Staumauer Grande Dixence – ein Ausflug ins Val d’Hérens
300 Sonnentage im Jahr, spektakuläre Aussichten und Gletscher – das sind neben dem mediterranen Flair der Weinberge nur einige Facetten des Wallis. Da fällt es gar nicht so einfach, zu entscheiden, welche Attraktionen man besucht. Vom breiten Walliser Rhonetal zweigen viele tiefe Täler ab und führen weit in die spektakuläre Bergwelt der Walliser Alpen. Eines der bekanntesten ist das Val d’Hérens. Bei Euseigne teilt sich das Tal. Eine Strasse führt weiter nach Evolène, die andere zweigt ins Val d’Hérémence ab, in dem die Staumauer Grande Dixence liegt.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit ins Val d’Hérens. Wir passieren die Erdpyramiden von Euseigne und werfen einen kurzen Blick auf den Bergort Evolène. Der Höhepunkt des Tages ist die Landschaft rund um die Staumauer Grande Dixence. Der Stausee Lac des Dix liegt in einer faszinierenden Bergwelt, und auch der Besuch im Inneren der Staumauer ist eindrücklich. Wie immer gilt: Lass dich inspirieren und mach dir dein eigenes Bild.

Anreise ins Val d’Hérens
Die Strasse schlängelt sich vom Rhonetal aus ins Val d’Hérens immer weiter nach oben. Meist ist sie angenehm zu fahren. Doch je weiter man ins Tal hinein fährt, desto enger wird sie stellenweise. Besonders dort, wo es direkt am Hang entlang geht, ist Konzentration gefragt.
Bei Euseigne teilt sich das Tal. Eine Strasse führt weiter nach Evolène, die andere zweigt ins Val d’Hérémence ab. Genau dort liegt die Staumauer Grande Dixence.
Wir folgen zunächst dem Haupttal und nähern uns den Erdpyramiden von Euseigne. Schon von Weitem ragen sie wie eine bizarre Mauer über der Strasse auf.
Erdpyramiden von Euseigne
Die Erdpyramiden von Euseigne gehören zu den spektakulärsten Naturdenkmälern der Schweiz. Diese bizarren Kegel entstanden am Ende der letzten Eiszeit aus übrig gebliebenem Moränenschutt. Wenn Regen und Wind das weichere Material abtragen, bleiben oft riesige Felsbrocken auf den Spitzen liegen. Diese wirken wie ein Schutzdach und bewahren die bis zu 15 Meter hohen Pyramiden vor der weiterer Verwitterung. Verliert eine Pyramide jedoch ihren „Hut“, verschwindet sie durch die Erosion recht schnell.

Wie die Wachtürme einer Märchenburg ragen die Formationen direkt über die Strasse. Man sucht unwillkürlich nach dem Schloss, das sich hinter dieser markanten Kulisse verbergen könnte.

Wenn du von Sion direkt zur Staumauer Grande Dixence fährst, achte auf die Beschilderung Richtung Euseigne. Seit der Eröffnung des neuen Umfahrungstunnels führt die Hauptstrasse nicht mehr direkt unter den Pyramiden hindurch. Der neue Tunnel führt leicht versetzt direkt durch die Moräne und schützt damit dieses in der Schweiz einzigartig vorkommende Naturdenkmal.
Das Beste am neuen Umfahrungstunnel: Die alte Strasse ist für den Durchgangsverkehr gesperrt. Du kannst dein Auto auf dem neuen Parkplatz abstellen und gemütlich über die frühere Fahrbahn spazieren. So hast du eine besonders gute Sicht auf die Erdpyramiden.
Evolène – ein Dorf im Val d’Hérens
Evolène liegt auf 1.370 m Höhe. Der grosse Parkplatz befindet sich am Ende des Dorfes. Von der Umgehungsstrasse führt hinter dem Ort ein Abzweig direkt dorthin, sodass du nicht durch den historischen Ortskern fahren musst.
Hinweis: Am Parkplatz befindet sich auch eine Tourist-Information, wo du Karten der Umgebung oder Informationen zu Wanderungen bekommst.

Allerdings gehen die Uhren hier anders. Pünktlich 12.00 Uhr mittags schliessen alle Läden und auch die Tourist-Information erst einmal ihre Pforten. Während die zahlreichen Restaurants auf hungrige Gäste warten.

Evolène wirkt wie ein Dorf aus einer anderen Zeit. Die dunklen Holzhäuser haben mehrere Etagen und viele kleine Fenster.
Während wir so durch den Ort schlendern, können wir uns gut vorstellen, wie Evolène im Winter zu einem gemütlichen Skiort wird. Die Gemeinde Evolène ist flächenmässig die viertgrösste der Schweiz. Zahlreiche Wanderwege und Skipisten führen in die umliegende Bergwelt.

Da wir weiter zur Staumauer Grande Dixence wollen, fahren wir nicht in Richtung Arolla weiter, sondern kehren um und folgen der Abzweigung ins Val d’Hérémence.

Grande Dixence: Ausflug zur höchsten Gewichtsstaumauer der Welt
Die Staumauer Grande Dixence im Wallis ist ein Bauwerk der Superlative. Mit 285 Metern ist sie fast so hoch wie der Eiffelturm und dominiert das Ende des Val d’Hérémence, einem Seitental des Val d’Hérens. Ob Wandern am Lac des Dix oder eine Führung durch das Innere der Mauer, Klettersteig oder Zipline – dieser Ausflug im Wallis ist alles andere als langweilig.
Anreise zur Staumauer
Je höher man zur Staumauer Grande Dixence hinauffährt, desto schmaler und kurviger wird die Strasse. Da wir bereits gehört hatten, dass der Weg nicht ohne ist, lassen wir das Fahrzeug in Mâche stehen und fahren das letzte Stück mit dem Postbus. Wobei die Strasse gut zu fahren ist, solange man nicht gerade dem Postbus begegnet.
Allerdings gibt es in Mâche nur wenige Parkplätze, auf denen man länger als eine Stunde stehen darf. Es braucht also ein wenig Glück. Die Haltestelle für den Postbus 372 liegt unmittelbar am öffentlichen WC. Alternativ kann man auch ab Sion Bahnhof direkt in ungefähr einer Stunde zur Staumauer Grande Dixence fahren, verpasst dann aber die Erdpyramiden von Euseigne und Evolène.
Als dann ein normal grosser Linienbus erscheint, sind wir sehr erstaunt. Die Strasse ist stellenweise kaum breiter als der Postbus. Im oberen Teil der Strecke, wo die Serpentinen beginnen und die Strasse schlecht einsehbar ist, gibt es nur wenige Ausweichstellen. Dort, wo auch der Busfahrer mit den Nerven aus Stahl niemandem begegnen möchte, lässt er den fröhlichen Dreiklang der Postbusse als Warnung erklingen.

Die Fahrt von Mâche zum Hotel Barrage de la Grande Dixence*, der Endhaltestelle am Fuss der Staumauer dauert ungefähr 20 Minuten. Am Pavillon d’information kann man Tickets für die Seilbahn und für die Führungen durch die Staumauer Grande Dixence kaufen. Wir ergattern noch einen Platz auf der letzten Führung durch die Staumauer. Da wir noch Zeit haben, fahren wir zuerst mit der Seilbahn nach oben.

Die Seilbahn fährt im 10-Minuten-Takt. Erst während der Fahrt wird einem bewusst, wie gross die Staumauer Grande Dixence ist. Besonders eindrücklich ist der Grössenvergleich mit der kleinen Kapelle St. Jean, die heute fast verloren wirkt.

Highlights und Aktivitäten am Lac des Dix
Oben angekommen überrascht die Vielfalt an Aktivitäten. An der Staumauer Grande Dixence gibt es einen Klettersteig und eine Zipline, die von einer Seite zur anderen führt. Uns zieht es jedoch auf den Rundwanderweg.
Der erste Abschnitt der Wanderung am Lac des Dix führt durch mehrere in den Fels gehauene Tunnel. Nach jedem dunklen Durchgang öffnet sich der Blick erneut auf den milchig blauen Lac des Dix und die Gletscher am Ende des Tals.

Wie das Val des Dix wohl aussah, als sich hier nur ein Fluss entlang schlängelte? Bereits mit der ersten Staumauer 1935 wurde hier ein Stausee angelegt. Diese erste Staumauer befindet sich heute viele Meter unter Wasser. Die Staumauer der Grande Dixence entstand ab 1951 weiter stromabwärts. Der Lac des Dix ist 5,3 km lang und erreicht an seiner tiefsten Stelle eine Tiefe von 227 Meter.

Am Ende des Sommers erreicht der See seinen höchsten Wasserstand. Dann sind hier 400 Milliarden Liter Wasser gespeichert. Allerdings wird das Wasser eines grossen Einzugsgebietes von 375 km² gesammelt und durch 100 km Tunnel zum Lac des Dix geführt. Allein 35 Gletscher speisen den Stausee.
Wir folgen dem Rundwanderweg nur, bis er den See verlässt. Da wir rechtzeitig zur Führung durch die Staumauer Grande Dixence kommen wollen, müssen wir umkehren, auch wenn es uns schwer fällt. Hier auf 2.365 m Höhe ist es im Sonnenschein des Herbsttages so schön. Samen und Schmetterlinge fliegen durch die klare Luft. Tief durchatmen, Energie tanken in der Schönheit des Bergpanoramas, die Bewegung und die Stille geniessen.


Führung durch die Staumauer Grande Dixence
Treffpunkt für die Führung ist wieder der Pavillon d’Information. Gemeinsam läuft die Gruppe den steilen Weg zum Einstieg, oberhalb der Kapelle St. Jean.

Endlich im Berg angekommen, bekommen wir zuerst das dicke Durchleitungsrohr zu sehen. Durch dieses Rohr fällt das Wasser mit einer Geschwindigkeit von 700 km/h auf die Turbine und treibt sie zur Stromerzeugung an. Grosse Schautafeln liefern jede Menge Zahlen. Nebenan steigen wir dann in die Staumauer ein.
Im Inneren der Staumauer Grande Dixence befindet sich ein wahres Labyrinth aus ähnlich aussehenden Röhren. 32 km lang ist das Röhrensystem, teilweise von einem grünen Licht erhellt. Unwillkürlich fällt uns die Sage vom Minotaurus ein und wir wünschen uns einen Ariadnefaden, um hier wieder herauszufinden.
Denn nach kurzer Zeit innerhalb der Staumauer, wo wir hoch- und runterlaufen und abbiegen, haben wir jegliche Orientierung verloren. Während unser Guide die seismischen Messungen und Triangulation erklärt, um Verformungen der Staumauer zu beobachten und davon spricht, dass sie Erdbeben bis zur Stufe 8.8 auf der Richterskala standhält, wandern meine Gedanken kurz in die Atacama, wo wir ein starkes Erdbeben erlebt haben. Umgeben von Beton und Wassermassen fühlt sich dieser Ort plötzlich anders an.

Was ist eine Gewichtsstaumauer?
Die Staumauer Grande Dixence hält dem Druck des Wassers allein durch ihre Masse stand. Anders als gebogene Staumauern, die Kräfte in die Felswände ableiten, wirkt hier das Gewicht des Bauwerks selbst.
Mit einem Eigengewicht von rund 15 Millionen Tonnen gehört sie zu den eindrücklichsten Bauwerken dieser Art. Am Fuss ist sie bis zu 200 Meter dick, nach oben verjüngt sie sich deutlich.
Gebaut wurde die Staumauer zwischen 1951 und 1965 von rund 3.000 Arbeitern. In einem Film können wir den Bau der Staumauer Segment für Segment beobachten. Allein die Menge Beton von 6 Millionen Kubikmetern, die man in dieser Höhe brauchte, ist unvorstellbar.

Bevor es wieder steil, auf hohen Treppenstufen nach oben geht, informieren ein paar Zeilen an der Wand, dass es 2.222 Treppenstufen im Inneren der Staumauer gibt.
Tipps und Hinweise für den Besuch der Staumauer
Die Staumauer ist nur eine kurze Zeit im Jahr zu besichtigen, da der Winter auf dieser Höhe früh Einzug hält und die Zufahrtsstrasse dann gesperrt ist. Von ungefähr Mitte Juni bis Anfang Oktober ist die Staumauer täglich zu besichtigen. Die Wanderwege sind teilweise erst später geöffnet, da sie in grössere Höhen führen. Der Wasserstand des Lac des Dix erreicht im Herbst seinen Höhepunkt. Bei schönem Wetter ist die Farbe des Stausees am schönsten.
Tipp: Frage am Pavillon d’Information nach günstigen Kombitickets für die Seilbahn und die Führung durch die Grande Dixence. Es gibt auch weitere Kombipakete mit Zipline.
Mein persönlicher Tipp für das perfekte Timing: Besichtige zuerst das Innere der Staumauer und nimm erst danach die Seilbahn nach oben zur Krone. So hast du oben am See keinen Zeitdruck und musst nicht, wie wir, mitten in der schönsten Stimmung umkehren, um die letzte Führung zu erwischen. Du kannst deine Führung durch die Staumauer auch frühzeitig online buchen.
Hinweis: Falls das Innere der Staumauer nichts für dich ist, dann solltest du die kleine Ausstellung unterhalb des Parkplatzes besuchen. Dort wird der gleiche kurze, aber sehr eindrückliche Film über den Bau der Staumauer Grande Dixence gezeigt, wie im Inneren der Staumauer.
Übernachten kannst du direkt im Hotel Barrage de la Grande Dixence*, in Evolène* oder in Sion*.
Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
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Weitere Ausflugsziele im Wallis
Der Ausflug zur Staumauer Grande Dixence lässt sich gut mit den Erdpyramiden von Euseigne, einem Abstecher nach Evolène und einer Wanderung am Lac des Dix kombinieren. Damit ist ein Tag gut gefüllt.
Wenn du noch mehr Zeit im Wallis hast, lohnt sich bei schlechtem Wetter ein Besuch des unterirdischen Sees St. Léonard.
Für ruhigere Tage bieten sich Wanderungen entlang der Suonen (Wasserleitungen, französisch Bisse) an. Auf unserer Liste für das nächste Mal stehen die Bisse de Montorge und die Bisse de Lentine.
Weitere eindrückliche Ziele im Wallis sind der türkisfarbene Lac de Moiry sowie die bekannten Gletscher im Wallis – der Rhone- und der Aletschgletscher.
