Cabo Espichel und Lagoa de Albufeira – raue Klippen und stille Lagune
Am windgepeitschten Cabo Espichel formt der Atlantik seit Jahrtausenden eine Landschaft von wilder Schönheit. Hohe Klippen fallen steil ins Meer, die Vegetation duckt sich flach unter den Böen, und Wolken ziehen im raschen Wechsel über den Himmel. Über allem wacht der Leuchtturm, dessen Licht weit hinaus auf den Atlantik reicht. Gleich daneben erzählt die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Cabo Espichel von tief verwurzeltem Glauben und alten Legenden. Nur wenige Kilometer landeinwärts liegt die Lagoa de Albufeira, deren weite Sandstrände einen starken Kontrast zur rauen Küste bilden.
Lass dich zu einem perfekten Tagesausflug ab Lissabon inspirieren und mache dir dein eigenes Bild von dieser einzigartigen Küstenlandschaft. Auch die Küste südlich des Cabo Espichel bietet viele Highlights. Davon kannst du dich im Beitrag «Auf kleinen Strassen von Lissabon an die Algarve» überzeugen.
Anreise zum Cabo Espichel
Das Cabo Espichel liegt rund 40 Kilometer südwestlich von Lissabon und etwa 16 Kilometer westlich von Sesimbra auf der Setúbal-Halbinsel. Wer diesen abgeschiedenen Ort besuchen möchte, braucht ein Fahrzeug, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es von Lissabon eine kleine Weltreise. Busse fahren von Lissabon beispielsweise ab Sete Rios (Estação) nach Sesimbra. Von dort fährt dann ein weiterer Bus zum Cabo Espichel. Mit einem Mietwagen ist man sehr viel schneller und flexibler unterwegs.
Wir starten unseren Ausflug an der Costa da Caparica, einem beliebten Küstenort südlich von Lissabon. Eine durchgehende Strasse entlang der Küste existiert nicht, da die Lagoa de Albufeira grossräumig umfahren werden muss. Nach der Autobahn folgen zahlreiche Kreisverkehre, bevor die Strecke vorbei an der kleinen Lagune Lagoa Pequena in eine abwechslungsreiche Landschaft übergeht.
Tipp: Die Lagoa Pequena ist ein kleines Vogelschutzgebiet mit Holzstegen und Beobachtungshäuschen, in dem sich Wasservögel beobachten lassen. Wer die Station besuchen möchte, sollte die Öffnungszeiten beachten: In der Hauptsaison (Mitte Juni bis Mitte September) ist sie mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr sowie von 14.00 bis 18.30 Uhr geöffnet, in der Nebensaison von 9.00 bis 13.00 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Die abwechslungsreiche Fahrt zum Cabo Espichel führt durch alte Pinienwälder. Hier wachsen mit grösseren Abständen voneinander grosse Schirm-Kiefern auf dem Sandboden. Es duftet würzig nach Harz. Auch Korkeichen, deren untere Stämme geschält sind, sieht man immer wieder. Kleine Dörfer mit zunehmend schlechteren Strassen säumen den Weg im weiteren Verlauf der Fahrt.

Je näher man dem Cabo Espichel kommt, desto karger wird die Landschaft. Die Vegetation bleibt niedrig, der Wind frischt auf. Schon von weitem ist das Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel sichtbar, dessen helle Mauern mit der Umgebung zu verschmelzen scheinen. Rechts neben der Strasse begleitet uns ein restauriertes Aquädukt, das einst die Wasserversorgung des Heiligtums sicherstellte. Doch bevor wir dort anhalten, führt uns die Strasse erst einmal weiter bis zum Farol de Cabo Espichel.

Unsere Empfehlung für Übernachtungen: Buchung über Booking.com* – grosse Auswahl und gute Storno-Optionen.
Der Link wird technisch über ein Partner-Tool bereitgestellt. Bei Buchung über unsere Links* erhalten wir eine kleine Provision – ein Dank für unsere Arbeit.
Rund um das Kap Espichel
Der Leuchtturm am Cabo Espichel
Kaum steigen wir aus dem Auto, empfängt uns ein kräftiger Wind, der an unserer Kleidung zerrt. Über den Klippen jagen tiefhängende Wolken und schaffen eine mystische Atmosphäre. Die steilen Klippen, die niedrige Vegetation, das Wetter, alles erinnert uns an Schottland. Kein Wunder, dass das Cabo Espichel auch Hollywood in seinen Bann gezogen hat. Hier entstanden Szenen für Isabel Allendes «Geisterhaus». Auch andere Filme wie «Lisbon Story» und «The Invisible Circus» haben die wildromantische Landschaft auf die Leinwand gebracht.

Der Farol do Cabo Espichel wurde 1790 erbaut und zählt zu den ältesten Leuchttürmen Portugals. Sein Licht reicht fast 50 Kilometer weit über den Atlantik und bildet das südliche Gegenstück zum Leuchtturm am Cabo da Roca nördlich von Lissabon. Der weisse, längliche Bau mit roten Dächern hebt sich deutlich von der kargen Umgebung ab.

Der Wind pfeift unablässig um das Gebäude. Die Klippen rund um den Farol de Cabo Espichel fallen steil ab und bestehen aus bröckeligen Sedimentgesteinen, die durch Wind und Wasser fortwährend erodieren. Im Gegensatz zu den Klippen am Heiligtum Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel ist hier das Gelände nicht gesichert.

Im diffusen Licht tauchen im Nebel links vom Farol de Cabo Espichel Ruinen auf, die dem Ort eine geheimnisvolle Atmosphäre verleihen. Wir laufen zwar in ihre Richtung, gehen aber nicht rein. Schade, denn später finde ich tolle Aufnahmen aus dem Inneren der Ruinen. Falls du dich für «Lost Places» interessierst, schau unbedingt hinein.

Rechts des Leuchtturms siehst du das Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel auf der hohen Klippe thronen und erkennst die geologische Schichtung der Küste. Die Lichtverhältnisse ändern sich mit jeder vorbeiziehenden Wolke. Als die Sonne plötzlich scheint, verfliegt der Zauber und wir begeben uns zum Kloster.

Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Cabo Espichel
Als wir uns vom Leuchtturm auf den Weg zum Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel machen, hat sich die Stimmung völlig verändert. Die Sonne steht hoch, die Wolken haben sich verzogen, und das Licht legt sich hart auf die hellen Mauern des Heiligtums. Da die Kirche über Mittag geschlossen ist, wirkt das menschenleere Gebäudeensemble fast wie eine Filmkulisse.

Die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Cabo Espichel entstand im 18. Jahrhundert, nachdem hier im Jahr 1410 die Jungfrau Maria erschienen sein soll. An jener Stelle steht heute die kleine Kapelle Ermida da Memória, deren weiss verputzter Bau mit seinem geschwungenen Dach orientalisch anmutet. Die eigentliche Kirche wurde unter König Peter II. erbaut. Sie beeindruckt mit einem kunstvollen Hochaltar und illusionistischen Malereien, die im Inneren eine unerwartete Tiefe schaffen.

Fotografieren ist in der Kirche streng verboten. Eine ältere Dame achtet darauf, dass niemand auch nur ein Mobiltelefon in der Hand hält. So bleibt nur der Blick auf die Fassade, die von zwei Türmen flankiert wird. Rechts und links der Kirche reihen sich die früheren Pilgerunterkünfte an, deren lange Arkaden den Platz fassen. Viele Gebäude sind verfallen, doch erste Restaurierungsarbeiten beginnen. Das Wasserreservoir und das alte Aquädukt wurden bereits instand gesetzt.

Dino Spuren am Cabo Espichel
Da wir recht spontan zu unserem Roadtrip durch Portugal aufgebrochen sind, werden wir vom Hinweisschild zu den Dinosaurierspuren an der Strasse kurz vor dem Heiligtum am Cabo Espichel überrascht. Und da diese Reise unter dem Motto zufällig entdecken steht, beschliessen wir, dem Hinweisschild zu folgen, ohne zu wissen, wohin es uns führt.
Der Wegweiser zeigt nur die Richtung an. So folgen wir dem leicht abwärts führenden Weg ohne Entfernungs- oder Zeitangaben. Immer wieder taucht mal ein Wegweiser auf, der uns bestätigt, dass wir noch richtig sind. Nach etwa 25 Minuten erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Blick auf die Felsen unterhalb des Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel.
Hier sollen sich die berühmten Dinosaurierspuren befinden. Auf dem Hinweisschild sind die Stellen markiert, doch selbst mit viel Fantasie lassen sich die Kratzspuren im Fels kaum erkennen. Vielleicht hätten wir mehr gesehen, wenn wir weitergegangen wären. Einer Legende nach sollen auch noch Spuren vom Maultier der Jungfrau Maria, das sie einst zur Kapelle getragen hat, zu sehen sein.
Wir kehren an den enttäuschenden Dinospuren um. In der Hitze ist der Weg bergauf kein Vergnügen. Ob man den Spuren der Dinosaurier folgt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir haben uns ein kühlendes Bad im Atlantik bei der Lagoa de Albufeira jetzt mehr als verdient.


Die Lagoa de Albufeira
Gedacht, getan. Zurück beim Mietwagen schalten wir die Klimaanlage an und steuern auf die Lagoa de Albufeira zu, die zur Costa Azul gehört. Schon unterwegs spürt man den Wandel: Statt wilder Küste bestimmen Ferienhäuser, gepflegte Gärten und kleine Pensionen das Bild, je näher wir der Lagune kommen. Die Strassen sind besser ausgebaut, und alles wirkt geordneter.
Von oben bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Lagune. Zwischen dem offenen Meer und der Lagoa de Albufeira liegt ein breiter Streifen aus hellem Sand, der die beiden Gewässer trennt. Etwa dreihundert Meter trennen die Lagune vom rauen Atlantik, so dass die Lagune gerade kein Frischwasser bekommt. Während der Winterstürme ändert sich das Gesicht der Lagune, dann gibt es auch manchmal eine Verbindung mit dem Atlantik. Auf dem grossen Parkplatz endet die Strasse, das Meer bleibt hinter der Sandbarriere verborgen.

Fasziniert laufen wir mit unseren Badesachen zuerst zur Lagune. Im flachen Wasser der Lagune spazieren Einheimische, kleine Kinder spielen am Rand. Wir legen uns etwas abseits an den windgeschützten Strand. Allerdings empfinden wir die Lagune mit dem schlammigen Untergrund, den toten Quallen und dem Fäulnisgeruch nicht angenehm.
So wechseln wir den Standort und besuchen lieber den Atlantik. Es geht kurz flach ins Meer hinein, aber dann wird es schnell sehr tief. Das Wasser ist eiskalt, aber zum Schwimmen ist es hier sowieso weniger geeignet, dafür macht das Wellenspringen in den hohen Wellen Spass.
So fühlt sich Urlaub an. Den E-Reader in der Hand, die Sonne auf der Haut, die noch ordentlich brennt, obwohl es schon später Nachmittag ist. Die Lagoa de Albufeira ist kein Geheimtipp, wie der grosse Parkplatz zeigt, aber in der Vorsaison ein schönes Ziel zum Abschluss eines spannenden Tages, der mit Schottland Feeling am Cabo Espichel anfing.
Praktische Tipps & Fazit
Wer länger in Albufeira bleiben möchte, findet rund um die Lagoa de Albufeira mehrere Restaurants und kleine Cafés. Nach einem langen Tag zieht es uns jedoch näher zu unserer Unterkunft an der Costa da Caparica, bevor wir uns ein Restaurant für das Abendessen suchen.
Die Costa da Caparica ist sowohl der Name des Küstenortes als auch die Bezeichnung für den langen Küstenabschnitt südlich von Lissabon. Entlang der Promenade des Ortes reihen sich moderne Appartementhäuser, Geschäfte und Hotels wie die Perlen einer Kette aneinander. Im Juni ist es kein Problem, einen Parkplatz zu finden. Sowohl am Ende der Avenida do 1.º de Maio, wo sich auch das Tourist-Office befindet, als auch entlang der Avenida Gen. Humberto Delgado stehen zahlreiche Parkplätze zur Verfügung.
Wir spazieren am Abend durch die Fussgängerzone und lassen uns von den Speisekarten der Restaurants leiten. Da es kühl wird, kaufen wir uns noch eine wärmende Jacke, was nicht ganz einfach ist, da alle Geschäfte auf Sommer eingestellt sind.

Damit endet für uns ein weiterer Tag voller Kontraste. Das Cabo Espichel und die Lagoa de Albufeira zeigen, wie vielfältig die Landschaften rund um Lissabon sind.
Wer mehr Zeit in der Region hat, kann auch Sintra besuchen oder einen Abstecher nach Mafra mit seinem beeindruckenden Klosterpalast unternehmen. Auch ein Spaziergang durch die Altstadt von Obidos oder ein Ausflug zu den Berlengas-Inseln lohnt sich, um weitere Facetten Mittelportugals kennenzulernen.
Geheimtipp: Nur eine Stunde von Lissabon entfernt liegt der Naturpark Serras de Aire e Candeeiros – eine Landschaft mit Karstformationen, unterirdischen Höhlen, Salinen und eindrucksvoll erhaltenen Dinosaurierspuren.
