Glasgow in 2 Tagen – Sehenswürdigkeiten & Jugendstil
Glasgow, der „nette grüne Ort“, zumindest wenn man die Übersetzung aus dem Gälischen wörtlich nimmt, ist heute die grösste Stadt Schottlands. Früher war Glasgow für die Schwerindustrie bekannt. Doch die Stadt soll sich gewandelt haben. Neugierig fragen wir uns, was uns auf diesem Städtetrip nach Glasgow erwartet und welche Sehenswürdigkeiten uns am meisten ansprechen werden. Gespannt sind wir auf den Glasgower Jugendstil und die Entwürfe von Charles Rennie Mackintosh.
In diesem Beitrag bekommst du praktische Hinweise für die Planung deiner Städtereise nach Glasgow. Ich zeige dir Sehenswürdigkeiten, stelle dir unsere Highlights vor und kann dir jetzt schon sagen, dass 2 Tage in Glasgow zu kurz sind für diese spannende Stadt. Lass dich inspirieren und mache dir dein eigenes Bild.

Praktische Tipps für den Städtetrip nach Glasgow
Bevor ich dir Glasgows Sehenswürdigkeiten vorstelle, möchte ich noch ein Wort zur Besonderheit Glasgows sagen. «People make Glasgow» – die Menschen sind das, was Glasgow ausmacht. So lautet der Slogan der Stadt. Die Einwohner von Glasgow werden genauso wie der Dialekt, den sie sprechen, Glaswegian genannt.
Und tatsächlich wurde Glasgow zur freundlichsten Stadt Schottlands gekürt. Davon, dass die Menschen freundlich, hilfsbereit und interessiert sind, können wir uns mehrfach überzeugen. Schon gleich an unserem ersten Morgen, als wir das Visitor Center vergeblich suchen. Es befindet sich, nach mehreren Umzügen, jetzt direkt unterhalb des Shopping Centers Buchanan Galleries.

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Anreise nach Glasgow
Von europäischen Destinationen wird meist Edinburgh angeflogen, auch wenn Glasgow einen eigenen Flughafen hat. So werden die meisten Besucher wahrscheinlich wie wir von Edinburgh nach Glasgow reisen. Da Glasgow für uns nur ein Stopp auf unserer Schottland Rundreise ist, sind wir mit dem Mietwagen unterwegs. Man kann aber auch mit dem öffentlichen Verkehr gut nach Glasgow fahren.
Ab Edinburgh Flughafen stellen beispielsweise die Airlink Busse eine schnelle Verbindung in die Innenstadt dar. Die Züge nach Glasgow fahren dann ab Weaverley Station. Mehr zu den Sehenswürdigkeiten in Edinburgh und dem ÖV in Edinburgh erfährst du in den verlinkten Beiträgen.
Übernachtung in Glasgow
Ich empfehle dir ein Hotel in der Innenstadt zu buchen, selbst wenn du mit dem Auto anreist. So kannst du die Sehenswürdigkeiten von Glasgow auf deinem Städtetrip am einfachsten erkunden. Viele Hotels bieten vergünstigte Parkplätze in nahegelegenen Parkhäusern an.
Buchanan und Sauchiehall Street sind die beiden Fussgängerzonen. Hier spielt die Musik im wahrsten Sinne des Wortes. George Square mit Merchant City liegt zentral im Herzen von Glasgow. Verkehrslärm, Baustellenlärm und geschäftig hin und her eilende Menschen mischen sich hier. Central Station ist nicht weit entfernt. Viele Buslinien haben hier einen Stopp. Auch die Hop-on-Hop-off Busse starten hier.
Wie bewegst du dich in Glasgow am einfachsten fort?
Die bequemste Variante, einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Glasgow zu bekommen, sind die Hop-on-Hop-off Busse. Diese fahren ab George Square im Uhrzeigersinn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an.
Tipp: Wenn du ein Wochenende in Glasgow verbringst, lohnt sich oft das 2-Tage-Ticket für einen geringen Aufpreis.
Wir probieren die U-Bahn aus. Das Tagesticket der kreisförmig um die Innenstadt fahrenden U-Bahn ist deutlich günstiger als die Hop-on-Hop-off Busse, aber dafür musst du grössere Strecken laufen. Vor allem, wenn du die etwas ausserhalb der Innenstadt liegende St. Mungo’s Cathedral und die Nekropolis besuchen möchtest.
Der Inner Circle fährt gegen den Uhrzeigersinn, der Outer Circle im Uhrzeigersinn. Je nachdem, wo du zusteigst und wohin du fahren willst, entscheidest du dich für die kürzere Runde. Allerdings solltest du nicht unter Platzangst leiden. Die U-Bahn ist sehr niedrig.

Sie verkehrt montags bis samstags von 6.30 Uhr bis 23.40 Uhr. Sonntags fährt sie nur von 10.00 Uhr bis 18.12 Uhr. An Tagen mit Fussballspielen sollte man die U-Bahn besser meiden, haben wir uns sagen lassen.
Glasgow ist die einzige schottische Stadt mit einer U-Bahn. Diese wurde schon sehr früh, nämlich 1896 gebaut.
Nachdem wir uns am ersten Tag unserer Städtereise in Glasgow trotz U-Bahn-Nutzung die Füsse wundlaufen, greifen wir am zweiten Tag auf unseren Mietwagen zurück.
Wie viele Tage solltest du in Glasgow bleiben?
Je nach Interessen würden wir dir 3 bis 4 Tage für deine Städtereise nach Glasgow empfehlen. Bei der Planung solltest du nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Museen im Blick haben. Denn eine Besonderheit macht die Stadt in unseren Augen sehr freundlich: Alle städtischen Museen Glasgows sind kostenlos zu besuchen.
Und Glasgow hat aufregende Museen. Unsere Zeit hat jedoch nur für die Kelvingrove Art Gallery, das Riverside Museum und den Botanischen Garten gereicht.

Glasgow Sehenswürdigkeiten entdecken
Welche der Sehenswürdigkeiten und zahlreichen Museen schaut man sich auf seinem 2-Tage-Städtetrip in Glasgow an? Ganz sicher die Klassiker wie die St. Mungo’s Cathedral und die Kelvingrove Art Gallery. Zu unseren Highlights in Glasgow gehörten aber auch der Besuch der University of Glasgow und das House for an Art Lover, dessen Entwürfe Mackintosh 1901 bei einem Architekturwettbewerb eingereicht hat.
Berücksichtige bei der Planung deines Städtetrips, dass Glasgow weitläufiger ist, als man denkt. Einige Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander, wie Glasgow Cathedral und die Nekropolis oder im Westend die University of Glasgow und die Kelvingrove Art Gallery. Zwischen diesen beiden Punkten liegt jedoch ein Fussweg von etwa einer Stunde, wenn du nicht die Hop-on-Hop-off-Busse oder Verbindungen des öffentlichen Verkehrs nutzt. Nachfolgend findest du eine kleine Auswahl unserer Highlights.
Glasgow Cathedral und die Krypta von St. Mungo
Läufst du zum Kirchenbezirk siehst du auf den ersten Blick drei Kirchen. Wir mussten erst einmal kurz überlegen, welche wohl die Kathedrale ist.
Die St. Mungo’s Cathedral, auch Glasgow Cathedral oder Kentigern’s Cathedral genannt, ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden. Kentigern ist ein anderer Name für Mungo. Der Legende nach soll der Heilige Mungo eine Kapelle errichtet haben. Auf seinem Grab bauten die Menschen später eine Kathedrale und drumherum die Stadt Glasgow. Das Grab des Heiligen Mungo ist in der Krypta der Kirche zu besuchen.

Die Kathedrale wurde 1136 geweiht. Viele schottische Kathedralen jener Zeit fielen den Kriegen und der Reformation zum Opfer, nicht so St. Mungo’s. Als Besucher betritt man die Kathedrale durch einen Seiteneingang. Die Lichtverhältnisse und zahlreichen Besucher machen es jedoch etwas schwierig, zu fotografieren. Die Kathedrale hat neben vielen Buntglasfenstern einen steinernen Chor sowie eine schöne Holzdecke mit Wappen.


Richtig spannend fanden wir die Krypta. Hier, wo die vielen Säulen das Gewicht der Kathedrale tragen, herrscht eine besondere Atmosphäre. Da die Kathedrale in den Hang gebaut wurde, geht es sogar zwei Etagen tief und es kommt Tageslicht herein. Wir haben uns versucht vorzustellen, wie hier das geistliche und weltliche Leben aussah.

Tipp: In der Kathedrale wird per QR Code auf verschiedene Choraufnahmen aus einer ganzen Reihe von Liedern aus Missa Dum sacrum mysterium von Robert Carver hingewiesen. Diese Lieder findest du auch auf Spotify. Zur Einstimmung auf den Besuch der Kathedrale kannst du da mal reinhören.

Die Nekropolis – Glasgows Stadt der Toten
Von der Kathedrale führt dich der Weg über die Seufzerbrücke zur Nekropolis, dem grossen Friedhof von Glasgow, der sich auf und um einen Hügel windet. Eigentlich war dieser Ort als Park konzipiert und wurde von den Glaswegian als Erholungsgebiet genutzt. Ganz oben auf dem Hügel steht ein John-Knox-Denkmal.

Erst später, im Jahr 1831, kam die Idee auf, diesen Platz zu einem Ort für Tote aller Konfessionen zu machen. Als Vorbild diente wohl der Pariser Friedhof «Père Lachaise». Bereits ein Jahr später wurden die ersten Toten hier bestattet. Die Brücke wurde erst einige Jahre später gebaut. Der Bach über den sie führt, fliesst heute unterirdisch.

Die Stadt der Toten wird diesem Friedhof als Bezeichnung wirklich gerecht, denn eine Stadt ist es. 50.000 Tote sind hier begraben. Sicher nicht alle mit schönen Grabmalen, aber es ist heute tatsächlich ein Ort der Ruhe mit Blick auf die Stadt.
Nachts wird die Stadt der Toten aber für die Lebenden geschlossen. Beachte also die Öffnungszeiten, wenn du die Glasgower Nekropolis besuchen willst.

University of Glasgow – plötzlich in Hogwarts
Die Universität von Glasgow entstand aus der St. Mungo’s Cathedral heraus. Zu verdanken ist dies dem Bischof William Turnbull. Er bemühte sich mit Hilfe seines Freundes König James II. beim Papst um die Genehmigung zur Gründung einer Universität. Sie wurde bereits 1451 in der Umgebung der Kathedrale gegründet. Damit ist die Universität von Glasgow nach der Universität von St. Andrews die zweitälteste Universität Schottlands.

Heute ist die University of Glasgow im Westend gelegen. Sie ist eine jener Sehenswürdigkeiten, die du dir auf einem Städtetrip durch Glasgow keinesfalls entgehen lassen solltest, wenn du zu den Harry Potter Fans gehörst. Auch wenn hier keine einzige Szene für Harry Potter gedreht wurde, könnte sie Pate für Hogwarts gestanden haben. Nur, dass sie mit ihrem doppelten Innenhof noch viel prächtiger ist.


Wir gönnen uns erst einmal im Inneren der Universität einen Kaffee. Die Führung haben wir verpasst, so dass wir uns, versehen mit den vielen Tipps einer Angestellten, selbst auf Erkundung über den Campus begeben. Von den Kreuzgängen und Wendeltreppen in den Türmen hatten wir vorab schon gelesen. Die Randolph Staircase, die zur Universitätsverwaltung führt, haben wir dann eher durch Zufall entdeckt. Du findest dieses schöne Treppenhaus, wenn du den Eingang nimmst, der gegenüber den Fahnen liegt, von wo aus du die Kelvingrove Art Gallery sehen kannst.


Tipp: Täglich, ausser montags, findet eine öffentliche Führung durch die Universität statt. Weitere Informationen dazu findest du auf der Website der Universität.
Hinweis: In den Gebäuden der Universität befindet sich auch das kostenlos zu besuchende Hunterian Museum, für das wir leider keine Zeit hatten. Um 17.00 Uhr schliessen nämlich viele öffentliche Einrichtungen in Glasgow.
Kelvingrove Art Gallery – eine verrückte Mischung
Unweit der University of Glasgow befindet sich im gleichnamigen Park die Kelvingrove Art Gallery. Auch, wenn du wenig Zeit in Glasgow hast, empfehle ich dir diese Sehenswürdigkeit zu besuchen. Die Kelvingrove Art Gallery ist eine Wundertüte.

In der Kelvingrove Art Gallery gibt es verschiedene Gemäldesammlungen, auch mit Bildern sehr berühmter Maler. Sie ist aber auch ein Naturkundemuseum mit ausgestopften Tieren und einem besonderen Fokus auf die schottische Fauna. Ebenso findet man Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten der Geschichte. Im Erdgeschoss hängen die berühmten «Floating Heads» von Sophie Cave, die wir von verschiedenen Positionen näher anschaue

Im Ostflügel liegt der Fokus auf dem Thema Design. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Mackintosh und der Glasgower Jugendstil mit vielen Ausstellungsstücken gewürdigt werden. In der Kelvingrove Art Gallery sind so viele Themen vertreten, dass für jeden etwas dabei ist. Aber Achtung: An diesem Ort scheint die Zeit schneller zu laufen. Wir waren am Ende viel länger drin, als wir es geplant hatten. Wenn du also nur wenig Zeit für diese Sehenswürdigkeit auf deinem Städtetrip nach Glasgow hast, setze dir am besten ein Zeitlimit.

Ein besonderes Highlight ist das Orgelkonzert. So weit wir es in Erfahrung bringen konnten, wird die Orgel täglich 13.00 Uhr gespielt und nicht nur am Wochenende. Der Klang im Atrium des beeindruckenden Sandsteingebäudes ist fantastisch.
Hinweis: Vor der Kelvingrove Art Gallery gibt es einen grossen Parkplatz, aber der ist schnell voll.
Riverside Museum
Das Riverside Museum ist eines jener hochmodernen Gebäude in Glasgow, die man entlang des Flusses Clyde bewundern kann. Von der Architektin Zaha Hadid entworfen, beherbergt es das Transport Museum. Am Fluss kann man ein grosses Dreimaster Segelschiff besichtigen. Insofern macht die Form des Museums, die spontan an eine stilisierte grosse Welle erinnert, richtig Sinn.

Da mich mehr der Botanische Garten lockt und die Girls sich noch ein wenig in den Shopping Centern der Stadt nach Mitbringseln umsehen wollen, trennen wir uns. Ich habe das Bargeld und Jörg das Auto. Ausgerechnet der grosse Parkplatz am Riverside Museum kann nicht mit Kreditkarte bezahlt werden. Aber da bewahrheitet sich auf unserem Städtetrip einmal mehr: the people make Glasgow. Denn als Jörg im kostenlosen Museum fragt, ob er dort die Gebühren fürs Parken entrichten kann, wird er kurzerhand auf den Angestellten Parkplatz gelotst und damit ist das Problem gelöst.
Die Menge der ausgestellten Fahrzeuge kann schnell überfordern. Ein Highlight ist ein Strassennachbau, der an Glasgow in der guten alten Zeit erinnert, als noch Kutschen und erste Autos sich die Strassen teilten. Die Beleuchtung sorgt dafür, dass es nicht zu echt wirkt.



Highlight ist das Segelschiff. Die Glenlee hat vier Mal die Welt umrundet und war mehr als 5.000 Tage auf See, bevor sie nun das Riverside Museum bereichert.

Moderne Architektur am Clyde
Nur noch wenige Zeitzeugen erinnern am Ufer des Clyde an die Zeit als die Schwerindustrie hier daheim war. Lokomotiven, Schiffe, Panzer – alles wurde hier gebaut und verladen. Der Finnieston Kran bringt 175 Tonnen Gewicht bei einer Höhe von 53 m und einem Ausleger von 46 m auf die Waage. Er ist einer von vier Kränen, die heute noch am Clyde stehen.

Aber auch das Clyde Auditorium erinnert mit seiner äusseren Form an den Schiffsbau und an das inzwischen aufgeschüttete Queen’s Dock, welches das Zentrum des Schiffsbau war. Das Dach besteht aus acht ineinander verschachtelten Schiffsbugen. Die Glaswegians nennen das Gebäude wegen seines Aussehens Gürteltier. Und tatsächlich betrachtet man die Spiegelung im BBC Gebäude auf der anderen Seite, wirkt der Name sehr passend.


An das Clyde Auditorium schliesst sich die Mehrzweckhalle, das Hydro Ei, an. Es ist ein modernes Rundtheater, das mit transluzenten Folien versehen ist. Diese ermöglichen es, Bilder auf die Aussenhaut zu projizieren und diese in Millionen Farben erstrahlen zu lassen.

In Licht erstrahlt auch die moderne Clyde Arc Bridge in der Dunkelheit und spiegelt sich dann im Wasser. Allerdings bin ich nach einem Tag in Glasgow voller Sehenswürdigkeiten so platt, dass ich abends nicht noch einmal losgehe, um zu fotografieren.

Viele weitere Brücken führen über den Clyde wie diese moderne Fussgängerbrücke, die vor der Eisenbahnbrücke verläuft.

Tipp: Hast du genügend Zeit für deinen Städtetrip in Glasgow eingeplant, empfehle ich dir, auf der einen Seite bis zum Riverside Museum oder zur Distillery zu laufen und auf der anderen Seite zurückzugehen. Aus den unterschiedlichen Perspektiven wirkt die moderne Architektur besonders spannend.
Clydeside Distillery
Bist du auch der Faszination Whisky in Schottland erlegen? Dann solltest du unbedingt der Clydeside Distillery einen Besuch abstatten. Es ist die einzige Whisky Destillerie, die es seit kurzem wieder in Glasgow gibt. Das ist insofern erstaunlich, weil es früher 23 Destillerien auf dem Stadtgebiet von Glasgow gab. Die Clydeside Distillery braut und destiliert den Whisky in Glasgow, lagert den Whisky zur Reifung aber woanders.
Jörg lässt sich jedenfalls die Gelegenheit nicht entgehen und fragt den Barkeeper aus, während er einen noch jungen Whisky probiert. Der erste Whisky wurde 2017 destilliert.

Glasgow Botanic Gardens
Ich besuche den Botanischen Garten in Glasgow an einem Tag, an dem in den viktorianischen Glashäusern die Orchideenzüchter ausstellen. Und da der Tag ausgesprochen schön ist, ist halb Glasgow hier versammelt. Während ich es gerade als so warm empfinde, dass ich mich von meiner Jacke trenne, kommen die Glaswegians schon in kurzen Hosen und Sommerkleidchen.



Als einzige, die mit einer Kamera unterwegs ist, werde ich an den Ständen der Orchideenzüchter in viele Gespräche verwickelt. Offensichtlich findet ein Wettbewerb statt. Da wird Wasser gesprüht und gezupft, damit sich die Orchideen von ihrer besten Seite präsentieren. Die viktorianischen Glashäuser treten in den Hintergrund. So kommt es, dass ich mich dann richtig beeilen muss, um noch etwas von den Aussenanlagen zu sehen zu bekommen.

Tipp: Hast du etwas Zeit auf deinem Städtetrip durch Glasgow, solltest du dir den Botanischen Garten nicht entgehen lassen. Sehr schön ist auch der Benmore Botanic Garden und Loch Lomond vor den Toren Glasgows. Du kannst beides auf einem Tagesausflug ab Glasgow miteinander verbinden.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Glasgow
In Glasgows Innenstadt gibt es natürlich viele weitere Sehenswürdigkeiten. Bei deinen Streifzügen durch die Stadt wirst du viele gestaltete Hausfassaden, sogenannte Murals finden. Interessierst du dich für diese Art von Street-Art solltest du dem City Center Mural Trail folgen. Uns genügt jedoch, was wir unterwegs entdecken. Und ohne die Geschichte hinter den Bildern zu kennen, sind sie auch nicht so ansprechend, wie wir das im Gegensatz dazu in Belfast auf unserer Black Taxi Tour erlebt haben.
Vielleicht hast du eine Chance bei deinem Städtetrip durch Glasgow an einer Führung durch das Rathaus teilzunehmen. Sie werden zweimal täglich angeboten, aber die Tickets sind begrenzt. Vor dem Rathaus irritiert ein grosses Mahnmal, das inmitten der Umgebung deplatziert wirkt.. Es gedenkt der Opfer von Hiroshima und Nagasaki.
Der Tempelbau der Gallery of Modern Art ist eindrücklich. Erbaut wurde das Gebäude 1770 als Stadthaus für William Cunningham. Bevor die Gallery einzog, war im Gebäude die Börse untergebracht. Vor der Gallery steht ein Pferd mit Reiter. Die Hutmode der beiden ist seit ihrem erstmaligen Auftauchen einzigartig und scheint anderen Bildern zufolge zu wechseln. Das Reiterdenkmal zeigt den Herzog von Wellington.

Auf den Spuren von Charles Rennie Mackintosh
Mackintosh Design und der Glasgower Jugendstil
Wenn du Glasgow besuchst, kommst du nicht an einem heute gefeierten Multitalent vorbei. Die Rede ist von Charles Rennie Mackintosh, der sich als Architekt, Designer, Innenarchitekt, Grafiker, Kunsthandwerker und Maler einen Namen machte. Seiner Ansicht nach durchdrang Design das ganze Leben und so entwarf er neben Häusern auch viele Alltagsgegenstände wie die berühmten Stühle oder Geschirr. Er gilt als Begründer des Glasgower Jugendstil, der geradlinig, modern, schnörkellos und hell daherkam.
Wie revolutionär dies war, kannst du nur ahnen, wenn du dir den viktorianischen Einrichtungsstil jener Zeit vor Augen hältst. Das Bürgertum lebte in vollgestopften Stadthäusern mit schweren Samtvorhängen, dunklen Möbeln und schweren Sitzmöbeln. Die Wände waren mit Ölbildern, die historische Szenen darstellten, geschmückt.


Vergessen wird bei der Aufzählung des Multitalents Mackintosh oft seine spätere Frau, Margaret MacDonald, die hinter vielen seiner Designentwürfe stand. Mackintosh sagte selbst: «Margaret ist ein Genie, ich habe nur Talent.» Margaret, ihre Schwester Francis und deren späterer Ehemann Herbert McNair und Charles Rennie Mackintosh begründeten die Gruppe «The Four». Sie kannten sich alle aus der Zeit ihres Studiums an der School of Arts, vertraten ähnliche Ideen und wurden durch die VIII. Ausstellung an der «Wiener Secession» international bekannt.
Nicht zuletzt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde eine internationale Karriere von Charles Rennie Mackintosh verhindert. Das Genie starb 1928 arm und alkoholabhängig mit 60 Jahren an Zungenkrebs. Seine Frau starb vier Jahre später. Die Ironie der Geschichte: Der Besitz der Mackintosh galt damals als wertlos. Ein Sekretär wurde für 21 Pfund verscherbelt. Knapp 50 Jahre später war er dann 1 Million Pfund wert. Bis heute kann man Gegenstände und Möbel im Mackintosh Design erwerben.
Mackintosh at the Willow
Wir begeben uns gleich zu Beginn unseres Wochenendes in Glasgow auf Spurensuche des berühmten Architekten und Designers Charles Rennie Mackintosh. Dazu besuchen wir als Erstes das Museum Mackintosh at the Willow neben dem Tearoom in der Sauchiehall Street Nr. 217. Der Tearoom und das angrenzende Gebäude wurde von The Willow Tea Rooms Trust 2014 erworben und restauriert und zum 150. Geburtstag von Charles Rennie Mackintosh 2018 neu eröffnet. Hatte doch Mackintosh in diesem Gebäude 1903 auf vier Etagen seinen aufwendigsten Teesalon für Catherine Cranston gestaltet.
Catherine Cranston war eine grosse Mäzenin von Charles Rennie Mackintosh und eine vielseitige Persönlichkeit.
Das Museum ist ein interessanter Anlaufpunkt in der Innenstadt von Glasgow, wenn man sich erstmals mit Charles Rennie Mackintosh auseinandersetzt. Der Salon Deluxe und das Billardzimmer sind jedoch nur zu bestimmten Zeiten zu besichtigen.

In der Kelvingrove Art Gallery findest du viele Originale von Mackintosh. Unser Highlight ist aber das House for an Art Lover, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen ist.

Catherine Cranston und die Teahouse-Kultur
Catherine (Kate genannt) Cranston eröffnete innerhalb weniger Jahre vier sogenannte Teeräume. Sie ist die erste Unternehmerin Schottlands und ist die zweite Frau neben der Königin, die nun die Rückseite einer schottischen Banknote ziert. Ein Bild findest du hier.
Sie eröffnete ihre Teeräume zu einer Zeit, da es noch keinerlei Kaffeehauskultur gab. Es war auch eine Zeit, als es für respektable Frauen des Bürgertums keine Möglichkeit gab, sich ausser Haus ohne männliche Begleitung zum Essen oder zum Tee zu treffen. Für Männer gab es die privaten Männerclubs und die Arbeiterklasse konnte sich im Pub auf ein Bier oder Whisky treffen.

Im Alter von 29 Jahren eröffnete die erst spät heiratende Catherine Cranston 1878 ihre «Crown Tea and Lunchrooms». Dies war das erste von vier Teehäuser. Die «Crown Tea and Lunchrooms» boten sowohl Räume an, die nur Frauen vorbehalten waren und sich grosser Beliebtheit erfreuten, als auch Räume für gemeinsame Essen und ausschliesslich Herren vorbehaltene Billardzimmer und Raucherräume. Das Besondere an ihren Teeräumen war die Liebe zum Detail. Vom Törtchen bis zur Kleidung der Angestellten war alles perfektioniert.
Doch nicht nur die Idee mit Räumen, wo sich Frauen aus dem Bürgertum treffen konnten, war revolutionär. Miss Cranston gab alleinerziehenden Frauen nicht nur einen Job, sondern eine Art Familie. Da es noch keine Krankenversicherung gab, behielt sie einen kleinen Anteil des Lohns ein, sodass sie den Mädchen im Fall von Krankheit weiter Lohn zahlen konnte.
House for an Art Lover
Das House for an Art Lover im Bellahouston Park ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas beschwerlich zu erreichen. Deshalb fahren wir mit dem Auto. Vis-à-vis vom Parkplatz staunen wir über eine Skianlage.
Aber nur kurz, denn dann nimmt uns das House for an Art Lover in Beschlag. Dank des Audio Guides erfährst du die ganze Geschichte. Und die ist spannend.

Mackintosh hat die Entwürfe für das House for an Art Lover 1901 für den Wettbewerb beim deutschen Design Magazin, einer Zeitung für Innendekoration entworfen. Die Zeitung gab einen Rahmen vor, der sehr viel künstlerische Freiheit ermöglichte.
Auf der Suche nach einer Herausforderung kam Graham Roxburgh die Idee, das Haus nach den Plänen von Mackintosh zu bauen. Er war bereits in die Restaurierung der Innenräume in der nahe gelegenen Craigie Hall involviert und so mit den Designentwürfen von Mackintosh in Verbindung gekommen. Da die Zeichnungen Mackintoshs jedoch für den Wettbewerb und nicht für den Bau angefertigt wurden, blieb viel Raum für Interpretationen. Auch war viel Detektivarbeit notwendig, um Materialien und vergessene Handwerkskunst für die Innenausstattung zu finden.




Baubeginn für das Haus war 1989. Eröffnet werden konnte es dann 1996. Ursprünglich als eleganter Landsitz für eine Person mit Geschmack und Kultur entworfen, besteht der Zweck des House for an Art Lover heute darin, das öffentliche Interesse an Kunst, Design und Architektur zu fördern. Durch seine Ateliers und den Zugang für Studenten hat es Mackintoshs ursprüngliche Vision erweitert. Heute ist das Haus für Kunstliebhaber und alle Kunstinteressierten offen.
Tipp: Da das House for an Art Lover ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern ist, solltest du unbedingt auf der Website schauen, ob es für die Öffentlichkeit zugänglich oder vermietet ist.
Glasgow in 2 Tagen
Glasgow in 2 Tagen zu erleben, heisst bei den Sehenswürdikgeiten Prioritäten zu setzen. Die Stadt hat so viel zu bieten.
Auch, wenn wir keine Toshie-Pilgerer, wie die Fans von Charles Rennie Mackintosh genannt werden, sind, lag unser Fokus doch darauf, den Glasgower Jugendstil zu erkunden. Insofern haben wir mit Mackintosh at the Willow und den beiden Fussgängerzonen in Glasgow begonnen, sind dann weiter durch die Innenstadt vorbei am Rathaus und der Gallery of Modern Art in Richtung Glasgow Cathedral vorbei an vielen Murals gelaufen. Nach der Stadt der Toten sind wir bis zur U-Bahn-Station zurückgelaufen und dann zur University of Glasgow gefahren. Die Kelvingrove Art Gallery schloss dann schon ihre Tore bis wir sie erreicht hatten.
Deshalb haben wir die Kelvingrove Art Gallery am 2. Tag nach dem Besuch des House of an Art Lover noch einmal angesteuert. Anschliessend haben wir uns aufgeteilt und den Botanischen Garten beziehungsweise das Riverside Museum besucht. Anschliessend sind wir entlang des Clyde gebummelt und haben die Destillery und die moderne Architektur Glasgows bewundert.
Zwei Tage reichen nicht ansatzweise aus, um Glasgow vollständig zu entdecken, aber sie geben dir ein gutes Gefühl für die Vielfalt dieser Stadt zwischen Geschichte, Design und Moderne. Lass dich bei deinen Entdeckungen von deinen Interessen und dem Wetter leiten.

Glasgow überraschend anders
Wenn ich nach einem Wochenende in Glasgow die Stadt beschreiben sollte, so fielen mir Worte ein wie: bunt, laut, gegensätzlich und weitläufig. Die glanzvolle Innenstadt wirkt ein wenig schmuddelig und das trotz des traumhaften und wohl nicht üblichen Sonnenscheins, den wir geniessen durften. Spielen tagsüber alle paar Meter die Strassenmusiker, sitzen abends überall die Bettler an den zugigen Ecken. Die Spielkasinos fallen besonders abends negativ ins Auge.
An diesem Wochenende in Glasgow haben wir gelernt, dass Glasgow ein Ort voller Gegensätze ist. Schöne Museen, modernste Architektur, prachtvolle historische Gebäude und dazwischen der raue Charme der einstigen Industriemetropole. Licht und Schatten liegen hier bunt gemixt dicht beieinander.

Glasgow steht in der Wahrnehmung vieler Schottland Reisender immer ein wenig hinter Edinburgh zurück. Zu Unrecht, wie ich hoffe gezeigt zu haben.
Wir verabschieden uns auf dieser Reise von Schottland, indem wir von Glasgow aus noch kurz zum Firth of Clyde fahren, wo wir das Graffiti Schloss Kelburn Castle und Portencross Castle besuchen. Damit sehen wir noch ein letztes Mal das Meer, bevor es nach Edinburgh zum Flughafen geht.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
