Duqm – ein Rock Garden in der Wüste

Duqm ist einer jener beeindrucker Orte, die wir auf unserem Weg von Salalah nach Muscat als Zwischenstation besuchen. Mitten im Nirgendwo gelegen, ist der im Bau befindliche Hafen von Duqm und die dazugehörige Sonderwirtschaftszone ein wichtiges Puzzlestück im grossen chinesischen Seidenstrassen-Projekt. Bevor wir Duqm wieder verlassen, versuchen wir einen Blick auf den Hafen zu werfen und machen uns auf die Suche nach dem Rock Garden. Der Ort ist eine einzige Baustelle.

Allerdings ist unser Vorhaben gar nicht so einfach in die Tat umzusetzen. In unserem schönen Hotel, dem Crown Plaza, kann man uns gar nicht weiterhelfen. Viele der Hotelangestellten sind Chinesen, die in einem Gebäudekomplex vor dem Hotel wohnen und wahrscheinlich nicht viel herumkommen. Ausserdem ändert sich durch die Baustellen die Zufahrt zum Rock Garden immer wieder.

Ich lade dich ein, uns durch Duqm auf der Suche nach dem Hafen und dem Rock Garden zu begleiten. Ausserdem erfährst du, was wir erleben als wir die Sonderwirtschaftszone Duqm verlassen und als einzige ausländische Gäste in einem kleinen Ort am Meer bei Al Sharqiyah auf unserem Weg zu den Schildkröten bei Raz al Jinz übernachten. Wie immer gilt, lass dich inspirieren und mache dir dein eigenes Bild.

Das Hinweisschild zum Hafen von Duqm gibt schon einmal eine Vorstellung von der Grösse des Hafens und der Sonderwirtschaftszone. Auf dem Hinweisschild sind die Quais 100 bis 499 und die Logistik Gebiete A und B ausgeschildert. Ein Taxi schiesst hinter dem Schild auf die Strasse zu.
Hinweisschild zum Hafen von Duqm gibt schon einmal eine Vorstellung von der Grösse des Hafens

Die Sonderwirtschaftszone Duqm

In der Sonderwirtschaftszone von Duqm ist alles ein wenig grösser. Die heute noch fast leeren Strassen sind für deutlich mehr Verkehr in der Zukunft gebaut. Aus dem einstigen Fischerdorf soll eine Metropole mit 100.000 Menschen werden, die hier leben und arbeiten. Schilder werben um Investoren, und an allen Ecken und Enden wird Tag und Nacht gebaut. Inzwischen ist auch der Flughafen in Betrieb.

Schilder am Strassenrand bewerben Bauland in der Sonderwirtschaftszone Duqm. Heute unvorstellbar, ist hier doch scheinbar ausser Wüste nichts.
Werbung am Strassenrand für Bauland

Die Sonderwirtschaftszone Duqm umfasst 2.000 Quadratkilometer, hat 70 km Küstenlinie und einen natürlichen Rock Garden. Sie bietet in- und ausländischen Investoren viele Anreize.

Ein Schwerpunkt ist die Erdölraffinerie und Petrochemie. In Duqm entsteht die dritte Ölraffinerie im Oman, ein Joint Venture der Oman Oil Company und der Kuwait Petroleum International. Um die Ölraffinerie mit Strom zu versorgen, baut die Duqm Power Company, ein Joint Venture der Oman Oil Company und von Gulf Energy, ein 326 Megawatt Kraftwerk und eine Anlage zur Meerwasserentsalzung. Es ist ein kombiniertes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Ausserdem ist ein 1.200 Megawatt Kohlekraftwerk in Planung.

Überdies baut China einen riesigen Industriepark in Duqm. Geplant beziehungsweise realisiert sind ebenfalls ein Kraftwerk, ein Werk für Solarmodule, eine Anlage zur Montage von Geländewagen, eine Anlage zur Entsalzung von Meerwasser, Petrochemie und ein 5 Sterne Hotel.

Vor allem die Golfstaaten setzen hier weitere Projekte um. Deren Arbeiter wohnen in fürchterlichen Container-Siedlungen oder einer Art Studentenwohnheimen. Busse fahren sie zu ihren Arbeitsorten. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass hier ein Werk zur Montage von Bussen geplant ist.

Duqm - Umgehungsstrasse vorbei an besseren Arbeiterunterkünften zeigt an Studentenwohnheime erinnernde Gebäude. Eingerahmt von den Gebäuden steht eine weisse Moschee. Vor den Gebäuden parken jede Menge Busse und Baufahrzeuge aller Art.
Duqm – Umgehungsstrasse vorbei an besseren Arbeiterunterkünften

Die Sonderwirtschaftszone Duqm soll einst die grösste in der Welt werden. Sie entsteht im Nichts, ungefähr auf halber Strecke zwischen Salalah und Muscat. Eine 36 km lange zweimal dreispurige Strasse verbindet den Hafen von Duqm mit dem Flughafen und den Touristen- und Wohngebieten. Weiterhin verläuft eine 35 km lange Umgehungsstrasse rund um die Stadt. Ausserdem werden 200 km Haupt- und Nebenstrassen gebaut, um die verschiedenen Zonen untereinander zu verbinden.

Ein Flughafen für 500.000 Passagiere und Frachtabfertigung verbindet Duqm mit dem Rest des Oman. Falls du dich für dieses gigantische Projekt interessierst, findest du mehr Informationen auf der offiziellen Seite der Stadt.

Auf dem Weg zum Rock Garden

Blick auf den Hafen

Auf dem Weg zum Rock Garden von Duqm kommen wir als erstes am Hafen vorbei. Der Hafen von Duqm ist das Herz dieser Sonderwirtschaftszone. Die Hafenbetreiber sind der Omanische Staat und ein Consortium namens Antwerp Port, welches aus dem zweitgrössten Hafen Europas, Antwerpen und der Rent a port (Unternehmen für Entwicklung und Betrieb eines Hafens) besteht. Erste Etappen im Bau sind bereits realisiert. So verfügt der Hafen über einen 2,2 km langen Gewerbequai für Schiffe mit einem Tiefgang von 18 m. Überdies gibt es ein Mehrzweckterminal, ein Containerterminal und ein Terminal für Schüttgut. Ein Roro (roll-on-roll-off) Terminal und ein Navy Terminal befanden sich im Bau und dürften inzwischen fertiggestellt sein. Gleichfalls soll auch ein Terminal für flüssige Massenprodukte mit vier Liegeplätzen fertiggestellt werden.

Ergänzt wird der Hafen durch Trockendocks. Geplant ist sogar die Anbindung der Terminals an eine in Planung befindliche Eisenbahnlinie zu den Bergbaugebieten im Hinterland des Oman.

Gerne hätten wir den Hafen näher in Augenschein genommen, aber Hafenrundfahrten gehören nicht zum Angebot. Wir müssen vor der Eingangskontrolle wenden.

Ein an eine Grenze erinnerndes Gebäude markiert den Eingangsbereich in den Hafen von Duqm. Hier ragen noch überall Kräne in die Luft. - Auf dem Weg in den Rock Garden von Duqm
Hafen von Duqm – Eingangskontrolle

Entlang einer anderen Strasse erhaschen wir schliesslich doch noch einen Blick auf Schiffe im Hafen von Duqm.

Schiffe liegen schon am Kai im Hafen von Duqm, während grosse Kräne das Hafengebiet noch erbauen
Blick auf den Hafen von Duqm
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Rock Garden Duqm – ein Felsgarten in der Wüste

Seit 40 Millionen Jahren ist die Wüste auf dem Gebiet von Duqm unverändert. Der Rock Garden von Duqm beherbergt ausgefallene Felsformationen aus Sandstein und Kalkstein. Vom Hafen kommend ist der Rock Garden ausgeschildert. Allerdings wird die Strasse etwas später ohne Umleitung gesperrt, weil sie noch nicht fertig gebaut ist.

Also nur Mut bei der Suche nach dem Eingang in den Rock Garden. Wir folgen einer holprigen Baustellenzufahrt neben der eigentlichen Strasse, die uns nach einem Kilometer über eine Rampe zu einem seitlichen Eingang führt.

Die Leitplanken deuten es an, dies wird mal eine Strasse und keine Landebahn. Jetzt verhindert diese Baustelle nur den Zugang zum Rock Garden.
Eine im Bau befindliche Strasse behindert die Zufahrt zum Rock Garden

Der Rock Garden soll Teil eines geologischen Parks in Duqm werden. Drei Quadratkilometer gross ist das Areal, indem die im Laufe von Millionen Jahren durch Wind bizarr geformten Steinskulpturen stehen.

Mit dem Auto kann man kreuz und quer durch diesen Rock Garden fahren. Wir folgen sichtbaren Fahrspuren im Sand, halten immer wieder an und laufen ein Stück. Es ist ein fantasievoller Ausflug, sieht doch jeder etwas anderes in den Felsen.

Ein Felsen, der oben filigran verwittert ist und an der Seite wie von einem Steinmetz poliert aussieht.
Ob die Felsen sich unterhalten?
Diese Steinformation im Rock Garden Duqm erinnert uns an ein grosses Insekt.
Ein Insekt im Rock Garden?
Dieser Felsen im Rock Garden von Duqm erinnert an den Kopf eines See-Elefanten.
Könnte das der Kopf eines See-Elefanten sein?
Dieser Felsbrocken im Rock Garden von Duqm sieht aus, als würde er gleich umfallen. Gwen stützt ihn.
Starke junge Dame
Das Fantasie-Tier ist eine Art Wurm aus zwei Gliedern bestehend, die entfernt an eine Bretzel erinnern. Am Ende sitzt ein länglicher Kopf - Rock Garden
Fantasie-Tier
Hier liegen riesige Donnerkeile, stehen Felsen in Pilzform und sehr filigrane Felsen auf einem wilden Haufen durcheinander im Rock Garden
So viele verschiedene Felsen
Zwei Felsen mit markanten Rillen erinnern hier an ein Labyrinth - Rock Garden Duqm
Wie diese Felsen wohl entstanden sind?
Ein Gnom in Denkerpose erinnert uns an einen Seher in der Wüste - Rock Garden Duqm
Seher in der Wüste
Ein Reptil ruht auf einem Sandhaufen - Rock Garden Duqm
Reptil auf Sandhaufen

Die Zeit vergeht wie im Flug, ohne, dass wir es geschafft hätten, einmal den gesamten Rock Garden zu erkunden. Wir müssen jedoch ins Crowne Plaza zurückkehren und aus-checken. Nach so viel Sand und Fels fällt die begrünte Auffahrt und der bunt bewachsene Parkplatz besonders ins Auge.

Ein Baum mit grünen Blättern hat schöne rote Blüten - Crown Plaza Duqm
Baum auf dem Parkplatz des Crown Plaza

Du kannst uns unterstützen, wenn du deine Übernachtung über unseren Link buchst, denn wir erhalten dann eine kleine Provision.

 
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Bye, bye Duqm – auf dem Weg nach Al Sharqiyah

Bei der Reiseplanung hatten wir ursprünglich mit dem Gedanken geliebäugelt, dem Reservat mit den weissen Oryx-Antilopen (Arabian Oryx Sanctuary) einen Besuch abzustatten. Schliesslich gelten sie auch als Einhörner der Wüste, denn wenn man sie von der Seite sieht, scheint es so als hätten sie nur ein Horn. Allerdings geht es zeitlich nicht auf und auf den Rock Garden hätten wir keinesfalls verzichten wollen. Die Informationen, wann Fütterungen sind und man die Tiere sehen kann, sind dünn. Um auf gut Glück zu fahren, hätten wir einen Tag länger in Duqm bleiben müssen. Ausserdem war die Anreise von Mirbat nach Duqm schon ein langer Tag im Auto. So erklärt es sich jedenfalls, dass wir eine der wenigen Übernachtungen im dünn besiedelten Gebiet in Al Sharqiyah gebucht haben.

Unser Navi kennt unser Ziel jedenfalls nicht. Immerhin den Ort zu finden, ist nicht schwer. Wir verlassen Duqm, winken dem Rock Garden noch einmal und fahren nach Norden. Wandernde Dünen auf der Strasse gestalten die Fahrt abwechslungsreich.

Warnschild Achtung Dünen besteht aus einem roten Dreieck, in der Mitte ein schwarzer Pfeil, der halb durch eine Sandwolke von links kommend, verdeckt wird - Von Duqm auf dem Weg nach Al Sharqiyah
Warnung vor den Dünen
Düne beim Versuch die Strasse zu überqueren auf dem Weg von Duqm nach Al Sharqiyah
Da ist auch schon die erste Düne, die versucht, die Strasse zu überqueren.
In der Sandwüste gibt es nicht nur wandernde Dünen, auch Büsche wachsen hier. Von Duqm Richtung Norden nach Al Sharqiyah
Dünen, wohin das Auge sieht
Die Strasse von Duqm nach Norden entlang der Küste führt durch eine faszinierende Dünenlandschaft
Mitten in einem Meer aus Sand

Überraschenderweise gibt es auch immer wieder Streckenabschnitte mit Bäumen und Büschen.

Bäume und Büsche auf einem sandig bis kiesigem Untergrund auf dem Weg von Duqm nach Al Sharqiyah
Die Wüste lebt
Bald ändert sich die Landschaft wieder. Gelbe flache Pflanzen wachsen auf dem Sand, hohe Bäume und Felsen umgeben uns nun auf dem Weg von Duqm nach Norden
Die Landschaft ist abwechslungsreich
Wie es sich für eine Wüste gehört, wandern Kamele durch den Sand - Von Duqm nach Al Sharqiyah
Kamele im Sand

Als wir unser Ziel so langsam erreicht haben müssten, versuchen wir eine Strasse zum Meer zu finden. Da die Unterkunft direkt am Meer liegt, müsste sie zu finden sein. Allerdings stellt sicher heraus, dass wir schon an der Strasse am Meer sind. Klassischer Fall von «vor lauter Sand das Meer nicht sehen».

In einem kleinen Dorf fragen wir mal wieder einen Einheimischen, der allerdings kein Wort Englisch spricht. Immerhin versteht er, wohin wir wollen. Mit seinem Auto fährt er vor uns her und bringt uns zurück zur Strasse, von der wir abgebogen sind. Anschliessend zeigt er nach Norden und fünf Finger. Wir interpretieren das mal als fünf Kilometer, aber wahrscheinlich waren es Meilen, denn nach fünf Kilometern kommt kein Schild und kein Abzweig.

Jörg, nun schon ganz hippelig folgt einfach einer Spur im Sand zum Meer. Erwartungsgemäss ist dies nicht die Hotelzufahrt. Der Weg führt nur zu einem Picknickplatz, aber wir sehen die Bungalows in der Ferne.

Als einzige ausländische Touristen im Saqla Resort

Das Saqla Resort besteht aus mehreren, teilweise zusammengebauten Bungalows am Meer. Es wurde vor 3 Jahren eröffnet und seine Räume sind sehr einfach möbliert. Das Bad ist eine recht gewagte Bastelkonstruktion. Der Wasserhahn am Waschbecken ist nicht angeschraubt, die Dusche verfügt über einen 5 Liter Warmwasserboiler und vom Duschbecken reden wir nicht. Aber die Lage – einsam am Meer – ist schön. Und Auswahl gibt es in diesen dünn besiedelten Küstenabschnitten auch nicht wirklich.

Saqla Resort - Bungalows am Strand mit gelb verspiegelten Fenstern
Bungalows am Strand

Wie wir später feststellen, übernachten hier nur einheimische Pärchen. Diese bringen die Zutaten für Picknicks mit und grillen auf der Terrasse oder am Strand nach 21.00 Uhr. Sobald es dunkel wird, spazieren sie am Strand auf und ab.

Saqla Resort wir vertreiben uns die Zeit bis zum Abendessen am Meer
Saqla Resort – Warten auf das Abendessen.

Da alle ihr Essen dabei haben, kocht der Koch des Restaurants für uns allein. Zur Auswahl steht Hühnchen oder Hühnchen. Immerhin können wir das Huhn ohne Knochen als eine Art Curry-Frikassee bekommen. Es schmeckt nicht schlecht. Und obwohl wir den Koch schon auf eineinhalb Hühner heruntergehandelt haben, ist dies immer noch eine sehr ambitionierte Portion für uns.

Den Rest des Abends geniessen wir bei Gesellschaftsspielen auf der Terrasse bis der defekte vierte Plastikstuhl, den wir auf Nachfragen erhalten haben, endgültig seinen Geist aufgibt. Die Mädchen hatten Lust Volleyball zu spielen, aber leider wurde der Ball seit seinem Verschwinden auch nicht mehr ersetzt.

Unsere Nachbarn bringen uns schüchtern eine Kostprobe von gegrillten Kamelfohlenracks. Sehr lecker. Leider kommt man so gar nicht wirklich ins Gespräch, weil Männer nur untereinander reden. Die beiden einzigen Male auf dieser Reise, wo wir wirklich ins Gespräch kommen, sind in Al Hamra und beim Besuch der Sultan Qaboos Moschee in Muscat.

Am nächsten Tag geht es auf unserer Reise durch den Oman weiter zu den Schildkröten bei Ras al Jinz. Dann wird es wieder touristischer.

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