Feuerland – Abenteuer am Ende der Welt
Feuerland. Schon der Name klingt nach Abenteuer, Wind und Weite. Wer in die südlichste Stadt Argentiniens, Ushuaia, reist, will die Natur in ihrer ganzen Schönheit erleben. Ob bei Wanderungen im Tierra del Fuego Nationalpark, bei Tierbeobachtungen oder bei einer Schifffahrt auf dem Beagle Kanal, wenn das Wetter mitspielt, ist Feuerland ein abwechslungsreiches Reiseziel.
Mein Wunsch, eines Tages ans Ende der Welt zu reisen, geht weit zurück. Als Teenager las ich Jules Vernes „Die Kinder des Kapitän Grant“. Die Geschichte der Geschwister, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater die halbe Welt bereisen und in Patagonien eine Spur vermuten, hat mich tief beeindruckt. Seitdem wollte ich diesen fernen Landstrich mit eigenen Augen sehen.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit in unser ganz persönliches Abenteuer Feuerland, den Ausgangspunkt unserer Südamerika-Reise, die uns noch an viele spannende Orte führen wird. Ich gebe dir wichtige Tipps von der Anreise bis zu Ausflügen, und aus unseren Erfahrungen kannst du viel lernen. Wie immer gilt: Lass dich inspirieren und mache dir unbedingt ein eigenes Bild. Uns hat Feuerland tief beeindruckt, und weil einige Punkte offen geblieben sind, steht es bei uns erneut auf der Bucket List.

Anreise nach Feuerland und praktische Tipps
Feuerland liegt im äussersten Süden Südamerikas und ist zwischen Argentinien und Chile aufgeteilt. Der argentinische Teil mit der Hauptstadt Ushuaia gilt als Tor zur Antarktis und als Ausgangspunkt vieler Expeditionen.
Das Klima ist rau und wechselhaft. Innerhalb eines Tages können alle vier Jahreszeiten auftreten. Eine wetterfeste Ausrüstung im Zwiebelsystem ist deshalb unerlässlich. Auch im Sommer sind Temperaturen um 10 bis 15 Grad üblich. Am besten du planst dein Feuerland Abenteuer flexibel. Am Ende der Welt kommt manches anders als man denkt.

Anreise nach Ushuaia
Alle Wege aus Europa kommend führen über Buenos Aires. Die internationalen Flüge kommen am Flughafen Aeropuerto Internacional Ministro Pistarini an. Dieser Flughafen befindet sich ausserhalb der Stadt Buenos Aires, etwa zwei Kilometer von der Stadt Ezeiza entfernt. Deshalb nennen die Einheimischen den Flughafen auch Aeropuerto de Ezeiza.
Für die Weiterreise mit einem Inlandsflug musst du einmal quer durch Buenos Aires, um den Stadtflughafen Aeroparque Jorge Newbery zu erreichen. Plane genügend Zeit ein, wenn du nicht den letzten Nerv verlieren willst. Du kannst entweder mit dem Busunternehmen Manuel Tienda Leon fahren oder dir ein Taxi nehmen.
Beide Verkehrsmittel sind etwa gleich schnell und stehen gleich im Stau auf der Autobahn. Allerdings herrscht beim Busunternehmen die Regel «first come, first serve». Manche Busse legen zusätzlich einen Zwischenstopp in der Innenstadt ein. Sind die Sitzplätze voll musst du auf den nächsten Bus warten. Die Tickets beinhalten keine Reservation auf einen bestimmten Bus.
Wir sind mit dem Bus gefahren, wären aber bei vier Personen deutlich günstiger und entspannter angekommen, hätten wir ein Taxi genommen. Ich würde dir empfehlen mit einem offiziellen Taxi zu fahren, die warten draussen am Flughafen. Im Flughafen wirst du angesprochen von wahrscheinlich nicht lizenzierten Fahrern. Das würde ich nicht riskieren.
Tipp: Hast du noch Zeit am Stadtflughafen, checke dein Gepäck ein und bummle am Ufer des beeindruckenden Rio de la Plata und halte Ausschau nach Uruguay. Wir geniessen dort noch die Sonne. Ushuaia empfängt uns nach 4 Stunden Flug mit 3°C und Schneeregen.

Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
Reisegepäck
Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen … Für eine Südamerika Reise zu packen, ist eine Herausforderung. Packt man doch für alle Jahreszeiten und Eventualitäten. Es gibt bei der Reiseplanung ein paar Grundregeln zu beachten:
- Weniger ist mehr. Die Freigepäckregeln bei Inlandsflügen unterscheiden sich von denen bei internationalen Flügen. Bitte checke bei deiner Fluggesellschaft in Argentinien, welche Regeln gelten und welche Aufpreise unter Umständen anfallen. Wir haben so gepackt, dass nur eine Tasche die Kriterien der Inlandsfluggesesllschaft nicht erfüllt hat und sind auf Kulanz gestossen.
- Gepäck kann bummeln. Packe über Kreuz, so dass nicht ein Reisender gar nichts zum Anziehen hat. Plane die Reise so, dass bummelndes Gepäck die Chance hat, dich am ersten Zielort zu erreichen.
- Mehr Tipps für die Argentinien Reise findest du in unseren Reisetipps von A nis Z.

Mietwagen Ushuaia
Mietwagen in Argentinien sind teuer. Deshalb hatten wir uns ursprünglich entschieden, keinen zu mieten. Das war ein klassischer Fall von Fehlplanung. Hätten wir gleich einen passenden Mietwagen am Flughafen Ushuaia gemietet, wäre uns die kostenlose Abholung der Unterkunft in einem dann total überladenen Kleinwagen erspart geblieben.
Zweitens haben wir nicht bedacht, wie bergig Ushuaia ist und prompt war unsere Unterkunft oben und die zentrale Busstation am anderen Ende der Stadt unten. Drittens haben sich dann die Busfahrpläne als nicht wirklich passend zu unseren Bedürfnissen als Familie herausgestellt.
Insofern haben wir gleich am zweiten Tag im Innenstadt Büro eines heimischen Mietwagenanbieters, den einzigen vorhandenen Kleinwagen gemietet. Die Verständigung war schwierig.
Was du daraus lernen kannst, buche dir unbedingt schon von Zuhause aus einen Mietwagen, den du am Flughafen abholen kannst.

Autofahren in Ushuaia
Ushuaia ist wie viele südamerikanische Städte wie ein Schachbrett aufgebaut. Ein gut nachvollziehbares System aus Einbahnstrassen macht es relativ einfach sich zurechtzufinden.
Innerorts müssen alle Strassen, die parallel zum Meer verlaufen, Vorfahrt gewähren, während die senkrecht dazu laufenden Strassen freie Fahrt haben. Dieses System macht wirklich Sinn, denn so steil wie die Strassen den Berg hinaufführen, wäre das Anhalten und Anfahren im Winter recht problematisch.
Ansonsten fährt in der Stadt jeder da, wo er Platz findet.
Ausserhalb der Stadt gibt es vor Kreiseln Bodenschwellen in der Höhe von Sprungschanzen. Wer hier das Auto nicht ganz langsam darüberfährt, hebt wirklich ab. Die Strasse nach Tolhuin hat tiefe Spurrillen, wo man bei Regen wirklich schwimmt.

Übernachten in Ushuaia
In Ushuaia gibt es zahlreiche Unterkünfte von Hotels und Appartements in zentraler Lage bis zu privat geführten Hosterias und Hostels. Wie alles hier am Ende der Welt, haben auch Übernachtungen ihren Preis.
Hotels in zentraler Lage:
- Hotel Canal Beagle* – mit Blick aufs Wasser
- Hotel de los Andes* – auf der Hauptstrasse von Ushuaia
Wir würden dir nach unseren Erfahrungen empfehlen, im Bereich der Innenstadt oder mit Meerblick zu übernachten. Die Restaurants befinden sich alle «unten» in der Stadt und satt und müde am Ende eines Tages macht es keinen Spass die steilen Berge zu erklimmen. Das Parken in der Innenstadt ist auch nicht so ganz einfach. Hast du dir einen Mietwagen gebucht, solltest du sicherstellen, dass du bei der Unterkunft parken kannst. Die Seitenstrassen sind meist vollgeparkt.
Inzwischen gibt es eine grosse Anzahl von Appartements in Ushuaia. Du findest sie ganz einfach, wenn du die Filter einstellst oder dir die Karte aller Unterkünfte anschaust.
Wie viel Zeit solltest du für Feuerland einplanen?
Viele Reisende unterschätzen, wie weitläufig Feuerland ist und wie viel es rund um Ushuaia zu entdecken gibt. Für einen ersten Eindruck mit Stadtbummel und Besuch des Tierra del Fuego Nationalparks solltest du wenigstens drei Tage einplanen. Wenn du zusätzlich Ausflüge ins Landesinnere unternehmen oder Aktivitäten auf dem Wasser wie eine Schifffahrt auf dem Beagle Kanal oder einen Ausflug nach Kap Horn einbauen möchtest, sind fünf Tage bis eine Woche ideal. Bedenke, dass das Wetter nicht immer mitspielt. Wir selbst hätten im Nachhinein gern etwas mehr Zeit gehabt, obwohl wir 5 Nächte in Ushuaia verbracht haben.
Ushuaia – Sehenswürdigkeiten und Tipps
Ushuaia ist keine Stadt, die man wegen ihrer Bauwerke besucht. Wer hierher reist, will die Nähe zur Natur spüren, sich auf grosse Abenteuer einstimmen oder einfach erleben, wie sich das Leben am Ende der Welt anfühlt. Für uns war Ushuaia der Beginn einer neun-wöchigen Südamerika Reise. Zum ersten Mal in Südamerika unterwegs, ist alles neu. Wir entdecken besondere Orte und machen uns mit der Lebensweise der Argentinier vertraut.
Es heisst immer, die Kultur eines Landes erkenne man auf einem öffentlichen WC. Aber das fällt in Argentinien schwer, denn ausserhalb von Unterkünften, Hotels und vielleicht Besucherzentren sind uns keine begegnet. Stattdessen bemerken wir im Laufe unserer Reise, dass die Art und Weise zu frühstücken, viel über ein Land aussagt. In Argentinien hat Frühstück keinen wichtigen Stellenwert und ist in den meisten Unterkünften rudimentär, auch wenn sich die viel von ausländischen Touristen frequentierten Unterkünfte inzwischen ein wenig angepasst haben. Für uns auf Reisen ist es die wichtigste Mahlzeit neben dem Abendessen. So kommt es, dass wir uns als erstes auf Nahrungssuche begeben.

Im Zentrum von Ushuaia
Da das Leitungswasser in Ushuaia sehr gechlort ist, brauchen wir Wasser, Obst, Snacks und Schokolade für die gute Laune. Der erste Besuch in einem Supermarkt lässt selbige jedoch recht schnell sinken. Das Obst hat auf seiner langen Reise zum Ende der Welt schon bessere Tage gesehen. Immerhin Äpfel und Bananen nehmen wir mit. Die Auswahl an Schokolade bezieht sich auf: du kaufst die seit einem halben Jahr abgelaufene Schoggi oder du lässt es. Der Preis erkärt, warum sie überaltert ist. Also laufen wir weiter in der Hoffnung auf besser sortierte Läden.
Schokolade kaufen wir schlussendlich in einer Confiserie, aber selbst da beträgt der maximale Kakaogehalt nur 40 Prozent.
Als wir in die Hauptgeschäftsstrasse einbiegen, fängt es an zu regnen. Lauter Lärm, der entfernt an einen Karnevalsumzug erinnert, empfängt uns. Die Zugangsstrassen sind mit brennenden Paletten gesperrt. Wir laufen geradewegs in einen Streik vor dem Stadthaus. Die Streikenden machen ihrem Unmut mit Trommeln und schrillen Pfiffen Luft. Was sie skandieren verstehen wir nicht.
Der Besuch der Busstation fällt ebenfalls ernüchternd aus. Jetzt kann nur noch Zucker die Laune heben, während wir einen Schlachtplan entwerfen. Wir flüchten vor dem Regen und der schlechten Laune in ein Eiscafé. Dass in Argentinien alles ein wenig süsser ist als sonst irgendwo auf der Welt, erfahren wir hier erstmals als wir dem Zuckerschock nahe trotz nicht aufgegessenem Eisbecher das Café verlassen.
Immerhin haben wir einen Plan und mieten erfolgreich einen Mietwagen. Das hebt die Laune und erweitert unseren Aktionsradius ungemein.

Der Hafen von Ushuaia
Der Hafen ist das Herz der Stadt. Hier liegen die Expeditionsschiffe, die Kurs auf die Antarktis nehmen und dann und wann ein Kreuzfahrtschiff. Während unseres Aufenthalts in Ushuaia laufen aber wunderschöne Segelschiffe aus vielen Ländern Südamerikas ein. Sodass wir immer wieder neugierig auf den Hafen blicken, wenn wir von unseren Ausflügen zurück nach Ushuaia kommen.
Gefeiert wird ein runder Jahrestag der Seeschlacht von Montevideo. Anlässlich dieses Events kommen die Segelschulschiffe vieler Länder in Ushuaia zusammen. Am letzten Tag unseres Aufenthalts wird deshalb der Hafen für die Öffentlichkeit geöffnet und wir können uns die Segelschiffe ansehen. Sie sind ein Abbild des jeweiligen Landes.

Das Schiff von Venezuela ist das mit Abstand edelste und gepflegteste Schiff. Die Besatzung trägt attraktive Uniformen.
Das komplette Gegenteil ist das Schiff von Ecuador. Ein freundlicher Holzpirat begrüsst uns an der Gangway. Die Crew ist noch nicht fertig mit den Vorbereitungen und trägt alles, nur keine Ausgehuniform. Am Schiff nagt überall sichtbar der Zahn der Zeit. Die Masten sind mit Comicfiguren verziert, unter anderem Popeye. Alles ist ein wenig schlampig, aber liebenswert.
Das Schiff von Brasilien empfängt seine Besucher mit lauter, rhythmischer Musik aus grossen Lautsprechern. Alle Besucher werden per Handschlag begrüsst und dürfen sich die Mütze des Offiziers für Fotos ausleihen. Das ganze Schiff strahlt pure Lebensfreude aus.
So zeigt sich auf jedem Schiff ein wenig, wie die Nation, die es vertritt, tickt. Sehr spannend.

Einige der Segelschiffe treffen wir im späteren Verlauf unserer Reise in Punta Arenas, dem chilenischen Ende der Welt wieder.
Museen in Ushuaia
Als Schlechtwetter Alternative bietet sich der Besuch in einem Museum an. Wir sind jedoch dem schlechten Wetter lieber davongefahren, weil es uns mehr in die Natur zog.
Das Museo Marítimo y del Presidio befindet sich in den Gebäuden des seit 1947 geschlossenen Gefängnisses am Ende der Welt. Es erzählt sowohl die Geschichte der maritimen Entdeckung Feuerlands als auch die Vergangenheit der Stadt als Strafkolonie.
Unweit davon befindet sich auch das Museo del Fin del Mundo in einem ehemaligen Bankgebäude. Es ist eine Art Heimat- und Naturkundemuseum.
Das dritte Museum in räumlicher Nähe ist das Kunstmuseum Museo de Arte Marino Ushuaia.

Tierra del Fuego Nationalpark
Nur wenige Kilometer westlich von Ushuaia beginnt der Tierra del Fuego Nationalpark, einer der südlichsten Nationalparks der Welt. Schon der Name Feuerland geht auf die Entdeckerzeit zurück: Als Ferdinand Magellan im Jahr 1520 durch die Meerenge segelte, sah er an Land zahlreiche Feuer. Es waren die Lagerfeuer der indigenen Selk’nam, die hier seit Jahrtausenden lebten. Die glühenden Punkte im Dunkel der Landschaft gaben der Inselgruppe ihren bis heute mythisch klingenden Namen.
Hier treffen dichte Wälder auf raue Küstenlandschaften, Moore auf klare Flüsse, und im Hintergrund erheben sich schneebedeckte Berge. Schon bei der Anfahrt zeigt sich, wie schnell sich Wetter und Licht verändern können. Innerhalb weniger Minuten wechseln Sonne, Nebel und Regen, und mit jedem Stimmungswechsel wirkt die Landschaft anders.
Wir bezahlen den für Ausländer deutlich höheren Eintritt und sind überrascht, wie still es im Park ist. Auf den Wegen begegnen wir kaum anderen Besuchern. Stattdessen hören wir Vogelrufe, das Rauschen des Windes und das Plätschern der Bäche. Der Tierra del Fuego Nationalpark wird unser Highlight auf Feuerland.
Alle Informationen zu Öffnungszeiten und aktuellen Preisen findest du auf der offiziellen Website des Tierra del Fuego Nationalparks. Du kannst die Seite von deinem Browser übersetzen lassen.

Tren del Fin del Mundo
Eine Besonderheit im Nationalpark ist der Tren del Fin del Mundo, der „Zug am Ende der Welt“. Früher diente er als Werkbahn des Gefängnisses von Ushuaia und transportierte Sträflinge zu den Holzfällarbeiten im Wald. Heute bringt er Besucher auf einer kurzen Fahrt mitten durch die Landschaft des Nationalparks.
Wir haben uns gegen eine kostspielige Fahrt entschieden und erkunden den Tierra del Fuego Nationalpark lieber auf eigene Faust. Umso mehr freuen wir uns, als wir dem Dampfzug aber auf dem Weg zu unserem Spaziergang am Rio Pipo begegnen.

Senda Costera – Küstenlandschaft am Ende der Welt
Vom Parkplatz am Postamt am Ende der Welt startet der 6,5 Kilometer lange Küstenwanderweg Senda Costera. Man könnte die Wanderung verlängern und bis zur Bahia Lapataia laufen. Allerdings müsste man dann organisieren, wie man wieder zurück zum Auto kommt. Bevor wir loswandern, stellen wir uns aber erst einmal am Postamt an und besorgen uns Aufkleber, die wir hinten in den Reisepass kleben.

Die Wanderung ist malerisch und bietet unendlich viele Fotomotive. Sie führt durch einen urwüchsigen Wald, vorbei an moosbedeckten Bäumen, Flechten und kleinen Buchten mit Kiesstränden. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Beagle Kanal und auf schneebedeckte Gipfel.

Wir laufen den Weg nicht bis zum Ende, sondern kehren nach zwei Dritteln des Weges um und holen das Auto. Mit dem Auto fahren wir dann bis zum Ende der Panamericana. Unterwegs geniessen wir die ganz unterschiedlichen Aussichten an den Aussichtspunkten.

An einem der Parkplätze werden wir von einem bettelnden Fuchs am Wegfahren gehindert. Überall stehen die Schilder, die das Füttern der Füchse verbieten, aber manchmal muss es wohl klappen. Kaum haben wir ausgeparkt, stellt er sich ganz siegessicher direkt vor unser Auto und zwingt uns zum Anhalten. Die Hupe vertreibt ihn. Wir treffen im Tierra del Fuego Nationalpark noch auf mehrere Füchse.

Bahia Lapataia – das Ende der Panamericana
Die Strasse durch den Nationalpark endet an der Bahia Lapataia, einer geschützten Bucht mit Aussicht auf das wilde Patagonien. Hier steht das berühmte Schild, das das Ende der legendären Panamericana markiert. Dieses Netz aus Fernstrassen beginnt über 17’000 Kilometer nördlich in Alaska. Aufgrund zahlreicher Abzweigungen und Umwege durch Gebirge und Städte misst die Panamericana insgesamt rund 30’000 Kilometer, und gilt damit als längste befahrbare Strassenverbindung der Welt.

Nur eine Lücke im Dschungel des Darién trennt die Panamericana zwischen Panama und Kolumbien. Wer die gesamte Panamericana fahren möchte, so wie wir es auf unserer Bucket List vermerkt haben, muss hier das Fahrzeug verschiffen, wenn er mit einem eigenen Wohnmobil unterwegs ist.

Die Bahia Lapataia ist traumhaft schön. Auf der Suche nach den Staudämmen der Biber wandern wir unfreiwillig durch die wunderbare Landschaft, weil wir auf der falschen Seite suchen. Schliesslich finden wir die überfluteten Gebiete doch noch. Obwohl wir lange auf die Biber warten und sogar an einem anderen Tag noch einmal zurückkommen, zeigen sie sich uns nicht.

Ausflüge ab Ushuaia
Ushuaia ist nicht nur das Tor zur Antarktis, sondern auch Ausgangspunkt für viele spannende Erlebnisse auf Feuerland. Wer ein Auto zur Verfügung hat, kann entlang der Ruta 3 eindrucksvolle Landschaften entdecken von windgepeitschten Ebenen bis zu einsamen Seen im Landesinneren.
Eigentlich wollten wir auch eine Schifffahrt auf dem Beagle Kanal unternehmen oder den Hausgletscher von Ushuaia besuchen. Wegen eines Streiks und des Wetters waren diese Ausflüge jedoch nicht möglich. Stattdessen haben wir uns entschieden, Feuerland auf eigene Faust zu erkunden. Diese Ausflüge waren vielleicht nicht geplant, aber sie gehören zu unseren eindrücklichsten Erinnerungen.

Unterwegs im Herzen von Feuerland – Tolhuin
Wenn das Wetter in Ushuaia nicht mitspielt, lohnt sich eine Fahrt ins Landesinnere. Unser erstes Ziel an diesem Tag heisst Tolhuin, ein kleiner Ort etwa 100 Kilometer nordöstlich von Ushuaia. Schon die Anreise ist ein eher unfreiwilliges Abenteuer. Es regnet in Strömen, und tiefe Spurrillen verwandeln die Strasse in eine Wasserpiste. Autofahren fühlt sich plötzlich fast wie Bootfahren an. Als wir Tolhuin erreichen, hört der Regen auf.
Tolhuin wurde erst 1970 gegründet und wirkt eher wie eine grosse Siedlung als eine Stadt. Bekannt ist der Ort für die Bäckerei Panaderia La Unión, die bei Einheimischen und LKW-Fahrern gleichermassen beliebt ist. Nach dem bescheidenen Frühstück in unserer Unterkunft freuen wir uns auf frisches Brot und Gebäck. Die Auswahl ist überwältigend. Bei der langen Schlange haben wir etwas Zeit für die Entscheidungsfindung. Wir bestellen einfach quer durch die Auslage, vergessen aber die Schilder zu lesen, auf denen die warmen Gerichte stehen.
Während wir im dazugehörigen Restaurant essen, sehen wir wie unsere Tischnachbarn riesige Schnitzel-Sandwiches verspeisen. Zuerst wird der Deckel mit Mayonnaise oder Ketchup bestrichen, dann fixieren zwei Zahnstocher das Ganze, und erst dann wird herzhaft zugebissen.

Auf der Suche nach dem Kondor – Lago Yehuin
Gestärkt fragen wir in der Tourist-Info nach, wo sich Kondore am besten beobachten lassen. Man schickt uns auf eine Schotterpiste, die etwa 18 Kilometer hinter Tolhuin beginnt und nach 44 Kilometern am Lago Yehuin endet. Kondore sehen wir dort keine, doch schon die Fahrt ist eindrücklich.
Über den Lago Yehuin weht ein kräftiger Wind, der weisse Wellen über das Wasser treibt. Die Reste einer einstigen Ferienanlage zeugen davon, dass hier einmal Menschen Urlaub gemacht haben. Heute ist es ein Lost Place in traumhaft einsamer Umgebung.

Kondore sehen wir hier nicht, sondern erst später auf dieser Reise im Torres del Paine Nationalpark. Wir bedauern es sehr, dass wir nicht mit dem Auto durch ganz Patagonien nach El Calafate fahren können. Aber die Einweggebühren für Mietwagen sind viel zu hoch. Immerhin haben wir so einen Eindruck von den wundervollen, windgepeitschten Weiten Patagoniens bekommen.


106 Huskys auf einem Haufen
Auch wenn der Herbst auf Feuerland nicht die ideale Zeit für eine Hundeschlittentour ist, wollen wir doch wenigstens einen Huskyzüchter besuchen. Wir finden die Siberianos de Fuego im Reiseführer, aber nicht in der Realität. Später erfahren wir, ein Scherzkeks hat sich das schöne Husky-Holzschild an der Strasse als Souvenir mitgenommen.
Immerhin dürfen wir die Huskies nicht nur besuchen, sondern auch eine von Huskies gezogene Kutschfahrt durch das Gelände unternehmen. Während sie angespannt werden, müssen wir zunächst im gemütlichen Raum mit dem wärmenden Holzfeuer warten. Kurze Zeit später wissen wir warum, denn als die Hunde merken, dass es losgeht, will jeder rennen. Und so bricht ein Höllenlärm los und jeder versucht mit Kunststücken auf sich aufmerksam zu machen.



Die Fahrt selbst ist ein wilder Ritt. Wir rasen durch tiefe Pfützen, werden ordentlich durchgeschüttelt und kämpfen darum, nicht aus dem Wagen zu fallen. Zweimal halten wir kurz an, um etwas über die Umgebung zu erfahren, aber die Hunde wollen nicht stehen bleiben. Sie wollen laufen. Und sie tun es mit einer Energie und Freude, die unglaublich wirkt.

Nach der Ausfahrt dürfen wir unter Berücksichtigung der Hierarchie die Hunde in ihren Hütten begrüssen und beknuddeln. Die Wildheit vom Anfang ist verschwunden.



Bei Kaffee und Keksen erfahren wir dann, dass der Besitzer ein gutes Leben als Banker gegen ein erfülltes Leben als Husky-Züchter getauscht hat. Wir erfahren viel über das Training der Tiere und die weltweiten Wettkämpfe. Ein paar Jahre später, versuchen wir uns selbst im Führen eines Hundeschlittens in Kanada. Dabei mussten wir an dieses Erlebnis zurückdenken.
Tipp: Auf der Facebook Seite erfährst du mehr über die Siberianos de Fuego.
Biberpirsch – oder die Biber auf Feuerland
Den Anbieter zur Biber-Beobachtungstour fanden wir zufällig auf der Suche nach den Huskies. So kommt es, dass wir uns eines Abends auf der Ladefläche eines Pick-ups wiederfinden und unsanft durch die Landschaft rasen.
Im Herbst arbeiten die Biber an ihren Wintervorräten. Wir sehen sie vor allem im Wasser. Als der Biber dann endlich rauskommt und neue Äste holt, ist es schon zu dunkel zum Fotografieren.

Während wir warten, erfahren wir mehr über eine der wohl kuriosesten Geschichten Feuerlands. 1946 setzte die argentinische Regierung 25 kanadische Biber aus, um eine Pelzindustrie aufzubauen. Doch weil es hier keine natürlichen Feinde gibt und die Pelze nicht die gewünschte Qualität haben, explodierte die Population. Heute leben schätzungsweise bis zu 200.000 Tiere auf Feuerland, viele davon auch im Tierra del Fuego Nationalpark. Sie bauen riesige Staudämme, überfluten ganze Wälder und haben es sogar geschafft, die Magellanstrasse zu durchschwimmen.
Der Ausflug zu den Bibern ist unterhaltsam. Zweimal fühlt sich der Biber durch unsere Unterhaltung gestört und klatscht laut mit dem flachen Schwanz auf die Wasseroberfläche. So warnt er seine Familie. Als es endgültig dunkel ist, geht es zurück.
In einer grossen Halle wartet ein obelixwürdiges Mahl auf uns. Das gebuchte Abendessen entpuppt sich als Asado, hier zwar nicht in Form von halben über dem Grill aufgespannten Tieren, aber die Fleischberge sind für uns unfassbar. Bei einem privaten Grillfest rechnet man hier mit einem halben Kilo Fleisch pro Person. Wir schaffen nicht einmal einen Bruchteil des Mahls, obwohl wir die Salate nur kosten. Es ist ein eindrückliches Erlebnis gewesen.

Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
