Traumstrassen durch die schottischen Highlands: zwei Routen
Es gibt viele Traumstrassen in Schottland. Für uns gehört die Strecke von Mallaig, vorbei am Glenfinnan Viadukt, durch das Glen Coe Valley bis zum Rannoch Moor zu den schönsten Routen durch die schottischen Highlands. Malerische Seen, markante Berge und das geschichtsträchtige Glen Coe Tal prägen diese Landschaft.
Da wir immer wieder durch die schottischen Highlands reisen und das Glen Coe Valley für uns zu den schönsten Landschaften gehört, stelle ich dir zwei Varianten für diese Strecke vor. Die erste Route führt von Mallaig über Glenfinnan durch das Glen Coe Valley bis nach Strachur. Die zweite Route startet in Oban, verläuft am Loch Awe entlang und führt vorbei am Rannoch Moor ins Glen Coe Valley. Dort lohnt sich ein Abstecher zum Loch Etive auf der Glen Etive Road.
Route durch die schottischen Highlands im Überblick
Beide Routen verbinden einige der eindrücklichsten Landschaften der schottischen Highlands. Sie führen durch das Glen Coe Valley, das für uns den Kern dieser Strecke bildet, und lassen sich gut miteinander kombinieren oder einzeln fahren.
Plane deine Fahrt durch das Glen Coe Valley bewusst mit dem Licht. Besonders am Nachmittag lohnt sich die Strecke von Glencoe in Richtung Rannoch Moor. In dieser Richtung hast du die bessere Sicht auf das Tal, und viele der Viewpoints liegen auf deiner Seite der Strasse. In der Gegenrichtung blickst du oft ins Licht oder in den Dunst.

Wir sind diese Routen bewusst in der Nebensaison im Frühjahr und Herbst gefahren. Im Sommer ist hier deutlich mehr los. Aber auch ausserhalb der Hauptsaison kann es an bekannten Punkten wie dem Glenfinnan Viadukt oder im Glen Coe Valley bereits gut besucht sein. Gerade für Fotostopps lohnt es sich deshalb, genügend Zeit einzuplanen.
Etwas weniger bekannt als das Glen Coe Valley ist der Cairngorms Nationalpark. Dort liegen vier der fünf höchsten Berge Schottlands. Wenn du in der Hauptsaison unterwegs bist, kann diese Region eine gute Alternative sein.
Route 1: Mallaig – Glenfinnan – Glen Coe Valley – Strachur
Von Mallaig zum Glenfinnan Viadukt
Wir starten diese Route in Mallaig, da der kleine Hafenort Ankunftsort der Fähre von der Isle of Skye ist.
Die Fähre zwischen Armadale auf der Isle of Skye und Mallaig ist schnell ausgebucht. Das gilt besonders für Verbindungen, die zeitlich gut zum Jacobite Steam Train passen. Wenn du diese Strecke planst, solltest du deine Überfahrt deshalb frühzeitig reservieren.
Mallaig ist gleichzeitig Startpunkt des Jacobite Steam Train, der auch als Hogwarts Express bekannt ist. Auf der Website von Westcoastrailway findest du den Fahrplan für den Harry Potter Zug und die Möglichkeit, deine Tickets online zu kaufen.
Da die Szene, wenn der Jacobite Steam Train über das Glenfinnan Viadukt fährt, ein eindrücklicher Fotospot ist, planen wir unsere Route so, dass wir einen Zug auf dem Viadukt fotografieren können, bevor wir tiefer in die schottischen Highlands fahren.

Glenfinnan Viadukt und Hogwarts Express
Der Hogwarts Express ist in unserer Welt der Jacobite Steam Train und führt leider nicht zur Schule für Zauberei, sondern bummelt gemütlich auf der rund 70 Kilometer langen Strecke zwischen Mallaig und Fort William durch die schottischen Highlands.
Für die landschaftlich reizvolle Strecke benötigt er gut zwei Stunden. Als Filmfan kannst du entlang dieser Strecke viele weitere Drehorte erkennen. Unsere Zeit in Schottland hat dafür bisher noch nie gereicht.
Als wir verspätet in Mallaig ankommen, steht der Zug noch im Bahnhof. Dennoch beeilen wir uns, denn nach unserer Einschätzung hätte er das Glenfinnan Viadukt bereits überqueren müssen. Erst vor Ort erfahren wir, dass der Zug in Glenfinnan einen längeren Halt einlegt, bevor er das Viadukt überquert.
Du kannst davon ausgehen, dass der Hogwarts Express etwa eineinviertel Stunden nach Abfahrt in Mallaig das Glenfinnan Viadukt überquert. In der Hauptsaison solltest du frühzeitig vor Ort sein, um noch einen Parkplatz zu finden.

Fotospots am Glenfinnan Viadukt
Bereits auf dem Weg vom Parkplatz zum Glenfinnan Viadukt hast du einen schönen Blick auf das 380 m lange und bis zu 30 m hohe Bauwerk. Allerdings ist es nicht einfach, einen Moment abzupassen, in dem mal keine Leute durch das Bild laufen.
Da wir uns so beeilt und gleichzeitig fotografiert haben, haben wir uns doch tatsächlich verloren und sind schlussendlich an beiden Seiten der Brücke zum Fotografieren gelandet. Ich bin dem Weg rechts hinter der Brücke zum Hügel gefolgt, während der Rest der Familie nach links den Schildern gefolgt ist. Ein Glücksumstand, denn so können wir vergleichen, welches der beste Fotospot ist.

Folge unbedingt der Ausschilderung! Diese Seite bietet die bessere Sicht, egal aus welcher Richtung der Zug kommt. Du siehst den Jacobite Steam Train viel länger und das Glenfinnan Viadukt schöner in der Landschaft. Auch das Licht fällt jetzt am Nachmittag schöner auf die Zugstrecke.

Ich hatte doppeltes Pech, denn unmittelbar bevor der Zug über das Glenfinnan Viadukt fährt, trifft noch eine grosse asiatische Reisegruppe ein und stellt sich rücksichtslos für Selfies so nah zum Viadukt auf, dass alle anderen sie im Bild haben oder ordentlich zoomen müssen.

Bitte nimm Rücksicht auf andere Besucher, die zum Teil schon sehr lange warten. Und sei bitte nicht zu sehr enttäuscht, wenn die Dampflokomotive nicht dampft. Bei unserem Besuch schiebt eine moderne Diesellok am Ende des Zuges die Dampflokomotive durch die schottischen Highlands.


Durch das Glen Coe Valley
Obwohl die Zeit rennt, nehmen wir noch einen Kaffee am Visitor Center beim Glenfinnan Viadukt, verzichten aber darauf, noch zum Denkmal mit dem Ausblick auf Loch Shiel zu laufen. Anschliessend fahren wir weiter in Richtung Fort William.
In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit lassen wir Fort William links liegen und fahren direkt nach Glencoe weiter. Hier beginnt für uns die Fahrt durch das Glen Coe Tal, für uns die schönste Strecke durch die schottischen Highlands. Wie bisher jedes Mal verzichten wir aufgrund der Zeit darauf, dem Visitor Center in Glencoe noch einen Besuch abzustatten. Dort erfährst du mehr über die Geschichte des Tals und das Massaker von Glencoe. Wir denken nur kurz an den Sonnenuntergang über Loch Leven und fahren weiter.

Glen Coe Valley: Geschichte und Landschaft
Kannst du dir vorstellen, dass dieses heute so ruhig wirkende Tal einst zur Todesfalle wurde? Im Jahr 1692 kam es hier zum Massaker von Glencoe, bei dem Mitglieder des Clans MacDonald ermordet wurden. Die Geschichte dieses Tals ist bis heute spürbar, auch wenn die Landschaft zunächst etwas anderes vermuten lässt.
Wir fahren weiter durch das Glen Coe Valley, vorbei an den steilen Hängen und den schroffen Bergen, die das Tal auf beiden Seiten begrenzen. Bald erreichst du einen ersten Parkplatz, von dem aus du einen Blick auf die Three Sisters werfen kannst.


Weiter östlich kommst du an einem Wasserfall vorbei. Parkplatz reiht sich an Parkplatz. Stress dich also bitte nicht, wenn du ein bummelndes Fahrzeug vor dir auf der Strasse hast. Die Wahrscheinlichkeit, dass du oder dein Vordermann bald auf einen der vielen Parkplätze rausfährt, ist hoch. Dafür lohnt sich kein riskantes Überholmanöver.
Glen Coe als Filmkulisse
Dass Glen Coe auch viele Filmemacher inspiriert hat, ist nicht verwunderlich. Neben Szenen aus Harry Potter wurden hier unter anderem auch Szenen für Braveheart, Rob Roy, Monty Python oder James Bond gedreht.
Falls du mehr Zeit hast und das Wetter schön ist, kannst du einen Abstecher auf die Glen Etive Road machen. Von Glencoe kommend zweigt die Strasse noch vor der River Etive Bridge rechts ab und führt bis zum Loch Etive. Die Strecke beschreibe ich dir auf Route 2.
Bald nach dem Glen Coe Mountain Resort befindest du dich in der Hochebene. An einem Parkplatz, wo eine Bank im Nirgendwo die Besucher zum Verweilen lockt, halten wir ein weiteres Mal an. Wie gern würden wir die nächsten Stunden hier einfach nur sitzen wollen.
Sehnsüchtig blicken wir zurück in Richtung Glencoe. Der Blick voraus ist so unglaublich schön, dass wir Mühe haben, uns loszureissen. Bei diesem Licht sind die schottischen Highlands ein Traum.


Je nach Tageszeit und Wetterverhältnissen sind die landschaftlichen Eindrücke bei dieser Strecke durch die schottischen Highlands immer wieder anders. Deshalb werden wir dieser malerischen Strecke auch niemals müde.
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Weiterfahrt Richtung Rannoch Moor und Strachur
Schliesslich führt die Strasse weiter am Rand des Rannoch Moor entlang und geht nahtlos in eine weitere Traumlandschaft über.

Unser Ziel auf Route 1 ist Strachur. Wie immer führen mehrere Wege dorthin. Wir entscheiden uns im ersten Anlauf für die A 82, die laut Navi schneller sein soll. Allerdings ist die Strasse bei Crianlarich wegen eines schweren Unfalls auf unbestimmte Zeit gesperrt, sodass wir nun doch auf der A 85 nach Strachur fahren.


Die landschaftlich reizvolle Strecke führt uns erstmals am Loch Awe und am Kilchurn Castle vorbei. Leider können wir sie nicht wirklich geniessen, denn von unserem Hotel in Strachur erfahren wir, dass die Küche bereits um 20.00 Uhr schliesst. Wir haben Hunger und der Ratschlag lautet: «esst besser unterwegs». Netter Scherz! Suchst du ein Pub oder Restaurant, findest du garantiert keins. Einer hungrigen Familie in Aussicht zu stellen, nichts zu essen zu bekommen, hebt die Laune nicht gerade.
Erst als wir das Creggans Inn* in Strachur eine halbe Stunde vor Küchenschluss erreichen und uns versichert wird, dass wir noch etwas zu essen bekommen, hellt sich die Gemütslage wieder auf. Es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir die Küche verpasst hätten. Besser haben wir im ganzen Urlaub nicht gegessen.
Falls du dich wunderst, warum wir in Strachur übernachten – der Benmore Botanical Garden ist auf dieser Reise unser nächstes Ziel.

Route 2: Oban – Loch Awe – Glen Etive – Glen Coe Valley
Cruachan Dam Visitor Center
Wir starten bei mittelmässigem Wetter in Oban und nehmen die A85. Unser erster Halt ist beim Cruachan Dam Visitor Center.
So richtig schöne Blicke über Loch Awe bekommen wir nicht, dafür ist die Ausstellung über das Pumpspeicherwerk Cruachan Power Station sehr informativ. Du kannst dort sogar Touren in den im heiligen Berg Cruachan gelegenen oberen Teil des Pumpspeicherwerks buchen.
Allerdings haben wir nicht so viel Zeit, um auf die nächste freie Tour zu warten. Wer zur Essenszeit im Cruachan Dam Visitor Center ankommt, findet schöne Picknickplätze und ein Café mit Blick auf den See.
Ansonsten erfährt man viel über die Vogel- und Fischwelt, die am und im Loch Awe lebt. Mit 39 km² gehört Loch Awe zu den grösseren Süsswasserseen Schottlands. Mehr über das Pumpspeicherwerk und die Tourbuchung erfährst du hier.

St. Conan’s Kirk
Beinahe wären wir an diesem aussergewöhnlichen Kirchenbau vorbeigefahren und hätten ein echtes Highlight verpasst. Gut, dass uns die Leute im Cruachan Visitor Center dringend empfohlen haben, uns St. Conan’s Kirk anzusehen. Von der Strasse aus wirkt die Kirche auf den ersten Blick gar nicht so besonders. Erst von der Rückseite wird deutlich, dass dieses Bauwerk anders ist.

Erbaut wurde die Kirche vom Architekten und Künstler Walter Campbell aus dem Clan Campbell, der sie mit viel eigenem Geld errichten liess, weil seiner Mutter der Weg zur Kirche zu weit war. Einige Elemente der Kirche sind anderen Orten nachempfunden oder wurden sogar aus bestehenden Kirchen übernommen. Dazu gehört auch ein Fenster, das stilistisch an die Kirchenarchitektur auf der Insel Iona erinnert.
Das Kirchenschiff wurde mit einem Kreuzgang abgeschlossen, der eher an ein Kloster erinnert. Die Balken sollen aus gesunkenen Kriegsschiffen stammen. Das Bleidach wurde aufwändig verziert.

Innen und aussen gibt es so viele Details zu entdecken. Manchmal weist ein Schild auf eine Besonderheit hin. Die St. Conan’s Kirk solltest du dir auf dem Weg durch die schottischen Highlands nicht entgehen lassen.
Kilchurn Castle
Am nördlichen Ende von Loch Awe liegt Kilchurn Castle eindrücklich in die Landschaft eingebettet. Wir fahren zunächst am Hauptparkplatz vorbei und folgen der A819, bis wir nach etwa einem Kilometer eine Haltebucht erreichen. Von hier hast du einen schönen Blick auf die Ruine von der südöstlichen Seite. Über eine Schafweide nähert man sich dem Castle.

Es gibt von dieser Seite zahlreiche schöne Fotoperspektiven.


Anschliessend fahren wir zurück zum Hauptparkplatz und gehen direkt zur Schlossruine. Ein Bauzaun rund um Kilchurn Castle verhindert aktuell, dass Besucher die Ruine betreten können. Da man das Castle nicht mehr betreten darf, kannst du nur aussen herumgehen und fotografieren. Den Blick ins Glen Orchy von oben verpasst man dadurch leider.

Loch Ba im Rannoch Moor
Vom Loch Tulla Viewpoint kommend schlängelt sich die A82 am westlichen Rand des Rannoch Moor entlang in Richtung Glen Coe Valley. Dabei fällt uns auf, dass die meisten Haltebuchten für die Viewpoints auf der gegenüberliegenden Strassenseite liegen, was bei viel Verkehr schwierig ist.
So fahren wir an den Viewpoints für Lochan na h-Achlaise vorbei und halten erst am Viewpoint von Loch Ba. Wir nehmen den Weg neben dem Hügel und tauchen in die ruhige, fast beschauliche Landschaft ein. Jetzt im September blüht noch etwas Heide und verleiht den Bildern einen Farbtupfer.


Loch Ba ist Teil des Rannoch Moor, eines der grössten Hochmoore Europas. Diese Landschaft ist selbst für die Schafzucht zu feucht, sodass sie nahezu unberührt bleibt. Wer das Rannoch Moor entdecken will, kann dies auch mit einer Bahnfahrt der West Highland Line tun. Auch der 154 Kilometer lange West Highland Way zwischen Milngavie und Fort William kreuzt das Rannoch Moor.

Glen Etive Road
Vom Rannoch Moor kommend biegt etwas hinter der River Etive Bridge die Glen Etive Road ab und windet sich rund 20 Kilometer bis zum Loch Etive. Die Abzweigung liegt direkt unter der markanten Pyramidenform des Buachaille Etive Mòr, der bereits im Schatten liegt.
Die Strasse folgt über weite Strecken dem River Etive. Am späten Nachmittag dieses schönen Herbsttages sind die schönsten Stellen am Fluss bereits besetzt. Bei unserem Besuch führt der Fluss nur wenig Wasser.


Die schmale Strasse ist wildromantisch, allerdings anfänglich recht verkehrsreich. Wir beobachten, dass viele Reisende nur einen Teil der Strecke fahren. Das Licht am Nachmittag ist auf dem Weg zum Loch Etive alles andere als ideal zum Fotografieren. Dafür werden wir auf dem Rückweg mit schönen Ausblicken belohnt.
Da die Strasse am Loch Etive endet, muss man die Strasse auch wieder zurückfahren. Hier gibt es keine Infrastruktur für Touristen.

Unsere Zeit ist bereits weit fortgeschritten, deshalb drehen wir nach dem Blick auf Loch Etive um. Beim nächsten Mal sollten wir mehr Zeit einplanen, um auch die kleinen Wanderungen zu den Wasserfällen unternehmen zu können, die unter anderem als Kulisse für den James-Bond-Film «Skyfall» dienten.
Jetzt, auf dem Rückweg, ist das Licht deutlich besser. Die Ausblicke sind beeindruckend, aber Parkbuchten sind hier absolute Mangelware. Gegen Abend kehren die Einheimischen eilig in ihre Häuser zurück.


Dass die Strasse bei Dalness durch den Glen Etive Forest führt, überrascht uns. Eine intensive Nutzung hätten wir in diesem abgelegenen Tal nicht erwartet. Der wilde Wald rechts und links der Strasse wirkt dagegen deutlich ursprünglicher.


Auf dem Weg nach Glencoe fahren wir dann der Sonne entgegen. Dafür bekommen wir in Glencoe, mitten in den schottischen Highlands, einen weiteren dramatischen Sonnenuntergang über Loch Leven zu sehen. Allerdings verpassen wir deswegen das Abendessen, denn die Küche des einzigen Restaurants schliesst pünktlich um 20.00 Uhr.


