Moderne Kirche in Mogno und der Sambuco Stausee im Tessin
Woran denkst du, wenn du an das Maggiatal denkst? An ein wildes Tal mit schönen Bademöglichkeiten im Sommer, vielleicht auch ans Wandern. Ganz sicher würde man dort jedoch nicht als Erstes moderne Architektur oder einen hoch gelegenen Stausee erwarten. Und doch finden sich mit der modernen Kirche in Mogno und dem Sambuco Stausee zwei überraschende Ziele im Lavizzaratal.
Um nach Mogno zu kommen, musst du der Maggia weiter durch das Lavizzaratal folgen und anschliessend in vielen Serpentinen nach oben fahren. In Mogno starten Wanderwege unter anderem nach Fusio. Auch der Sambuco Stausee liegt auf einem Rundwanderweg. Wir wandern ab Fusio zur Staumauer des Lago del Sambuco. Noch ist Winter und im Schatten liegt Schnee. Ich lade dich ein, mit mir die moderne Architektur einer Kirche in Mogno und die schöne Bergwelt am Sambuco Stausee zu erleben.
Lass dich von unserem Ausflug durch das Maggiatal inspirieren und mache dir selbst ein Bild.
Auf dem Weg nach Mogno
Wir starten in Cevio°, wo wir übernachtet haben und freuen uns, dass uns entgegen der Wettervorhersage ein ausgesprochen schöner Tag am Morgen begrüsst. Nachdem wir uns am Vortag ins Bavonatal verliebt haben, sind wir überrascht, dass das Lavizzaratal einen ganz anderen Charakter hat.

Bevor wir den Ort Lavizzara passieren, steht ein markanter Stein an der Strasse, der von der Gegenfahrbahn noch auffälliger ist. Es gibt sogar einen kleinen Parkplatz. Im Bavonatal wäre er ein Felsbrocken unter vielen, hier jedoch fällt er sofort ins Auge. So gibt es eine Legende, wie der Stein an diese Stelle kam.

Auch dieser Felsbrocken heisst Teufelsstein und ist ein Denkmal für den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Die Geschichte hat ein wenig Ähnlichkeit mit der Geschichte zum Bau der Teufelsbrücke über die Schöllenenschlucht. Bei der Legende im Lavizzaratal soll die Frömmigkeit der Menschen den Teufel sehr erzürnt haben. Deshalb brach er wütend diesen grossen Felsbrocken vom Gipfel des Berges ab, um damit eines der Dörfer zu zerstören. Eine hübsche junge Frau, der Legende nach die Mutter Gottes, lud ihn ein, im Tal eine Pause zu machen, denn der Felsbrocken war auch für den Teufel schwer. Als der Teufel seinen Weg fortsetzen wollte, konnte er den Felsbrocken jedoch nicht mehr aufheben. Feuer und Flammen speiend, bemühte er sich vergebens. Das Gute hatte einmal mehr über das Böse gesiegt.

Hinter Lavizzara teilt sich die Strasse, und wir klettern in vielen Serpentinen höher und höher. Mogno war bis ins 18. Jahrhundert ganzjährig bewohnt. Heute ist der Ort ein Maiensäss, eine Alp, die nur im Sommer bewohnt wird. Während wir uns langsam Mogno nähern, müssen wir lachen, als wir uns vorstellen, wie es wohl ist, wenn man beim Einkauf etwas Wichtiges vergessen hat und die ganze Strecke erneut fahren muss. Wir jedenfalls sind froh, als wir Mogno am Ende eines langen Hochtals auf 1.180 m Höhe erreichen.
Der Orts selbst ist für den Verkehr gesperrt. Nach der Brücke über die Maggia gibt es viele Parkplätze und eine Bushaltestelle, die saisonal bedient wird.
Die Kirche von Mogno
Wie Mogno zu dieser Kirche kam
Wenn man an Religion im Allgemeinen denkt, kommt einem in der Regel nicht als Erstes das Wort modern in den Sinn. Nur weil Religion traditionsreich ist, heisst das jedoch nicht, dass sie nicht auch in modernen Strukturen praktiziert oder gewürdigt werden kann. So weit, so klar. Wie kommt ausgerechnet ein so abgeschiedener Ort wie Mogno zu so einer modernen Kirche?


Es war der 25. April 1986, als morgens eine Lawine die kleine Kirche von Johannes dem Täufer aus dem 17. Jahrhundert sowie einige Häuser zerstörte. Menschen kamen glücklicherweise keine zu Schaden. Ein Komitee zum Wiederaufbau der Kirche wurde gegründet und der bekannte Schweizer Architekt Mario Botta wurde mit dem Neubau beauftragt. Es dauerte jedoch bis 1992, bis mit dem Bau der Kirche begonnen werden konnte.
Das Spiel mit den geometrischen Formen
Die moderne Kirche in Mogno steht am selben Ort wie die alte Kirche. Die Höhe von 17 m entspricht der Höhe des Glockenturms der alten Kirche. Der heutige Vorplatz war der frühere Friedhof. Die beiden Glocken von 1746 sind die einzigen Elemente, die aus der zerstörten Kirche wiederverwendet wurden.

Der äussere Grundriss der Kirche ist eine Ellipse. Im Inneren ist ein Rechteck eingefügt. Das Schrägdach aus Glas und Stahl ist ein Kreis. Die Dicke der Mauern beträgt an der Basis 2 m und verjüngt sich nach oben auf 50 cm. Als Baumaterial wurden Gneis und Marmor verwendet.

Die moderne Kirche von Mogno lässt uns staunend und mit vielen Fragezeichen zurück. Das Spiel mit den Perspektiven lässt sich kaum fassen. Spannend ist, wie sich die Kante des inneren Rechtecks zum Glasdach hin in einen Kreis auflöst.

Der Altartisch steht vor einem Stufenportal, durch das man tatsächlich in eine Nische (Sakristei) hindurchgehen kann. Vom Inneren der Nische hinter dem Altar wirkt das Dach dann wieder anders. Auch sieht man erst aus dieser Perspektive, dass man beim Betreten der Kirche ebenfalls ein Portal durchschritten hat. Die Kirche in Mogno fasziniert uns und gibt uns viele Rätsel auf. Aus der dicken Grundmauer ist eine Nische ausgespart, die wiederum mit den geometrischen Formen spielt. Wir fragen uns die ganze Zeit, ob hier während der Saison Gottesdienste abgehalten werden.


Zum Lago del Sambuco
Nachdem wir uns von der modernen Kirche in Mogno losgerissen haben, fahren wir noch nach Fusio. Hier stellen wir das Auto ab, als die Strasse scheinbar einspurig wird und laufen zum Sambuco Stausee. Während wir laufen, frage ich mich, wie der Stausee zu seinem Namen gekommen ist. Als Hobby-Gärtner weiss ich, dass Sambuco die Bezeichnung für Holunder ist. Ob am Sambuco Stausee wohl viele Holunderbüsche stehen?

Der Weg nach oben ist kurzweilig, da es viel zu entdecken gibt. Der Wechsel von Licht und Schatten, Schneeresten und gefrorenen Pflanzenteilen und ersten Blüten macht den Weg sehr abwechslungsreich.




Kurz unterhalb der Dammkrone, wo es einen Parkplatz gibt, wartet eine Überraschung auf uns. Die Wirtschaft mit den windgeschützten Sonnenplätzen hat im Februar geöffnet. Und wir dachten, wir wären die einzigen, die sich auf den Weg gemacht haben. So werfen wir erst einen Blick auf den schönen, etwa drei Kilometer langen und 500 Meter breiten Sambuco Stausee. Im Winter ist die Strasse, die am Stausee entlang weiter in die Bergwelt führt, gesperrt.

Bei heissem Kakao und Rivella erfahren wir in der Wirtschaft, dass die Stromerzeugung wegen der extremen Trockenheit eingestellt wurde. Auf dem Weg nach unten kommen uns weitere Wanderer und Autofahrer entgegen.

Wir beenden diesen abwechslungsreichen Tag in Locarno mit einem Besuch im Kamelienpark und einem Blick auf den Lago Maggiore. Der Kamelienpark in Locarno ist einer meiner Lieblingsorte, deshalb gibt es auch einen eigenen Beitrag dazu.


Die Kirche von Mogno finde ich schon interessant, obwohl sie überhaupt nicht in diese wunderschöne Landschaft passt.
Hallo Maritta, ich glaube, ob etwas passt oder nicht, hat etwas mit unserer Erwartungshaltung zu tun. Die Steine stammen aus der Gegend. Im Winter sind die weiss-grauen Linien ein schöner Kontrast zum Schnee. Und wenn ich mir manch moderne Kirchen aus den 70er Jahren ansehe, finde ich diese Kirche spannend, weil sie die Gedanken anregt und nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar ist.
Die Kirche hat eine Geschichte, die mit diesem Ort verbunden ist, weshalb sie nur dort stehen kann, wo sie jetzt steht.
An einem anderen Ort wäre es eine andere Geschichte und auch eine andere Kirche geworden.
Liebe Grüsse
Susan
Danke für diese Einblicke und deine tollen Fotos! Sehr inspirierend!
Herzliche Grüße aus der Unstoppable Business University
von Nathalie
Hallo Nathalie,
freut mich, dass du den Beitrag inspirierend fandest. Ich glaube, das Überschreiten von Sehgewohnheiten macht modere Architektur oder modernes Design insgesamt so spannend.
Liebe Grüsse
Susan