Auf den Spuren der Vergangenheit – Al Baleed

Für heute steht ein Besuch von Al Baleed, dem «Museum of Frankincense Land» und der Ausgrabungsstelle auf dem Plan. Die Hafenstadt Al Baleed entstand erst sechs Jahrhunderte nachdem Sumhuram, der berühmte Hafen für Weihrauch untergangen war. Wir würden die Ausgrabung gern im Licht des Sonnenuntergangs erleben. Daher steht der Vormittag zum Schnorcheln zur Verfügung.

Zuerst versuchen wir auf dem Weg zur Ausgrabung noch einen im Reiseführer beschriebenen Zugang zu den Obstgärten von Salalah zu finden. Nachdem wir viel darüber gelesen haben, wollen wir uns das einzigartige Falaj Bewässerungssystem und seine Anwendung im «Etagenanbau» ansehen.

Beim «Etagenanbau» bilden die hohen Dattel- oder Kokospalmen ein Schattendach, unter dem Bananenstauden, Sträucher oder Zitrusfrüchte gedeihen. Am Boden werden Gemüse, Kräuter oder Getreide kultiviert. Allerdings sind die Angaben im Reiseführer zu ungenau. Wir finden die beschriebene Stelle nicht und landen stattdessen in einer neueren und nicht sehr gepflegten Plantage gegenüber dem Weihrauchmarkt. Wahrscheinlich haben wir zu früh versucht, in die Obstgärten abzubiegen. Nur traf uns diese Erkenntnis erst auf dem Rückweg von der Ausgrabung als es schon dunkel war.

Bild Neu angelegte Plantage in Salalah - Durch die Gräben wird das Wasser geleitet zeigt in Vertiefungen gepflanzte Bananenstauden und Kürbisgewächse als Bodendecker. Im Hintergrund stehen Kokospalmen.
Neu angelegte Plantage – Durch die Gräben wird das Wasser geleitet

Nach diesem kurzen Abstecher begeben wir uns zum Al Baleed «Museum of Frankincense Land» und der Ausgrabung. An dessen Parkplatz stehen einige mickrige Weihrauchbäume. Das Museum selbst ist in zwei Bereiche, die «History Hall» und die «Maritime Hall» unterteilt. Wir beginnen die Besichtigung im Museum und besuchen erst anschliessend die Ausgrabung.

Bild Weihrauchbäume vor dem Museum of Frankincense Land im Al Baleed Archäologiepark zeigt das weisse Gebäude des Museums und einige Weihrauchbäume
Weihrauchbäume vor dem Museum of Frankincense Land

Museum of Frankincense Land – History Hall

Nachdem wir die angenehm kühlen Hallen betreten haben, beginnen wir den Rundgang durch die «History Hall». An dessen Anfang befindet sich ein grosses Relief des Oman. Dieses verdeutlicht neben den geologischen Besonderheiten des Wüstenstaates auch die geostrategische Lage an der Strasse von Hormus.

Bild Relief des Omans im Museum of Frankincense Land zeigt im Vordergrund ein grosses Relief des Wüstenstaates. Im Hintergrund zeigen beleuchtete Bilder an der Wand Facetten des Landes.
Relief des Omans

Besonders interessant fanden wir die Erklärungen des Falaj Bewässerungssystem. Im Oman gibt es dieses Bewässerungssystem schon seit mindestens 1000 Jahren. Abhängig vom Ursprung des Wassers werden drei Arten unterschieden: das «Aini-Falaj» für Quellwasser, das «Iddi-Falaj» für Grundwasser aus einem tiefen Brunnen und das «Ghaili-Falaj» für das Grundwasser eines Wadis. Nur bei letzterem wird das Wasser oberirdisch durch Kanäle transportiert. Bei den anderen Systemen wird es durch unterirdische Kanäle transportiert.

Auch wenn man seit den 70er Jahren die Wasserversorgung mit Pumpen sicherstellt, restauriert und wartet man die Falaj-Systeme wieder. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Verteilung des Wassers bei den Falaj-Systemen haushälterischer war. Die Pumpen führten zu steigendem Wasserverbauch und sinkendem Grundwasserspiegel. Insofern treffen wir auf dieses als Weltkulturerbe eingestufte Bewässerungssystem verschiedentlich auf unserer Reise durch den Oman.

Bild Schema des Falaj Bewässerungssystems im Museum of Frankincense Land zeigt wie das Wasser/Grundwasser von den Bergen in die Städte geleitet wird. Es zeigt auch die Zugangsschächte in den Bergen.
Schema des Falaj Bewässerungssystems
Bild Modell des Falaj Bewässerungssystems im Museum of Frankincense Land in der Stadt zeigt wie das Wasser in die Festung geleitet wird und von da aus in die Stadt, zu den Plantagen und Feldern weitergeleitet wird.
Modell des Falaj Bewässerungssystems in der Stadt

Selbstverständlich findet auch der Weihrauch, dem diese Gegend in früheren Jahren seinen Reichtum verdankte, im Museum einen Platz. So werden unter anderem die verschiedenen Qualitätsklassen vom Weihrauch gezeigt.

Bild Schaukasten mit Weihrauch unterschiedlicher Qualitätsstufen im Museum of Frankincense Land zeigt von unten nach oben Weihrauch niedriger Qualität in dunkler Farbe und kleine Stücken bis zur besten Qualität in weisser Farbe.
Schaukasten mit Weihrauch unterschiedlicher Qualitätsstufen

In einem Film wird die Entwicklung des Omans von der Steinzeit bis heute dargestellt. Weiterhin nimmt die Herrschaft des heute amtierenden Sultans Qaboos viel Raum in der Ausstellung ein. Es ist beachtlich, zu welchem Wohlstand der Oman und seine Bevölkerung unter der Herrschaft des sehr beliebten Sultan Qaboos gekommen sind.

Museum of Frankincense Land – Maritime Hall

In der «Maritime Hall» nimmt vor allem der Schiffbau breiten Raum ein. Neben Modellen von wichtigen omanischen Schiffen und verschiedenen Daubauweisen ist auch ein originalgetreuer Nachbau des Hecks eines grossen Segelschiffs zu erkunden. Daus sind dickbauchige, flachgehende Küstensegelboote, die in allen Anrainerländern des indischen Ozeans zu finden waren.

Neben dem Schiff werden hier die alten Handelsrouten thematisiert. Bereits 2200 v.Chr. wurde im Oman im grossen Stil Kupfer abgebaut und verschifft. In alten Schriften wird der Oman auch als Magan bezeichnet. Die Omanis haben Seehandel sowohl mit Indien und China als auch mit Ostafrika betrieben. Dazu veranschaulichen Landkarten die Seewege vom Oman in die Welt.

Der Bereich des maritimen Lebens im Wasser wird nur mit wenigen Plakaten angerissen. Dennoch entdecken wir auf einem der Plakate den einen oder anderen Fisch, den wir schon beim Schnorcheln gesehen haben.

Ausgrabung Al Baleed

Für 500 Baizan pro Person lassen wir uns bei der Hitze mit einem Golfwagen durch die Ausgrabung fahren. Die Gebühr bezahlt man am Eingangstor. Die Quittung muss man dann am anderen Ende des Parkplatzes an einem Office abgebe. Wir lassen uns Zeit und geniessen die schönen Aussenanlagen.

Bild Café und Visitor Center an der Lagune zeigt das Gebäude und den schön mit Steinen eingefassten Kanal der Lagune mit Bänken und Picknickplätzen. Im Hintergrund stehen Büsche und Palmen.
Café und Visitor Center an der Lagune hinter dem Museum
Bild Gänse mit Küken im Al Baleed Archäologiepark zeigt der stolz hinter einem Küken her laufende Gänse
Gänse mit Küken im Al Baleed Archäologiepark
Bild Alte Daus zeigt drei unterschiedlich gefertigte Daus ungefähr gleicher Grösse
Alte Daus

Die Fahrt startet vor den Daus. Entlang der Lagune geht es in rasanter Fahrt zur Ausgrabungsstätte. Das mag daran liegen, dass die Fahrer bald Feierabend haben und wir eine der letzten Touren bekommen haben.

Bild Im Golfwagen geht es in rasanter Fahrt entlang der Lagune im Al Baleed Ausgrabungsgelände zeigt die Lagune mit Brücke und erste Teile der Ausgrabung
Im Golfwagen geht es in rasanter Fahrt entlang der Lagune im Al Baleed Ausgrabungsgelände
Schattenbild 4 Urlauber und der Fahrer im Golf Cart im Al Baleed Ausgrabungsgelände Park zeigt den Schatten auf Sand
Schattenbild 4 Urlauber und der Fahrer im Golf Cart im Al Baleed Ausgrabungsgelände

Al Baleed (hocharabisch al-Balad, «die Stadt») bezeichnet eine wahrscheinlich sehr wohlhabende antike Hafenstadt. Die Stadt befindet sich auf der noch heute so genannten Landzunge im Osten von Salalah.

Die Hafenstadt war einst ein wichtiger Umschlagplatz für Weihrauch und Araber-Pferde. Es wird vermutet, dass zur Blütezeit der Stadt im 10. bis 14. Jhd. bis zu 30.000 Menschen dort lebten. Sie war von einer Mauer umgeben.

Reste der Stadtmauer am Hafen mit Wellenbrechern, Schiffsanlegern und Wachturm - Al Baleed Archäologiepark
Reste der Stadtmauer am Hafen mit Wellenbrechern, Schiffsanlegern und Wachturm
Reste der Stadtmauer mit Wachturm - Al Baleed Archäologiepark
Reste der Stadtmauer mit Wachturm

Die Archäologen vermuten, dass die Stadt einst ein vom Meer kommender Kanal (Khor) umgab. In der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass die drei Haupttore der Stadt in Richtung Hafen lagen. Heute ist die Zufahrt allerdings versandet.

Im Inneren der Stadtmauern befindet sich eine Burg (Sultanspalast). Zwischen der Burg und der grossen Moschee befand sich wahrscheinlich ein grosser öffentlicher Platz.

Bild Reste der Burg - Al Baleed Ausgrabungsgelände zeigt Mauern, Gänge und Wachturm
Reste der Burg – Al Baleed Archäolgoepark
Burg von der Seite im warmen Licht des Sonnenuntergangs bei der Rückkehr fotografiert - Al Baleed Ausgrabungsgelände
Burg von der Seite im warmen Licht des Sonnenuntergangs bei der Rückkehr fotografiert

In einem Interview lesen wir, dass die Bauweise von Kalksandstein mit Holzeinlagen zur Stabilisierung des Mauerwerks überraschend für die Archäologen war. Jedoch können wir selbst bei näherer Betrachtung keine Hölzer entdecken. Die aufgefundenen, verbauten Holzteile stammen von Schiffen, die aus Indien oder China stammten. Die ältesten Hölzer sind 1.000 Jahre alt. Das erklärt, woher das Holz stammt.

Auch die grosse Moschee soll mit Stein und Holz wahrscheinlich um 1000 – 1100 nach Christus erbaut worden sein. Von den ehemals 144 Säulen waren nur noch wenige Säulenstümpfe erhalten. Die fehlenden Säulen wurden durch halbhohe Steinsäulen ersetzt. Dadurch bekommen wir einen guten Eindruck von diesem Bauwerk. Innerhalb der Stadtmauern Al Baleeds wurden ausserdem über 50 weitere kleine Moscheen gefunden.

Bild Grosse Moschee im Al Baleed Archäologiepark zeigt neben Mauerresten echte und nachgebaute Säulen
Grosse Moschee
Picknickplatz bei der Grossen Moschee im Al Baleed Archäologiepark zeigt einen Teil der Mauerreste und Säulen der Moschee und im Hintergrund den beschatteten Picknickplatz in Mitten der Ausgrabungsstelle
Picknickplatz bei der Grossen Moschee

Al Baleed befindet sich bereits seit dem Jahr 2000 auf der Liste für Weltkulturerbe. Doch es wartet noch viel Arbeit auf die Archäologen, denn nur ein kleiner Teil der Anlage wurde bisher ausgegraben.

Bild Hier wartet noch viel Arbeit auf die Archäologen im Al Baleed Archäologiepark zeigt ein riesiges Areal mit noch auszugrabenden Hügeln und Steinresten.
Hier wartet noch viel Arbeit auf die Archäologen

Schliesslich erreichen wir unseren Ausgangsort nach ca. 20 Minuten wieder.

Botanischer Garten

Mich interessiert noch der Botanische Garten, während die Mädchen lieber die Gänse, Fische und Herons am und im Wasser beobachten. Da die Sonne schon tief steht, beeilen wir uns. Der sogenannte Botanische Garten ist jedoch eine ziemliche Entäuschung. Auch wenn hier viele Pflanzen der Region wachsen, gibt es keinerlei Erklärungen zu den Pflanzen und selbst die Namensschilder fehlen häufig.

Baum im Botanischen Garten in Al Baleed . zeigt einen kleinen gedrungenen Baum, dessen Äste teilweise grosse, gelb umrandete grüne Blätter hat.
Baum im Botanischen Garten
Bild Interessante Blüte im Botonischen Garten Al Baleed zeigt eine weisse aufgeplatzte Blüte aus der jede Menge Staubgefässe herausquellen. Blätter ähneln denen einer Kamelie.
Interessante Blüte im Botonischen Garten

Also kehren wir bald wieder um und warten den Sonnenuntergang am Kanal ab.

Bild Abendstimmung im Al Baleed Archäologiepark zeigt die Kanäle und Palmen im Abendlicht.
Abendstimmung
Bild Abendstimmung zeigt eine Brücke mit Krähe nach Sonnenuntergang im letzten Licht des Tages. Die Laternen leuchten schon.
Abendstimmung
Bild Blick von der Brücke auf Eingang, Museum und Visitor Center im Al Baleed Archäologiepark zeigt die sich weiss abhebenden Gebäude in grüner Umgebung im letzten Licht des Tages.
Blick von der Brücke auf Eingang, Museum und Visitor Center

Eigentlich wollten wir nun noch einmal in Ruhe durch die Anlage laufen, aber dazu fehlt uns die Kraft. Ausserdem macht sich der kleine Hunger deutlich bemerkbar.

Deshalb fahren wir in die Innenstadt von Salalah zu einem im Reiseführer empfohlenen indischen Restaurant. Jetzt in der Dunkelheit erwacht die Stadt überraschend zum Leben. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Das «The Cascade» befindet sich direkt neben der Freitags-Moschee. Sofern man nicht die Einfahrt verpasst, könnte man gut direkt vor dem Restaurant parken. Im Inneren ist es recht gemütlich. Inder und Libanesen sitzen wie wir im Restaurant. Für die Omanis gibt es Séparées, kleine private Räume, in denen die Schleier abgelegt werden können. Das Essen schmeckt lecker.

Grosse Freitagsmoschee in Salalah
Grosse Freitagsmoschee in Salalah

Übernachtet haben wir im Kairaba Mirbat Resort. Weitere Unterkünfte in der Region findet ihr für Salalah und Mirbat.

Alle Beiträge zu dieser Oman-Reise findet ihr nachstehend in der Reihenfolge der Reise:


Die Reise- und Besichtigungstipps für den Oman findet ihr unter:

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