei sein.


Fotospots
Wenn du von Le Havre kommst, halte Ausschau nach der Aire de la Baie de Seine. Wir haben die Ausfahrt verpasst, weil wir so auf die Mautstation konzentriert waren. Bei dem Verkehr konnten wir nicht mehr rechtzeitig die Spur wechseln. Sehr ärgerlich.
Du kannst dort parken und beispielsweise über die Pont de Normandie laufen. Hin und zurück sind es etwa 5 km.
In diesem Bereich findest du auch Informationen zur Brücke und ihrer Konstruktion. Im Jardin des Ingénieurs sind unter anderem Bauteile in Originalgrösse zu sehen. Eine Ausstellung informiert zusätzlich über den Bau der Brücke.
Auch das Naturschutzgebiet der Seine-Mündung kannst du hier näher kennenlernen. Im Maison de la Réserve – Salle l’Avocette gibt es eine kostenlose Ausstellung über die verschiedenen Lebensräume der Flussmündung.
Durch das Feuchtgebiet führen Wege, von denen sich die Pont de Normandie zusammen mit Schilf und Wasserflächen fotografieren lässt. Wir haben dort jede Menge Fotografen gesehen, die auf Vögel gewartet haben.
Statt am Ende der Pont de Normandie zu wenden und noch zweimal Maut zu bezahlen, haben wir uns dafür entschieden auf der Seite von Honfleur nach schönen Aussichtspunkten zu suchen.
Gleich nach der ersten Abfahrtsmöglichkeit haben wir es vom Dach des Parkhauses eines Einkaufszentrums versucht, aber die Aussicht war nicht spektakulär. So sind wir weiter in dem neu angelegten Industriegebiet mit breiten Strassen und vielen Kreiseln herumgefahren und haben den Weg zur Brücke gefunden.

An diesem grauen Tag lenkt nichts von der schlichten Eleganz dieser Brücke ab. Die Stahlseile erinnern an eine Harfe. Wir begeben uns zu Fuss bis unter die Brücke und ein Stück dahinter. Der Weg stromaufwärts scheint für Fahrräder ewig möglich zu sein. Leider kann man auf der Seite von Honfleur nicht zur Mündung der Seine laufen, denn Hafenterminals versperren den Weg.
Tipp: Wenn du in Honfleur übernachtest, besuche die Brücke im Dunkeln. Nachts wird die Pont de Normandie beleuchtet.


Kurzer Abstecher nach Honfleur
In der Ferne sehen wir schemenhaft einen Hafen im Mündungsgebiet der Seine. Wir fahren zurück und suchen uns einen Weg nach Honfleur.

Diesen Versuch können wir mit den Worten «der Weg ist das Ziel» umschreiben. In Honfleur findet ein Fest mit Jahrmarkt statt. Der Ort platzt aus allen Nähten. So setzen wir so schnell es geht unseren Weg zur Abtei nach Hambye fort und verschieben Honfleur und die Blumenküste der Normandie auf ein anderes Mal.

Auch Caen lassen wir schweren Herzens links liegen und verzichten darauf, den berühmten Teppich von Bayeux in Augenschein zu nehmen. Wir fahren direkt nach Hambye zur gleichnamigen Abtei weiter.
Vor allem der Weg über Land ist wunderschön. Neben zahlreichen Rapsfeldern blühen erste Leinfelder und überall am Strassenrand wilde Orchideen.


Und dann erreichen wir die Abtei Hambye in einem bewaldeten Tal am Zusammenfluss der Sienne und der Doquette.
Abtei Hambye – ein Kleinod
Es ist einsam und friedlich hier. Das Licht, die Farben, die Gebäude, die an Cottages erinnern, der kleine Fluss, für einen Moment fühlen wir uns an Schottland erinnert. Die Sehnsucht erfasst uns mit unerwarteter Heftigkeit. Und wir saugen diese friedliche, ländliche Stille in uns auf.
Jemand fährt mit einer Schubkarre Feuerholz an uns vorbei und verschwindet hinter einem grossen Tor, das er sorgsam wieder schliesst. Das war also nicht der Eingang.
So fahren wir weiter, an der Abtei von Hambye vorbei und finden den Parkplatz. Ganz allein sind wir nicht. Es gibt hier aber auch einige Wanderwege.

Durch das Torhaus betreten wir die Abtei Hambye. Gleich daneben befindet sich ein kleiner Souvenirshop, wo wir die Tickets kaufen können. Zwei in Holz eingelassene Tablets mit grossen Griffen zeigen dem Besucher, wie die Abtei Hambye im 15. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.
Allerdings sind die beiden Tablets bei Kindern sehr beliebt. Es ist aber auch faszinierend, sich um sich selbst zu drehen, ein Stück zu laufen und zu sehen, wie das Bild sich zwischen Wirklichkeit und Illusion wechselt. Aber Achtung, mit einem Bildschirm vorm Gesicht sieht man die Hindernisse nicht.
Rundgang durch die Klosteranlage
Wir beginnen unseren Rundgang in der Kirchenruine und bewegen uns dann langsam in den Innenhof zum Kreuzgang, den Ställen und schliesslich in den Obstgarten. Bei den alten Klöstern der Normandie sind nur selten so viele Gebäude erhalten geblieben.


Im Obstgarten könnte die Zeit still stehen. Ein kleiner Bach fliesst mitten durch die Obstbäume. Die Vögel zwitschern und die Sonne scheint tatsächlich noch. Das hätten wir nicht erwartet, nachdem der Tag an der Pont de Normandie so neblig angefangen hat.
Im Obstgarten steht auch die Rekonstruktion eines Krans nach einem Bild von 1470. Ein bis zwei Arbeiter liefen im Laufrad. Ein Mechanismus verhinderte das Zurückdrehen des Rades. Der Kran konnte Lasten bis 600 Kilogram heben und auf der Baustelle dorthin gebracht werden, wo er gebraucht wurde.


Zum Schluss schauen wir uns noch die informative Ausstellung neben der Abteikirche an. Besonders praktisch für ausländische Besucher sind die Begleithefte in mehreren Sprachen, mit denen man den Erklärungen in der Ausstellung gut folgen kann.
Geschichte mit Happy End
Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert durch Guillaume Painel, den mächtigsten Herren im Cotentin gegründet. Gut gewählt war der Standort. So ist der Fluss im Tal bis heute Heimat von Forellen. Er diente als Antriebskraft für die Mühlen, die es damals hier gab.
Der Hügel bot Stein zum Bau der Häuser und der einstige Wald sorgte für Bauholz und Brennmaterial. Reich mit Mitteln bei der Gründung ausgestattet und dank reicher Spender florierte das Leben in der Abtei Hambye vom 12. bis 15. Jahrhundert. Der endgültige Niedergang begann im 17. Jahrhundert.

Die Abtei Hambye teilt das Schicksal der Abtei Jumièges und wurde als Steinbruch genutzt. Die Gebäude, die zu landwirtschaftlichen Zwecken verkauft wurden, blieben von diesem Schicksal verschont. Die Besitztümer wurden auf Auktionen verkauft, die fünf Glocken eingeschmolzen.

Ab 1830 bemühten sich verschiedene Einzelpersonen um den Erhalt der Abtei Hambye. 1902 wurde die Ruine der Abteikirche zum historischen Denkmal erklärt. Obwohl der Rest des Klosters 1925 folgte, geschah zunächst nichts zu seinem Erhalt.


Dann kaufte Familie Beck im Jahr 1956 einen Teil der alten Klostergebäude. Dr. Beck war Arzt und hatte die Absicht, einen Erholungsort zu schaffen. Erst zwei Jahre nach dem Kauf wurde das Ehepaar durch den Besuch des Vereins «Vieilles Maisons Françaises» auf den Wert der Abtei Hambye als Denkmal aufmerksam.
Danach bemühten sie sich um den Erhalt und die Bekanntmachung der Abtei. Sie zählt heute nach der Abtei des Mont-Saint-Michel zu den am besten erhaltenen Abteien der Normandie.
Für Elisabeth Beck wurde es ein Lebenswerk, für welches sie den Verdienstorden verliehen bekam. 1964 konnte das Departement Manche die Abteikirche, das Torhaus und das Konversenhaus von einem Landwirt erwerben. Danach erfolgte ein grosses Instandsetzungsprogramm.
Beten und Arbeiten im Kloster
Die Ordensregeln der Benediktinermönche fordern ein Gleichgewicht zwischen Gebet und Arbeit. Der Tag und die Nacht strukturierten sich um sieben Messen, denn die wichtigste Aufgabe der Mönche war das Gebet. Sieben Stunden verbrachten die Mönche so jeden Tag allein im Gebet.

Selbst im Kloster gab es eine Zweiklassengesellschaft von Mönchen. Solchen aus der Aristokratie und Laienbrüdern, die häufig nicht einmal Lesen und Schreiben konnten.
Insofern waren auch die Gelübde, die abgelegt wurden, unterschiedlich. Die aristokratischen Mönche konnten höhere Ämter im streng hierarchisch strukturierten Kloster anstreben. Die Laienbrüder (Konversen) dagegen waren in der Landwirtschaft und im Haus beschäftigt und mussten nur ein Gehorsamsgelübde abgeben. So durften sich die Mönche nur mit Genehmigung des Abtes ausserhalb des Klosters bewegen oder gar speisen.
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Hallo
Die Normandie ist wirklich immer eine Reise wert. Danke für den Sehnsuchtssteigernden Artikel.
Mike
Hallo Mike,
wenn ich es richtig weiss, warst du ziemlich lange in Frankreich und der Normandie unterwegs. Kein Wunder hast du Sehnsucht. Es ist aber auch ein schönes Fleckchen Erde.
LG Susan
Schade, dass ihr Honfleur verpasst habt. Das ist zwar megatouristisch, aber wirklich auch sehr hübsch. LG aus den Cotswolds (deren Orrtschaften mich sehr an die Normandie erinnern), Nadine
Liebe Nadine,
wir kommen sicher mal wieder in die Normandie. Das nächste Mal vielleicht mit Wohnmobil und etwas mehr Zeit, dann können wir auch einen zweiten Anlauf auf Honfleur nehmen. Ich bin schon gespannt auf deinen Reisebericht über Cotswolds.
LG Susan
In der Normandie war ich tatsächlich noch nie. Die Brücke sieht selbst auf den Fotos gigantisch aus.
LG Dagmar
Hallo Dagmar,
wenn du noch nie in der Normandie warst, hast du ja noch ein schönes Reiseziel vor dir. Es gibt so viele tolle Orte in der Normandie zu entdecken, dass ein Urlaub sowieso nicht ausreicht.
LG Susan