Unterirdischer See St Léonard – eine Bootsfahrt durch die Unterwelt im Wallis
Der unterirdische See St Léonard liegt im Wallis, nur wenige Kilometer von Sion entfernt, zwischen Weinbergen und sonnigen Hängen. Der Lac Souterrain gilt als grösster natürlicher unterirdischer See Europas und kann im Rahmen einer Bootsfahrt besichtigt werden. Statt Weitblick erwartet dich hier eine Höhle, in der Licht, Wasser und Fels eine ganz eigene Atmosphäre schaffen.
Wir besuchen den unterirdischen See an einem sonnigen Herbsttag im Wallis. Während es draussen warm ist, wird es am Eingang zur Höhle plötzlich kühl.
Im Beitrag zeige ich dir, wie die Bootsfahrt abläuft, welche Eindrücke dich erwarten und worauf du beim Besuch achten solltest, wenn du fotografierst.

Bootsfahrt auf dem Lac Souterrain St Léonard
Zwei Boote liegen am Steg. Während wir eines davon besteigen und uns rechts und links am Rand der schmalen Boote hinsetzen, kommt ein drittes Boot aus der Höhle zurück. Das Wasser ist so klar, dass man die Tiefe nur schwer einschätzen kann.

Langsam gleitet unser Boot durch die Höhle. Das Paddel taucht leise plätschernd ins Wasser und durchbricht die Stille nur für einen Moment. Hier und da wird der Fels angestrahlt. Das Licht spiegelt sich im Wasser und verändert die Szenerie mit jedem Meter. Immer wieder hält der Guide das Boot an. Während wir versuchen zu fotografieren, ohne das Boot zum Kentern zu bringen, erfahren wir mehr über den unterirdischen See im Wallis.

Der Lac Souterrain St Léonard ist rund 300 Meter lang, bis zu 20 Meter breit und etwa 10 Meter tief. Die Höhle erreicht an manchen Stellen eine Deckenhöhe von bis zu sechs Metern. Darüber türmen sich 30 bis 70 Meter Fels. Entdeckt wurde der See vom Schweizer Höhlenforscher Jean-Jacques Pittard. Seit 1949 ist der unterirdische See im Wallis für Besucher zugänglich.
Die Höhle entstand, da sich zwischen Schichten aus wasserundurchlässigem Schiefer und Sandstein eine Schicht aus weichem Gips befand. Über Jahrtausende wusch einsickerndes Wasser den Gips aus dem Fels und liess so den Hohlraum entstehen.

Regnet es auf den Weinbergen oberhalb der Höhle, dauert es etwa fünf Tage, bis das Wasser den See speist. Kein Wunder, dass das so gefilterte Wasser so klar ist. Manchmal sieht man im erleuchteten Wasser einen Fisch vorbeischwimmen.
Nach etwa 30 Minuten kehren wir zurück ins Licht und der Zauber wird gebrochen. Die Bootsfahrt auf dem unterirdischen See endet wieder am Steg, wo bereits neue Gäste trotz Nachsaison warten.

Lohnt sich der unterirdische See St Léonard?
Das Wallis wirbt mit 300 Sonnentagen. Doch wenn es regnet, suchen viele nach Indoor-Aktivitäten. Der unterirdische See St Léonard ist wetterunabhängig und bietet ungefähr von Mitte März bis weit in den Herbst hinein ein konstantes Erlebnis, unabhängig vom Wetter draussen.
Dazu kommt, dass der unterirdische See im Wallis als grösster natürlicher unterirdischer See Europas gilt. Für viele ist das allein schon ein Grund, ihn einmal gesehen zu haben.
Der See ist kein Ort für Action, sondern für Klang. Die hohe Decke reflektiert Töne extrem klar. Wer zu einem der Abendkonzerte dort ist, erlebt eine Atmosphäre, die man in einer normalen Konzerthalle nie findet. Aber in der Hochsaison mit vielen Besuchern, geht die Mystik, die aus Licht und Stille entsteht, schnell verloren.
Für Fotografen ist der St Léonard ein Highlight, aber nur, wenn man auf der richtigen Seite des Bootes sitzt. Anders als erwartet, drehen die Boote am Ende der Höhle nicht um, sodass man in den Genuss von beiden Seiten kommt. Die meisten fotogenen Stellen liegen auf der rechten Seite in Fahrtrichtung. Sitzt du links, verpasst du einen grossen Teil davon. Uns ist genau das passiert.

Wir hatten uns ehrlich gesagt etwas mehr von der Bootsfahrt auf dem unterirdischen See St Léonard versprochen. Bei schönem Wetter hat das Wallis so viele faszinierende Orte, Berge, Gletscher und Seen zu bieten, dass wir den unterirdischen See St Léonard nur bei schlechtem Wetter oder als Verschnaufpause an einem Hitzetag und nur in der Nebensaison empfehlen würden. Ein Konzert dagegen könnten wir uns sehr gut vorstellen.
Tipps zum Besuch des unterirdischen Sees
Buche deine Tickets über die offizielle Website des Lac Souterrain, denn in der Hauptsaison kann es voll werden.
Wer mit der SBB zum Bahnhof Saint-Léonard anreist, sollte 20 Minuten Puffer zwischen Ankunft des Zuges und dem gebuchten Zeitfenster einplanen. Der Fussweg ist zwar nur 1 Kilometer lang, aber am Ende führt der Weg steil bergauf. Wer abgehetzt und verschwitzt in die 15 Grad kalte Höhle kommt, holt sich schnell eine Erkältung.
Hinweis: Es gibt am Schalter der SBB Kombinationsangebote auf Anreise mit der SBB und vergünstigtem Eintritt.
Wenn du mit dem Auto der Ausschilderung zum Underground Lake folgst, findest du mehrere grosse Parkplätze. In der Nebensaison war ausreichend Platz vorhanden. Allerdings solltest du unbedingt Ausschau nach den Ticketautomaten halten. Die sind leicht zu übersehen. Das gilt auch, wenn du mit einem Camper auf einem Wohnmobilparkplatz stehst.
Auch wenn im Sommer eine Abkühlung im Wallis willkommen erscheint, nimm eine Jacke mit. Bei 15 Grad kommt man schnell ins Frieren.

Übernachten in der Region Sion
Wenn du deinen Besuch am unterirdischen See St Léonard mit weiteren Ausflügen im Wallis verbinden möchtest, bietet sich eine Unterkunft in der Region rund um Sion oder Sierre an. Von hier erreichst du viele Ziele im Wallis in kurzer Zeit.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
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Weitere Ausflüge im Wallis
Wir kombinieren den Besuch des unterirdischen Sees noch mit einem Spaziergang in den Weinbergen von St. Léonard und beobachten die beginnende Weinlesen.
Tipp: Im Wallis gibt es viele Wanderwege entlang der Suonen (Wasserleitungen, französisch Bisse) in den Weinbergen. Wir haben es dieses Mal nicht geschafft, aber uns hätte sowohl die Wanderung entlang der Bisse de Montorge als auch die Wanderung entlang der Bisse de Lentine sehr gereizt. Vielleicht beim nächsten Mal.
Wenn du im Wallis unterwegs bist, findest du viele weitere spannende Ausflugsziele. Besonders eindrücklich sind die Staumauer Grande Dixence, der türkisfarbene Lac de Moiry und die bekannten Gletscher im Wallis: der Rhone- und der Aletschgletscher.

